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Dienstag, 27. Mai 2008 09:44
Eigentümliche Unschärfe
„Bereitschaft zur Bewegung“ ist sicher immer notwendig. Die Frage ist nur: Wohin sollen wir uns bewegen? Und: Wer geht voran? Von Hw. Hendrick Jolie.
Der Dom zu Limburg
Der Dom zu Limburg
(kreuz.net) „Bereitschaft zur Bewegung – Perspektiven für die Seelsorge im Bistum Limburg.“

Mit einem Hirtenbrief unter diesem Titel hat sich der neue Bischof von Limburg, Mons. Franz-Peter Tebartz-van Elst, zu Pfingsten 2008 an das Kirchenvolk gewendet.

Anlaß sind die aufgrund des Gläubigen- und Priestermangels sowie aufgrund der Finanzlage notwendig gewordenen Umstrukturierungsmaßnahmen, die der Bischof für seine Diözese ankündigt.

In dem Hirtenwort geht es ihm nach eigenem Bekunden sowohl um ein „geistliches Wort“ wie auch um „pastorale Perspektiven“.

Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst
Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst
Traurige Erinnerungen

Was fällt zunächst auf? Interessant ist, daß in den Medien – bis hin zur ‘Frankfurter Allgemeinen Zeitung’ – vor allem jenes bischöfliche Wort aufgegriffen wurde, wonach die herkömmlichen Pfarreien in der Vergangenheit „theologisch“ überbewertet worden seien.

Wer der Übeltäter dieser Überbewertung war, wird nicht gesagt.

Das Wort weckt traurige Erinnerungen an die mißglückten Aussagen des Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch, der den Zölibat des Priesters als „theologisch nicht notwendig“ klassifizierte.

Erzbischof Zollitsch meinte damals vermutlich, daß der Zölibat kein Dogma sei und den katholischen Glauben nicht im Kern betreffe. Eine umwerfende Erkenntnis, nicht wahr?

Die Wirkung der erzbischöflichen Worte war jedoch eine ganz andere:

Selbstverständlich hörte die Öffentlichkeit heraus, daß der Zölibat nach Auffassung von Mons. Zollitsch nicht notwendig sei.

Messerscharf titelte die ‘Frankfurter Allgemeine Zeitung’ am kommenden Tag: „Zollitsch rückt vom Zölibat ab.“

Viele unbeantwortete Fragen
Ein ähnliches Schicksal könnte die obengenannten Worte des Limburger Bischofs ereilen.

Betrifft die angebliche Überbewertung der Pfarreien ihre konkrete territoriale Ausgestaltung oder gar ihre sakramentale Struktur?

Diese Frage wird in dem bischöflichen Schreiben unzureichend geklärt.

Denn der Bischof mag offenbar nicht von „Strukturen“ oder „Strukturdiskussionen“ reden. Mehrfach warnt er darum davor, Strukturdiskussionen in den Vordergrund zu rücken.

Noch einmal. Meint er eine Diskussion über die sakramentale Struktur oder geht es ihm um Diskussionen über veränderliche, weil zeitbedingte Strukturen?

Es bleibt der Eindruck einer eigentümlichen Unschärfe zurück.

Werden im Augenblick in Deutschland nicht gerade die kirchlichen Strukturen verändert? Und ist es unter diesen Umständen etwa verwunderlich, daß die Frage nach den Strukturen die Gläubigen besonders beschäftigt?

Bewegung ohne Umkehr?
Eine weitere Beobachtung: Die Wendungen „Herausforderung/herausgefordert“ kommen in den dreizehn Seiten des Schreibens insgesamt elfmal vor.

In der Tat stellt, wie wir alle wissen, jede Zeit besondere Herausforderungen an die Kirche.

Schade nur, daß dieser pfingstliche Hirtenbrief im Zusammenhang mit dem Wort „Herausforderung“ und dem Aufruf zu einer „Gewissenserforschung“ nur die „Besinnung auf die Prioritäten“ erwähnt.

Die Worte „Umkehr“, „Buße“ und „Vergebung“, die doch zentraler Inhalt der Pfingstpredigt des Petrus waren, kommen im gesamten Schreiben nicht vor – auch nicht das Bußsakrament, das der Herr am Abend des Ostertages durch die Spendung des Heiligen Geistes eingesetzt hat (Joh 20,22).

Weil die geforderte „Bereitschaft zur Bewegung“ – so der Titel des Hirtenwortes – offenbar ohne Metanoia auskommt, wird auch verschwiegen, daß es bei der Feier der Eucharistie – die der Bischof als das Zentrum der Pfarrei ausmacht – eben nicht nur um die „Kommunion mit dem Auferstandenen“ geht und um ein „Zusammenkommen“ oder um „Gemeinschaft im Glauben“, sondern um das Opfer Christi, das der Heiland ein für allemal dargebracht hat zur Sühne für unsere Sünden.

Da das Wort vom „Opfer“ im ganzen Hirtenwort nicht fällt und auch das Wort vom „Kreuz“ nicht vorkommt, ist es nicht verwunderlich, daß die bischöfliche Infragestellung von Kommunionfeiern eher zaghaft geschieht:

„Auf Dauer“, so der Bischof, dürfe man diese Feiern nicht als „Ersatz“ für die Eucharistie ansehen.

