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Dienstag, 20. Mai 2008 18:51
Der Segen des großen Johannes XXIII.
Ob es einen Priester im Ort gibt, ist egal. Denn es gibt ein Gesetz, und nach diesem Gesetz muß die Heilige Messe sterben.
In Aachen werden Messen bewußt und künstlich durch Wortgottesdienste ersetzt.
In Aachen werden Messen bewußt und künstlich durch Wortgottesdienste ersetzt.
(kreuz.net, Blankenheimerdorf) Die Laiengremien der 1000-Seelen Gemeinde Blankenheimerdorf in der Eifel widersetzen sich seit dem vergangenen Oktober den Anweisungen des Aachener Bischofs und des Regionaldekans.

Blankenheimerdorf liegt siebzig Kilometer südöstlich von Aachen. Die Bevölkerungsstruktur ist mehrheitlich konservativ und politisch der CDU zugewandt.

Im Ort gibt es noch ein reges kirchliches Leben. Beim Sonntagsgottesdienst ist die Kirche voll besetzt.

Die Vorgeschichte
Die Spannungen begannen im vergangenen Herbst, als die Bistumsleitung auf dem üblichen Verordnungsweg die „Gemeinschaft der Gemeinden“ einführte.

In einem neuen Verbund „Heiliger Apostel Matthias“ wurden zehn Gemeinden unter der Leitung von zwei Pfarrern zusammengefaßt.

Es wurde ein Pastoralkonzept präsentiert, das Meßfeiern im Rotationsverfahren vorsieht und jeder Gemeinde im Fünf-Wochen-Rhythmus eine Wortgottesfeier verordnet.

Die Gemeinde Blankenheimerdorf wies darauf hin, daß sie noch keine Wortgottesfeier brauche, da im Ort ein Priester im Vorruhestand lebe, der bisher Meßfeiern immer gehalten habe und dies auch weiterhin tun könne und wolle.

Hinzu käme, daß dieser Priester sich großer Beliebtheit erfreue und ein Stück „Seele des Dorfes“ geworden sei.

Doch damit waren die vom Bischof eingesetzten Pfarrer nicht einverstanden. Sie bestanden auf „Gleichbehandlung aller Gemeinden“, lehnten jede weitere Diskussion ab und verlangen eine gefügige Annahme der Anordnungen.

Doch die Gemeinde ersetzt die anberaumten Wortgottesdienste durch öffentliche Proteste vor der Kirche. Sie lud die Presse ein, organisierte Friedensgebete und wandte sich im November in einem Schreiben an Bischof Heinrich Mussinghoff von Aachen.

Weitere Schreiben gingen an die Deutsche Bischofskonferenz und an den Nuntius in Berlin. Einige Gläubige wandten sich sogar an den Papst.

Inzwischen hatte man auch den Kanon 1248 Paragraph 2 im Kirchenrecht entdeckt, wo es heißt: Wenn ein Priester am Ort ist, der eine Messe halten kann und will, darf keine Wortgottesfeier stattfinden.

Eine Antwort aus Rom
Am vergangenen Pfingstsamstag wurden die Gläubigen der Ortschaft nach dem Gottesdienst gebeten, auf eine Erklärung ihrer Laiengremien zu warten.

Frau Johanna Vith aus dem Leitungsteam berichtet kurz über die monatelangen Streitereien mit dem Bistum. Die Gemeinde hatte sich an viele Stellen gewandt und wurde – so Frau Vith – nie wirklich ernst genommen.

Dann berichtete Frau Vith über die Antwort des Vatikan auf eine entsprechende Anfrage. Rom habe schnell und präzise reagiert und gebe der Gemeinde recht.

Frau Vith las das Schreiben mit dem päpstlichen Emblem vor.

