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Donnerstag, 1. Mai 2008 17:21
Die Hände sind zum Segnen da – aber die Füße?
Heute vor hundert Jahren erblickte der Erfinder der Geschichten des italienischen Dorfpfarrers Don Camillo und seines kommunistischen Gegenspielers, Bürgermeister Peppone, das Licht der Welt. Von Giovanni Guareschi († 1968).
Don Camillo und Peppone
Don Camillo und Peppone
(kreuz.net/Don Camilo) Als die Zeit des Wahlkampfes kam, schimpfte Don Camillo mehrmals in klaren Art und Weise über die lokalen Vertreter der Linken.

Eines schönen Abends, gerade noch zwischen Licht und Finsternis – während Don Camillo von einem Weg in den Pfarrhof zurückkehrte – erschien eine Gestalt, in einen Mantel gehüllt, und griff Don Camillo von hinten an.

Er machte sich den Umstand zunutze, daß Don Camillo durch das Fahrrad behindert war, an dessen Lenkstange ein Korb mit siebzig frischen Eiern aufgehängt war. Die Gestalt verprügelte den Priester und verschwand wieder.

Don Camillo sagte niemandem etwas von diesem Vorfall.

Im Pfarrhaus angelangt, brachte er die Eier in Sicherheit und ging dann in die Kirche, um sich mit Christus zu beraten. So tat er es immer in Augenblicken des Zweifelns.

„Was soll ich tun?“ – fragte Don Camillo.

„Schmiere dir den Rücken mit ein wenig Öl ein und sei still“ – antwortete ihm Christus vom Hochaltar. „Man muß
Don Camillo warnt den Heiland:
„Jesus, traue diesen Roten nicht. Sie sind furchtbar heimtückisch. Schau ihn Dir gut an: Hat er nicht ein Räubergesicht?“
vergeben, wenn man uns beleidigt. Das ist die Regel.“

„Gut“, warf Don Camillo ein. „Hier handelt es sich aber um Prügel, nicht um Beleidigung.“

„Was willst du damit sagen?“ erwiderte leise Jesus. „Sind vielleicht die dem Körper zugefügten Beleidigungen schmerzhafter als jene, die dem Geiste zugefügt werden?“

„Einverstanden, Herr. Du mußt aber in Betracht ziehen, daß man – indem man einen Deiner Diener prügelt – Dich beleidigt. Mir geht es viel mehr um dich als um mich.“

„War ich vielleicht nicht noch mehr ein Diener Gottes als Du? Und habe ich nicht auch jenem verziehen, der mich gekreuzigt hat?“

„Mit dir kann man nicht reden“, schloß Don Camillo. „Du hast immer recht. Dein Wille geschehe. Wir werden verzeihen. Erinnere dich aber, daß Du die Verantwortung zu tragen haben wirst, wenn diese Verbrecher durch mein Schweigen ermutigt werden und mir eines schönen Tages meinen dummen Kürbiskopf einschlagen. Ich könnte dir Stellen aus dem Alten Testament anführen…“

„Don Camillo, mir kommst Du mit dem Alten Testament? Bitte, ich übernehme die volle Verantwortung. Und übrigens, unter uns, ein wenig Prügel stehen Dir gut. So wirst Du lernen, in meinem Hause keine Politik zu treiben.“

Don Camillo hatte also verziehen. Eines blieb ihm aber im Halse stecken wie eine Fischgräte: die Neugierde, wer es nur gewesen sein könnte, der ihn geprügelt hatte.

Die Zeit verging. Eines Abends saß Don Camillo noch zu später Stunde im Beichtstuhl saß. Da erkannte er durch das Gitter das Gesicht des Anführers der extremen Linken.

Peppone im Beichtsuhl? Das war ein Ereignis, bei dem einem der Mund offenstehen bleiben mußte.

Don Camillo strahlte: „Gott sei mit Dir, lieber Bruder, mit Dir mehr als mit irgend jemandem, weil Du mehr als die anderen seinen Segen notwendig hast. Es muß schon lange her sein, daß du das letzte Mal gebeichtet hast.“

„Es war 1918“, antwortete Peppone.

„Stell Dir nur alle die Sünden vor, die Du in diesen dreißig Jahren mit all deinen heidnischen Gedanken im Kopf begangen hast.“

„Na ja, es sind schon so manche.“, seufzte Peppone.

„Zum Beispiel?“

„Zum Beispiel: Vor zwei Monaten habe ich Sie geprügelt.“

„Ernste Sache“, antwortete Don Camillo. „Indem Du einen Diener Gottes beleidigt hast, hast Du Gott selber eine Beleidigung zugefügt.“

„Ich habe es bereut“ – rief Peppone. „Außerdem habe ich Sie nicht als einen Diener Gottes, sondern als einen politischen Gegner geprügelt. Es war ein Moment der Schwäche.“

„Außer dieser und der Zugehörigkeit zu deiner teuflischen Partei – hast Du noch andere schwere Sünden zu beichten?“

Peppone schüttete den Sack aus.