Wie bitte? Sind diese Feiern denn nicht ganz prinzipiell kein Ersatz für das Meßopfer?

Die Rolle des Priesters verschwimmt
Ein letztes: Die Priester, so der Bischof, seien nicht ersetzbar. Gleichzeitig vermeidet er es jedoch, im Zusammenhang mit den Pfarreien von deren Leitung durch den Priester als Hirten zu sprechen.

Sicher ist es richtig, daß die Priester beauftragt sind, „Christus in den Sakramenten der Kirche darzustellen.“

Sind sie aber nicht auch die autoritativen Lehrer des Glaubens und die eigentlichen Leiter der Gemeinden? Oder gehört diese Dimension priesterlichen Dienstes am Ende auch zur „theologischen Überbewertung der Gemeinden?“

Andrerseits: Im Bistum Limburg residierten unter Bischof Franz Kamphaus Pastoralreferenten als „Quasi-Gemeindeleiter“ in Pfarrhäusern.

Es wird für den Bischof nicht leicht sein, hier wieder ordnungsgemäße Zustände herbeizuführen. Vielleicht soll hier kein Öl ins Feuer gegossen werden.

Fazit: Der Bischof müht sich, seine Gläubigen für die vorgesehenen Änderungen gewogen zu stimmen.

Da die begriffliche Klarheit an entscheidenden Punkten vermieden wird, bleibt es weiterhin ungewiß, wohin die Reise geht.

„Bereitschaft zur Bewegung“ ist sicher immer notwendig. Die Frage ist nur: Wohin sollen wir uns bewegen? Und: Wer geht voran?

Exzellenz, wir flehen Sie an: Schenken Sie Ihren Priestern und Gläubigen die notwendige Klarheit, die alle brauchen, um sich in Bewegung zu setzen.

Zeigen Sie den Menschen in Ihrem Bistum, wo die Herausforderungen tatsächlich liegen.

Scheuen Sie sich nicht, die schwierigen Zustände im Bistum Limburg – man denke nur an die Homo-Gemeinde in Frankfurt – anzusprechen.

Das wäre eine echte Herausforderung. Die Gläubigen würden es Ihnen danken.
Alle Lesermeinungen anzeigen 6 von 84 Lesermeinungen:
Donnerstag, 29. Mai 2008 17:45
Jörg Guttenberger, Köln: Landorganist: Vergleich
Natürlich verstehe ich nicht, was Sie meinen.

Sie behaupten, man könne beide Chöre nicht miteinander vergleichen. Wieso nicht? Sofern Sie Qualitäts- oder sonstige Unterschiede festgestellt haben, haben Sie doch vergleichen müssen, denn Vergleichen heißt nichts Anderes, als Herausarbeitung von Gemeinsamkeiten und Unterschieden. Wie wollen Sie die von Ihnen festgestellten Unterschiede ohne Vergleich feststellen?

Ich habe den Eindruck, Sie verwechseln vergleichen und gleichsetzen!
Donnerstag, 29. Mai 2008 15:45
LandorganistII: @Herr Guttenberger,
ich bekenne, Ihnen gerade nicht ganz folgen zu können. Macht aber nix, sehen Sie es als Zeichen meiner Beschränktheit. Dennoch gehe ich davon aus, dass Sie verstehen, was ich meine.
Donnerstag, 29. Mai 2008 14:29
Jörg Guttenberger, Köln: Landorganist: Vergleich
heißt nicht gleichsetzen, sondern herausarbeiten von Gemeinsamkeiten und Unterschieden. So sind Sie doch durch den von Ihnen selbst beanstandeten Vergleich zu Ihrer Meinung gekommen!
Donnerstag, 29. Mai 2008 14:13
Humilitas: Bewegung in Richtung schwierige Zustaende
Guter Beitrag. Lasst uns hoffen, dass man sich im Bistum Limburg auch auf Probleme wie die Homo-Gemeinde in Frankfurt ‘hinbewegt’.
Dass das Wort des Opfers nicht faellt ist natuerlich bedauerlich, andererseits nicht sonderlich verwunderlich. Man braucht sich ja nur die Formulierungen in der neuen Messform anschauen, wo der Opfercharakter in den Hintergrund rueckt und total verwaessert wird…
Donnerstag, 29. Mai 2008 11:14
mit der Capella Sistina zu vergleichen ist eine Beleidigung der Engländer. Wenn ich im Vatikan was zu sagen hätte, wäre eine erste Maßnahme die völlige Neubesetzung des Chores und der für die Musik Verantwortlichen an St.-Peter, incl. des Organisten.

@Stromberg

Die feierlichste Liturgie, auch im alten Ritus, steht und fällt mit der Kirchenmusik. Ein Stümper an der Orgel vermag mehr Schaden anzurichten, als der dem Volke abgewandte Priester am Hochaltar. Von dessen Tun bekommt die Gemeinde eh nix mit.
Donnerstag, 29. Mai 2008 08:10
Brandenburgis: ICh wollte ja nun keineswegs
den KCC disqualifizieren. Vieleicht hatte er ja auch sein us and downs? Waren gelegentlich schlecht präpariert? Passiert ja fast jedem einmal.
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