Darin erklärt Erzbischof Francesco Coccopalmerio – Präsident des Päpstlichen Rates zur Auslegung der Gesetzestexte: „Ich stimme mit Ihrer Meinung überein: Die Messe darf nur ersetzt werden, wenn kein Priester anwesend ist und zelebrieren kann.“

Doch die Aachener Diözese hat bereits die Lösung gefunden: Der ortsansäßige Priester wird im Herbst entpflichtet und in den endgültigen Ruhestand versetzt. Damit ist auch dem Kirchenrecht Genüge getan.

„Was hat unser Widerstand gebracht?“ – fragen sich viele Gemeindemitglieder.

„Wir haben es wenigstens versucht“ – so die Haltung der Laiengremien: „Vielleicht können wir auch anderen Mut machen, eben nicht alles klaglos hinzunehmen. Wir sind mündige Christen!“

Dann meinte eine betagte Kirchenbesucherin: „Der Segen des großen Johannes XXIII. hat wohl über unserem Dorf gelegen.“

© Titelbild: Jerome Stevenson, CC
Alle Lesermeinungen anzeigen 6 von 25 Lesermeinungen:
Freitag, 23. Mai 2008 22:29
edwin: Bischof oder Behördenleiter?
Da wird in Verwaltungsakten gedacht und gehandelt. Der Bischof als Behördenleiter?
Wenn es einer Gemeinde besser gehen könnte als anderen, warum wird dann unser Auge böse? Die Gerechtigkeit im Weinberg Gottes ist eine andere. Es zeigt sich übrigens im Argument „Gerechtigkeit“ die sozialistische Denkweise: Hauptsache es geht keinem besser, lieber allen geht es gleich schlecht!
Donnerstag, 22. Mai 2008 21:20
Benedikt: @ Gotthard
ABER dieses kleine Blankenheimerdorf ist nicht bereit, alle 5 Wochen einen sonntäglichen Wortgottesdienst zu feiern… das sagt alles über die Solidarität mancher Gremien und Gemeinden in schwieriger Zeit aus.

Sie sollten diese Anschuldigung noch zurücknehmen. Möchtegern-Kathole hat das nötige gesagt: Blankenheimersdorf besteht nicht zu ungunsten anderer Gemeinden auf dieser Messe.
Donnerstag, 22. Mai 2008 12:43
Marcelus: Die Weiterexistenz von deutschen Großparteien mit dem „C“ für „christlich“ im Parteinamen ist eine
sehr interessante politische Erscheinungsform für die Bundesrepublik Deutschland (CDU – Christdemokratische Union) und für den Freistaat Bayern (CSU – Christlich-Soziale Union),
im letzteren sogar zuletzt mit 2/3-Mehrheit im Parlament ausgestattet,
während die BRD über lange Zeiten hinweg unter CDU-Führung regiert wird,
und das mit Millionen nicht-christlichen Immigranten und BRD-Eingebürgerten.
Mittwoch, 21. Mai 2008 19:09
Nachtlaterne: wie vermessen sind doch…
…wir christen unde nichtchristen, dass wir allen ernstes glauben, wir könnten unsere eigene gerechtigkeit über die gerechtigkeit gottes stellen, ja gottes gerechtigkeit sogar unserem merkwürdigen gerechtigkeitssinn unterordnen. wie maßlos verblendet sind wir, dass wir meinen das leben, die liebe, die gerechtigkeit und der friede auch nur zum teil selber zu sein.
Mittwoch, 21. Mai 2008 11:58
Gotthard: @hacki
Die Gemeinde sollten mit Unterschriften eine Alte Messe kämpfen.
die Gemeinde wird wohl diese liturgische „Erneuerung“ nicht wollen …warum sollte sie auch?
Mittwoch, 21. Mai 2008 10:05
Hacki: Jetzt wäre die Stunde des Motu Propr.
Die Gemeinde sollten mit Unterschriften eine Alte Messe kämpfen. Ein passender altgläubiger Priester wird sich schon finden lassen.

„Alles gute muß erstritten werden“,
sagte die hl. Crescentia von Kaufbeurern.


Und außerdem ist der wortreiche NOM viel abträglicher für den alten Glauben als eine stille Anbetung oder gemeinsames Rosenkranzbeten.
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