Plant der Heilige Vater, in der Öffentlichkeit eine Alte Messe zu lesen?
Wieviel Mitschuld hat das Erste Vatikanische Konzil an der Liturgiereform nach dem Zweiten Vatikanum. Und: Wäre es angebracht, das Fest der Heiligen Johanna von Orleans in Rot zu zelebrieren? Fragen, die Martin Mosebach dem Papst stellen würde.
Martin Mosebach im Vatican Magazin.
(kreuz.net, Vatikan) Die bekannte Monatszeitschrift ‘Vatican Magazin’ fragt in jeder Ausgabe eine mehr
oder weniger bekannte Person, was sie schon immer vom Papst wissen wollte. Die Artikelreihe läuft unter
dem Titel „Zehn Fragen, die ich Benedikt XVI. immer schon einmal stellen wollte…“.
Die zehn Fragen
in der April-Ausgabe stammen vom deutschen Schriftsteller Martin Mosebach, der sich schon seit Jahren
für die Alte Messe einsetzt.
Mosebach würde den Papst zuerst fragen, ob man den überzogenen Papalismus
nach dem Ersten Vatikanum nicht als eine Ursache für die Meßreform von Papst Paul VI. begreifen könnte.
Johanna von Orleans. Darstellung des französischen Klassizisten Jean Auguste Dominique Ingres († 1867)
Zweitens stellt er die Frage, warum das Fest der Heiligen Johanna von Orleans († 1431) nicht im Rot der
Märtyrer gefeiert werden darf: „Weil es katholische Bischöfe waren, die sie zum Martyrium verurteilt
haben?“
Als nächstes widmet sich Mosebach den „immer gründlicher scheiternden“ Versuchen der westlichen
Kunst, ein für die Liturgie taugliches Bild Christi zu schaffen. Er fragt, ob man nicht zu einem verbindlichen
Christusbild – etwa dem Turiner Grabtuch oder der Christusikone des Katharinenklosters auf der Halbinsel
Sinai – zurückkehren sollte.
Die vierte Frage Mosebachs brennt vielen Altgläubigen auf der Seele: „Hat
der Heilige Vater vor, in der Öffentlichkeit einmal eine Heilige Messe im Außerordentlichen Ritus zu
feiern?“ Mosebach
Mosebach hört von Bischöfen,
sie würden durchaus einmal eine Heilige Messe im Alten
Ritus zelebrieren, wenn erst der Papst eine solche Heilige Messe gefeiert habe.
erklärt, daß mehrere
Bischöfe nach eigener Aussage bereit wären, einem solchen Beispiel des Papstes zu folgen.
Die nächste
Frage beschäftigt sich mit dem Jesusbuch des Papstes. Dort bezeichnet Benedikt XVI. das christliche Kaisertum
als satanische Versuchung. Mosebach fragt, ob man das Kaisertum römischer und byzantinischer Prägung –
angesichts des unerschöpflichen Reichtums der von ihm hervorgebrachten christlichen Kultur nicht mindestens
als „felix culpa“ – glückselige Schuld – sehen müßte.
Sechstens fragt Mosebach, ob man das vorchristliche
Heidentum nicht ganz ausdrücklich als ein zweites Altes Testamtent begreifen müßte.
In seiner siebten
Frage widmet sich Mosebach dem interreligiösen Dialog. Er fragt, ob es dessen Ziel sein könne, das Kreuz
den Juden etwas weniger ärgerlich und den Heiden etwas weniger töricht erscheinen zu lassen.
Sein Gegenvorschlag:
Die Torheit und das Ärgernis des Kreuzes durch den Dialog noch sichtbarer werden lassen.
April Ausgabe des Vatikan-Magazins
In seiner achten
Frage behandelt Mosebach die Abschaffung des päpstlichen Titels „Patriarch des Westens“ durch Papst Benedikt
im Juni 2006. Die orthodoxe Gemeinschaft betrachtete den Schritt als Aufhebung einer angeblichen Selbstbeschränkung
des Papstes gegenüber der Orthodoxie: „War diese Wirkung intendiert?“
Neuntens fragt Mosebach, ob die
theologische Verschwisterung von Glaube und Vernunft im Christentum als eine Religion der unauflösbaren
Paradoxien betrachtet werden könnte.
