17:32:05 | Sonntag, 15. Juni 2008
„Die Synagoge schaut nicht in das wahre Licht. Sie mißachtet den Eingeborenen Gottes.“ Von der Heiligen Hildegard von Bingen († 1179).
(kreuz.net) Darum erscheint dir das Weib – die Synagoge – von der Leibesmitte bis zu den Füßen schwarz.
Denn vor der Zeit ihrer großen Machtfülle an bis zum Ablauf der Zeit befleckte sich die Synagoge durch
Übertretungen des Gesetzes und Treulosigkeit am Bund der Väter.
Sie vernachlässigte auf vielfache
Weise die göttlichen Gebote und folgte den Lockungen des Fleisches.
An den Füßen ist sie blutigrot.
Doch sind diese Füße von einer blendendweißen, ganz reinen Wolke umschwebt.
Denn als für sie die
Zeit des Endes gekommen war, ermordete sie den Propheten der Propheten und brachte sich selber dadurch
zu Fall.
Aber aus diesem ihrem Ende erhob sich in den Seelen der Gläubigen der lichteste, hellschauende
Glaube. Die Synagoge sank zu Boden. Da stand die Kirche auf.
Denn nach dem Tode des Sohnes Gottes ergoß
sich die Lehre der Apostel über den ganzen Erdenkreis.
Die Synagoge ist der Augen
beraubt. Die Hände hält sie unter den Achseln.
Denn die Synagoge schaut nicht in das wahre Licht. Sie
mißachtet den Eingeborenen Gottes. Daher raffte sie sich nicht aus ihrer Erschlaffung auf und verdeckte
die Werke der Gerechtigkeit unter der Unlust ihrer Trägheit.
Nachlässig verbarg sie diese Werke, als
wären sie nicht.
Sie steht neben dem Altar, der vor den Augen Gottes ist. Aber sie berührt ihn nicht.
Die Synagoge erkannte das Gesetz Gottes, das sie nach göttlicher Vorschrift und Einsicht empfing, zwar
äußerlich, aber sie drang nicht bis zu seiner inneren Berührung vor.
Denn sie schreckte davor zurück,
statt es zu lieben. Nur nachlässig brachte sie Gott ihre Opfer und den Weihrauch frommer Gebete dar.
Im Herzen der Gestalt steht Abraham. Denn er war der Anfang der Beschneidung in der Synagoge. In ihrer
Brust ist Moses. Denn er legte das göttliche Gesetz in die Herzen der Menschen.
In ihrem Schoße – in
der ihr anvertrauten Gottesordnung – sind die Propheten, denen die Schau in die göttlichen Vorschriften
gegeben war. Sie alle weisen ihre Kennzeichen auf und schauen voll Bewunderung auf die Schönheit der
neuen Braut.
In Wunderzeichen taten sie die Größe ihres Prophetenamtes kund und erwarteten voll staunender
Bewunderung die adlige Schönheit der Kirche.
Die Synagoge selber ist groß wie ein Stadtturm.
Denn
weil sie mit der Kraft der göttlichen Vorschriften erfüllt wurde, zeichnete sie die Umwallung und Festigung
der adligen, auserwählten Gottesstadt – der Kirche – voraus.
Auf ihrem Haupte trägt sie einen Stirnreif,
der wie Morgenrot leuchtet.
Denn als die Kirche aus ihr hervorging, brach das Wunder der Menschwerdung
des Eingeborenen Gottes auf. Es wurden die lichten Gotteskräfte und Mysterien kund, die daraus erstehen
sollten.
Gleichsam am frühen Morgen war die Synagoge gekrönt worden, als sie die göttlichen Gebote
in Adam empfing. Zwar hörte Adam auf den Befehl Gottes, aber nachher verfiel er durch seine Übertretung
dem Tode.
So nahmen auch die Juden das göttliche Gesetz zuerst an. Später aber verwarfen sie den Sohn
Gottes in ihrem Unglauben.
Aus dem Buch: Hildegard von Bingen, Wisse die Wege, SCIVIAS, erstes Buch fünfte
Schau, Titel: Die Synagoge.Nächstes Mal: Die Synagoge wird ihren Unglauben verlassen
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