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Samstag, 19. April 2008 14:09
Der Zölibat ist Freiheit und Liebe oder er ist widerlicher Dreck
Mir geht das Messer in der Tasche auf, wenn ich sehe, wie kleine Jungs zum Priesteramt gedrückt, geschoben, hingeschwätzt und hingetätschelt werden. Von einem Ex-Priester für das ‘Vatican Magazine’.
Symbolfoto
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(kreuz.net) Unter den zehn bis zwanzig Prozent Priesterdarstellern sind es nicht nur die parasitären Homosexuellen- Netzwerke, die den Stand untergraben und ihn zum Letzten machen.

Es sind auch die schmierigen Gesellen, die ihre Finger nicht einmal in der Sakristei bei sich behalten können.

Es sind die Alkoholiker, die Internet-Junkies, die Vielfraße, die kaum überspielen können, daß sie für alles eine Berufung haben, bloß nicht für das Priesteramt.

Wo kommen sie bloß her, all diese unglücklichen, maskenhaften, verzweifelten Figuren, die der Gemeinde Christi das Evangelium der Freude verkündigen sollen? Irgend jemand hat sie wohl eingefangen und in die Kutte gesteckt.

Novemberausgabe des 'Vatican-Magazin'
Novemberausgabe des ‘Vatican-Magazin’
Aber aus dem Priesterkragen schaut kein frohes Gesicht, nicht selten freilich Geilheit und Überdruß. Ja, wo kommen sie her?

Ich habe meine Meinung dazu: Es ist nicht nur in St. Pölten der Wahnsinn gewesen, der sich da fortzeugte. Krumme Priestergestalten“machen“ krumme Priester. Immer und überall.

Aus dem Folgenden wird man sehen, warum mir keine Spezies Kleriker mehr Bauchgrimmen bereitet, als jene gut bekannten Ministrantenkönige und „Priestermacher“, die sich noch immer in der Kirche tummeln – virile Gesellen, die kleine Jungs keilen, als wäre das Priesteramt eine Art göttliche Burschenschaft, in die hinein es nur ausgesuchte dreadnoughts schaffen, niemals aber Weicheier.

Mir geht das Messer in der Tasche auf, wenn ich sehe, wie kleine Jungs zum Priesteramt gedrückt, geschoben, hingeschwätzt und hingetätschelt werden.

Ich halte das aus guten – sehr persönlich hinterfütterten – Gründen für ein Verbrechen. Dabei weiß ich sehr wohl, daß es Berufungen in jungen, ja jüngsten Jahren gibt, die man erkennen, fördern und unterstützen muß.

Therese von Lisieux vor Papst Leo XIII. ist das schönste Beispiel. Bloß gibt es keine via directa aus dem Domchor ins Domkapitel, so gerne es der Bischof und seine Haushälterin auch sähen. Der Weg vom Domchor ins Domkapitel, so er sich denn wirklich ereignet, geht einmal um die ganze Welt.

Er hat eine analoge Wahrscheinlichkeit wie der Weg aus dem Robinson-Club ins Kloster. Jede echte Berufung ist ein Staunen erregendes Wunder, das man begleiten, entdecken, aber niemals machen kann. Es gibt keinen Weg zum Priestertum als letzte persönliche Freiheit.

Der Zölibat ist Freiheit und Liebe oder er ist widerlicher Dreck, der die Menschen zerstört und obendrein die Kirche kaputtmacht.

Eine Priesterberufung ist eine Liebesgeschichte mit Gott, in der es wie in jeder echten Liebesgeschichte um alles oder nichts geht. Es ist wie beim Werben um eine schöne, kluge Frau, die dir zwei Dinge signalisiert:

1. Du kannst mich haben.
2. Es kostet Dich Dein Leben.

Das muß man wollen, muß es in letzter Freiheit wollen, weil man total hingerissen ist und nicht anders kann. Liebe ist immer ein radikales Sichverschenken.

Ein Priester muß leuchten und glühen vor Hingabe an Gott. Wenn das nicht in ihm ist, soll er/darf er/ kann er gar nicht erst anfangen. Wie konnten Kirchenstrategen auf die Idee verfallen, dieses Amt als Beruf zu verkaufen, mit tollen Aufstiegsmöglichkeiten, freilich einigen unschönen, aber marginalen Einstellungsbedingungen: keine Weiber, sonst aber alles?


Der Beitrag erschien ursprünglich im ‘Vatican Magazine’.

Nächstes Mal: Eines Tages gab mich meine Mutter an den Pforten des Pfarrhauses ab

© Titelbild: Christian Kitazume, CC
Der Artikel ist Teil der folgenden Reihe:
4. Der Zölibat ist Freiheit und Liebe oder er ist widerlicher Dreck
Alle Lesermeinungen anzeigen 6 von 21 Lesermeinungen:
Dienstag, 22. April 2008 13:07
Nachtlaterne: In ihrer Schlechtigkeit erheitern sie den König, in ihrer Falschheit seine Fürsten. Sie sind alle E…
In ihrer Schlechtigkeit erheitern sie den König, in ihrer Falschheit seine Fürsten. Sie sind alle Ehebrecher. Sie sind wie ein angeheizter Backofen, dessen Feuer der Bäcker nicht mehr schürt, wenn er den Teig knetet und ihn aufge-hen läßt. Am „Tag unseres Königs“ machen sie die Fürsten schwach mit der Glut des Weins, dessen Kraft die Wort-führer umwirft. Ja, hinterhältig nähern sie sich, mit einem Herzen, das wie ein Backofen glüht: Die ganze Nacht über schläft ihr Zorn, am Morgen aber entbrennt er wie ein loderndes Feuer. Sie alle glühen wie ein Backofen; sie fressen ihre Regenten. Alle ihre Könige stürzen, doch zu mir ruft keiner von ihnen. Hosea 7/3-7

