Alte Messe
In der Liturgie hat in den letzten vierzig Jahre die modernistische Abrißbirne gewütet
Der Neue Ritus leidet an zwei Hauptkrankheiten: Er will nicht primär Gott durch die Darbringung des unbefleckten Sühneopfers von Kalvaria die Ehre erweisen. Damit verfehlt er auch das pastorale Ziel der menschlichen Heiligung. Interview mit Hw. Siegfried Lochner.
Alte Messe
Alte Messe
© Lawrence OP, CC
(kreuz.net) Im Februar äußerte sich der Militärdekan an der Theresianischen Militärakademie in Wiener Neustadt, Hw. Siegfried Lochner, vor dem Diözesanblatt des Erzbistums Vaduz über das Motu Proprio, die Alte Messe und den liturgischen Niedergang.

Herr Militärdekan, wurde die Alte Messe jemals verboten?

‘Summorum Pontificum’ und das Begleitschreiben zum Motu Proprio sprechen ganz klar davon, daß das von Johannes XXIII. letztmalig herausgegebene tridentinische Missale niemals rechtsgültig aufgehoben worden ist.

Gilt das auch für die Bulle ‘Quo primum’, mit welcher der Heilige Papst Pius V. im Jahr 1570 das Römische Meßbuch kirchenweit einführte?

Jeder Ausgabe des Missale Romanum, auch das von 1962, wurde als unantastbare Grundnorm die Bulle ‘Quo primum’ des Heiligen Pius V. vorangestellt, sodaß dieselbe selbstverständlich durch ‘Summorum Pontificum’ als rechtsgültig wiederverlautbart anzusehen ist.

Wird der Alte Ritus auch im konkreten Leben der Kirche eine Rolle spielen?

Davon gehe ich aus. Natürlich wird das nicht von heute auf morgen geschehen. Die liturgische Aufbauarbeit im ehedem christlichen Abendland wird sehr mühevoll werden, nachdem man in diesem Bereich vierzig Jahre lang mit der modernistischen Abrißbirne gewütet hat.

Außerordentlich und ordentlich
Kardinal Ratzinger liest ein Pontifikalamt im außerordentlichen Ritus, 1999 in Weimar.Konzelebranten bei einer Papstmesse im ordentlichen Ritus in Brasilien.Hochzeit im außerordentlichen Ritus.

Und außerhalb Europas?

Es gibt außerhalb Europas in Asien und Afrika sehr viele positive Anzeichen einer segensbringenden Umsetzung des päpstlichen Willens durch einen wahrhaft romtreuen Episkopat.

Warum hat die Rehabilitierung des Alten Ritus fast vierzig Jahre gedauert?

Vierzig ist eine in der Heiligen Schrift öfters genannte Zahl, die für Buße, Wüste und Vorbereitung steht. Diese Symbolik paßt auch auf die Kirchengeschichte der letzten Jahrzehnte. Der Greuel der Verwüstung an heiliger Stätte war und ist doch unübersehbar geworden.

Strenggenommen sind es „nur“ 38 Jahre gewesen, die seit der Auferlegung der Neuen Messe vergangen sind.

Genau. 38 Jahre war jener Gelähmte am Teich Siloe alt, dem der Heiland durch ein Wunder die Gesundheit schenkte. Der Heilige Augustinus sagt in seiner Erklärung zu dieser Stelle, daß damit zum Ausdruck gebracht werde, daß es dem Kranken hauptsächlich an zwei Dingen gebrach: der Gottes- und Nächstenliebe.

Wie paßt das auf den Neuen Ritus?

Das könnte bedeuten, daß der Neue Ritus an zwei Hauptkrankheiten leidet: Er will nicht mehr primär Gott durch die Darbringung des unbefleckten Sühneopfers von Kalvaria die Ehre erweisen und verfehlt damit auch das pastorale Ziel der menschlichen Heiligung.

Sind Ihnen in diese Richtung noch weitere Dinge aufgefallen?

Ja. Es ist weiters zu bemerken, daß der Heilige Vater sein Motu Proprio am Herz -Maria Samstag des Monats vom kostbaren Blute publizierte, und es am Fest Kreuzerhöhung in Kraft treten ließ. Das sind mit Sicherheit keine bloßen Zufälle.

Wie deuten Sie das?

Das gläubige Empfinden sieht den Zusammenhang zwischen dem von der Gottesmutter in Fatima vorausgesagten Triumph ihres unbefleckten Herzens und der unblutigen Erneuerung des Kreuzesopfers in der Heiligen Messe, von welcher der Kirche alle notwendigen Heilsgnaden zufließen.

