Wo die Heiligen vorüberzieh’n
Seele, willst Du die Häßlichkeit der Sünde und die Größe des Heiligen Altarsakramentes erkennen? Dann lies, was Dir die heilige Theresa von Avila aus ihrem Leben zu berichten hat.
(kreuz.net) Als ich einmal im Begriff war, zur heiligen Kommunion zu gehen, sah ich vor mir mit den Augen
der Seele zwei Teufel häßlichster Gestalt. Ihre Hörner schienen die Gurgel des armen Priesters, der
die Kommunion austeilte, zu umschlingen.Gleichzeitig erkannte ich die große Majestät meines Herrn in der Hostie, die dieser Priester mit seiner Hand austeilte. Es war offensichtlich, daß die Hände des Priesters die Hände eines Sünders waren, und ich fühlte, daß die Seele des Geistlichen in der Todsünde gefangen war.
Was für ein Anblick, mein Herr, deine Schönheit inmitten solch häßlicher Gestalten zu betrachten! Die zwei Teufel waren in Deiner Gegenwart so verängstigt und eingeschüchtert , daß es mir vorkam, sie wären am liebsten auf und davongelaufen, wenn Du ihnen dazu die Erlaubnis gegeben hättest.
Von dieser Vision war ich so verwirrt, daß ich nicht wußte, wie ich zur Kommunion gehen sollte. Ich fürchtete mich auch deshalb sehr, weil ich dachte, daß mir die göttliche Majestät, wenn diese Vision wirklich von ihr stammte, niemals erlaubt hätte, den katastrophalen Zustand der Priesterseele zu bemerken.
Da wies mich mein Herr an, für diesen Priester zu beten. Er sagte mir, daß er mir diesen Anblick erlaubt hätte, damit ich die Macht der Konsekrationsworte verstünde. Mag der Priester, der diese Worte ausspricht, noch so sündhaft sein, Gott ist in der heiligen Hostie trotzdem präsent.
Gott ließ diesen Anblick auch zu, damit ich seine unendliche Güte erkenne und verstehe, daß er sich für mein Wohl und das Wohl der ganzen Welt in die Hände seines Feindes ausliefert.
Damals begriff ich, daß die Priester mehr verpflichtet sind, heilig zu sein als andere Personen. Ich verstand, wie schrecklich es ist, das allerheiligste Altarsakrament unwürdig zu empfangen und wie groß die Macht des Teufels über eine Seele in der Todsünde ist.
Das war mir eine Lehre und ließ mich begreifen, wieviel ich Gott verdanke. Möge er in Ewigkeit gepriesen sein!
Aus dem 38. Kapitel der Autobiographie der heiligen Ordensreformerin und Mystikerin Theresia von Avila († 1582)
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