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Samstag, 26. April 2008 18:05
Wir sind nicht die einzigen Gotteskinder
Auf den Einwand, daß man andere nicht überzeugen könne, wenn man selber nicht glaube, die Wahrheit zu sagen, glitt der Professor ins Seichte ab.
Wenn der Mund größer ist, als das Hirn.
Wenn der Mund größer ist, als das Hirn.
(kreuz.net) Es sei vielleicht kein Zufall, daß sich unter den deutschen Bischöfen niemand außer Kardinal Lehmann als „profilierter Kopf“ herauskristallisiert habe.

Das erklärte Karl-Josef Kuschel (59) am 9. März in einem Interview mit ‘Inforadio’.

‘Inforadio’ ist ein in Berlin und Brandenburg verbreiteter öffentlich-rechtlicher Nachrichtensender mit Sitz in Berlin.

Kuschel war Assistent des ehemaligen Tübinger Theologieprofessors Hw. Hans Küng und lehrt heute in Tübingen „Theologie der Kultur und des interreligiösen Dialogs“.

Daneben ist Kuschel Vizepräsident der von Hw. Küng gegründeten Stiftung Weltethos.
Ich bin davon überzeugt,
daß die gleichzeitige Präsenz des Gotteszeugnisses durch Juden und Muslimen mich als Christ davor bewahren soll, mich einzukapseln, zu verabsolutieren in meinem Wahrheitsverständnis.


Seiner Ansicht nach fehlt es bei den deutschen Bischöfen an prägenden, profilierten Köpfen, „die auch durchaus konservativ sein können, die aber auf intellektuellem Niveau mit großer Ausstrahlung, mit großer innerer Glaubwürdigkeit die Sache der Kirche vertreten können“ – so Kuschel in Interview.

Kirchenvertreter wie Kardinal Joachim Meisner von Köln will er nicht als profilierten Kopf gelten lassen: „Das sind ja Gestalten, welche die Öffentlichkeit eher polarisieren.“

Das meine er nicht: „Ich meine Figuren, welche die Sache der Kirche so kommunizieren, daß auch eine säkulare nichtkirchliche Öffentlichkeit aufmerksam wird, und sagt, ach ja, das was die vertreten ist für unsere heutige Zeit bitter notwendig.“

Zur Frage der priesterlichen Ehelosigkeit stimmt Kuschel mit dem Vorsitzenden der deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch von Freiburg, überein, daß man den Zölibat „immer wieder“ auf die Agenda setzen müsse:

„Denn die Not der Kirche schreit zum Himmel, was die personale Situation angeht“.

Der Theologe findet es erschreckend, daß man sich „an eine Art Friedhofsruhe“ gewöhnt habe.

Im Interview spricht er auch über den interreligiösen Dialog und deutet Judentum und Islam als „Zeichen Gottes“:

„Ich bin davon überzeugt, daß die gleichzeitige Präsenz des Gotteszeugnisses durch Juden und Muslimen mich als Christ davor bewahren soll, mich einzukapseln, zu verabsolutieren in meinem Wahrheitsverständnis.“

Die Präsenz der anderen sei ein Zeichen, daß Gott sich „reicher, umfassender und je größer“ bezeugen lassen wolle, durch angebliche „Glaubenszeugen auch außerhalb der Kirche.“

Das sei „so etwas wie eine Verabsolutierungsprophylaxe und damit eine Hochmutprophylaxe.“

„Wir sind nicht die einzigen Gotteskinder.“
Gott lasse sich „offenbar“ auch durch andere Zeugen in seiner Wahrheit, in seiner Größe und Majestät bezeugen.

Kuschel glaubt, daß Gott den Wettbewerb liebt: „Gott haßt diejenigen, die monopolisieren wollen.“

Er fordere zum Wettstreit auf: „Denn wenn man im Wettstreit miteinander ist, hat man noch nicht die Wahrheit im Besitz, sondern hat die Wahrheit als Prozeß“.

Die Interviewpartnerin des Professors zeigt sich von dessen neufrommen Appellen unbeeindruckt. Er wendet ein, daß man andere kaum überzeugen könne, wenn man nicht davon überzeugt sei, selber die Wahrheit zu sagen.

In seiner Antwort gleitet der Professor ins Seichte ab: Wenn die Überzeugung, daß Gott die Liebe ist, das tiefste und letzte sei, was der Christ über Gott aussage, „dann besteht der Wettbewerb darin, daß ich den anderen herausfordere, das möglicherweise auch so zu sehen.“

Er werde von den anderen herausgefordert, zu zeigen, „was bedeutet es denn, daß Gott Liebe ist, und daß er alle Menschen gleich liebt“ – fährt der Professor pauschalisierend weiter.

Ein glücklicher Fehler des Papstes
Dann lobt Kuschel den Brief von 138 muslimischen Gelehrten an die Vertreter aller großen christlichen Kirchen: „Das ist ein unerhörtes Dokument, das hat es noch nie gegeben in der Geschichte des Islam.“

Die Interviewpartnerin weist darauf hin, daß das Schreiben eine Folge der Provokation durch die Regensburger Rede des Papstes gewesen sei.

