Im Grunde wollte ich nur Sex, Sex, Sex
Während der ganzen Seminarzeit war ich unfähig, einen anderen Menschen auf meinem Zimmer zu ertragen. Ich wurde blaß. Es bereitete mir Magenkrämpfe. Von einem Ex-Priester.
(kreuz.net/ ‘Vatican Magazin’) Den Rest möchte ich in aller Kürze erzählen: Ich wurde tatsächlich
Priester, freilich nicht in der Diözese, der mein Mißbraucher angehörte. Ich weiß noch, wie ich das
Seminar betrat, das ich mir vorher nicht einmal angeschaut hatte, so egal war es mir.
Wie ich da kniete und nicht wußte, warum. Ich war meinem Mißbraucher entkommen und war trotzdem gefangen, zuletzt in mir. Irgendwann dachte ich: Wenn ich schon nicht weg kann, ist das vielleicht Gottes Wille. Also – sei gehorsam, mach es!
Während der ganzen Seminarzeit war ich unfähig, einen anderen Menschen auf meinem Zimmer zu ertragen. Ich wurde blaß. Es bereitete mir Magenkrämpfe. Von meiner Spaltung wußte niemand.
Niemand ahnte etwas von meinen verrückten erotischen Wünschen, von meinen Fluchtträumen, vom Doppelleben in meinem Inneren. Ich las kluge Bücher.
Im Grunde wollte ich nur Sex, Sex, Sex. Würde die Geschichte heute spielen, einer wie ich in meiner damaligen Verfassung würde wohl in ein „Second Life“ abtauchen, sich in pornographischen Welten tummeln und darin mit Haut und Haaren versinken, versacken und verkommen. Gott sei Dank gab es diesen Horror damals noch nicht.
Mein Doppelleben flog nach meiner Diakonatsweihe auf. Auf einer Wallfahrt verliebte ich mich in ein eigenwillig schönes Mädchen. Wie es der „Zufall“ wollte, war sie aus demselben abgelegenen Dorf, in das man inzwischen meinen Mißbraucher versetzt hatte.
Ich möchte die zerrissenen Briefe nicht sehen, die ich Susanne schrieb. Die Briefe, die sie schrieb, waren eine einzige Provokation für mich: Sie forderte mich darin mit steigender Intensität auf, mich endlich um Pfarrer X. – meinen Mißbraucher – zu kümmern, er habe niemand, sei völlig einsam, verkomme im Alkohol.
Er rede gut von mir, ich sei der einzige Mensch, der ihm vielleicht helfen könne. Und dann kam der Brief von Susanne, in dem der Satz stand: „Wenn du nicht endlich was für ihn tust, bist du ein Schwein!“
Mein Antwortbrief, der Versuch einer verzweifelten Exkulpierung vor einem Mädchen, das mein Herz berührt hatte, war mein Outing. Wahrscheinlich staunte niemand mehr über das, was da plötzlich als mein „Warum“ auf dem Papier stand, als ich selbst.
Es war die Wahrheit, wenn auch noch nicht die ganze. Dazu brauchte es noch Jahre und die Hilfe anderer Menschen. Man hätte mich nicht weihen dürfen. Man tat es. Die Verantwortlichen wußten nicht genug von mir. Ich selbst kannte meine eigene Geschichte kaum.
Der Beitrag erschien ursprünglich im ‘Vatican Magazine’.
Nächstes Mal: Die Verwüstungen meiner Seele waren tiefgreifend
© Titelbild: Fickr-Benützer „cjb22“, CC
Wie ich da kniete und nicht wußte, warum. Ich war meinem Mißbraucher entkommen und war trotzdem gefangen, zuletzt in mir. Irgendwann dachte ich: Wenn ich schon nicht weg kann, ist das vielleicht Gottes Wille. Also – sei gehorsam, mach es!
Während der ganzen Seminarzeit war ich unfähig, einen anderen Menschen auf meinem Zimmer zu ertragen. Ich wurde blaß. Es bereitete mir Magenkrämpfe. Von meiner Spaltung wußte niemand.
Niemand ahnte etwas von meinen verrückten erotischen Wünschen, von meinen Fluchtträumen, vom Doppelleben in meinem Inneren. Ich las kluge Bücher.
