Die neue Messe ist eine zweideutige, fragwürdige Messe
„Wenn ein Protestant dieselbe Messe zelebriert wie wir, interpretiert er den Text anders, weil sein Glaube anders ist.“ Erzbischof Marcel Lefebvre im Interview, das nicht veröffentlicht werden durfte.
(kreuz.net) Im Jahr 1978 machte ein US-Journalist ein Interview mit dem Gründer der Priesterbruderschaft
Sankt Pius X., Erzbischof Marcel Lefebvre († 1991). Das Gespräch durfte wegen einer Intervention hoher
kirchlicher Kreise nicht veröffentlicht werden. Hier der vierte Teil des Interviews.Könnten Sie mir eine neue liturgische Übersetzung zitieren, die den katholischen Dogmen widerspricht?
Ja. Im lateinischen Text wird die Jungfrau Maria immer als „Semper Virgo“ – immerwährende Jungfrau – bezeichnet. In den modernen Übersetzungen wurde das Wort „immerwährend“ gestrichen.
Das ist sehr schwerwiegend, weil es einen großen Unterschied zwischen „Jungfrau“ und „immerwährender Jungfrau“ gibt. Es ist außerordentlich gefährlich, mit Übersetzungen wie diesen herumzuhantieren.
Die lateinische Sprache ist auch wichtig, um die Einheit der Kirche zu bewahren. Wenn jemand reist – und die Leute reisen heute mehr und mehr in fremde Länder – ist es wichtig für sie, dieselben Klänge zu finden, die sie bei einem Priester zu Hause gehört haben, ob in den Vereinigten Staaten, in Südamerika, in Europa oder auf einem anderen Teil der Erde.
Sie sind in jeder Kirche zu Hause. Es ist ihre katholische Messe, die zelebriert wird. Sie haben die lateinischen Worte seit ihrer Kindheit gehört – und ihre Eltern vor ihnen und ihre Großeltern vor ihnen. Es ist ein identitätsstiftendes Zeichen ihres Glaubens.
Wenn sie in ein fremdes Land reisen, verstehen sie kein Wort. Ausländer, die hier herkommen, verstehen kein Wort. Was ist gut daran, eine Messe auf Englisch, Italienisch oder Spanisch zu besuchen, wenn keiner ein Wort versteht?
Aber würden die meisten Leute Latein nicht noch schlechter verstehen? Was ist der Unterschied?
Der Unterschied ist, daß das Latein der katholischen Messe immer durch die Religion gelehrt wurde, von Kindheit an. Es gibt zahlreiche Bücher zum Thema. Es wurde durch die Jahrhunderte gelehrt. Es ist nicht so schwierig zu verstehen.
Latein ist eine genaue Ausdrucksweise, die Generationen von Katholiken bekannt ist. Wann immer Latein in einer anderen Kirche gefunden wird, schafft es augenblicklich eine angemessene Atmosphäre der Gottesverehrung. Es ist die unverwechselbare Sprache des katholischen Glaubens, die alle Katholiken weltweit unabhängig von ihrer Landessprache verbindet.
Die Gläubigen sind deswegen nicht verwirrt oder verblüfft. Sie sagen: Das ist meine Messe, es ist die Messe meiner Eltern, es ist die Messe, der wir folgen müssen, es ist die Messe unseres Herrn Jesus Christus. Es ist die ewige und unveränderliche Messe.
Vom Standpunkt der Einheit aus, ist sie eine sehr wichtige symbolische Verbindung. Sie ist das Zeichen der Identität für alle Katholiken.
Aber das ist viel ernster als ein einfach ein Wechsel der Sprache. Unter dem Geist des Ökumenismus ist es ein Versuch, eine Annäherung an die Protestanten zu schaffen.
Welchen Beweis haben Sie dafür?
Das ist ziemlich offensichtlich. Es gab fünf Protestanten, die bei der Reform unserer Liturgie mithalfen. Der Erzbischof von Cincinnati, der während der Beratungen anwesend war, sagte, daß die fünf Protestanten nicht nur anwesend waren, sondern in den Debatten auch eine sehr aktive Rolle spielten und direkt an der Liturgiereform beteiligt waren.
Wer waren diese Protestanten?
Das waren Kultdiener, welche die verschiedenen protestantischen Denominationen repräsentierten. Sie wurden von Rom gerufen, um an der Reform der Liturgie teilzunehmen. Das zeigt klar, daß das ganze mit Absicht geschah.