Kuschel bejaht: „Wir kennen ja seit der Osterliturgie die Rede von der glücklichen Schuld.“

Der Papst habe damals einen glücklichen Fehler gemacht „mit diesem verunglückten Zitat“.

Die Konsequenz der Nächstenliebe den anderen Religionen gegenüber sei, „viel vom anderen zu lernen, um ihn noch tiefer und besser zu verstehen.“

Sonst sei die Rede von Nächstenliebe, von Liebe, von Gottesliebe nur noch eine reine Phrase.

Dann wird der Professor auf Menschen in allen Religionen angesprochen, die „fundamentalistisch“ dächten.

Kuschel versucht zu verstehen: „Das fällt doch nicht vom Himmel“ erklärt er und fragt weiter: „Wie wird man so, mit Tunnelblick, mit antimodernistischen Vorurteilen. Mit Feindbildproduktion. Was sind da für psychische Bedürfnisse da?“

Trotzdem dürfe man die Gewalt nicht gegen Dialogbemühungen ausspielen. Das sei die Gefahr:

„Dagegen wendet sich meine wissenschaftliche Grundlagenarbeit, gegen die Vereinfacher, die schrecklichen Vereinfacher auf allen Seiten, die es am liebsten dualistisch hätten, weil sie Feindbilder brauchen.“

© Titelbild: Just Fluff, CC
Alle Lesermeinungen anzeigen 6 von 8 Lesermeinungen:
Sonntag, 27. April 2008 10:40
Pünktchen: Gotthard
schau auf deinen moslemischen Nachbarn – und lerne seinen glauben und seine Religion und sein leben kennen  – und versuchen ihn zu verstehen.

Genau das habe ich vor Jahren begonnen! Verstehen kann ich den Muslim sehr gut, weil ich die Lehren des Koran ernst nehme, wo andere – angeblich verständige Leute – sie nicht einmal zur Kenntnis nehmen. Das irritiert manche Muslime, die sich darauf eingestellt haben, daß hier im Westen Verständnis mit Ignoranz verwechselt wird. Letztere führt zu einer Billigung aus Gleichgültigkeit. Das Erwachen bei den meisten ist dann sehr unsanft und mit der Erkenntnis verbunden, jahrzehntelang die bedrohliche Entwicklung verschlafen zu haben. Jüngstes Beispiel: Günther Wallraff!
Sonntag, 27. April 2008 07:28
Schüttel: Bravo, Herr Professor Kuschel – alles richtig
Sie übertreffen Ihren Lehrer Hans Küng an Hellsicht!

Ja, außer Kardinal Lehmann gibt es in der DBK wirklich keinen irgendwie bedeutenden Kopf. Alles Durchschnitt. Und Wolfgang Huber ist ja leider von der anderen Fakultät.
Sonntag, 27. April 2008 00:11
wede johannes1: Gott und seine Kinder
es ist schon fast anmassend, sich dahingehend zu äussern, ob wir nun Gotteskinder sind oder nicht; Gott steht über den Dingen. Deshalb wäre es, falls man Ehrfurcht vor Gott hat, sehr sinnvoll zu unterlassen, wer nun was von Gott oder nicht von Gott ist. Zu Gott beten mag sinnvoll sein. Unsinn ist es jedoch quasi Gott dahingehend zu interpretieren, was er nun denkt, meint oder tut.
Gott ist Gott und jegliches Deuteln an ihm ist zu unterlassen; was er meint oder eben nicht ist seine Sache. wede
Samstag, 26. April 2008 22:19
möchtegern-kathole: „Denn die Not der Kirche schreit zum Himmel, was die personale Situation angeht“.
Aber aus den schlechten Erfahrungen der vergangenen 40 Jahre kann man sagen:: Qualität vor Quantität – nicht jeden weihen, der sich so ein nettes Leben finanzieren will, sondern nur jene, bei denen Zeichen für eine tatsächliche Berufung feststellbar sind.
Samstag, 26. April 2008 21:21
Gotthard: @pünktchen
Nächstenliebe kann ich nur – wie der Begriff sagt – Menschen erweisen, die mir nahe sind!
schau auf deinen moslemischen Nachbarn – und lerne seinen glauben und seine Religion und sein leben kennen – und versuchen ihn zu verstehen.
Samstag, 26. April 2008 21:03
Pünktchen: Was Nächstenliebe ist, weiß ich…
Aber „Nächstenliebe den anderen Religionen gegenüber“ ?

Nächstenliebe kann ich nur – wie der Begriff sagt – Menschen erweisen, die mir nahe sind! Aber Weltanschauungssysteme, Religionen, Vereine, Behörden, Clubs, Parteien … kann ich denen „Nächstenliebe“ erweisen?

Reine Schwafelei!
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