Ein Pontifikat, das an Schattenseiten bereits viel zu reich ist?
Papst Benedikt XVI. hat während seines dreijährigen Pontifikats schon viel zu viele Fehltritte gemacht – meint eine kirchenfeindliche Truppe: Auch die Verweise auf das Zweite Vatikanum seien „im allgemeinen rituell erstarrt und manchmal tendenziös“.

Die Stellungnahme der Alt-68er wurde passend zum gestrigen Geburtstag des Heiligen Vaters veröffentlicht.
Darin beklagt sich die Bewegung, daß Benedikt XVI. die Säkularisierung der Welt nur negativ wahrnehme. Die kirchenfeindliche Vereinigung sieht darin einen angeblichen Widerspruch zum Zweiten Vatikanischen Konzil, dessen Botschaft es sei, daß die Gläubigen von der Welt auch lernen könnten. Der Säkularismus könne den Glauben „läutern“ – erklärt der Verein, ohne dafür Beispiele zu geben.
Weiter stellen die die Alt-68er ein „striktes Zusammenwirken zwischen der theologischen Orientierung Benedikts XVI. und dem kirchlichen Lehramt“ fest. Dieses habe angeblich zu einer „Verhärtung“ der kirchlichen Doktrin und zu einer Neubetonung der „immer stärker“ hierarchisch und „autoritär“ ausgerichteten Struktur der Kirche geführt.
Für die Behauptung werden auch „Beweise“ genannt.
Als erster Beweis wird die „Berufung ‘konservativer’ Bischöfe“ angeführt. Diese würden anscheinend die „wichtigsten Ämter in der römischen Kurie“ bekleiden. Wieder fehlen handfeste Beispiele.
Als zweiter Beweis dient die Wiedereinführung der Alten Messe „mit der zu spät und unglücklich vorgenommenen Korrektur des Gebets für die Juden bei der Karfreitagsfürbitte“.
In einem dritten Punkt wird die Wiederaufnahme der „Strafverfolgung“ von Theologen behauptet. Namentlich wird der notorische Befreiungstheologe Jon Sobrino genannt.
Neben der Klage über ein angebliches moslemfeindliches Verhalten des Papstes und einem wiederholten Festhalten an den Überzeugungen der vatikanischen Erklärung ‘Dominus Jesus’ kommt die sexuelle Fixiertheit der Vereinigung als Hauptanliegen zur Sprache.
Sie kritisiert ein angeblich „schleppendes Angehen großer und immer dringender werdender Probleme wie zum Beispiel die Rolle des Bischofs von Rom und des Bischofskollegiums, die Ämterfrage, die Rolle der Frau in der Kirche, die Sexual- und Familienethik“.
Der Gruppierung sind auch die Verweise des Papstes auf „das Konzil“ nicht willkommen. Diese würden „im allgemeinen rituell erstarrt und manchmal tendenziös“ ausfallen. Der Heilige Vater weigere sich außerdem, einen – bisher nicht näher bekanntgewordenen – „Erneuerungsweg im »Geiste« des Konzils fortzusetzen“.
‘Wir sind Kirche’ sieht ein weiteres Problem darin, daß der Papst den „impliziten Willen“ habe, „ eine christliche Kirche wiederzuerrichten“.
Außerdem sei Benedikt XVI. zu stark auf den Westen orientiert: Die befreiungstheologisch inspirierte „Option für die Armen wird auf eine Nebensache reduziert“, klagt die Organisation, ohne zu erwähnen, daß die Stammlande der Befreiungstheologie heute den Sekten in die Arme fallen.
Auch die Ökumene sei „durch die übertriebene Betonung der Zentralität der römischen Kirche“ auf einen „Tiefpunkt“ gelangt, heißt es in der Pressemitteilung. Diese Behauptung wird jedoch durch die Feststellung, den orthodoxen Kirchen würden die Türen geöffnet, zwei Sätze später wieder relativiert.
Ökumene im Sinn von „Wir sind Kirche“ wird offensichtlich einseitig als Ökumene mit den toten protestantischen Gemeinschaften verstanden, während Ökumene mit den Orthodoxen abgelehnt wird – „denn diese ergreifen wie Rom Partei gegen den Modernismus“.
