Kommentar
Wo steckt das Ferkel?
Journalisten lieben es, der Kirche Heuchelei vorzuwerfen. Ein Kommentator hat bewiesen, daß er in Sachen Heuchelei auch kein Waisenknabe ist. Ein Kommentar.
Manches Ferkel möchte gerne cool sein.
Manches Ferkel möchte gerne cool sein.
© Flickr-Benützer „rumpleteaser“, CC
(kreuz.net) Kardinal Christoph Schönborn von Wien läßt ein Ferkel am Span servieren, wenn er Medienvertreter einlädt.

Das berichtete der Journalist Günter Traxler (68) am 26. Mai in der antikirchlichen Wiener Tageszeitung ‘Der Standard’.

Traxler war offenbar beim Ferkel-Schmaus dabei.

„In Gleichnissen sich auszudrücken, war schon immer eine Spezialität seiner Organisation“ – kommentiert er den erzbischöflichen Speiseplan.

Dann weist Traxler auf das hin, was Kardinal Schönborn letzte Woche zum Thema „Ethische Selbstkontrolle“ im Journalismus gesagt hat.

Diese sei dem Kardinal als unterentwickelt erschienen.

„Ein schöner Born, dem hier Beherzigenswertes entströmte“ – flötet Traxler:

„Aber auch wieder keine Kunst, weiß der Oberhirte doch wovon er spricht – als sonntäglicher Kolumnist eines Blattes, das Empfehlungen, wie sie nicht erst der Papst den Journalisten, sondern schon Paulus den Ephesern ans Herz legte, lieber ignoriert als sich davon stören zu lassen.“

Traxler bezieht sich auf die Kolumnen des Kardinals in dem österreichischen Revolverblatt ‘Krone-Zeitung’.

Das Mißverständnis: Traxler unterstellt, daß die ‘Krone-Zeitung’ weniger seriös sei als sein angeblich „seriöseres“ Hausblatt.

Aus reinem Herzen zitiert er darum den Heiligen Paulus: Unzucht aber und jede Art von Unlauterkeit werde unter euch nicht einmal genannt.

Anschließend nimmt sich der schweißtriefende Moralapostel den Wiener Kardinal vor und zitiert dessen letzten Zuspruch in der ‘Kronen Zeitung’: „Wer Gott vertraut, wird nie enttäuscht“.

Soweit die Kulisse. Das Ferkel ist zum Abschuß bereit. Der Moment ist gekommen, wo Traxler seinen Trumpf zückt.

Mit dem hochroten Kopf des Moralisten hält er dem Kardinal die altbekannten Sex-Anzeigen in der ‘Kronen Zeitung’ vor:

„Lotusblüten verwöhnen Dich! Asiatraumgirls! Kirschblütengirls! Jungbäuerin, vollbusig. Ausländerinnen. Polenlady. Koreaschönheit! Schmutzige Girls. Rent-a-Woman. Fremdgehen mit Wunschdame. Flotter 3er. Schneller Quickie. Hose runter. Reife, lustvolle Oma sucht Sexkontakt. Hausfrauenporno. Pack ihn aus! extrem geil.“

Seit wann empört sich ‘Der Standard’ über Pornographie? Seit wann sorgt sich diese Tageszeitung um das sittliche Wohlergehen der Menschheit?

Glaubt das Kinderabtreibungs-Revolverblatt ‘Standard’ von sich, in Sachen Moral der ‘Kronen Zeitung’ überlegen zu sein?

Traxel will sich ereifern? Er ereifere sich über die blutige Abtreibungsgewalt, die seine Haus- und Hofzeitung erbittert und skrupellos verteidigt.

Traxel zitiert in seinem Artikel gegen Kardinal Schönborn ausgiebig aus den Briefen des Heiligen Paulus. Kennt er auch die Stelle im Matthäusevangelium Kapitel 7, Vers 4 und 5?

Und zum Schluß: Was hätte Kardinal Schönborn vom ‘Standard’ für ein Feedback erhalten, wenn er sich im gleichen Stil wie Traxler über die Kirschblütengirls der Spiel- und Spaßgesellschaft echauffiert hätte?

Eines beweist Traxel auf eindrückliche Weise: Heuchelei ist kein Privileg der Kirche.
      
5 Lesermeinungen
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#5   raindance1 †   17:53:25 | Donnerstag, 29. Mai 2008
große Überraschung
Eines beweist Traxel auf eindrückliche Weise: Heuchelei ist kein Privileg der Kirche.
Wieso sollte Heuchelei ein Privileg der Kirche sein?
Ein Artikel mit beeindruckend Neuem…
…und noch was, beim großen Fressen verstehen die sich doch immer gut…
Gelungen ist die Foto-Auswahl…kreuz.net bedient sich bei flickr…
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#4   Gerard   17:02:15 | Donnerstag, 29. Mai 2008
Kannisbalismus
Schönborn ließ den Ferkeln, die er geladen hatte, ihresgleichen zum Schmause vorsetzen.
Feine Klinge.
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#3   Pünktchen   14:11:33 | Donnerstag, 29. Mai 2008
Daniel
Ja, die Sachen aus Ösiland sind immer um einiges unterhaltsamer als die Meldungen aus Berlin! Im Bereich der Polemik sind die Ösis wohl reine Triebtäter!
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#2   ExBochumer †   13:38:03 | Donnerstag, 29. Mai 2008
Den Mißbrauch von Ferkeln
und ich oute moch, daß ich gerne auch mal von einem Ferkelbraten was verspeise …
sollte man in anderer Perspektive nehmen.
Da gibt es mittlerweile eine komische Gruppe, die ein Ferkelbuch publizierte, um die monotheistischen Religionen ins Lächerliche zu ziehen.
Aber: Wie weit ist denn der Atheismus dieser Typen lächerlich?
Die wollen einen gleichwertigen Status als „Körperschaften des öffentlichen Rechts“ erwirken. Aber die sind dennoch in einer Gesinnung, in der sie sich überschätzen.
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#1   Ydefix   13:27:34 | Donnerstag, 29. Mai 2008
Sehr schön,
gute Unterhaltung zum Ende der Mittagspause. Für solche G’schichtln mag ich euch Ösis, sowas könnt ihr gut erzählen :-)
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