Die Rotte der Priester liegt auf der Lauer wie eine Bande von Räubern Hosea 6/9

Der Prophet ist ein Narr, der Geistesmann ist verrückt. So große Anfeindung zeigt, wie groß deine Schuld ist.
Hosea 9/7

Sät als Saat Gerechtigkeit aus, so werdet ihr ernten, wie es (der göttlichen) Liebe entspricht. Nehmt Neuland unter den Pflug! Es ist Zeit, den Herrn zu suchen; dann wird er kommen und euch mit Heil überschütten. Ihr aber habt Schlechtigkeit eingepflügt; darum habt ihr Verbrechen geerntet und die Frucht der Lüge gegessen.
Hosea 10712-13
Als sie ihre Weide hatten, wurden sie satt. Als sie satt waren, wurde ihr Herz überheblich, darum vergaßen sie mich. Deshalb wurde ich für sie zu einem Löwen, wie ein Panther lauere ich am Weg. Ich falle sie an wie eine Bärin, der man die Jungen geraubt hat, und zerreiße ihnen die Brust und da…
Montag, 21. April 2008 13:29
Parmenas: Das was die hl. Schrift
über reale Geschehnisse berichtet, ist auch real geschehen.
Montag, 21. April 2008 11:59
engelhardt: Historie
ein unheiomliches übel ist das permanente anzweifeln der historioschen wirklichkeit der bibelgeschehnisse
Waer’s Dir lieber, man wuerde entgegen besseren Wissens die Unwahrheit verkuenden?.
Sonntag, 20. April 2008 10:20
scaremonger: Da hat der gute Mann recht
Guter Beitrag, mehr davon.
Samstag, 19. April 2008 22:07
Genoveva: Einer der großartigsten Texte, die ich in den letzten Monaten gelesen habe
z.B. auch dieser Abschnitt:

„Wir haben nicht zu wenige Priester, wir haben zu viele. Wahrscheinlich haben wir zu wenig Gläubige. Wir haben jedenfalls genau so viele echte Priester (und Ordensleute), wie wir echte Gläubige haben.

Das ist ein mystisches Gesetz in der Kirche. Gott lässt seine Kinder nicht alleine, niemals! Mit überreicher Hand sät er Berufungen über uns aus. Sie sind da, in ausreichender Menge. Er berührt die Herzen von Menschen, die auf einem ganz anderen Trip sind. Er zieht an sich. Er ruft.

Wir meinen bloß, wir müssten mehr Priester haben, weil wir an der Fiktion einer machtvollen Kirche festhalten, die es längst nicht mehr gibt. Es ist so viel Kirche in der Welt, so viel Kirche in den Herzen ist. Wir irren, wenn wir das, was die Kirche ist, zuerst an einer Jahrtausende alten Geschichte, an der Menge ihres Grundbesitzes, an den riesigen Bauten, an den Kristallisationen der Kunst, am mächtigen Kirchensteueraufkommen und den weit reichenden Verbindungen festmachen.

In Wahrheit sind wir ganz klein. Wir sind ein paar Leute, die sich für das Evangelium frikassieren lassen. Das genügt. Wir sind ganz und gar nicht ohne Hoffnung; im lebendigen Glauben an Gott ist man niemals ohne Hoffnung. Venceremos! Wir werden siegen!“
Samstag, 19. April 2008 20:41
Dr. Schlämmer: Audiatur et altera pars
Okay, Dr. Schlämmer ist hier teilweise einer Ente aufgesessen.

Der Verfasser hat in der Tat sehr vernünftige Gedanken:

„Ich habe ganz andere Gedanken: Ich glaube nicht, dass es sich die Kirche leisten kann, auf die Lebensform Jesu zu verzichten. Ich halte es für puren Unglauben zu behaupten, Jesu Einladung in die Ehelosigkeit um des Himmelreiches willen sei nur mal so eine Idee, deren reale Durchführbarkeit modernen Menschen praktisch, sexualtechnisch und überhaupt nicht zugemutet werden könne.

Ich hätte Angst vor einer Kirche, in der Funktionäre die Priester ersetzen, in der diplomierte Gottesspezialisten mit tariflicher Absicherung am Altar stehen, einer Kirche, deren zentrale Protagonisten nur noch auf Wissen und nicht mehr auf Hingabe abgecheckt wurden.[…]

Ich halte dafür, dass das eine vom anderen unterschieden werden kann. Obwohl ich eine sehr eigene Geschichte habe, ziehe ich heute – es war nicht immer so – den Hut vor Männern, die aus freien Stücken und Liebe zu Gott Priester werden.“

Vgl. den Link weiter unten.

Warum hat kreuz.net das alles weggelassen?

Not quite fair play I would say.
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