Also ein göttlicher Hinweis?

Vielleicht mußten diese vierzig Jahre vergehen, weil Gott uns in aller Deutlichkeit daran erinnern wollte, daß wir getrennt von ihm nichts tun können, und uns daher an die Offenbarung halten müssen und nicht an selbstgebastelte Wunschbilder.

Wie meinen Sie das?

Das gilt in besonderem Maße für die göttliche Liturgie, die man ja bis in ihren heiligsten Offenbarungskern hinein umgemodelt hat, wenn ich etwa an die bewußt manipulierten Wandlungsworte denke.

Nicht zuletzt wird unser mangelhaftes Gebet in diesen Anliegen ein Grund sein, daß wir solange auf diesen für die Kirche so vielverheißenden neuen Anfang warten mußten.

Nächstes Mal: Ministrantinnen und Handkommunion im Alten Ritus?
      
13 Lesermeinungen
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#13   Andrauos   19:27:17 | Samstag, 31. Mai 2008
@LandorganistII
Danke! Sie sprechen mir aus der Seele!
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#12   monti   13:06:36 | Samstag, 31. Mai 2008
@Ministrant
Dann solltet sie als Pfarrgemeinderatsvorsitzender diese Seite lieber meiden…hier tümmeln sich viele Kranke, Sektierer, Schismatiker und Kirchenhetzer…
Mindestens 2 dieser Bezeichnungen treffen auf Sie zu ! :-S
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#11   Bernd Stromberg   20:08:58 | Freitag, 30. Mai 2008
@Bernd-Jupp
Die Menschen sind verschieden, und so auch eine Spiritualität. Von daher sollte es Wahlmöglichkeiten und eine legitime Pluralität geben. Ich persönlich bin kein exklusiver Anhänger des außerordentlichen Usus, schätze diesen aber sehr. Ebenso schätze ich den ordentlichen Usus, wenn er getreu den liturgischen Büchern und ohne bewußte oder unbewußte Entsakralisierungen gefeiert wird.
Eine Messe mit „Neuen Geistlichen Liedern“ und „erfrischender Geschwisterlichkeit“ wäre für mich persönlich sicher nichts, ich würde sie tunlichst meiden. Aber wenn Ihnen das gefällt, sollen Sie hingehen. Und so denke ich auch, dass all diejenigen, die sich der Liturgie in ihrer älteren Form verbunden fühlen, die Gelegenheit haben sollten, es auch zu tun. Keine der beiden usus kann für sich beanspruchen, die allein wahre Liturgie zu sein. Beide sind in sich wertvoll und gut. Es wäre wichtig, wenn sich die Anhänger beider Usus endlich nicht mehr befehden würden.
Die Zahl der am „Usus atiquior“ Interessierten ist von Region zu Region unterschiedlich. Es ist sicher keine Massenbewegung, aber dennoch hat er viel Potential, gerade auch unter jungen Leuten. Lassen Sie sich nicht von kreuz-net und der unsäglichen Art, hier darüber zu sprechen, ein falsches Bild vermitteln. Schauen Sie sich einfach mal diese Seite an: The New Liturgical Movement …icalmovement.blogspot.com/. Diese Seite ist nicht fanatisch, sondern informativ. Bei weitem nicht alle Freunde lat. Liturgie (alt wie neu) sind geifernde Hardcoretradis!
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#10   Robert Ketelhohn   15:40:57 | Freitag, 30. Mai 2008
Makelloses Opfer
Richtig, Solideo. Googelt einfach nach „makelloses Opfer“. Oder lest Hbr 9,14 (mit substantivischem „Opfer“ allerdings nur auf deutsch, auf Latein wird das verbal ausgedrückt: qui per Spiritum Sanctum semet ipsum obtulit inmaculatum Deo – ος δια πνευματος αιωνιου εαυτον προσηνεγκεν αμωμον τω θεω).
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#9   Ministrant   14:06:20 | Freitag, 30. Mai 2008
@ Cebreio
Dann solltet sie als Pfarrgemeinderatsvorsitzender diese Seite lieber meiden…hier tümmeln sich viele Kranke, Sektierer, Schismatiker und Kirchenhetzer… :-@
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#8   solideo   14:05:04 | Freitag, 30. Mai 2008
unbeflecktes Sühneopfer
unbefleckt -makellos
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#7   Bernd-Jupp   14:01:34 | Freitag, 30. Mai 2008
Und wieder die alter Leier
