Kinderabtreibung
Nicht veröffentlicht
In seiner diesjährigen Dreikönigspredigt reihte der Erzbischof von Köln die Kinderabtreibung in die Tradition der großen Völkermorde. Statt mit dem Kardinal zu reden übte man sich in Entrüstung. Kleine Leserbriefe zum Thema bringen sogar die Lokalredaktionen von Tageszeitungen ins Schwitzen. Diskussionsverbot.
Sehr geehrte Frau N.,

entschuldigen Sie bitte, daß ich Ihnen bisher nicht geantwortet habe, ich habe es einfach verschwitzt. Leider muß ich Ihnen mitteilen, daß wir Ihren Leserbrief nicht veröffentlichen werden.

Wir haben Ihren Brief in größerer Redaktionsrunde beraten und sind mehrheitlich zu dem Schluß gekommen, so zu verfahren.

Hintergrund für diese Entscheidung ist, daß aus unserer Sicht zwei völlig unterschiedliche Themenbereiche, die weder gesellschaftspolitisch, noch moralisch etwas gemein haben, miteinander verglichen werden: der millionenfache, verbrecherische Mord im Holocaust und das demokratisch anerkannte und verbriefte Recht auf einen Schwangerschaftsabbruch.

Nun mag man wie auch immer zum Thema Schwangerschaftsabbruch stehen; es jedoch in einen Topf mit dem Holocaust zu werfen, halten wir nicht für geboten.

Wir bitten um Ihr Verständnis.

Mit freundlichen Grüßen

DIE RHEINPFALZ, Lokalredaktion
      
17 Lesermeinungen
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#17   GerdEric   09:22:27 | Mittwoch, 2. März 2005
Lieber Uwe
Frankreich ist eh nur dem Namen nach katholisch,
und sollten nicht in erster Linie die Christen erstmal ihre Abtreibungen in den eigenen Reihen unterbinden?
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#16   Uwe Schmidt   08:37:52 | Mittwoch, 2. März 2005

