[ « 26 27 28 29 30 » ]
Montag, 5. Mai 2008 17:08
Eines Sommerabends geschah es
Aufgrund familiärer Schwierigkeiten beschloß meine Mutter, mich ins örtliche Pfarrhaus einzuquartieren. Hier begann es mit den dunklen Seiten des dortigen Pfarrers. Von einem Ex-Priester.
Es geschah an einem Sommerabend.
Es geschah an einem Sommerabend.
(kreuz.net/‘Vatican Magazin’) Alle, die in der Nähe des Pfarrers lebten, zitterten vor ihm. Sie fürchten seine Unbeherrschtheit, seine Rasereien, seine Ausfälligkeiten. Aus der Ferne mochte er strahlen, bei Licht besehen war er ein Despot.

Ich bezog ein Zimmer in einem kultivierten Haus. Ich kam aus der Armut und den bedrückenden Verhältnissen eines Arbeiterhaushalts und fand mich wieder in einem Ambiente aus schönen Möbeln, neuesten Büchern, erlesenen Weinen.

Ich lernte mit der Serviette essen, Konversation zu führen und nach der Haushälterin zu winken. Es war wie im Traum. Ich wußte nicht, wie mir geschah. Der Despot war überaus nett zu mir und ich wußte nicht, womit ich es verdient hatte.

Er kleidet mich von Kopf bis Fuß neu ein, überhäufte mich mit Geschenken, ließ mich an seinen Überlegungen teilhaben, lud mich am Abend ein, das Stundengebet mit ihm zu sprechen.

Ich ging aufrecht und wie mit Flügeln. Ich fühlte mich erhoben, wie von einer Aura der Großzügigkeit umgeben. Ob ich mir nicht vorstellen könne, Priester zu werden? Priester? Du meine Güte – ich war gerade von der Schule geflogen.

Novemberausgabe des 'Vatican-Magazin'
Novemberausgabe des ‘Vatican-Magazin’
Mein Ego paßte in eine Westentasche. Wie groß der Mann von mir dachte! Für einen Moment meinte ich, endlich der geliebte, angenommene, respektierte Sohn zu sein, der ich bei meinem leiblichen, gewalttätigen Vater nicht sein durfte. Ich wußte nicht, daß es der letzte glückliche Moment meiner Jugend sein sollte.

Das Einzige, was mir ein eher unbewußtes Unbehagen verursachte, waren die körperlichen Annäherungen des Priesters. Warum mußte er bei jeder passenden und unpassenden Gelegenheit den Arm um mich legen?

Warum mußte man sich am Abend mit einer Umarmung verabschieden? Es war unangenehm, mehr jedoch nicht. Es wäre mir auch unangenehm gewesen, wenn mein eigener Vater mich in den Arm genommen hätte.

Eines Sommerabends, nicht lange nach meinem Einzug, ereignete sich das Vorkommnis, nach dem in meinem Leben nichts mehr war wie vorher.

Der Pfarrer und ich hatten körperlich gearbeitet. Vielleicht hatten wir irgendwelche Kisten nach oben unters Dach geschleppt. Jedenfalls saßen wir beide müde und schwitzend nebeneinander auf dem Bett meines Zimmers, das sich ebenfalls unterm Dachgeschoß befand.

Ich weiß noch, daß wir beide Bierflaschen in Händen hielt, solche mit Bügelverschluß. Wir tranken, lachten, bis die Stimmung plötzlich überkippte – in etwas, das mir Angst machte: eine Art von Schmusigkeit und körperlichem Nähesuchen.

Das Bett war eindeutig der falsche Platz zum Ausruhen.

Mir stellten sich die Nackenhaare auf. Was machte der Mann mit seiner Hand, die über meine Oberschenkel nach oben glitt? Ich preßte die Beine zusammen, klammerte mich an meine Bierflasche, versuchte, von ihm abzurücken.

Ich rieche heute noch seinen Bieratem, spüre den massigen Körper, fühle, wie er mich gepackt hielt, während er mir mit der Zunge gierig den Hals abschleckte und mit seiner Pranke in den Schritt fuhr, mein Glied suchend. All das weiß ich noch.

Was ich nicht mehr weiß: Wie ich mich von ihm befreite, wie er aus dem Zimmer kam.

Woran ich mich wieder erinnere: Wie ich den Riegel hinter ihm in die Tür schob und dastand – zitternd. Daran erinnere ich mich noch sehr gut, daß ich über einen ganz langen Zeitraum nichts tat, als mich den Konvulsionen meines Körpers zu überlassen.

Jahre später haben sie mich gefragt: „Warum bist du nicht zu deinen Eltern gegangen, nicht zu irgendeinem Erwachsenen, nicht zur Polizei?“ Ich sagte ihnen, was ich auch heute sage: „Ich wußte nicht, was das war. Ich hatte keinen Namen dafür.“

Ob es sinnvoll ist, daß heute schon Kindergartenkinder wissen, was ein Päderast ist, mag dahingestellt sein. Ich wußte es als Halbwüchsiger nicht. Und wenn ich es gewußt hätte, so wäre es außerhalb meines Vorstellungshorizonts gewesen, daß ein Priester so etwas macht/tut/ist.

Tatsache ist: Ich war über nahezu zehn Jahre nicht imstande, meine eigene Geschichte anzuschauen oder auch nur Worte dafür zu finden. Ich wollte sie nicht wahrhaben. Ich spaltete sie von mir ab. Ich wurde zwei Menschen.

