18:05:39 | Samstag, 26. April 2008
Auf den Einwand, daß man andere nicht überzeugen könne, wenn man selber nicht glaube, die Wahrheit zu sagen, glitt der Professor ins Seichte ab.
(kreuz.net) Es sei vielleicht kein Zufall, daß sich unter den deutschen Bischöfen niemand außer Kardinal
Lehmann als „profilierter Kopf“ herauskristallisiert habe.
Das erklärte Karl-Josef Kuschel (59) am 9.
März in einem Interview mit ‘Inforadio’.
‘Inforadio’ ist ein in Berlin und Brandenburg verbreiteter
öffentlich-rechtlicher Nachrichtensender mit Sitz in Berlin.
Kuschel war Assistent des ehemaligen Tübinger
Theologieprofessors Hw. Hans Küng und lehrt heute in Tübingen „Theologie der Kultur und des interreligiösen
Dialogs“.
Daneben ist Kuschel Vizepräsident der von Hw. Küng gegründeten Stiftung Weltethos.
Ich bin
davon überzeugt,
daß die gleichzeitige Präsenz des Gotteszeugnisses durch Juden und Muslimen mich als
Christ davor bewahren soll, mich einzukapseln, zu verabsolutieren in meinem Wahrheitsverständnis.
Seiner
Ansicht nach fehlt es bei den deutschen Bischöfen an prägenden, profilierten Köpfen, „die auch durchaus
konservativ sein können, die aber auf intellektuellem Niveau mit großer Ausstrahlung, mit großer innerer
Glaubwürdigkeit die Sache der Kirche vertreten können“ – so Kuschel in Interview.
Kirchenvertreter
wie Kardinal Joachim Meisner von Köln will er nicht als profilierten Kopf gelten lassen: „Das sind ja
Gestalten, welche die Öffentlichkeit eher polarisieren.“
Das meine er nicht: „Ich meine Figuren, welche
die Sache der Kirche so kommunizieren, daß auch eine säkulare nichtkirchliche Öffentlichkeit aufmerksam
wird, und sagt, ach ja, das was die vertreten ist für unsere heutige Zeit bitter notwendig.“
Zur Frage
der priesterlichen Ehelosigkeit stimmt Kuschel mit dem Vorsitzenden der deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof
Robert Zollitsch von Freiburg, überein, daß man den Zölibat „immer wieder“ auf die Agenda setzen müsse:
„Denn die Not der Kirche schreit zum Himmel, was die personale Situation angeht“.
Der Theologe findet
es erschreckend, daß man sich „an eine Art Friedhofsruhe“ gewöhnt habe.
Im Interview spricht er auch
über den interreligiösen Dialog und deutet Judentum und Islam als „Zeichen Gottes“:
„Ich bin davon
überzeugt, daß die gleichzeitige Präsenz des Gotteszeugnisses durch Juden und Muslimen mich als Christ
davor bewahren soll, mich einzukapseln, zu verabsolutieren in meinem Wahrheitsverständnis.“
Die Präsenz
der anderen sei ein Zeichen, daß Gott sich „reicher, umfassender und je größer“ bezeugen lassen wolle,
durch angebliche „Glaubenszeugen auch außerhalb der Kirche.“
Das sei „so etwas wie eine Verabsolutierungsprophylaxe
und damit eine Hochmutprophylaxe.“
„Wir sind nicht die einzigen Gotteskinder.“Gott lasse sich „offenbar“
auch durch andere Zeugen in seiner Wahrheit, in seiner Größe und Majestät bezeugen.
Kuschel glaubt,
daß Gott den Wettbewerb liebt: „Gott haßt diejenigen, die monopolisieren wollen.“
Er fordere zum Wettstreit
auf: „Denn wenn man im Wettstreit miteinander ist, hat man noch nicht die Wahrheit im Besitz, sondern
hat die Wahrheit als Prozeß“.
Die Interviewpartnerin des Professors zeigt sich von dessen neufrommen
Appellen unbeeindruckt. Er wendet ein, daß man andere kaum überzeugen könne, wenn man nicht davon überzeugt
sei, selber die Wahrheit zu sagen.
In seiner Antwort gleitet der Professor ins Seichte ab: Wenn die Überzeugung,
daß Gott die Liebe ist, das tiefste und letzte sei, was der Christ über Gott aussage, „dann besteht
der Wettbewerb darin, daß ich den anderen herausfordere, das möglicherweise auch so zu sehen.“
Er werde
von den anderen herausgefordert, zu zeigen, „was bedeutet es denn, daß Gott Liebe ist, und daß er alle
Menschen gleich liebt“ – fährt der Professor pauschalisierend weiter.
Ein glücklicher Fehler des Papstes
Dann lobt Kuschel den Brief von 138 muslimischen Gelehrten an die Vertreter aller großen christlichen
Kirchen: „Das ist ein unerhörtes Dokument, das hat es noch nie gegeben in der Geschichte des Islam.“
Die Interviewpartnerin weist darauf hin, daß das Schreiben eine Folge der Provokation durch die Regensburger
Rede des Papstes gewesen sei.
Kuschel bejaht: „Wir kennen ja seit der Osterliturgie die Rede von der
glücklichen Schuld.“
Der Papst habe damals einen glücklichen Fehler gemacht „mit diesem verunglückten
Zitat“.
Die Konsequenz der Nächstenliebe den anderen Religionen gegenüber sei, „viel vom anderen zu
lernen, um ihn noch tiefer und besser zu verstehen.“
Sonst sei die Rede von Nächstenliebe, von Liebe,
von Gottesliebe nur noch eine reine Phrase.
Dann wird der Professor auf Menschen in allen Religionen
angesprochen, die „fundamentalistisch“ dächten.
Kuschel versucht zu verstehen: „Das fällt doch nicht
vom Himmel“ erklärt er und fragt weiter: „Wie wird man so, mit Tunnelblick, mit antimodernistischen Vorurteilen.
Mit Feindbildproduktion. Was sind da für psychische Bedürfnisse da?“
Trotzdem dürfe man die Gewalt
nicht gegen Dialogbemühungen ausspielen. Das sei die Gefahr:
„Dagegen wendet sich meine wissenschaftliche
Grundlagenarbeit, gegen die Vereinfacher, die schrecklichen Vereinfacher auf allen Seiten, die es am liebsten
dualistisch hätten, weil sie Feindbilder brauchen.“
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