In der zehnten und letzten Frage Mosebachs geht es um das Gebet:
„Könnte der Heilige Vater nicht ein für den Westen neues Gebet, das orthodoxe Monologion, den orthodoxen
Rosenkranz, stiften?“
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28 Lesermeinungen
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#28 Chrysostomos 15:39:22 | Samstag, 19. April 2008
10 Fragen an den Papst Es stimmt, beim ersten Lesen der Fragen gewinnt man tatsächlich den Eindruck,
ob es nicht wichtigere Probleme in der Kirche gäbe. Aber bei mehrmaligem Durchlesen und Durchdenken,
merkt man durchaus, dass hier mit Überlegung sehr kluge Fragen über wirklich wichtige Problemkreise
gestellt wurden. Was z.B. für den Westen ein durchaus nebensächliches Thema ist, bedeutet für die Orthodoxie
und die Ökumene sehr viel, nämlich der Titel „Patriarch des Abendlandes“. Dem Schreiber, „sexy…“ kann
ich nur entgegenhalten, was der legendäre österreichische Bundeskanzler Dr. Kreisky (übrigens ein Sozialist!)
einem Journalisten zugerufen hat: „Herr Redakteur, lernen Sie zuerst einmal Geschichte!“
Die Antwort… …auf Frage 8 würde mich allerdings auch interessieren. @ Fabianus Hundertprozentig kann
ich Ihre Frage nicht beantworten, aber: Die Mitra wird nicht abgesetzt, wenn sie gleich danach wieder
aufgesetzt werden müsste. Vor dem Altarkuss am Schluss war der Segen, dabei trägt der Papst (jeder Bischof)
die Mitra. Gleich danach ist der Auszug, auch hierbei wird die Mitra getragen. Das dauernde Auf- und Absetzen
wollte man bei der Vereinfachung der Pontifikalriten vermeiden.
Jeanne d’Arc Die Frage, warum das Fest der hl. Jeanne d’Arc (Johanna von Orleans) nicht mit der liturgischen
Farbe Rot gefeiert wird, läßt sich leicht beantworten (und Herr Mosebach müßte das bei seiner Bildung
wissen): Jeanne d’Arc starb nicht Märtyrin für den katholischen Glauben, sondern als französische Nationalheldin.
Ihr kirchlicher Status ist „Jungfrau und Bekennerin“.
Sicherlich ist die Vergangenheit wichtig… …kein Zweifel! Aber man sollte sich doch zunächst den Problemen
der Gegenwart widmen. Bisher kam man ohne die Antworten auf besagte Fragen auch herzlich gut aus!
@Sexychrist Die Kirche muss sich natürlich um die Gegenwart kümmern und diese kritisch beleuchten. Keine
Frage! Allerdings ist die Vergangenheit für die Kirche auch normativ. Denken Sie etwa an die Hl. Schrift,
Konzilsentscheidungen, Kirchenväter etc. Das sind alles Größen der vergangenheit, die ihre Bedeutung
für die unmittelbare Gegenwart haben. Denn die kath. Kirche ist ohne ihre Vergangenheit nicht zu denken.
Das mag eine komische Vorstellung für Sie sein, ist aber in vielen Bereichen außerhalb der Kirche ähnlich.
Dass hier auf Kreuznet auf Wissenschaftler etc, geschimpft wird, sollte man nicht immer ernst nehmen.
Wenn Sie sich für den kath. Glauben interessieren, lesen Sie zB. den Weltkatechismus. Da finden Sie alles
wichtige. Und nehmen Sie Kreuz-net und die komischen Lesermeinungen nicht ernst.
Die Kirche sollte sich viel weniger um die Vergangenheit… …denn um die Gegenwart kümmern. Übrigens
wird hier ziemlich oft auf Wissenschaftlern, Historikern und Theologen herumgeschimpft, an anderer Stelle
werden diese dann aber wiederum zum non-plus-ultra in Glaubensfragen erhoben.
