16:22:12 | Dienstag, 3. Juni 2008
Einmal stellte ein katholisch gewordener evangelischer Pfarrer während der Fronleichnams-Prozession einen bekehrten Ketzer dar. Doch dann kam eine Liturgiereform.
(kreuz.net, Erfurt) Knapp 20.000 Menschen erschienen zur jährlich stattfindenden Fronleichnamsprozession
in Erfurt.
Das berichtete die Bistumszeitung ‘Tag des Herrn’, die für die für die Bistümer Dresden-Meißen,
Erfurt, Görlitz und Magdeburg publiziert wird.
Die Zahl der Teilnehmer bezieht sich allerdings nicht
auf die jüngste Prozession, sondern auf die Zeit zwischen 1674 und 1802.
Sogar der deutsche Dichter
Johann Wolfgang von Goethe († 1832) sei von der Prozession begeistert gewesen, obwohl er sich selber als
„kein Freund kirchlicher Zeremonien“ bezeichnete.
Er nannte die Erfurter Fronleichnamsfeier „das allerfürtrefflichste!“.
Der Dichter habe sogar daran gedacht, das Weimarer Vogelschießen in dieser Form umzugestalten.
Seit
1600 gab es in Erfurt jährlich gleich drei Fronleichnamsprozessionen.
Am Festtag selber fand der Zug
des Welt- und Ordensklerus statt.
Am Sonntag darauf marschierte die Prozession der Benediktiner vom Petersberg.
Wieder eine Woche später, am Sonntag nach der Fronleichnamsoktav war der Tag der großen Fronleichnamsprozession.
Hochfest des Leibes und Blutes Christi

Vision der Juliana, Gemälde in der Kirche Sankt Katherine in Lüttich

Francesco
Trevisani: Das Blutwunder von Bolsena, 1704

„Die Messe von Bolsena“ des italienischen Malers Raffael († 1520)
Sie wurde von den Jesuiten lanciert und war das Fest der Erfurter Katholiken.
Der Mainzer Kurfürst brachte
seine Unterstützung der Prozession unter anderem durch Gewehr- und Artilleriesalven zum Ausdruck. Diese
erklangen jeweils bei der Ankunft des Allerheiligsten an den vier Altären.
Die Prozession war so gewaltig,
daß die Spitze des Zuges wieder am Ausgangspunkt – der Lorenzkirche – ankam, als die letzten noch nicht
gestartet waren.
Mitgeführt wurden 349 Figuren mit biblischen und kirchengeschichtlichen Szenen. Dabei
wurde zum Beispiel der kleine Abel gezeigt, der von einem zehnjährigen Knabe dargestellt wurde.
Kain
erschien in Pelz mit Pudelmütze und trug eine fürchterliche hölzerne Keule.
Auch Samson beeindruckte
mit einem gewaltigen hölzernen Kinnbacken, der eher an den eines Elefanten als eines Esels erinnerte.
Es gab auch besondere Attraktionen: War zum Beispiel der älteste Erfurter Einwohner katholisch, wurde
er in der Prozession mitgetragen.
Einmal stellte ein katholisch gewordener evangelischer Pfarrer einen
bekehrten Ketzer dar.
Für Belustigung sorgten auch anwesende Soldaten, die protestantischen Zuschauern
mit dem Gewehrkolben den Hut vom Kopf schlugen, falls sie ihn nicht abgenommen hatten.
Als die Jesuiten
die Stadt Erfurt im Jahr 1773 verlassen mußten, verlor das Fest seinen Initiator.
Der Ungeist der sogenannten
Aufklärung, wirtschaftliche Gründe und der Protest der evangelischen Oberschicht der Stadt führten
dazu, daß das Mainzer Generalvikariat die Prozession aufhob.
Das rief wiederum – allerdings nicht religiös
motivierte – Proteste vieler Protestanten hervor.
Im Jahr 1802 gestaltete man die Prozession noch einmal
um, indem man die anstößigsten Bilder wegließ.
Der Restaurationsversuch scheiterte. Denn es zeigte
sich, daß es gerade diese Darstellungen waren, welche die meisten Besucher angelockt hatten.
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#10
Gotthard 21:59:36 | Dienstag, 3. Juni 2008
#9
Papajewski 19:55:32 | Dienstag, 3. Juni 2008
#7
Papajewski 19:01:42 | Dienstag, 3. Juni 2008
#5
Amanda 18:42:35 | Dienstag, 3. Juni 2008
#4
ordo62 18:18:26 | Dienstag, 3. Juni 2008
#3
Nachtlaterne 17:51:36 | Dienstag, 3. Juni 2008
#1
RJH 16:53:16 | Dienstag, 3. Juni 2008