[ « 17 18 19 20 21 » ]
Donnerstag, 15. Mai 2008 22:45
Kein eigentliches Schisma
Ein Kurienkardinal findet, daß Priester an Sonntagen auch ohne Anfragen der Gläubigen Pfarrgottesdienste im Alten Ritus halten könnten. Die neue Karfreitagsfürbitte für den Alten Ritus will er nicht ablehnen.
Kardinal Castrillon zelebriert selber die Alte Messe.
Kardinal Castrillon zelebriert selber die Alte Messe.
(kreuz.net, Vatikan) Die Priesterbruderschaft St. Pius X. befinde sich „nicht in einem eigentlichen Schisma“.

Das erklärte der Präsident der päpstlichen Kommission ‘Ecclesia Dei’, Dario Kardinal Castrillon Hoyos, kürzlich im Gespräch mit der italienischen Journalistin Vittoria Prisciandaro für die Zeitschrift ‘Jesus’.

Die deutsche Webseite Summorum-Pontificum.de hat das ganze Interview übersetzt.

Irregulär
Kardinal Castrillon beschreibt die Situation der Piusbruderschaft als irregulär. Sie sei durch eine „schismatische Handlung“ – die vier unerlaubten Bischofsweihen durch Erzbischof Marcel Lefebvre im Jahr 1988 – entstanden.

Eine Versöhnung mit der Piusbruderschaft hält der Kardinal für möglich. Er steht in regelmäßigem brieflichen und
Kardinal Castrillon
hat am 28. März den Brief eines nicht-katholischen Bischofs erhalten, der mit anderen Bischöfen und Priestern zur Kirche kommen will.
telefonischen Kontakt mit dem Generaloberen der Bruderschaft, Bischof Bernard Fellay. Es gebe noch „einige Meinungsverschiedenheiten.“

Der Kardinal hofft, daß die Piusbruderschaft ihren kirchenrechtlichen Status als ganze regulieren wird: „Ich möchte nicht, daß sie sich spaltet.“

Wenn dennoch ein einzelner Priester von der Piusbruderschaft komme, „müssen wir“ ihn aufnehmen.

Kardinal Castrillon erwähnt auch den Brief eines „nicht katholischen“ – vermutlich sedisvakantistischen – Bischofs, der mit andern altgläubigen Bischöfen und Priestern in die Kirche kommen möchte. Das Schreiben sei erst am 28. März verfaßt worden.

Kardinal Castrillon
Kardinal Castrillon
Neue Leseordnung für Alte Messe

Die Idee, in der Alten Messe die Leseordnung der Neuen Liturgie zu benützen, scheint Kardinal Castrillon zu gefallen.

Er möchte den „liturgischen Reichtum“ der neuen Leseordnung nicht „vergeuden“. In der reformierten Messe werde über die Jahre praktisch die ganze Bibel gelesen. Unerwähnt läßt der Kardinal, daß es kaum Priester gibt, die diesen Ritus täglich zelebrieren.

Die Lese-Ordnung des Neuen möchte er auch in den Alten Ritus aufnehmen.

Angesprochen auf die von Kardinalstaatsekretär Tarcisio Bertone angekündigten weltweiten Ausführungsbestimmungen zum Motu Proprio hält sich der Kardinal bedeckt.

Nur der Heilige Vater werde entscheiden, ob und wann die Veröffentlichung eines solchen Dokumentes geschehen solle.

Er lehnt die Karfreitagsfürbitte nicht ab
Eine Frage zum Karfreitagsgebet für die Juden beantwortete Kardinal Castrillon mit einer Gegenfrage: „Ist es denn keine gute Sache, wenn wir für unsere Brüder, die Söhne Abrahams, beten?“

Abraham sei der Vater des Glaubens, erklärt der Kirchenfürst: „Aber er steht in einer Kette der Erlösung, die auf den Messias hofft. Und der Messias ist gekommen.“

Kardinal Castrillon zitiert die Apostelgeschichte, wo sich 5.000 Juden
Vollkommene Neuschöpfung?
Kardinal Castrillon hält die von Papst Benedikt XVI. für den Alten Ritus formulierte Karfreitagsfürbitte für „vollkommen“.
an einem Tag bekehrten.