@Sexychrist Das ist Ihre Position und Ihre Sichtweise. Vergessen Sie dabei bitte nicht, dass Sie ja nicht
„vom Fach“ sind, Sie sind nicht Theologe, Kirchenrechtler, Historiker, Philologe o. ä. und vermutlich
an diesen Wissensgebieten nicht sonderlich interessiert. Die Frage zB., ob man die antik-pagane Kultur
als „zweites“ Altes Testament ansehen könnte, ist recht provokant und voraussetzungsreich. Auch die Frage,
ob es sinnvoll ist, gerade im Hinblick auf die Orthodoxie den Titel eines Patriarchen des Westens aufzugeben,
ist doch recht interessant. Denn dieser Titel ist dort völlig unumstritten und wird anerkannt. Beschäftigen
Sie sich einfach mal mit Kirchengeschichte, und Sie werden sehen, wie sich für Sie neue Zusammenhänge
auftun werden.
Liturgischer Genius Mosebach Alle Fragen schneiden, jede für sich, tiefgehende Themenkomplexe an. Frage
7 wird uns zur Zeit noch sehr beschäftigen müssen. Alles in allem eine brilliante Vorstellung des Büchner-Preis-Trägers,
von dem nicht wenige behaupten, er sei der Thomas Mann des 21. Jahrhunderts. (Wenn er dies persönlich
wahrscheinlich sogar noch als Beleidigung auffassen würde.) Übrigens: Das geistige Teppickantenniveau
der intellektuellen Flitzpiepen hier sollte uns nicht weiter stören!
@Sexychrist Ich finde es positiv, dass Sie sich als sehr junger Mensch für kirchlich-religiöse Themen
interessieren. Die Fragen, die Martin Mosebach gestellt hat, sind allerdings schon recht intelligent und
interessant. Sorry, aber Ihre Antworten zeugen von einer gewissen Ignoranz und Arroganz. Da Sie erst 17
sind, kann man das natürlich entschuldigen. Allerdings sollten Sie sich darüber im klaren sein, dass
es auch andere Fragen und Probleme gibt, als die, die Ihnen begegnen. Ich denke, wenn Sie etwas älter
sind, wird Ihnen das bewußt werden. Denn im Moment fehlt Ihnen noch das theologische und historische
Wissen, um die Fragen von Mosebach angemessen würdigen zu können. Aber trösten Sie sich, da sind Sie
bei weitem nicht die einzige Person hier bei Kreuznet, auf die dieser Mangel zutrifft.
Liturgische Militanz? Herr Dr. Otterbeck, was verstehen Sie bzw. die Kölner Kirchenzeitung unter „liturgischer
Militanz“? Was ist mit diesem Begriff gemeint? Wer ist militant?
#13 Tridentinus 15:19:13 | Freitag, 18. April 2008
Gotthart Ich antworte Ihnen nicht oft. Aber Ihre jetzige Äusserung veranlasst mich doch dazu: Ganz unabhängig
von der Frage, ob der Papst hier etwas stiften sollte oder muss – für einen Katholiken sind Sie in jedem
Fall so autonom in Ihrer Glaubenspraxis, dass Sie damit bald allein sind. Falls Sie dieses Alleinsein
biologisch noch erleben!
Antworten 1. keine Ahnung, eine Diskussion darüber ist einfach zu dämlich 2. Die konservativen Teile
der Kirche hatten schon immer was gegen starke Frauen. 3. „Du sollst dir kein Bild machen“ – es ist doch
scheißegal wie Jesus aussieht! Es gibt kein existierendes „richtiges“ Bild von ihm. Richtig aber ist:
Jesus war kein Weißer 4. Hoffentlich nicht, das würde endgültig die Menschen von der Kirche abschrecken.