Allen in allem war es nicht viel, und Don Camillo fertigte ihn mit zwanzig Vater Unsern und Ave-Marias ab.

Als dann Peppone an der Kommunionbank kniete, um seine Buße abzubeten, fiel auch Don Camillo vor dem Kruzifix auf die Knie.

„Jesus“, sagte er, „verzeihe mir, aber ich haue ihm eine herunter.“

„Denke nicht einmal daran“, antwortete Jesus. „Ich habe ihm vergeben, Du mußt ihm auch vergeben. Im Grunde genommen ist er ein braver Mensch.“

„Jesus, traue diesen Roten nicht. Sie sind furchtbar heimtückisch. Schau ihn Dir gut an: Hat er nicht ein Räubergesicht?“

„Ein Gesicht wie alle anderen. Don Camillo, in Dein Herz hat sich Gift eingeschlichen.“

„Jesus, wenn ich Dir je gut und mit Hingabe gedient habe, dann bitte ich um diese Gnade, Laß es wenigstens zu, daß ihm dieser Leuchter auf den Nacken fällt. Was ist schon so ein Leuchter, mein Jesus?“

„Nein“, antwortete Jesus. „Deine Hände sind zum Segnen, nicht zum Schlagen da.“

Don Camillo seufzte. Er verbeugte sich und verließ den Altar.

Er wandte sich dann noch einmal um, um sich zu bekreuzigen. Dabei befand er sich geradewegs hinter Peppones Rücken, während dieser kniend ganz im Gebet versunken war.

„In Ordnung“, flüsterte Don Camillo, indem er die Hände faltete und zu Jesus hinaufschaute. „Die Hände sind zum Segnen da, nicht aber die Füße.“

„Auch das ist wahr“, sagte Jesus vom Hochaltar, „aber ich bitte Dich, Don Camillo: nur einen!“

Der Fußtritt traf wie ein Blitz. Peppone steckte ihn, ohne mit der Wimper zu zucken ein, stand dann auf und seufzte erleichtert: „Zehn Minuten warte ich schon darauf. Jetzt fühle ich mich viel besser.“

„Ich auch“, rief Don Camillo, und sein Herz war jetzt leicht und rein wie der heitere Himmel.

Jesus sagte nichts. Aber man sah ihm an, daß auch er zufrieden war.

Filmtrailer: Die Große Schlacht Des Don Camillo
Alle Lesermeinungen anzeigen 6 von 8 Lesermeinungen:
Freitag, 2. Mai 2008 08:19
r.ruhrgebietler: vorbildlich
Ja, Don Camillo. Wesentlich ist für ihn der Herr Jesus Christus – vorbildlich für die heutigen Kleriker! Don Camillo war immer als Kleriker zu erkennen – Dank seiner Soutane! Vorbildlich für die heutigen Kleriker! Don Camillo war immer auf seelensuche für Jesus Christus – vorbildlich für die heutigen Kleriker. Don Camillo saß auch sehr spät abends noch im Beichtstuhl – vorbildlich für jeden Kleriker!
Hätten wir mal mehr solcher Priester wie den Don Camillo. Von der Sorte des Peppone haben wir ein ganze Menge – nur, ein größerer Teil dieser Peppone nennt sich heute Kleriker. Und das ist nicht vorbildlich!
Donnerstag, 1. Mai 2008 20:12
möchtegern-kathole: @Gotthard: Versöhung, ja …
… nur wer ist Peppone und wer Don Camillo ?
Donnerstag, 1. Mai 2008 19:38
Gotthard: Versöhnungsangebot
diese Artikel soll wohl ein Versöhnungsangebot sein nach dem Ekel-Artikel dieses notorischen Preßlmayer…
Donnerstag, 1. Mai 2008 18:32
Pippifax: mag sein gunsenum
Allerdings hat er auch nach 1968 an der Alten Messe festgehalten. Lesen Sie mal „Don Camillo und die Rothaarige“.

Für einen Priester wie Don Camillo würde ich auch so manchen Anschiss in Kauf nehmen
Donnerstag, 1. Mai 2008 18:25
Gunsenum: Jetzt versuchen die kreuztanten…
…hier schon DonCamillo und Peppone zu instrumentalisieren. Wißt Ihr, was Euch bornierten Menschen der Don Camillo gegeben hätte? 100 Hiebe mit dem Eichenknüppel!
Donnerstag, 1. Mai 2008 17:56
ottaviani: besonders das buch des autors
ist zu empfehlen Don Camillo und die Rothaarige der gute Pfarrer im Kampf gegen den Volksaltar leider wurde das Buch nicht mehr in der Originalbesetzung verfilmt Fernandel starb bei den Dreharbeiten
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