Wenn in einer Demokratie die Tötung unschuldiger Kinder erlaubt ist, pfeife ich auf diese Regierungsform.
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#15   GerdEric   07:48:28 | Dienstag, 1. März 2005
lieber bonifatius
aber grade „Christen“ schreien am lautesten,
wenn es darum geht,
Sozialhilfen zu kürzen oder gar zu streichen,
und Steuern zu senken (für die, die eh schon genug haben)…
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#14   Yersinia   21:07:34 | Montag, 28. Februar 2005
ja, schön
ich hoffe, du weißt, wovon du schreibst
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#13   bonifatius   20:44:29 | Montag, 28. Februar 2005
Yersinia: Liebe ist eine Himmelsmacht!
Meine Frau hat wegen der Liebe zu ihren Kinder ihren sehr geschätzten Beruf ohne staadliche Hilfe an den Nagel gehängt. Das gestutzte Familienbudget diktierte den Tagesablauf. Heute geben die Kinder die Liebe zurück.
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#12   Yersinia   20:24:57 | Montag, 28. Februar 2005
@bonifatius: von „prosperierender Wirtschaft“ oder „Sozialismus“
kann doch wohl kaum die Rede sein – eher von „neoliberalem Wirtschaften“, von „Flexibilität“, von „neuer Unsicherheit“ – mitgeschaffen und sehr stark protegiert wurde diese Situation von christlich-konservativen Politikern; merke Mann: es geht nicht drum, möglichst reich zu sein, sondern auch nächstes Monat noch Job und Einkommen zu haben – oder eben nicht mehr; es geht nicht unbedingt um den Mythos „Karriere“ – aber darum, trotz Studium nicht ewig irgendwelche untergeordneten Hilfstätigkeiten mit entsprechendem Einkommen verrichten zu müßen; und letztlich: es geht drum, vielleicht doch nicht als Alleinerzieherin die Lasten der Reproduktion tragen zu müßen, weil Männer sich – egal, welche von Männern aufgestellten Regeln und Gesetze es geben sollte – immer recht leicht aus dieser Verantwortung schleichen können … und warum diskutieren beim Thema „Abtreibung“ hauptsächlich Männer? legen eure Frauen die Kinder nieder oder wissen die Frauen einfach besser Bescheid?
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#11   bonifatius   22:20:58 | Sonntag, 27. Februar 2005
Yersinia: Engagement gegen Abtreibung…
Abtreibung sehe ich zunächst nicht als politisches Problem. Kann durch noch soviel Sozialismus oder prosperierende Wirtschaft nicht gelöst werden. Abtreibung als Problem für ein Volk kommt erst viel viel später, aber dann tod – sicher. Denn Abtreibung ist für einen gläubigen Christen ein schweres Vergehen gegen Gottes Gebote ( töten), und hier auch vor allem gegen die Liebe: „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst!“
Wer ist bei der werdenden Mutter der Nächste?
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#10   GerdEric   21:57:23 | Sonntag, 27. Februar 2005
re bonifatius
ach,
geht es darum bei der Abtreibungsdebatte?
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#9   bonifatius   21:54:36 | Sonntag, 27. Februar 2005
GerdEric: Die Weltbevölkerung „explodiert“
…und Europa, vor allem Deutschland und einige andere fortschrittliche Länder sterben aus. Macht aber nix. Gell!
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#8   GerdEric   15:51:11 | Sonntag, 27. Februar 2005
Die Weltbevölkerung „explodiert“
und hier wird von Humanozid geredet…
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#7   Sulpicius   15:04:08 | Sonntag, 27. Februar 2005
Humanozid…
…ist die Steigerung von Genozid.
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#6   Yersinia   14:21:09 | Sonntag, 27. Februar 2005
Bisher wurde von jenen, die sich so massiv gegen die Abtreibung engagieren
noch kein Beweis erbracht, dass sie auch etwas gegen die heutige extreme Unsicherheit im Arbeitsleben etwas tun – eine Voraussetzung, Kinder zu bekommen, ist immerhin auch, dadurch nicht automatisch aus dem Erwerbsleben ausgeschlossen zu sein. Umgekehrt bin ich auch gespannt, welche Gegenbeispiele gebracht würden? … Insgesamt gewinnt man eher den Eindruck, mit der Konzentration auf die Abtreibung soll ganz massiv von anderen – die Menschen tatsächlich sehr viel tiefer treffenden – politischen Themen abgelenkt werden.
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#5   GerdEric   01:09:19 | Sonntag, 27. Februar 2005
lieber bonifatius
die Kirchen zeigen mir nicht,
was sie gegen die Gründe der Abtreibung tun.
Mit Drohung und staatlichen Konsequenzen,
damit ist nichts getan.
Und die Agressivität,
die die Aktionen zeigen,
sind wider Gottes Liebe.
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#4   sttn   23:07:32 | Samstag, 26. Februar 2005
Ist es uninteressant Abtreibungen zu verhindern?
Das traurige an diesem ganzen Thema ist doch das es weder um die Kinder, noch um die Mütter geht.
Es geht doch nur immer darum wer Recht hat, wer die schauerigsten Argumente hat, wer die unangebrachtesten Vergleiche brignt, aber nicht darum Abtreibung wirklich zu verhindern. Darüber wird interessanterweise am wenigsten geredet. Scheint wohl für viele das unwichtigste an diesem Thema zu sein, oder?
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#3   bonifatius   22:53:23 | Samstag, 26. Februar 2005
holocaust
GerdEric: Der britische Diplomat Harold Nicolson nannte den Vernichtungsschlag gegen Dresten „ The greatest single holocaust by war“.
Der demokratisch geduldete Massenmord an Kindern im Mutterleib, der in die Millionen bei allen Völkern geht, ist ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit , ein holocaust over the world!
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#2   GerdEric   21:53:25 | Samstag, 26. Februar 2005
in die Tradition der großen Völkermorde.
Wie bitte?
Nichtmal der sogenannte Kindermord des Herodes ist nachzuweisen,
Und wenn es tatsächlich statt fand,
so kann man,
so schlimm das dann auch war,
nicht als Völkermord bezeichnen.
Oder soll
auch der Mord
an Tausenden Sachden
durch Karl den grossen Sachsenschlächter
nunmehr
als Völkermord
in die Geschichte
der Christianisierung eingehen?
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#1   Maurice Corvisier   19:06:09 | Samstag, 26. Februar 2005
Logik
Nach der Logik jenes Blattes wäre also Vernichtung menschlichen Lebens nicht nur erlaubt, sondern gar ein verbrieftes „Recht“ (was es in Deutschland trotz der Praxis theoretisch immer noch nicht ist), wenn diese Vernichtung „demokratisch anerkannt“ ist …
Was, wenn irgendwo auf der Welt eine demokratisch gewählte Regierung einen holocaust …
O Gott.
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