Fronleichnam
Knapp 20.000 Menschen
Einmal stellte ein katholisch gewordener evangelischer Pfarrer während der Fronleichnams-Prozession einen bekehrten Ketzer dar. Doch dann kam eine Liturgiereform.
Fronleichnamsprozession in Bayern
Fronleichnamsprozession in Bayern
© Flickr-Benützer „otzberg“, CC
(kreuz.net, Erfurt) Knapp 20.000 Menschen erschienen zur jährlich stattfindenden Fronleichnamsprozession in Erfurt.

Das berichtete die Bistumszeitung ‘Tag des Herrn’, die für die für die Bistümer Dresden-Meißen, Erfurt, Görlitz und Magdeburg publiziert wird.

Die Zahl der Teilnehmer bezieht sich allerdings nicht auf die jüngste Prozession, sondern auf die Zeit zwischen 1674 und 1802.

Sogar der deutsche Dichter Johann Wolfgang von Goethe († 1832) sei von der Prozession begeistert gewesen, obwohl er sich selber als „kein Freund kirchlicher Zeremonien“ bezeichnete.

Er nannte die Erfurter Fronleichnamsfeier „das allerfürtrefflichste!“.

Der Dichter habe sogar daran gedacht, das Weimarer Vogelschießen in dieser Form umzugestalten.

Seit 1600 gab es in Erfurt jährlich gleich drei Fronleichnamsprozessionen.

Am Festtag selber fand der Zug des Welt- und Ordensklerus statt.

Am Sonntag darauf marschierte die Prozession der Benediktiner vom Petersberg. Wieder eine Woche später, am Sonntag nach der Fronleichnamsoktav war der Tag der großen Fronleichnamsprozession.

Hochfest des Leibes und Blutes Christi
Die Heilige Juliana von Lüttich († 1258) hat ab 1209 Visionen, die 1246 zur diözesanen Einführung des Fronleichnamsfestes führen. Der Erzdiakon in Lüttich wird später als Papst Urban IV. das Fest gesamtkirchlich einführen.1263 feiert der ungläubige böhmische Priester Peter von Prag in Bolsena in Mittelitalien eine Messe. Plötzlich tropft Blut von der Hostie. Ein Jahr später führt Urban IV. das Fronleichnamsfest ein.Links der zelebrierende böhmische Priester mit der blutenden Hostie und ihm gegenüber Urban IV., der das Fronleichnamsfest 1264 gesamtkirchlich einführt.

Sie wurde von den Jesuiten lanciert und war das Fest der Erfurter Katholiken.

Der Mainzer Kurfürst brachte seine Unterstützung der Prozession unter anderem durch Gewehr- und Artilleriesalven zum Ausdruck. Diese erklangen jeweils bei der Ankunft des Allerheiligsten an den vier Altären.

Die Prozession war so gewaltig, daß die Spitze des Zuges wieder am Ausgangspunkt – der Lorenzkirche – ankam, als die letzten noch nicht gestartet waren.

Mitgeführt wurden 349 Figuren mit biblischen und kirchengeschichtlichen Szenen. Dabei wurde zum Beispiel der kleine Abel gezeigt, der von einem zehnjährigen Knabe dargestellt wurde.

Kain erschien in Pelz mit Pudelmütze und trug eine fürchterliche hölzerne Keule.

Auch Samson beeindruckte mit einem gewaltigen hölzernen Kinnbacken, der eher an den eines Elefanten als eines Esels erinnerte.

Es gab auch besondere Attraktionen: War zum Beispiel der älteste Erfurter Einwohner katholisch, wurde er in der Prozession mitgetragen.

Einmal stellte ein katholisch gewordener evangelischer Pfarrer einen bekehrten Ketzer dar.

Für Belustigung sorgten auch anwesende Soldaten, die protestantischen Zuschauern mit dem Gewehrkolben den Hut vom Kopf schlugen, falls sie ihn nicht abgenommen hatten.

Als die Jesuiten die Stadt Erfurt im Jahr 1773 verlassen mußten, verlor das Fest seinen Initiator.

Der Ungeist der sogenannten Aufklärung, wirtschaftliche Gründe und der Protest der evangelischen Oberschicht der Stadt führten dazu, daß das Mainzer Generalvikariat die Prozession aufhob.

Das rief wiederum – allerdings nicht religiös motivierte – Proteste vieler Protestanten hervor.

Im Jahr 1802 gestaltete man die Prozession noch einmal um, indem man die anstößigsten Bilder wegließ.

Der Restaurationsversuch scheiterte. Denn es zeigte sich, daß es gerade diese Darstellungen waren, welche die meisten Besucher angelockt hatten.
      