Von der Stunde an, in der ein Mensch mit Gewalt in meine Intimität eindrang, befand ich mich in einem Gefängnis, zu dem ich selbst den Schlüssel nicht kannte. Über Jahre und Jahre war ich wie in einem verschlossenen Kassiber unterwegs. An mich kam niemand heran.

Der Übergriff war wie ein Brandzeichen in meiner Seele, das mich bis zum Jüngsten Tag mit meinem Mißbraucher verbinden sollte. Was er mit mir gemacht hatte, wurde für mich Stigma der Absonderung.

Mein mir selbst fernes Geheimnis katapultierte mich hinaus aus der Gemeinschaft der Menschen. Ich war eingeschlossen in einem Gehäuse aus letzter Einsamkeit und namenloser Angst. Ich weiß nicht, warum ich nicht die Kraft hatte zu fliehen.

Ich weiß nicht, warum ich wie ein gefangenes Tier in diesem Haus blieb, warum ich Dankbarkeit heuchelte, den Sohn spielte, den zum Priesteramt prädestinierten Zögling und Vertrauten von Herrn Pfarrer, dem man mit Ehrfurcht und Hochachtung begegnete …

Den Rest möchte ich in aller Kürze erzählen: Ich wurde tatsächlich Priester.

Der Beitrag erschien ursprünglich im ‘Vatican Magazine’.

Nächstes Mal: Im Grunde wollte ich nur Sex, Sex, Sex

© Titelbild: Dave Ceasar Dela Cruz, CC
Der Artikel ist Teil der folgenden Reihe:
6. Eines Sommerabends geschah es
Alle Lesermeinungen anzeigen 6 von 30 Lesermeinungen:
Sonntag, 11. Mai 2008 00:31
RRR: @ Nachtlaterne
es gibt nichts scheußlicheres…als den missbrauch an einem unschuldigen, auf vertrauen angewiesenes kind

Oh doch, wie wir von kreuz.net wissen!

Schlimmer als das von Ihnen genannte sind z.B.:
– Handkommunion (sogar nach Art des Hl. Cyrillus von Jerusalem – widerwärtiges Häretikerschwein!)
– Ministrantinnen
– Bischof Algermissen
– Bischof Marini (Marini der Untermensch, nicht Marini der Heilige)
– Bischof Tebartz-van Elst (der Drecksack benutzt sogar Formeln, die von Paulus stammen – pfui Teufel!)
– Jesuiten (und zwar alle – es sei denn, sie haben ihr Ordensgelübde gebrochen und einen neuen Club gegründet)

Dagegen ist so ein Kinderficker doch ein Heiliger!
Mittwoch, 7. Mai 2008 05:57
Nachtlaterne: ein billiger roman?
habe vor jahren mal – im zuge des kinderschutzes- die sogenannten „schwulen buchläden“ durchforstet. was dort an schwülstigen romanen und bildbänden für knabenliebhaber zutage trat war sehr erschreckend und bezeichnend.

priester sollen heiraten und es gibt keine übergriffe mehr? von wegen! schwule werden nicht heiraten und die übergriffe auf messdiener v finden durch homos statt.
Dienstag, 6. Mai 2008 22:08
raindance1: was nun?
der Pfarrer war für sein Unbeherrschtheit, seine Rasereien und sein Ausfällgkeiten bekannt. Dennoch bezog der Autor ein Zimmer in diesem „kultivierten“ Pfarrhaus…schöner Widerspruch…dann hatten sie auch noch körperlich gearbeitet, was weiss natürlich keiner mehr…aber sie schwitzten, warum auch immer…und zu guter letzt klemmte sich dann einer an eine Bierflasche…ein billiger Schwuchtelroman der bei BILD durchgefallen ist…aber hier hat er ja Publikum…
Dienstag, 6. Mai 2008 06:05
Nachtlaterne: es gibt nichts scheußlicheres…
…als den missbrauch an einem unschuldigen, auf vertrauen angewiesenes kind.

wenn es von den konzentrationslagern heisst, dass die überlebenden eine art priesterschaft wären an die niemand heranreiche, muss diesen worten vehement entgegengetreten werrden. das grauen gibt es auch heute! und: es gibt keinen grund das grauen selbst in den olymp zu erheben.

der schwule priester hat eine frchtbare sünde gegen ein menschenkind und gegen den heiligen geist selber begangen. dieses verbrechen muss auf das härsteste bestraft werden.

schaut man sich heute im intternet die seite www.orwid.de an so ist man mitten in deutschland gelandet und niemand wehrt es ihnen, im gegenteil, der staat kassiert die steuern und per passwort darf der erwachsene nackte kinder in unbegrenzter höhe konsumieren. eine in ihrer kindheit schwer missbrauchte frau erzählte mir, dass ihr vater genau diese produkte mit seinem nachbarn konsumiert habe.
Montag, 5. Mai 2008 23:13
wolfgang e.: lieber matt, sei mir nicht böse,
aber deine Kommentare sind manchmal unsagbar dumm…
Montag, 5. Mai 2008 21:32
sexychrist: @ Marcelus
vielleicht…

ne, eher doch nicht!
Alle Lesermeinungen anzeigen 24 weitere Lesermeinungen
Die Redaktion übernimmt keine Verantwortung für den Inhalt der Beiträge. Sie behält sich das Recht vor, Beiträge zu löschen sowie Leser aus der Debatte auszuschließen.
Copyright © 2008 kreuz.net