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Dienstag, 22. Februar 2005 13:24
Monsignore Luigi Giussani ist tot
Monsignore Giussani gründete die in Italien politisch und wirtschaftlich sehr mächtige katholische Laienbewegung ‘Gemeinschaft und Befreiung’. Der Priester starb heute Nacht um 3:10 Uhr in seiner Wohnung in Mailand an Kreislauf- und Nierenversagen. Vor einigen Tagen war er an einer schweren Lungenentzündung erkrankt. Monsignore Giussani wurde 82 Jahre alt.
(kreuz.net, Mailand) Monsignore Luigi Giussani war eine der wichtigsten Persönlichkeiten des zeitgenössischen italienischen Katholizismus.

Er wurde am 15. Oktober 1922 in Desio bei Mailand geboren. Die von ihm gegründete Bewegung ‘Gemeinschaft und Befreiung’ ist in gewisser Weise das italienische Gegenstück zum spanischen Opus Dei.

Sie besitzt ihr Zentrum im norditalienischen Mailand.

Viele Mitglieder der Bewegung sind in der politischen Partei des gegenwärtigen italienischen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi tätig.

Rocco Buttiglione, der von Linksfundamentalisten im EU-Parlament aus dem Amt gedrängte designierte EU-Justizkommissar, steht der Bewegung nahe.

Mitglieder von ‘Comunione e Liberazione’ sind auch stark im italienischen Wirtschaftsleben engagiert. Es gibt einen eigenen Zusammenschluß von Industriebetrieben, die der Bewegung nahestehen.

Von Anfang an war ‘Gemeinschaft und Befreiung’ auch an den italienischen Universitäten aktiv.

Luigi Giussani trat zehnjährig in das Kleine Priesterseminar der Erzdiözese Mailand ein. Dort fand er nach eigenen Angaben auch Gelegenheit, die Romane von Jules Verne zu lesen.

Seine theologischen Studien absolvierte er in Venegono, dem Priesterseminar der Erzdiözese Mailand. Dort war er anschließend als Theologieprofessor tätig.

Seine erste bekannte theologische Publikation war eine Schrift mit dem Titel „Die Haltung der Protestanten und Orthodoxen gegenüber dem Dogma der Aufnahme Mariens in den Himmel“. Sie wurde 1951 publiziert.

Sechs Jahre später wechselte Don Giussani als Religionslehrer an das Gymnasium „Giovanni Berchet“ in Mailand.

Dort schreibt er sein Werk „Der religiöse Sinn“. Es sollte zum Kultbuch der von ihm später gegründeten Laienbewegung werden.

In dieser Zeit begann Giussani, Jugendliche um sich zu sammeln. Die Gruppe nannte sich zunächst „Studentische Jugend“. Daraus ging die kirchlich anerkannte Laienbewegung ‘Comunione e Liberazione’ – Gemeinschaft und Befreiung – hervor.

In der Zeit von Papst Paul VI. wurde Don Giussani von seinen kirchlichen Oberen eher an den Rand gedrängt.

Sein Erzbischof und ehemaliger Professor verordnete ihm sogar eine zweijährige Sabbatzeit in den Vereinigten Staaten. Doch Don Giussani blieb nur sechs Monate dort.

Am Ende des unruhigen Jahres 1968 begann er in der Katholischen Universität Mailand die Bewegung ‘Gemeinschaft und Befreiung’.

Einer der theologischen Ziehväter der Gruppe war der nicht unumstrittene Schweizer Theologe Hans Urs von Balthasar.

‘Communione e Liberazione’ wurde schnell ein wichtiger religiöser und politischer Faktor in Italien.

Die Bewegung gründete ihr eigenes Verlagshaus, das sich „Jaca Book“ nennt.

Mit dem inzwischen eingestellten „Movimento popolare“ stiegen die Jünger Giussanis auch in die politische Arena, nicht ohne sich durch Bündnisse mit zweifelhaften katholischen Politikern zu kompromittieren.