Gegen Ende der Pressemeldung befürchtet die Vereinigung, daß „Ratzinger – in Verkennung des Zweite Vatikanums – gewissermaßen den Weg einer »Gegenreform« eingeschlagen“ habe.
Trotz dreiseitiger Jammerei gibt die Gruppierung die Hoffnung nicht auf: „Wir wünschen uns sehr, daß dieses an Schattenseiten noch viel zu reiche Pontifikat einen Wendepunkt erreicht.“
Seit jeher sei es das Anliegen der kirchenfeindlichen Gruppierung, daß der Bischof von Rom durch seinen Verzicht auf historische Vorrechte zum „glaubhaften Zeugen“ des Evangeliums werden könne.
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Donnerstag, 24. April 2008 08:34
Dr. Otterbeck: Ja, Benedikt!
Auch für Papst und Vatikan ist die „alte Messe“ kein zentrales Thema. Sie wurde nicht einmal im Jahresrückblick 2007 vor der Kurie erwähnt. Nur bestimmte Literaten jubelten die „Freigabe“ vom 7.7.07 zur Kulturrevolution hoch. Gott sei Dank ist sie das nicht, weder im Sinne von Mao noch im Sinne von Charles X. Dabei ging es doch nur darum, eine nach den Wertungen des Konzils (!) kaum noch zu rechtfertigende ‘Repression mit Erlaubnisvorbehalt’ durch eine ‘Erlaubnis mit Repressionsvorbehalt’ zu ersetzen; mit Seitenblick auf Orthodoxie und China mutmaßlich perspktivisch sogar wichtiger als mit Blick auf Ecône…
Freitag, 18. April 2008 20:02
Benedikt: @ Peter-Pan
Man kann seinen Gegenüber nicht für die eigene verengte Sichtweise verantwortlich machen. Soll heißen: Wer meint, dass sich Papst und Vatikan nur um die alte Messe kümmern, der befindet sich in einem selbstverschuldeten Irrtum.
Freitag, 18. April 2008 19:37
Peter-Pan: @Benedikt
Was wären denn diese wichtigen Werte?
Nun, im Augenblick könnte man den Eindruck gewinnen, dass es in erster Linie darauf ankommt, ob der Priester der Gemeinde das Gesicht oder den Rücken zuwendet – oder ob er dabei in einer lebendigen oder einer toten Sprache spricht…
Ich bin kein Katholik und mir fehlt hier vielleicht etwas der Bezug, aber das kommt mir langsam albern vor.
Nun, im Augenblick könnte man den Eindruck gewinnen, dass es in erster Linie darauf ankommt, ob der Priester der Gemeinde das Gesicht oder den Rücken zuwendet – oder ob er dabei in einer lebendigen oder einer toten Sprache spricht…
Ich bin kein Katholik und mir fehlt hier vielleicht etwas der Bezug, aber das kommt mir langsam albern vor.
Freitag, 18. April 2008 19:32
Benedikt: @ sexychrist
Sie ist lediglich realistisch und kirchenförderlich, da sie anregen möchte, die Kirche moderner zu machen
und auf wichtige Werte zu besinnen, anstelle Kleinigkeiten hochzuhalten.
Was wären denn diese wichtigen Werte?
Was wären denn diese wichtigen Werte?
Freitag, 18. April 2008 11:33
Dani California: Sozialkatholisch + Monti
Ich stimme Euch voll und ganz zu
Freitag, 18. April 2008 10:57
Sozialkatholisch: @ Monti
Dem schließe ich mich an, Papst Benedikt ist nicht nur der beste den wir haben, sondern auch das beste
was uns passieren konnte.
Möge Gott uns ihn noch viele Jahre bei bester Gesundheit erhalten, seine Feinden die Giftzähne ziehen und auch ihnen eine wahre Bekehrung schenken.
Möge Gott uns ihn noch viele Jahre bei bester Gesundheit erhalten, seine Feinden die Giftzähne ziehen und auch ihnen eine wahre Bekehrung schenken.
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