Es handelte sich um Dr. George, Canon Jasper, Dr. Shepered, Dr. Smith, Dr. Koneth und Dr. Thurian. Mons. Bugnini hat den Zweck nicht verschwiegen. Er sagte ihnen sehr klar: „Wir werden eine ökumenische Messe machen, genauso wie wir eine ökumenische Bibel gemacht haben.“
All das ist sehr gefährlich, weil unser Glaube dabei angegriffen wird. Wenn ein Protestant dieselbe Messe zelebriert wie wir, interpretiert er den Text anders, weil sein Glaube anders ist.
Deswegen ist es eine zweideutige Messe. Das ist eine fragwürdige Messe und nicht länger die katholische Messe.
Welche ökumenische Bibel meinen Sie?
Vor zwei oder drei Jahren wurde eine ökumenische Bibelübersetzung herausgegeben, die von vielen Bischöfen anerkannt wurde. Ich weiß nicht, ob sie der Vatikan offiziell befürwortete. Aber zumindest verbietet er sie nicht, weil sie in vielen Diözesen verwendet wird.
Vor zwei Wochen lud der Bischof von Freiburg in der Schweiz zum Beispiel protestantische Pastoren dazu ein, allen Kindern an katholischen Schulen diese ökumenische Bibel zu erklären. Diese Unterrichtsstunden waren für protestantische und katholische Schüler gleich. Was hat diese ökumenische Bibel mit dem Wort Gottes zu tun?
Nachdem das Wort Gottes keiner Veränderung unterliegt, führt das alles mehr und mehr in die Verwirrung.
Wenn ich daran denke, daß der Erzbischof von Houston, Texas, seinen katholischen Firmlingen nicht erlaubt, die Firmung zu empfangen, bis sich nicht mit ihren Eltern an einem zweiwöchigen Kurs teilgenommen haben, der von dem örtlichen Rabbiner und einem protestantischen Pastor durchgeführt wird…
Wenn sich die Eltern weigern, ihre Kinder zu solchen Seminaren zu schicken, können die Kinder nicht gefirmt werden. Sie müssen ein vom Rabbiner und protestantischen Pastor unterzeichnetes Zeugnis vorweisen, daß beide – Eltern und Kinder – ordnungsgemäß an der Unterweisung teilgenommen haben. Nur so können sie vom Bischof gefirmt werden.
Das sind die Absurditäten, bei denen wir enden, wenn wir dem liberalen Weg folgen. Damit nicht genug: Wir landen auch bei den Buddhisten und Moslems. Viele Bischöfe waren verwirrt, als ein Vertreter des Papstes kürzlich auf eine schändliche Weise von den Moslems empfangen wurde.
Nächstes Mal: Christen und Moslems haben nicht den gleichen Gott
Der Artikel ist Teil der folgenden Reihe:
4. Die neue Messe ist eine zweideutige, fragwürdige Messe
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Dienstag, 13. Mai 2008 20:59
Lorenz: @Benedikt; okay
eine erkennbar nicht-alltagssprachliche, volkssprachliche Liturgie kann als die Schutzfunktion tragend gedacht werden. „Nehmet hin und esset alle davon“ ist in diesem Sinne besser als „Nehmt euch alle was davon und esst“.
Dienstag, 13. Mai 2008 20:22
Benedikt: @ Lorenz
Dennoch meine ich, dass man katholischerweise nicht alles von den Ursprüngen her erklären muss, sondern
auf die Traditionsentwicklung schauen muss.
Das meine ich auch. Nur kann man dann mE nicht auf eine Begründung zurückgreifen, die geradezu im Widerspruch zur früheren Praxis steht. Wenn es früher so war, dass die Liturgie sich der Muttersprache bediente, kann das nicht als völlig falsch bezeichnet werden.
Es gibt aber noch andere Gründe, die für eine Sakralsprache sprechen.
Man daraf aber auch nicht vergessen, dass auch eine muttersprachliche Liturgiesprache etabliert werden könnte. Dies wurde jedoch bei der Liturgiereform nicht verfolgt. Ich las mal einen Leserbrief von Gerald Gösche in der FAZ, wo er dies beklagte. Fand ich einen interessanten Ansatz.