Von landesweiter Bedeutung ist ein jährlich im Sommer im italienischen Badeort Rimini stattfindender kultureller Großanlaß, der sich „Meeting der Völker“ nennt.

Auf Deutsch publizieren Mitglieder der Bewegung von Don Giussani die Monatszeitschrift ‘30 Tage’.

Die Bewegung von Don Giussani fand innerkirchlich nicht nur Freunde.

Vor allem die politisch eher linksorientierte ‘Katholische Aktion’ stellte sich ihr als ein mächtiger Feind entgegen. Sie unterhielt beste Kontakte zu Papst Paul VI.

Das färbte sich auf die Beziehungen der neokonservativen Bewegung von Don Giussani zum Heiligen Stuhl ab.

Erst 1977 – ein Jahr vor seinem Tod – empfing Papst Paul VI. zum ersten Mal eine Delegation von Comunione e Liberazione. Papst Paul VI. kannte als früherer Erzbischof von Mailand, seinen damaligen Priester Don Giussani gut.

Zum Besseren wandten sich die Dinge für Gemeinschaft und Befreiung teilweise während des Pontifikates von Papst Johannes Paul II. Über einen Priesterfreund hatte ihn Don Giussani schon als Kardinal von Krakau kennengelernt.

Unter dem gegenwärtigen Papst wurde die von Don Giussani gegründete Bewegung im Jahre 1982 vom Päpstlichen Laienrat kirchlich anerkannt.

Doch gleichzeitig ernannte Johannes Paul II. im Jahr 1979 den Jesuiten Carlo Maria Kardinal Martini SJ zum Erzbischof von Mailand. Während seiner Amtszeit herrschte ein angespanntes Verhältnis zwischen der Gemeinschaft und der erzbischöflichen Kurie in Mailand.

Gegenwärtig ist ‘Gemeinschaft und Befreiung’ in 75 Ländern tätig.

Zur ihr gehört auch die Vereinigung „Memores Domini“. Es handelt sich dabei um unverheiratete Laien, die ein gemeinschaftliches Leben führen und in der Welt arbeiten.

Don Giussani unterrichtete bis 1990 an der Katholischen Universität von Mailand das Fach „Methode der Katholischen Theologie“.