Ja, ja, ja – außer den Schreibern hier gibt es keine romtreuen Katholiken – wir anderen sind ja schon alle vom Glauben abgefallen. Ich bin nur heilfroh, dass ich morgen wieder mit hunderten von Menschen – in einer (wohlgemerkt) zu- und nicht abnehmenden Gemeinde – die Messe im neuen Ritus feiern darf; mit neuen geistlichen Liedern und einer erfrischend geschwisterlichen Atmosphäre. Nur gut, dass der Hw. Herr Mitbruder Militärdekan in Vaduz ist – wenn man die Geschichte dieser Diözese anschaut, wundert einen ja nichts mehr.
Und apropos Asien und Afrika und die alte Liturgie: Dass ich nicht lache. Jede und jeder, der schon mal längere Zeit sich in Afrika aufgehalten hat weiß, dass dort noch ganz andere Riten gefeiert werden. So manchem+net-ler würde es da die Schuhe ausziehen bzw. ein Kollaps seinem Leben ein schnelles Ende setzen.
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#6   palestrina   13:54:37 | Freitag, 30. Mai 2008
unbefleckt
Lieber Kollege vom Lande
es muss ja schlecht um Euch Modernisten bestellt sein, wenn dieses Gehetze nötig ist. Stattdessen hätten Sie ja mal die Frage des Herrn Pfarrgemeinderatsvorsitzenden beantworten können. :-S
„Unbefleckt“ ist eine Formulierung, die tatsächlich selten vorkommt. Meist wird stattdessen „unblutig“ gesagt, was die Vergegenwärtigung des Kreuzesopfer, obwohl ein echtes Opfer, doch von den „blutigen“ (Tier)opfern des Alten Testamentes unterscheidet.
Ich vermute, so ist auch das „unbefleckt“ zu verstehen.
Wenn ich mich irre, so würde mich eine bessere Erklärung auch interessieren.
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#5   Freinsberg   13:47:19 | Freitag, 30. Mai 2008
unbeflecktes sühnopfer?
Die Messe ist Gedächtnisfeier (Anamnese), in der das Opfer Christi gegenwärtig und uns zugewendet wird. Insofern kann man die Messe auch Sühnopfer nennen. Im römischen Kanon und auch sonst im Verlauf der Messe (z. B. „Orate, fratres“) bedeuten „oblatio“ und „sacrificium“ – von der darbringenden Gemeinde / Kirche ausgesagt – die Gaben von Brot und Wein, die Leib und Blut Christi werden sollen. Dies auch nach den Einsetzungsworten. Erst als man im Mittelalter die Einsetzungsworte als Augenblick der Wandlung betrachtete, konnte die Idee aufkommen, Leib und Blut Christi würden geopfert. Der Wortlaut des Canon Romanus gibt das nicht her.
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#4   landorganist   13:40:44 | Freitag, 30. Mai 2008
Ich meinte natürlich
…„Vorsitzender eines katholischen Pfarrgemeinderates“.
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#3   LandorganistII   13:39:23 | Freitag, 30. Mai 2008
@O Cebreiro:
Mit Ihrem Outing, Vorsitzender eines kath. Pfarrgemeindes zu sein, sind Sie in den Augen der hier versammelten Traditionalisten bereits exkommuniziert. Jeder Versuch von Laien, in der Kirche außer dem „Amen“ etwas zu sagen, wird als Aufstand gegen die göttliche Ordnung gewertet. Aufgabe der Laien ist es, dem Willen der Geistlichkeit Gehorsam zu sein, und der natürlich „alten“ Messe unter Rosenkranzgebet o. ä. beizuwohnen. Weiblichen Laien steht darüber hinaus das Privileg zu, die Kirche zu putzen und den Chorraum auf Knien zu schrubben.
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#2   O Cebreiro   12:44:29 | Freitag, 30. Mai 2008
Anfrage
Was ist denn um Himmels Willen ein „unbeflecktes Sühneopfer“? Nicht einmal Google weiß Rat! Ich gebe gerne zu, dass ich nur Pfarrgemeinderatsvorsitzender einer katholischen Gemeinde bin – deshalb allerdings auch mein Interesse!
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#1   athanasius1957   12:41:24 | Freitag, 30. Mai 2008
vierzig jahre
der ehemalige rektor eines benefiziums meinte 1970 auf die frage der meßnerin, was sie mit den Kanontafeln und den Meßbüchern machen solle, einfach: „Räumen Sie alles auf den Dachboden, werfen Sie nichts weg, nach vierzig Jahren ist der Spuk vorbei!“ Genau so ist es geschehen.
Die Originalkanontafeln, welche in der letzten Auflage der Geschichte jener Kirche auf Fotos zu sehen sind (erschienen 1938), werden heute wieder verwendet.
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