Im Grunde wollte ich nur Sex, Sex, Sex. Würde die Geschichte heute spielen, einer wie ich in meiner damaligen Verfassung würde wohl in ein „Second Life“ abtauchen, sich in pornographischen Welten tummeln und darin mit Haut und Haaren versinken, versacken und verkommen. Gott sei Dank gab es diesen Horror damals noch nicht.
Mein Doppelleben flog nach meiner Diakonatsweihe auf. Auf einer Wallfahrt verliebte ich mich in ein eigenwillig schönes Mädchen. Wie es der „Zufall“ wollte, war sie aus demselben abgelegenen Dorf, in das man inzwischen meinen Mißbraucher versetzt hatte.
Ich möchte die zerrissenen Briefe nicht sehen, die ich Susanne schrieb. Die Briefe, die sie schrieb, waren eine einzige Provokation für mich: Sie forderte mich darin mit steigender Intensität auf, mich endlich um Pfarrer X. – meinen Mißbraucher – zu kümmern, er habe niemand, sei völlig einsam, verkomme im Alkohol.
Er rede gut von mir, ich sei der einzige Mensch, der ihm vielleicht helfen könne. Und dann kam der Brief von Susanne, in dem der Satz stand: „Wenn du nicht endlich was für ihn tust, bist du ein Schwein!“
Mein Antwortbrief, der Versuch einer verzweifelten Exkulpierung vor einem Mädchen, das mein Herz berührt hatte, war mein Outing. Wahrscheinlich staunte niemand mehr über das, was da plötzlich als mein „Warum“ auf dem Papier stand, als ich selbst.
Es war die Wahrheit, wenn auch noch nicht die ganze. Dazu brauchte es noch Jahre und die Hilfe anderer Menschen. Man hätte mich nicht weihen dürfen. Man tat es. Die Verantwortlichen wußten nicht genug von mir. Ich selbst kannte meine eigene Geschichte kaum.
Der Beitrag erschien ursprünglich im ‘Vatican Magazine’.
Nächstes Mal: Die Verwüstungen meiner Seele waren tiefgreifend
© Titelbild: Fickr-Benützer „cjb22“, CC
Der Artikel ist Teil der folgenden Reihe:
7. Im Grunde wollte ich nur Sex, Sex, Sex
Sämtliche Artikel weiterlesenWeiterlesen:
Samstag, 10. Mai 2008 22:16
pfarrverweser1: @pneumat, der sich besser Psychopath nennen sollte
Erstens sollten Sie mal Deutsch lernen. Zweitens die Bibel studieren! Wo kommt das Wort „zölibatär“
vor? Nirgends! Wo steht, dass Maria zölibatär lebte? Sie war mit Josef verlobt, das ist und war damals
umso mehr ein Eheversprechen! Und Jesus hatte Geschwister. Die sind namentlich erwähnt!
Wo steht, dass Jesus zölibatär lebte? Nirgends! Es wird darüber keine Aussage getroffen. Man kann sich nun fragen, wieso Maria von Magdala als erste am Grab war. Das entspräche doch der Handlungsweise einer liebenden Witwe. Aber derlei Gedanken kommen ja Ihnen nicht in den Sinn. Auch den Unterschied zwischen frei gewählter Keuschheit (Mönchtum) und oktroyierter Ehelosigkeit (Priestertum) – das ist ein Unterschied!!! – haben Sie nicht begriffen!
Ob ein Priester einsam ist und dem Alkohol verfällt, liegt hauptsächlich an seinem Zugehen auf die Menschen. Ich kenne sehr viele Priester meiner Diözese und darunter ist fast keiner, der mit seinem (mit der Entscheidung zum Priesteramt „mitgekauften“) Pflichtzolibat nicht zurecht kommt!
Im Übrigen lese man im 1. Timotheusbrief nach: „der Bischof sei ein einmal verheirateter Mann…“. Was sagt Ihnen das? Wahrscheinlich nichts, da Sie offenbar mit Scheuklappen herumlaufen. Passen Sie auf sich auf, Laternenpfähle gibt es viele, aber die sind ja wenigstens zölibatär!
