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Mittwoch, 28. Mai 2008 17:20
Die Jahre nach dem Konzil waren ein unglaublicher Einbruch
Angesichts des enormen Interesses an der Alten Messe, war es eine Fehlentscheidung des Veranstalters, im Rahmen des umfangreichen liturgischen Programms des Osnabrücker Katholikentags auf eine Alte Messe zu verzichten.
Am Katholikentag durfte es keine Alte Messe geben.
Am Katholikentag durfte es keine Alte Messe geben.
(kreuz.net) Während des Katholikentages in Osnabrück gab es am vergangenen Samstag zwei sehr stark besuchte Veranstaltungen zum Alten Ritus.

Das berichtete Regina Einig am 27. Mai in der katholischen Zeitung ‘Tagespost’.

Der Andrang bei diesen Veranstaltungen habe den Verzicht auf eine Alte Messe im Rahmen des umfangreichen liturgischen Programms des Katholikentags als Fehlentscheidung des Veranstalters erscheinen lassen.

Frau Einig: „Kaum vorstellbar, daß eine Heilige Messe im außerordentlichen Ritus in Osnabrück vor leeren Bänken gefeiert worden wäre.“

Bei den Veranstaltungen über den Alten Ritus seien auch überdurchschnittlich viele junge Zuhörer anwesend gewesen: „Wer keinen Platz im Großen Saal im Gemeindezentrum an der Katharinenkirche bekommen hatte, verfolgte das Gespräch vor geöffneten Fenstern.“

In der ersten Debatte erörterten der Schriftsteller Martin Mosebach (56) und der ehemalige Präsident des ‘Zentralkomitees deutscher Katholiken’, Hans Maier (76), in einem Streitgespräch ihre Sicht der nachkonziliären Liturgiereform.

Das Thema des Streitgesprächs lautete: „Hat die Liturgie ihre Form verloren?“

Abschlußmesse am KatholikentagAbschlußmesse am KatholikentagKlicken Sie auf das Bild, um die Photomeile mit 6 Bildern zu starten.

Mosebach vermied von Beginn der Diskussion an, die Ritusfrage auf Formfragen zu reduzieren.

Mit Nachdruck verwahrte sich der Schriftsteller nach Angaben von Frau Einig gegen Maiers „unterschwelligen Versuch“, Altgläubigen einen Mangel an Liebe und Glauben zu unterstellen.

Am Beispiel der Fronleichnamsfeste seiner Kindheit in der in den 50er Jahren noch überwiegend protestantischen Stadt Frankfurt erklärte der Schriftsteller, daß die Sorge um die Fernstehenden die Gläubigen der „von der missionarischen Form her glänzend bewährten“ Alten Liturgie umtreibt.

In seiner Kindheit sei es eine Selbstverständlichkeit gewesen, daß jede katholische Gemeinde in Frankfurt ihre eigene Fronleichnamsprozession hatte: „Heute undenkbar“.

Die Jahre nach dem Konzil beschrieb Mosebach als „unglaublichen Einbruch“.

Deshalb wäre seine Rückkehr zum Glauben beinahe zu einer zweiten Abkehr geworden, „wenn ich nicht zur Welt des Alten Ritus gefunden hätte“ – so der Schriftsteller.

Mosebach betrachtet Papst Paul VI. († 1978) im Sinn des antiken Sprachgebrauchs daher als Tyrannen, weil er einen alten Brauch abgeschafft habe.

Für einen „liturgisch empfindenden Menschen“ sei auch die seinerzeit zur Abstimmung gestellte Missa normativa „ungeheuer problematisch“.

Zwar sieht Mosebach den Bedarf, den Ritus von Zeit zu Zeit zu ändern. Doch das müsse „gewaltlos“ geschehen, „wie Wind und Wasser eine Düne formen“.

Die Liturgiereformer könnten sich daher nicht auf das Konzil berufen. Dieses habe eine behutsame Reform angestrebt.

Nach Angabe von Frau Einig erschwerte der Gesprächspartner des Schriftstellers eine sachliche Debatte „durch haltlos wirkende Unterstellungen“.

„Worauf gründete die Behauptung, Priester hätten vor dem Konzil einen frühen Zelebrationszeitpunkt gewählt, »damit die Gläubigen nicht dabei waren«?“ – fragt Frau Einig.

Maier habe Mosebachs Vergleich mit dem Tyrannen auch auf Papst Pius V. († 1572) anwenden wollen: „Eine schwierig nachvollziehbarer Gedanke, da die tridentinische Meßform Riten, die älter als zweihundert Jahre waren, unangetastet ließ“ – kommentiert Frau Einig.

Die von Mosebach kritisierten liturgischen Mißbräuche ordnete Maier vor allem dem Zeitraum vor der Einführung des Missale Pauls VI. zu. „Doch ist die liturgische Praxis seitdem besser geworden?“ – kontert Frau Einig:

Aktuelle Berichte über Erstkommunikanten, denen die Realpräsenz Christi in der Eucharistie nicht einmal ansatzweise bewußt sei, ließen nichts dergleichen vermuten.

Einen getrübten Blick für die Wirklichkeit habe Maier auch durch den Versuch verraten, die Gefahr eines Auseinanderdriftens von lex orandi und lex credendi ausschließlich bei den Altgläubigen zu verorten.

Dabei zitierte Maier das Bekenntnis des Schriftstellers Martin Walsers: „Ich glaube nicht, aber ich knie“.

Mosebach wies es umgehend zurück: „Ich hoffe, sie legen mich nicht auf eine atheistische Liturgie fest“.

Der lapidare Kommentar von Frau Einig: „Vor der Feier des Ritus ohne persönlichen Glaubensvollzug dürfte in der Tat keine Religion gefeit sein.“

© Titelbild: Lawrence OP, CC
Alle Lesermeinungen anzeigen 6 von 41 Lesermeinungen:
Freitag, 30. Mai 2008 00:09
Toll! Das ist echt großzügig von Ihnen! So, ich geh jetzt ins Bett und träume von aufrechterkatholik. Gute Nacht!
Freitag, 30. Mai 2008 00:00
clarissa colonia: Ich erhebe aber
keinerlei urheberrechtliche Ansprüche!
Donnerstag, 29. Mai 2008 23:52
Neiiin, ich meine doch, ob man sich selbst zur massona vagans erklären kann! Wäre doch irgendwie nett! Sonst könnte ich diesen Titel ja erfinden – bzw. zu spät, Sie haben ihn ja schon erfunden.
Donnerstag, 29. Mai 2008 23:17
clarissa colonia: Man kann sich wohl frei entschließen,
zu mauern, sofern das Hochbauamt oder die Skat-Mitspieler da nicht einschreiten. Aber kraft eigenen Entschlusses zu freimauern geht, glaube ich, nicht, weil dazu die Mitgliedschaft in einer Loge erforderlich ist! Daß Sie das nicht wissen!
Donnerstag, 29. Mai 2008 23:05
Also, ich bin eher frei, aber alt noch nicht – finde ich, ist natürlich Ansichtssache! Massona vagans, hihi, klingt durchaus reizvoll. Ob man sich einfach entschließen kann, das zu werden?
Donnerstag, 29. Mai 2008 22:34
clarissa colonia: Mia cara massona,
sind Sie eher eine alte freie, oder doch eher eine neue angenommene Maurerin?

Aber, carissima massona, widerlegt das nicht Ihr Pseudonym? Da müßten Sie doch die Großloge der alten freien und neuen angenommenen Maurer Deutschland e.V. kennen, der (die einzige) deutsche Frauengroßloge assoziiert ist?
Oder sind Sie etwa eine massona vagans?
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