Das Begräbnis von Monsignore Luigi Giussani wird am Donnerstag den 24. Februar im Mailänder Dom stattfinden.
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Alle Lesermeinungen anzeigen 6 von 14 Lesermeinungen:
Samstag, 27. Mai 2006 11:05
Dr. Otterbeck: Die Grenzlinie
zwischen Kirche und Politik, kreuz.net beweist es täglich, ist so leicht nicht zu ziehen. In jedem europ. Land „leidet“ der nachkonzilare Katholizismus an Folgen der vorkonziliaren Positionierung inmitten der lokalen Politik; in Dtld. der Inferioritätskomplex, in Österr. der Austrofaschismus, Franco, Mussolini, Vichy. Aber diese Belastungen nehmen ab, sie sind historisch, unds bewahrheiten wird sich, dass die größere Distanz, die das Konzil zwischen Vatikan und Quirinal angeordnet hat (bildlich gesprochen: für die ganze Kirche) der erste Schritt zum Umsetzung von „Quas primas“ sein wird.
Aber anders als damals für möglich gehalten, nämlich auf den Wegen des Geistes, nicht der Gewalt.
Donnerstag, 3. März 2005 14:14
bagradian: Stimme aus dem Tradiland!!!
Liebe Stimme aus dem Tradiland!
Trotz meiner letzten Meldung bin ich an deiner Meinung und an deiner Erfahrung stark interessiert. Wo bist Du denn verschwunden?
Frodo: ich habe erfahren, daß zwei von den 3 Bändern vom Giussani „Grundkurs der christlichen Erfahrung“ sind vom Bonifatius Verlag schon herausgegeben worden. Es handelt sich um „Der Relgiöse Sinn“ und um „Am Ursprung des christlichen Anspruchs“. Den Zweiten habe ich z.B. bei der Wiener Dombuchandlung gefunden, falls Du Interesse hast, oder bei Kuppitsch am Schottentor. In den zwei Büchern kann man wahrscheinlich Informationen zu deinem Thema finden!
Samstag, 26. Februar 2005 23:43
Frodo: frodo
Anbei etwas von Ratzinger über den Verstorbenen.
„Kardinal Ratzinger würdigt Don Luigi Giussani
Großer Trauergottesdienst für den verstorbenen Gründer der kirchlichen Erneuerungsbewegung „Comunione e Liberazione“ im Mailänder Dom – „ Christentum ist kein intellektuelles System, kein Moralismus und kein Paket von Dogmen“, sondern „eine Begegnung mit Gott, ein Ereignis „“
Wo kann man mehr Informationen darüber finden?
Donnerstag, 24. Februar 2005 14:57
bagradian: Der entscheidende Mangel an C&L
Liebe Stimme aus dem Tradiland,
ich finde Dich vielleicht etwas zu konservativ. Du verurteilst ideologisch alles, was der strengsten Lefebvrianischen Doktrin nicht entspricht. Aber das ist leider nicht die katholische Kirche, die Kirche unter JP II hat schon die Bewegung „CL“ im Jahre 1982 anerkannt, hat offiziell ausgesagt, daß die Erfahrung von CL vom Heiligen Geist kommt. Wie kannst du dich gegen solche Aussagen aussprechen. Du sagst, du wollest die Orthodoxie der Kirche verteidigen, aber der Papst selbst, mit vielen Bischöfen und Kardinälen, hat sich schon öfters für die Güte dieser Erfahrung ausgedrückt.
Die Erfahrung… das finde ich als Mangel in dir… Du redest sehr gut über die „Doktrine“ des Christentums, über die Gesetze und die Rythen, die das Christentum hat – und die ich für wahr und wertvoll halte.
Aber ich habe diese Menschen kennengelernt, und sie leben das Christentum – wie es immer gewesen ist, auch am Anfang, eine Gemeinschaft, wo die Jünger mit Jesus zusammngelebt haben – im Alltag.
Das finde ich wesentlich in dem, was uns Giussani gelehrt hat, was uns der jetztige Papst lehrt: daß Christus mit allem und mit allen zu tun hat, und daß Christus schon gewonnen hat.
Die Art und Wiese, wie CL das Christentum in ihrem Charisma vorstellt und lebt, versucht in dessen Tiefe, in dessen Ursprung zu gehen, wo man wirklich auf Christus geschaut hat, wie er alles lebte, betrachtete, behandelte.
Deshalb bin ich von ihnen faszieniert, und ich werde zu diesen Exerzitien gehen. Ich glaube, was wir jetzt brauchen ist nicht nur Messen, Messen und dann Rosenkränze zu beten (das tun wir mehr oder weniger schon), sondern besser zu verstehen, daß Christus in jedem Augenblick, jedem Bereich und jedem Menschen gegenwärtig ist, und daß das Christentum das ganze Leben des Menschen verändert.
Das lehrt und Giussani auf eine sehr konkrete und faszinierende Art und Weise: mit seinem Leben und seiner Erfahrung.
Dann gibt es Fehler, Betrüge und Unfähigkeiten, wie überall, aber das Ideal und der Weg sind klar gezeichnet
Mittwoch, 23. Februar 2005 13:16
Stimme aus dem Tradiland: Der entscheidende Mangel bei C&L
Ich bin eben von diesen Menschen faszieniert, und möchte jetzt unterscheiden können, was Gutes und was Schlechtes in Ihnen ist.

Ich war in Österreich bei C&L. Es gab damals nur eine sehr kleine Gruppe in Wien, die ständig in ihrem Bestand gefährdet war, weil immer wieder welche weggezogen, ausgeschieden sind etc. Damaliger Höchststand würde ich schätzen: 5- 6 Leute. Die Gruppierung ist jetzt sicher anders, weil später – nach meiner Zeit – eine Reihe von C&L Mitgliedern zum Studieren nach Wien gekommen ist.