Andererseits könnte dann der nächste Schritt die Wiedereinführung der Inquisition sein! 5. Das einzig
schlimme am christlichen Kaisertum war der Anspruch der Kirche die einzig wahre Religion zu sein! 6. Die
Antwort hierauf ist natürlich vollkommen weltentscheidend *wen juckt das?* 7. Das Ziel des interreligiösen
Dialogs ist es, ein friedliches ungestörtes Miteinander der Religionen praktizieren zu können. Heiden
gibt es übrigens nicht! 8. Der Titel stammt aus grauer Vorzeit und war einfach überflüssig. Als Pontifex
Maximus ist der Papst nicht nur Patriarch des Westens. 9. Nein, das wäre einfach der einzig sinnvolle
Schritt, damit auch wieder mehr Menschen den Sinn des Glaubens verstehen könnten. 10. Was soll das bitte
verändern. Ich bete wie mir der Kopf steht und nicht das, was der Papst mir vorschreibt!
@Dr. Otterbeck Ich weiß aus persönlicher Anschauung, dass und wie Mosebach betet und hilft. Sie müssen
hier keine – scheinheilig in rhetorische Fragen verpackte- „Gegenangriffe“ auf Mosebach starten, weil
Mosebach niemanden, jedenfalls nicht den Papst, angegriffen hat. Wenn Sie ihn nicht verstehen, schweigen
Sie.
#10 Dr. Otterbeck 14:48:06 | Freitag, 18. April 2008
„Betet Mosebach?“ Beichtet er? Hilft er in Not? Das sind einige Fragen, die man ihm stellen könnte. Aber
immerhin: Die liturgische Militanz geht dem Ende zu (vgl. Kirchenzeitung Köln von heute, S. 42 f.).
Ich habe mal eine Frage. Zu Beginn der Messe wird dem heiligen Vater oft die Mitra abgenommen, bevor er
zum Altarkuss schreitet. Am Ende küsst er ihn mit Mitra. Gibt es diebezüglich eine liturgische Regelung
oder wird es unterschiedlich gehandhabt? Danke den Antwortenden!! Fabianus
„Religion der unauflösbaren Paradoxien“ So paradox ist das Christentum doch gar nicht. Es ist – und das
ist es scheinbar gerne und muss es wohl auch sein – nur eine Herausforderung für die menschliche Vernunft –
aber keine uneinnehmbare, unauflösliche Paradoxie.
Stiftung „Könnte der Heilige Vater nicht ein für den Westen neues Gebet, das orthodoxe Monologion, den
orthodoxen Rosenkranz, stiften?“ was soll denn dieser Quatsch? Ich kann doch beten, wie und was ich will –
eine päpstliche Stiftung braucht dazu niemand. Ich kann auch Rosenkranz auf tausend Weisen beten – brauch
dazu keinen Papst.
Dieser Schreiberling ist ein Eindringling, ein Wolf im Schafpelz, der um der Einhaeit und Wahrheit des
Glaubens und der Disziplin der Kirche hinausbefördert gehört. Auf den Scheiterhaufen mit ihm!
@romulus Die Fragen sind brillant, jede einzelne verdiente vertiefte Diskussion. Ich würde mich nicht
einmal wundern, wenn der Heilige Vater selbst diese Fragen als besonders interessant betrachten würde –
auch scheinbare Nebensächlichkeiten wie die liturgische Farbe zum Fest der hl. Johanna von Orleans; alle
diese Fragen ziehen jeweils einen Rattenschwanz brisanter Konsequenzen nach sich. Lassen Sie einen großen
und umwerfend gebildeten Denker wie Mosebach erst mal auf sich wirken, bevor Sie sich mit derart oberflächlicher
Kritik lächerlich machen.
Unglaublich, welcher Käse gedruckt wird Die bekannte Monatszeitschrift ‘Vatican Magazin’ fragt in jeder
Ausgabe eine mehr oder weniger bekannte Person, was sie schon immer vom Papst wissen wollte. Die Artikelreihe
läuft unter dem Titel „Zehn Fragen, die ich Benedikt XVI. immer schon einmal stellen wollte…“. Fragen
und Antworten, die niemand braucht. Die Fragen sind echt peinlich. Warum muß es der Papst sein, der darauf
antworten soll? Ist er ein wandelndes Lexikon?