11 Lesermeinungen
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#11   Hódmezövásárhelykutasipuszta   16:08:54 | Freitag, 6. Juni 2008
oh … hab ich die Lapsusse falsch pluralisiert! Wirklich peinlich! Allerdings …
… möchte ich schon relativierend einwerfen, dass es sich bei meinem Text um ein banales User-Posting handelt und nicht um einen redaktionellen Artikel eines „Nachrichtendienstes“ … und die Fehler im Artikel werden davon auch nicht richtiger!
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#10   Gotthard   21:59:36 | Dienstag, 3. Juni 2008
Karneval im späten Frühjahr
diese sogenannte Fronleichnams-Prozession scheint mit eine Mischung aus Karnevalszug und CSD-Umzug gewesen zu sein … alles zur Erheiterung und Belustigung der Leute – nichts zur Verehrung der Eucharistie!
Das müssen in Erfurt Tiefpunkte der Eucharistiefrömmigkeit gewesen sein – nur zeitgeistige Vergnügungssucht – eine ungeheure Blasphemie.
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#9   Papajewski   19:55:32 | Dienstag, 3. Juni 2008
Also… wenn ich ganz ährlich bin, waa datt unse-
ren Kollege Vikaa, der mich dadrauf aufmerksam gemacht hat. Der hat nämmlich in Rom dadrauf studiert.
Ährlich!
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#8   Brandenburgis   19:50:53 | Dienstag, 3. Juni 2008
Da hat der Papajewski recht
das wollen wir festhalten!
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#7   Papajewski   19:01:42 | Dienstag, 3. Juni 2008
Schonn peinlich, wenn man – wie der Enkel von die Piroschka – andere Leute Fehler vorwirft …
und dann selps dem Plural von lapsus nich kennt.
Der is nämmlich „lapsus“, mit nen ganz langes „uuu“.
Ährlich!
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#6   Brandenburgis   18:43:42 | Dienstag, 3. Juni 2008
Die böse, böse Auffklärung …
Dabei gehörten sowohl der Mainzer „Bischof“ als auch sein „Generalvikar“ bereits damals den Illuminaten an und betätigten sich entsprechend. Die restlichen deutschen Bischöfe sollten bald in Glaubensgehorsam folgen. So siehts aus seit 1803 in deutschen Landen. Aber immer auf die bösen Aufklärer und Protestanten schimpfen aus diesem Verbrecherstall, genannt „deutscher Episkopat“.
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#5   Amanda   18:42:35 | Dienstag, 3. Juni 2008
Sehr gut, lieber RJH!
…dann aber bitte auch bei allen hütetragenden Katholiken!
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#4   ordo62   18:18:26 | Dienstag, 3. Juni 2008
der größte Lump im ganzen Land
das ist und bleibt der PROTESTANT
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#3   Nachtlaterne   17:51:36 | Dienstag, 3. Juni 2008
die katholische kriche…
…zeichnete sich in prozession, messe, kirmes usw immer durch besondere lebenssaftigkeit aus was bei der evangelischen kirche nie in diesem maß der fall war (höchstens beim saufen konnten sie mithalten)
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#2   Hódmezövásárhelykutasipuszta   17:22:36 | Dienstag, 3. Juni 2008
Korrekturlesen is für Beckenrandschwimmer, Warmduscher und Turnbeutelvergesser aha, und V2-Sektiere…
Doch dann kam einen Liturgiereform.
Was ist das? Bin ich hier jetzt im Homo-Hatz-Artikel oder im Neue-Messe-ist-böse-Artikel. Immer diese sinnentstellenden Lapsi!
die Bistumszeitung ‘Tag des Herrn’, die für die für die Bistümer Dresden-Meißen, Erfurt, Görlitz und Magdeburg publiziert wird.
Da fällt mir ein: „Die, die die, die die Parkbänke beschmiert haben, nicht angezeigt haben, sind ebenso Mitschuldig wie die, die die Parkbänke beschmiert haben.“
Aber was soll denn das? Wieso kommt die Redaktion jetzt schon bei Bistümern ins Stottern?
Dabei wurde zum Beispiel der kleine Abel gezeigt, der von einem zehnjährigen Knabe dargestellt wurde.
Oh! Neue Ideen für Bastian Sick: Der Nominativ ist der Dativ sein Tod!
der eher an den eines Elefanten als eines Esels erinnerte.
Aja. Kann man ja weglassen, den Artikel! Ist so wie bei der lateinischen Messe, oder?: Man muss es ja nicht verstehen, denn so wird das Mysterium größer!
Wiederum einmal dürfen wir erkennen: Wer Orthographie hat, braucht einen Arzt!
Aber dafür besteht kein Zweifel, was dieser Artikel auf der Nachrichtenseite verloren hat:Im Jahr 1802 gestaltete man die Prozession noch einmal um, indem man die anstößigsten Bilder wegließ.[…]es zeigte sich, daß es gerade diese Darstellungen waren, welche die meisten Besucher angelockt hatten.
So erklärt sich auch das Funktionsprinzip dieser Internetseite!
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#1   RJH   16:53:16 | Dienstag, 3. Juni 2008
Ein schöner Brauch:
Für Belustigung sorgten auch anwesende Soldaten, die protestantischen Zuschauern mit dem Gewehrkolben den Hut vom Kopf schlugen, falls sie ihn nicht abgenommen hatten.
Könnte man mal wieder einführen!
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