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Mittwoch, 21. Mai 2008 10:10
Ich habe mir mein eigenes Christentum zurechtgelegt
Man kann heute auch Christ sein, ohne die Jungfäulichkeit Mariens, die Auferstehung und die Wunder Jesu wörtlich zu nehmen.
Gläubiger Christ ohne den Glauben?
Gläubiger Christ ohne den Glauben?
(kreuz.net) In seinem Hirtenbrief für die Fastenzeit, erinnerte der Bischof von Chur, Mons. Vitus Huonder, unter anderem an die Notwendigkeit der Beichte vor dem Kommunionempfang.

Das traditionell antikirchliche Pfarrblatt für den Kanton Zürich, das sich ‘Forum’ nennt, publizierte von dem Brief eine entschärfte Zusammenfassung.

In der Folge veröffentlichte es auch zwei Negativ-Leserbriefe dazu.

Der erste stammte von einem gewissen Walter Artho aus Schlieren – einer Stadt in der Agglomeration Zürich:

„Die Auszüge aus dem Fasten-Hirtenbrief von Bischof Vitus Huonder haben bei mir Kopfschütteln ausgelöst“ – wußte Artho zu bezeugen.

Für ihn sei das „naive Erstkommuniongläubigkeit“ wie vor fünfzig oder mehr Jahren.

Artho macht auch einen Versuch zur „Ehrenrettung des Bischofs“, unterstützt „vorbehaltlos“ seine Aufforderung zu häufiger Bibellektüre und läßt sofort eine Einschränkung folgen:

„Man sollte sich dann auch unbefangen den Fragen stellen, die das Lesen der Bibel aufwirft.“

Wenn man sich in katholischen Gottesdiensten Schriftlesungen und Schriftauslegungen anhöre, bekomme man den Eindruck, „als hätte eine historisch-kritische Bibelwissenschaft nie existiert“.

Die historisch-kritische Bibelwissenschaft war eine inzwischen falsifizierte Auslegungsmethode aus dem vorletzten Jahrhundert.

Man könne heute auch Christ sein, ohne die Jungfäulichkeit Mariens, die Auferstehung und die Wunder Jesu wörtlich zu nehmen.

Entscheidend sei „die Botschaft, das Geistige, die Idee dahinter“. Alles sei eine Frage der Interpretation.

Von „denkenden Menschen“ könne man nicht verlangen, daß sie dogmatische Vorgaben unwidersprochen hinnehmen würden: „Glaubwürdig und zeitgemäß scheint mir eine mystisch-philosophische Spiritualität zu sein.“

Dann fällt Artho ein Zitat von Johann Wolfgang von Goethe († 1832) ein: „Ich habe mir mein eigenes Christentum zurechtgelegt.“

„Das sollte auch Katholiken erlaubt sein“ – beschließt er seinen Leserbrief.

Der zweite abgedruckte Leserbrief stammt von Frau Agatha Gachnang-Dekker, Tann – ein Ort südöstlich von Zürich.

Frau Gachnang meckert an dem vom Bischof gebrauchten „Wortschatz“ herum:

„Der Diözesanbischof beschreibt in seinem diesjährigen Hirtenbrief die Messe in Worten, die ich weder gegenüber Kindern und Jugendlichen noch gegenüber Erwachsenen je gebrauchen würde.“

Frau Gachnangs Frage: „Muß sein Wortschatz so differieren von jenem eines Normalbürgers?“

Mit einem selektiven Wortschatz und Wortgebrauch könne „eine geschlossene Gruppe den Zugang zu ihr erschweren.“

Für Draußengelassene wirke das frustrierend, „wenn sie Zugang möchten“.

Sie suche den Zugang zur Botschaft Jesu – bekennt Frau Gachnang und startet einen Lobgesang auf sich selber:

„Ich habe genug Lebenserfahrung, Intelligenz, Wissen über die Kirchengeschichte und auch Gnade, um mich der Botschaft, welche Jesus seinen Jüngerinnen und Jüngern mitgab, zu öffnen.“

Jesus habe die Leute immer wieder angeregt, „selber zu denken und zu verstehen, was befohlen, geglaubt, gesittet war.“

Frau Gachnang scheint nicht zu merken, daß diese Schlußaussage ihrer Ausgangsthese widerspricht.

Positive Wortmeldungen zu dem Hirtenbrief veröffentlichte das Pfarrblatt keine.
Alle Lesermeinungen anzeigen 6 von 44 Lesermeinungen:
Donnerstag, 22. Mai 2008 21:31
Alkuin: Zum Thema „Geschwister“ Jesu:
Eine der Hauptstellen für das Argument bezüglich die Geschwister Jesu liegt im Markus Evangelium:

Mk 6,3:Ist das nicht der Zimmermann, der Sohn der Maria und der Bruder von Jakobus, Joses, Judas und Simon? Leben nicht seine Schwestern hier unter uns? Und sie nahmen Anstoß an ihm und lehnten ihn ab.

Allein gesehen ist es „fast“ ein Beweis für die „Geschwister“ Jesu, aber insgesamt gesehen gibt es kein Basis für diese Irrglaube:

Maria Frau des Cleophas, Schwester der Hl. Mütter (Joh 19,25) ist die Mutter von o.e. Jakobus und Josef (Mk 15,47;Mt 27,56), die die Brüder Jesus genannt werden (Mk 6,3)

Joh 19,25 Bei dem Kreuz Jesu standen seine Mutter und die Schwester seiner Mutter, Maria, die Frau des Klopas, und Maria von Magdala.

Mk 15,47 Maria aus Magdala aber und Maria, die Mutter des Joses, beobachteten, wohin der Leichnam gelegt wurde.

Mt 27,56 Zu ihnen gehörten Maria aus Magdala, Maria, die Mutter des Jakobus und des Josef (andere form von Joses), und die Mutter der Söhne des Zebedäus.

Die Bezeichnung Bruder/Schwester wird häufig auch für Verwandten benutzt die keine Geschwister sind.

Nur zwei Beispiele Vergleiche: Gen 29,13-15 …Laban, Jakobs Unkel nennt Jakob sein Bruder!

Gen 29,13 Als Laban von Jakob, dem Sohn seiner Schwester, hörte, (…)
Gen 29,15 sagte Laban zu ihm: Sollst du mir umsonst dienen, weil du mein Bruder bist? Sag mir, welchen Lohn du haben willst.Und Gen 13,8 und 14,14 Lot , Abrahms Neffe (Gen 11,26-28;14,12), wird Abrahms Bruder genannt!
Donnerstag, 22. Mai 2008 15:56
Mathias Wagener: Christ sein
Christ sein kann man nicht ohne das, was im Glaubensbekenntnis bekundet wird, zu glauben. Selbstgestricktes kann man sicher glauben, wenn man sich selbst für den Größten hält.
Mittwoch, 21. Mai 2008 22:33
paranoia †: ach so…
dann bin ich sehr beruhigt, denn natürlich gehe ich davon aus, dass ich viel böser als die anderen bin, das wird mir auch immer wieder bestätigt!!!
Mittwoch, 21. Mai 2008 22:31
Ultramontanus: Gutmensch=
einer der sagt: „die anderen sind ganz phöse (-nur nicht ich-)“ und sich dabei unheimlich gut fühlt.
Mittwoch, 21. Mai 2008 22:29
paranoia †: Muss ich
den „Gutmensch“, jetzt etwa negativ verstehen?
Mittwoch, 21. Mai 2008 22:23
Ultramontanus: Hoff was du willst,
Gutmensch.
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