Wo steht, dass Jesus zölibatär lebte? Nirgends! Es wird darüber keine Aussage getroffen. Man kann sich nun fragen, wieso Maria von Magdala als erste am Grab war. Das entspräche doch der Handlungsweise einer liebenden Witwe. Aber derlei Gedanken kommen ja Ihnen nicht in den Sinn. Auch den Unterschied zwischen frei gewählter Keuschheit (Mönchtum) und oktroyierter Ehelosigkeit (Priestertum) – das ist ein Unterschied!!! – haben Sie nicht begriffen!
Ob ein Priester einsam ist und dem Alkohol verfällt, liegt hauptsächlich an seinem Zugehen auf die Menschen. Ich kenne sehr viele Priester meiner Diözese und darunter ist fast keiner, der mit seinem (mit der Entscheidung zum Priesteramt „mitgekauften“) Pflichtzolibat nicht zurecht kommt!
Im Übrigen lese man im 1. Timotheusbrief nach: „der Bischof sei ein einmal verheirateter Mann…“. Was sagt Ihnen das? Wahrscheinlich nichts, da Sie offenbar mit Scheuklappen herumlaufen. Passen Sie auf sich auf, Laternenpfähle gibt es viele, aber die sind ja wenigstens zölibatär!
Samstag, 10. Mai 2008 17:16
pneumat: Um den Zölibat nochmal.
Es gibt meines Erachtens ums Thema kein entweder/oder. Unser Heiland und Seine Heilige Mutter waren zölibatär. Sie sind gewiss die idealen Vorbilder einer neuen engelhaften Menschheit. In der Apostolischen Kirche hat Zölibat die höchste Wertschätzung. Doch die milde Weisheit der Kirche bildete eine vernünftige Tradition, die zölibatären Bischofpositionen aus dem Mönchstand also, aus Klosterleuten zu besetzen. Im Kloster in einer strengen Askese, von der Welt geborgen können die Mönche mit dem Zölibat viel besser klar kommen. Doch nicht mitten in der Welt, wo so viel Versuchungen. Die Priester sind sich selbst gestellt, nicht wie im Kloster kontrolliert sie niemand. Sie üben keine Askese, essen jeden Tag Fleisch (was Geilheit fördert), trinken Wein, leben im Luxus, sind dem verdorbenen Zeitgeist ausgesetzt, haben genug zuviel Geld für weltliche Ablenkung usw. unf. Also, in dieser Situation können dem Zölibat nur die wenigen wahren Asketen, die echten berufenen Gebetsleute treu bleiben. Ich habe noch keinen gegenwärtigen katholischen Priester gesehen, der dem entspricht, vielleicht den Don Reto Nay ausgenommen. Oder kennt jemand noch welche?
Samstag, 10. Mai 2008 14:41
Gunsenum: Machen sie sich nur lustig!
Aus den Altersangaben schließe ich mal, daß der „Mißbraucher“ (Dieses Wort gibt es noch nicht, ist
aber logisch nach den funktionalgrammatischen Wortklassentransgressionen – und übergängen gebildet!)
ein Pfarrer, der in der, von den +.net-fundis als „guten,alten Zeit, als die Kirche noch in Ordnung war“
‘geschult’ wurde.
ergo kanns ja net nur am VII liegen,gell!?
Mir tut der ehem. priester leid. wieder sehen wir, was Mißbrauch an psychischen schäden zurückläßt.
ergo kanns ja net nur am VII liegen,gell!?
Mir tut der ehem. priester leid. wieder sehen wir, was Mißbrauch an psychischen schäden zurückläßt.
Samstag, 10. Mai 2008 13:44
20mancro5 †: Der wurde
In seiner Zeit auf dem Seminar doch nicht etwas gep…(ich wage es kaum auszusprechen
)
Samstag, 10. Mai 2008 13:41
Pünktchen: SCHRECKLICHES VERBRECHEN
Samstag, 10. Mai 2008 13:19
Parmenas: Es gibt kein Wort …
… „Mißbraucher“ …
Die Redaktion übernimmt keine Verantwortung für den Inhalt der Beiträge. Sie behält sich das Recht vor, Beiträge zu löschen sowie Leser aus der Debatte auszuschließen.