Das meine ich auch. Nur kann man dann mE nicht auf eine Begründung zurückgreifen, die geradezu im Widerspruch zur früheren Praxis steht. Wenn es früher so war, dass die Liturgie sich der Muttersprache bediente, kann das nicht als völlig falsch bezeichnet werden.
Es gibt aber noch andere Gründe, die für eine Sakralsprache sprechen.
Man daraf aber auch nicht vergessen, dass auch eine muttersprachliche Liturgiesprache etabliert werden könnte. Dies wurde jedoch bei der Liturgiereform nicht verfolgt. Ich las mal einen Leserbrief von Gerald Gösche in der FAZ, wo er dies beklagte. Fand ich einen interessanten Ansatz.
Dienstag, 13. Mai 2008 19:05
Lorenz: @Benedikt
Gut, sie kennen sich da besser aus.
Dennoch meine ich, dass man katholischerweise nicht alles von den Ursprüngen her erklären muss, sondern auf die Traditionsentwicklung schauen muss.
Ein sakralsprachliches Opfer kann kaum von einem Laien in einer wouldbe-Zeremonie dargebracht werden. Latein schützt, wenn Sie so wollen, vor der Demokratisierung des Kultes. Dieses Schutzes bedurfte das Opfer vielleicht schon immer, doch konnte eine vollendete Ordnung nicht ad hoc festgelgt werden. Schließlich geht es um eine ins Mysterium gehüllte Wahrheit, der wir uns nur tastend nähern können.
Dennoch meine ich, dass man katholischerweise nicht alles von den Ursprüngen her erklären muss, sondern auf die Traditionsentwicklung schauen muss.
Ein sakralsprachliches Opfer kann kaum von einem Laien in einer wouldbe-Zeremonie dargebracht werden. Latein schützt, wenn Sie so wollen, vor der Demokratisierung des Kultes. Dieses Schutzes bedurfte das Opfer vielleicht schon immer, doch konnte eine vollendete Ordnung nicht ad hoc festgelgt werden. Schließlich geht es um eine ins Mysterium gehüllte Wahrheit, der wir uns nur tastend nähern können.
Dienstag, 13. Mai 2008 17:54
HeinrichderZweite: Liebe Clarissa colonia,
Sie blödeln den Alois hier wohl als Clarissa Darling an. Originaltitel: Clarissa Explains it all, eine Comedyserie, die hauptsächlich auf das Publikum im Teenageralter abzielt und entsprechend abgeschmackt ist. Liebe Clarissa Darling, wenn Sie erst mal in die Pubertät gekommen sind, dann werden Sie einige Dinge auch anders sehen.
Dienstag, 13. Mai 2008 17:15
Benedikt: @ Lorenz
Da die meisten Liturgiesprachen sich ursprünglich nach der jeweiligen Volkssprache richteten, vermag das wenig zu überzeugen. Was aber nicht heißen soll, dass eine Sakralsprache nicht doch Vorteile hätte.
Dienstag, 13. Mai 2008 17:10
Lorenz: Latein und Opfer
allerorten wird die Latein-Volkssprach-Debatte mit Praxisargumenten geführt. Latein-Befürworter sprechen
von Einheit und Verständlichkeit im Ausland; Gegner von Unverständlichkeit für das Volk.
Der eigentliche Punkt:
Ist die Messe Opferhandlung oder Mahl?
Falls letzteres angenommen wird, passt die Volkssprache. Falls ersteres angenommen wird, bedarf es äußerster Ordnung und Schutz für das Opfer, das ja beim christlichen Opferkult ein unschuldiges ist. Ein unschuldiges Opfer fordert den allerhöchsten Respekt und kann daher nur schwer in der Sprache (Sprache ist das Werkzeug der Opferung) dargebracht werden, in der die Opfernden fluchen, lästern und witzeln.
Der eigentliche Punkt:
Ist die Messe Opferhandlung oder Mahl?
Falls letzteres angenommen wird, passt die Volkssprache. Falls ersteres angenommen wird, bedarf es äußerster Ordnung und Schutz für das Opfer, das ja beim christlichen Opferkult ein unschuldiges ist. Ein unschuldiges Opfer fordert den allerhöchsten Respekt und kann daher nur schwer in der Sprache (Sprache ist das Werkzeug der Opferung) dargebracht werden, in der die Opfernden fluchen, lästern und witzeln.
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