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Donnerstag, 8. Mai 2008 15:06
Die vorkonziliaren Fledermäuse sind ausgeflogen
Vor dem Zweiten Vatikanum ging es in den Klöstern menschenunwürdig zu. Die jungen und vitalen Schwestern mußten sogar während der ganzen halbstündigen Messe knien. Ein Drama.
Vorkonziliare Schwesternkonferenz
Vorkonziliare Schwesternkonferenz
(kreuz.net, Stuttgart) „Steife Schleier und Stundengebet kompakt“. So lautet der Titel eines jüngst erschienenen Portraits von Schwester Radegundis Wespel auf der Webseite der Diözese Rottenburg-Stuttgart.

Schwester Radegundis wurde am 3. Januar 1921 in Bellamont im Kreis Biberach im deutschen Bundesland Baden-Württemberg geboren.

Mit 14 Jahren kam sie als Kandidatin zu den Sießener Franziskanerinnen.

Sie studierte Theologie, Anglistik und Romanistik. Ab 1960 leitete sie das renommierte Gymnasium ihres Ordens in Stuttgart.

Von 1972 bis 1984 war sie Generaloberin der Gemeinschaft und danach neun Jahre Generalvikarin.

Der Artikel über sie zeichnet ein finsteres Bild von den Schrecken des vorkonziliaren Klosterlebens.

Die Ordensfrauen hätten „keine Chance“ gehabt, Gebet und Arbeit vorschriftsgemäß auf die Reihe zu bringen. Sie hätten sich mit „allerhand Beschwernissen“ herumschlagen müssen.

Als Beispiele nennt der Artikel die angeblich strenge Klausur, die Unterbringung in Mehrbett-Zimmern, die angeblich unpraktisch schweren und knöchellangen Habits, einen angeblich ausladenden steifen Schleier und den seltenen Besuch bei den Angehörigen.

Schwester Radegundis hat die nachkonziliaren angeblichen Reformen selber aktiv mitgestaltet. Sie findet, daß die Veränderung „dringend nötig“ gewesen sei.

Die „strengen Vorschriften“ hätten bisweilen zu angeblich absurden Situationen geführt.

Als Beispiel nennt Schwester Radigundis Mitschwestern, die schon am Morgen zur Matutin das ganze Brevier bis zum Nachtgebet Komplet beteten.

Seitdem die Schwestern das Stundengebet mehr als halbiert haben und oft gar nicht mehr beten, kommt es offenbar nicht mehr zu absurden Situationen.

Bei den pflichtbewußten Schwestern habe es früher geheißen: „I hab mei Sach betet.“

Schwester Radegundis nennt ein weiteres angebliches vorkonziliares Problem. Es sei selbstverständlich gewesen, daß die Schwestern während der gesamten Messe knieten.

Schließlich jammert die Schwester noch über „das Abplagen mit der schweren Tracht“:

„Kam man auf Einsatzfahrten mit dem Fahrrad in den Regen, war der vorher steife Schleier völlig aus der Form und man sah aus wie eine Fledermaus.“

Die Änderungen begannen 1960. Damals entschied das Generalkapitel, den schönen steifen Schleier zu ändern.

Sechs Jahre später -gleich nach dem Zweiten Vatikanum und noch vor der Liturgiereform – schaffte der Orden mehr als die Hälfte der Gebetszeiten ab.

Das schöne lange Ordenskleid wurde gegen ein angeblich „einfaches Kleid, das fraulich wirkte, aber nicht modisch“ ausgetauscht – so Schwester Radegundis, die den praktisch versiegten Ordensnachwuchs seit den Reformen verschweigt.