Was ist der grundsätzliche Mangel von C&L? Dass es voll und ganz Bestandteil der Konzilsgedächtniskirche ist, das heißt V2 und NOM in allen Facetten. Dann ist es ziemlich subjektivistisch: Wie fühlst Du Dich dabei? Was fällt Dir zu der Stelle ein, die Du von Don Giussani gerade gehört hast? Hoffentlich fällt jemandem etwas ein, denn sonst kommt peinliches Schweigen.

Die subjektivistischen Stellungnahmen führen dann allenfalls weiter zu theologischen Fragen, zu deren Lösung praktisch immer den Leitern der Gruppen das nötige Rüstzeug fehlt. Vielleicht ist bei bestimmten Anlässen ein Priester dabei, dann ist es besser, aber doch immer in den Grenzen von V2, Novus Ordo etc. In den häufigen Fällen, in denen C&L Leiter mit Fragen überfordert sind, versuchen Sie meist zum Giussani-Text zurückzukehren, der häufig furchtbar langweilig ist. Allenfalls ist dann auch Ende der Debatte.

Was man in solcher Runde wirklich machen sollte, nämlich Katechismusunterricht, Lesung von Heiligenvitae, Bibeltexte der nächsten Sonntagsmesse vorweg zu studieren, Rosenkranzgebet, fehlt völlig, auch bei mehrtägigen Treffen, die wahrscheinlich eine Art Jugendlager sein sollen, jedenfalls keine Exerzitien sind. Die einzigen Gebete, an die ich mich erinnern kann, sind der Engel des Herren und das Tischgebet (immerhin).

Letzlich führt das alles nicht zum prächtigen Schatz der katholischen Tradition, zur wahren Katholizität der Hl. Kirche. Immer nur Giussani, Giussani, Giussani, bis zum „Abwinken“, man kann auch sagen: Bis zum „Erbrechen“. Dazu noch: Was fällt Dir dazu ein (nichts besonderes natürlich, weil es an der Vorbildung fehlt, aber es kommen Fragen auf, die nicht beantwortet werden können, vielleicht manchmal sogar: sollen)?

Dass auch zwischen Gruppierungen wie C&L und der Welt noch ein ausreichender Unterschied ist, um den Unterschied als angenehm zu empfinden, ist klar. Meine Gattin ist durch die moraltheologischen Stellungnahmen des Hl. Vaters zum Katholizismus gekommen und hat vor ihrer Konversion die V2-Texte, die ihr gegeben wurden, als besonders katholisch empfunden. Allerdings konnte sie das besondere der Hl. Messe im NOM nicht nachvollziehen. Erst, als sie die alte Messe kennenlernte, verstand sie den besonderen Charakter (Opfer usw.) der Hl. Messe. Die Hl. Messe im NOM empfand sie, die seinerzeit sogar evangelikal gewesen, als ziemlich protestantisch…
Mittwoch, 23. Februar 2005 10:42
bagradian: Athanasius & Stimme aus dem Tradiland
OK, Athanasisu: welche sind diese Faktoren?
Stimme aus dem Tradiland: sind Ihre Bemerkungen vielleicht etwas, das der Vergangenheit gehört, das den britschen, polnischen, italienischen Umgebungen gehört, oder haben Sie schlechte Erfahrungen in Österreich auch? Ich bin eben von diesen Menschen faszieniert, und möchte jetzt unterscheiden können, was Gutes und was Schlechtes in Ihnen ist.
Es scheint mir eben nicht schlecht auf, daß einer seine Geborgenheit in CL findet, oder daß die Jugendlichen aus Polen nach Italien fahren durften, oder daß Mädchen und Burschen aufgrund einer missionarischen Initiative ins Ausland ziehen. Was ist der eigentliche Punkt?
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