„Ich lehne das Gebet in der Neuen Liturgie nicht ab. Aber ich halte die neuformulierte Fürbitte des außerordentlichen Ritus für vollkommen.“

Der Kardinal selber betet „sehr gerne“ für die Bekehrung befreundeter Juden: „Ich glaube wirklich daran, daß Jesus der Sohn Gottes und der Erlöser aller Menschen ist.“

Den Hausverstand gebrauchen
Im Interview bietet der Kardinal auch eine Lösung für den Fall, daß es in einer Diözese wenige Priester gibt und nur drei oder vier Gläubige um eine Alte Messe bitten.

Es sei schwierig einen einzigen Priester nur für die Altgläubigen einzuteilen.

Doch der Papst betrachte die Alte Messe als Schatz zum Wohl der ganzen Kirche: „Wenn kein Priester speziell abgestellt werden kann, wäre es wohl am besten, eine der Sonntagsmessen in einer Pfarrei nach dem außerordentlichen Ritus zu feiern.“

Die Frage der Journalistin, ob Priester auch ohne Anfrage einer festen Gruppe eine Alte Sonntagsmesse feiern könnten, bejaht der Kardinal.

Angesprochen auf eine Definition der „festen Gruppe“ verweist er auf den gesunden Menschenverstand.

Der Kardinal fragt sich auch, warum es ein Problem sein sollte, wenn die Altgläubigen aus verschiedenen Pfarreien zusammenkommen. Auch die Anzahl der Gruppenmitglieder sei eine Sache des guten Willens.

Er hat auch gemerkt, daß auf dem Land zu einer Werktagsmesse im Neuen Ritus häufig nur drei oder vier Gläubige kommen:

„Warum könnte es pastoral notwendig sein, ihnen eine Alte Messe zu verweigern, wenn die gleichen drei Leute danach verlangen?“

Unpräzise Theologie
Kardinal Castrillon äußerte sich im Interview auch zum Latein. Er bedauert, daß Seminaristen und auch „einige“ Priester kein Latein studiert hätten. Um die Alte Messe zu lesen, solle man zumindest den Kanon der Messe kennen.

Die päpstliche Kommission Ecclesia Dei bereite derzeit Veranstaltungen, Kurse und auch elektronische Hilfsmittel zur Erlernung der Alten Messe vor.

Der Kardinal stellt in der wissenschaftlichen Welt ganz allgemein ein Interesse an der Rückkehr des Lateinischen fest.

In den vergangen Jahren seien nicht nur die Sprache, sondern auch theologische Inhalte, die mit der semantischen Präzision des Lateinischen verbunden sind, verlorengegangen.

Kardinal Castrillon ist darüber „traurig“.