Heute treten junge Frauen fast nur noch in jene Orden ein, die lange Gebetszeiten halten, während der Messe knien, bodenlange Habits tragen und ihr Haupt unter einem haarbedeckenden Schleier verbergen.
Alle Lesermeinungen anzeigen 6 von 50 Lesermeinungen:
Samstag, 10. Mai 2008 14:50
was ausreicht das reicht nun mal aus, dat is eben so und da musste dich mit abfinden.
Freitag, 9. Mai 2008 14:00
clarissa colonia: Werter Sozialkatholisch,
7 Fehler bei 22 Worten! Das ist gerade mal schwach ausreichend, wobei stets ein Zusammenahng zwischen dem sprachlichen und dem intellektuellen Niveau zu bestehen pflegt!
Freitag, 9. Mai 2008 10:33
Und trotzdem haben orden die sich noch etwas katholisches bewahrt haben erheblich weniger Nachwuchssorgen als, die vielen pippi landtröten Orden nach dem Konzil.
Freitag, 9. Mai 2008 10:25
Gehört „verschweigen“ nicht zu den traditionalistischen Kardinaltugenden?
Freitag, 9. Mai 2008 05:50
Kurt K.: Ich find das sehr sehr lustig immer wieder!
die den praktisch versiegten Ordensnachwuchs seit den Reformen verschweigt.

Die Tradis verschweigen bei ihren Argumentationen immer auch etwas: Dass diese Reformen eine Reaktion auf den versiegenden Nachwuchs und die Flucht der Menschen aus den Kirchen waren. Und dass alle anderen christlichen Glaubensgemeinschaften dieselben „Probleme“ haben.

Und Klostergemeinschaften haben das „Nachwuchs-Problem“ nunmal im besonderen, denn es gibt heutzutage mannigfaltige Möglichkeiten, sein Leben zu gestalten, nicht zu heiraten und trotzdem gesellschaftlich anerkannt zu werden und nicht zu verhungern, ohne Mönch / Nonne werden zu müssen.

Ihr wisst schon, wer „früher“ Nonne / Mönch wurde, oder? Und bei den allermeisten hatte es sicher nichts mit einer irgendwie gearteten „Berufung“ durch Gott zu tun, sondern eher mit wirtschaftlichen Zwängen (2. Sohn eines Niederadligen, unverheiratbare Tochter z.B.) und / oder gesellschaftlichen Zwängen (Leute, die nicht heiraten wollten z.B., wer das genau war, das könnt ihr an den Schwulenraten erkennen ). Ob das ein wünschenswerter Zustand ist, überlass ich mal euch.
Freitag, 9. Mai 2008 00:29
)ichthy’s: zum Artikel
So einen Mist hab ich schon lange nicht mehr gelesen.

z.B. Stundengebet: Sinn des Stundengebets ist doch die Heiligung des Tages durch regelmäßiges Gebet. Wenn eine große Menge von Psalmen und Gebeten geballt heruntergespult wird, ist der Sinn der Heiligung des Tages verfehlt. Wenn statt dessen immer wieder Gebetszeiten in den Tagesablauf eingebaut werden, morgens, mittags, abends, vor der Nachtruhe, dann ist das Ziel erreicht. Damit das praktikabel wird, kann es auch nötig sein, das Gesamtpensum des Stundengebetes zu reduzieren. Eine Viertelstunde ist auch als Lehrerin am St. Agnes in Stuttgart in der Mittagspause unterzubringen, eine halbe Stunde vielleicht schwer – dann verschiebt man das Mittagsgebet auf den frühen Morgen – oder lässt’s weg.

Warum Schwestern in der Messe nicht die dem entsprechenden Teil zukommende Gebetshaltung stehen/sitzen/knien einnehmen sollen, sondern durch Dauerknien auffallen, kann sich mir nicht erschließen. Es kann eigentlich nur der Hochmut sein: „Guckt her, wir sind besonders fromm (- und Ihr seid es nicht!)“ siehe Pharisäer im Tempel.

Was eine derart ausladende und gestärkte Haube für ein Leben für Gott zu tun haben soll, ist das gleiche Thema einer geheuchelten und zur Schau gestellten Demut.

Im Übrigen: Sießen kann sich von der Zahl der Neueintritte in den letzten Jahren und Jahrzehnten durchaus sehen lassen.
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