Will ich der Gesellschaft meine moralischen Überzeugungen aufzwingen?
Die Trompeten sollen blasen! Die Fanfaren erklingen! Seine königliche Hoheit, der Prinz von Wales, hat die Hochzeit mit seiner Geliebten angekündigt, mit der er früher seine ehemalige Frau betrogen hat. Ups! Das klingt nicht besonders gut, oder? Von Rabbiner Morton Pomerantz.
(kreuz.net) Aber das ist eine korrekte Beschreibung der gegenwärtigen Situation in England. Prinz Charles
hat seine Frau, Prinzessin Diana, mit Frau Camilla Parker Bowles betrogen. Wir wollen nicht ungerecht
sein: Frau Bowles hat ihren Ehegatten offenbar ebenfalls fröhlich betrogen. In beiden Ehen gab es Kinder.
Es war einmal eine Zeit, da repräsentierte der König nicht nur das ganze Königreich, sondern auch
die Rechtschaffenheit, die Gerechtigkeit und den Anstand. Im Drama „Heinrich V.“ von William Shakespeare
lesen wir, daß Heinrich in jungen Jahren, als er noch Prinz war, mit einer üblen Bande zu zechen und
umzugehen pflegte.
Doch dann ändern sich die Dinge. Heinrich wird König und siegt in Agincourt. Als
einer der Freunde aus seinem alten Lotterleben gehängt werden soll, weil er in einer Kirche gestohlen
hat, beharrt Heinrich auf dem Gesetz und lehnt es ab, zugunsten seines Freundes zu intervenieren. Schließlich
ist er der König.
Charly, unser Freund von nebenan, leidet nicht an solchen Hemmungen.
Doch vielleicht
sollten wir mit der königlichen Familie nicht zur hart ins Gericht gehen. In Amerika gibt es zum Beispiel
eine Bewegung, die sich auf dem Prozeßweg das Recht erkämpfen will, rechtsgültige gleichgeschlechtliche
Ehen zu schließen.
In Boston hatten vier Richter offenbar eine nächtliche Vision und kamen zum Schluß,
daß man im US-Bundesstaat Massachusetts die Männer nicht daran hindern könne, andere Männer zu heiraten
und die Frauen nicht, das gleiche mit anderen Frauen zu tun. Erst kürzlich kam ein Richter in Manhattan
zu einer ähnlichen wunderbaren Schlußfolgerung.
Will ich vielleicht der Gesellschaft meine moralischen
Überzeugungen aufdrängen? Natürlich will ich das! Ich will es, wenn es um Mord, Vergewaltigung, Banküberfall,
Kindsmißbrauch und eben das Homo-Konkubinat geht.
Was unsere liberalen Freunde häufig „Aufdrängen
der moralischen Überzeugungen“ nennen, wird anderenorts als „Zivilisation“ bezeichnet.
In Japan hält
sich der Kaiser immer noch an einen hochstehenden persönlichen Verhaltenskodex. Der Kaiser symbolisiert
nicht nur das Kaiserreich Japan, sondern auch das, was universell richtig und angemessen ist. In England
ist das offensichtlich nicht mehr so und auch nicht bei unseren amerikanischen Richtern. Wir bekommen
die bizarrsten politisch korrekten Gerichtsentscheidungen serviert, die auf nichts anderem beruhen als
auf Anflügen und Gefühlen von neun Richtern.
Das ist nicht ungefährlich. Am Ende werden wir nicht
mehr durch eine Verfassung regiert. Wenn fundamentale Bausteine unseres Zusammenlebens wie die Ehe angegriffen
werden, dann schwächt das die ganze Gesellschaft und die gesamte Zivilisation. Wir können nicht einer
endlosen Anzahl von solchen mutwilligen Angriffen gegen die Ehe und Familie widerstehen.
Wenn wir diese
Angriffe tolerieren, dann werden wir auseinanderfallen.
Was wird uns die Zukunft bescheren? Werden wir
das Homo-Konkubinat akzeptieren? Wird Treue uns soviel bedeuten, wie unserem Freund, Prinz Charles? Wenn
dem so ist, dann können wir unserer Zivilisation den Abschiedskuß geben und Richtung Gomorrah verduften.
Die Antwort hängt von uns ab. Wenn wir die Charakterstärke haben, das zu tun, was getan werden muß,
in bestimmten Fällen bis zum Punkt, daß wir mit den Gerichten ins Gericht gehen, dann wird unsere Gesellschaft,
unsere Zivilisation und unsere Art zu leben bewahrt werden.
Wenn nicht, dann fürchte ich, sind unsere
Aussichten nicht so rosig.
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2 Lesermeinungen
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Man kann es auch anders nennen Yersinia… … was wir hier erleben ist die Protestantisierung der katholischen
Kirche durch stockkonservative bis erzreaktionäre Katholiken. Wir spalten uns auf in viele kleine Sekten,
die alle ihr eigenes Süppchen kochen und der Nachbarsekte das Salz in der Suppe nicht gönnen. Schade.
je entwickelter eine Gesellschaft wird desto mehr Wahlmöglichkeiten tun sich auf, desto unüberischtlicher
wird sie, desto komplexer, damit auber auch umso leistungsfähiger – darum stellen sich diese moralischen
Fragen dann und unterliegen letztlich der Entscheidung und dem gebildeten Gewissen des einzelnen; eine
zentrale Instanz an sich kann es dann nicht mehr geben, sie wird in ihrem Anspruch logisch selbst hinterfragt –
Japan ist da ein sehr gutes Beispiel, aber auch die konservativen bis traditionalisitschen KatholikInnen
im deutschsprachigen Raum – die stimmen lehramtlichen Aussagen oder Personen des kirchlichen Lebens auch
nach eigenem Gutdünken und Interessenslage zu – und erhöhen somit die – hier innerkirchliche – Komplexität.