Quelle Bilder: The new liturgical Movement
Alle Lesermeinungen anzeigen 6 von 21 Lesermeinungen:
Sonntag, 18. Mai 2008 19:38
Protopsaltis †: Von der Redaktion entfernt
Freitag, 16. Mai 2008 22:10
HeinrichderZweite: Lieber Bernd – Jupp,
Dann wären Sie nicht nur mal wieder in der Tagespresse zu finden, sondern wären mit Sicherheit gleich oberster Gralshüter dieser Gemeinschaft!
… mit Sicherheit nicht. Beim Eintritt wird jeder geprüft. Ausserdem muss er so handeln wie er handelt, das verlangt seine Rolle als Tradi-Versteher. Final ist er wie der ganze Vatikan darauf eingeschworen, diese ekelhaften Wahrheitsfanatiker auszurotten. Das Spielchen good guy / bad guy verlangt hat, dass jeder seine Rolle kennt und auch entsprechende spielt.
Freitag, 16. Mai 2008 22:01
Bernd-Jupp: Wäre doch ein guter Nachfolger
Also eine Abspaltung der Pius-Brüder nicht zu sehen, das heißt doch die Augen vor der Wirklichkeit zu verschließen. Nur beim lieben Kardinal Hoyes frage ich mich schon länger, ob er de facto nicht viel lieber ein Mitglied der Piusbruderschaft wäre, als so ein nichtssagender Kardinal im Vatikan, der von den meisten seiner Mitbrüder aufgrund seiner neokonservativen Haltung gemieden wird. Vorschlag meinerseits an den kolumbianischen Hardliner: Wechseln Sie doch einfach, lieber Herr Kardinal. Dann wären Sie nicht nur mal wieder in der Tagespresse zu finden, sondern wären mit Sicherheit gleich oberster Gralshüter dieser Gemeinschaft!
Freitag, 16. Mai 2008 17:45
Tridentinus: Und de facto solch eine Lösung
wie bei den Protestanten wäre auch extraordinario Usu möglich. Die Lesungen und Evangelien bleiben wie gehabt, und auch diese sind es, die weiterhin liturgisch verkündet (gesungen) werden, aber gepredigt kann über andere Texte werden, bei deren Auswahl könnte man sich ja an der Leseordnung des Usus ordinarius orientieren. Ginge zB so, dass nach dem lat. Gesang von Epistel und Evangelium nicht deren Übersetzung deutsch verlesen würde, sondern diese Predigtperikopen. Kein Problem, weil man im alten Ritus sowieso nicht unbedingt über das Sonntagsevangelium predigen muss!
Freitag, 16. Mai 2008 16:48
Defensor Fidei: @ LandorganistII: Leseordnung bei den Evangelischen
Selbstverständlich haben die Protestanten eine Leseordung.

Habe ich das je bestritten?

Allerdings nicht in einem drei- sondern in einem sechsjährigen Zyklus.

Tja, da hätten Sie sich schon ein bißchen besser informieren sollen. Die Leseordnung bei den Evangelischen wird nicht wie in der katholischen Kirche in einem Turnus von drei oder gar sechs Jahren gewechselt, sondern bleibt gleich.

Die evangelische Liturgie kennt jedoch neben den Lesungen noch eigene Texte, die der Predigt zugrunde gelegt werden. Hier gibt es sechs Zyklen. Die Reihe 1 orientiert sich an den Evangelientexten der Sonntage, die Reihe 2 an den Lesungen, die an den Sonntagen aus den neutestamentlichen Briefen entnommen werden. Die Reihen 3 und 5 legen weitere Texte aus den Briefen zugrunde, die Reihen 4 und 6 wählen aus weiteren Evangelientexten aus. Es werden also der Predigt mehr Texte zugrunde gelegt als die Texte, die für die Lesungen vorgesehen sind.
Freitag, 16. Mai 2008 13:30
clarissa colonia: Werter Heinrich,
leider ist Ihnen ein Irrtum unterlaufen:
Das Kirchenrecht, das galt, als der außerordentliche noch der ordentliche Ritus war (und darüber hinaus), hatte strengstens jede Form der Hl. Messe ohne Gottesvolk verboten, so daß wenigstens ein Gläubiger als Repräsentant des Volkes anwesend sein mußte (z. B. ein Ministrant).
Erst das Kirchenrecht von 1983 hat die Möglichkeit der Zelebration ohne einen einzigen Gläubigen (außer dem Zelebranten) ermöglicht.
Alle Lesermeinungen anzeigen 15 weitere Lesermeinungen
Die Redaktion übernimmt keine Verantwortung für den Inhalt der Beiträge. Sie behält sich das Recht vor, Beiträge zu löschen sowie Leser aus der Debatte auszuschließen.
Copyright © 2008 kreuz.net