In seiner diesjährigen Dreikönigspredigt reihte der Erzbischof von Köln die Kinderabtreibung in die Tradition der großen Völkermorde. Statt mit dem Kardinal zu reden übte man sich in Entrüstung. Kleine Leserbriefe zum Thema bringen sogar die Lokalredaktionen von Tageszeitungen ins Schwitzen. Diskussionsverbot.
Sehr geehrte Frau N.,
entschuldigen Sie bitte, daß ich Ihnen bisher nicht geantwortet habe, ich habe
es einfach verschwitzt. Leider muß ich Ihnen mitteilen, daß wir Ihren Leserbrief nicht veröffentlichen
werden.
Wir haben Ihren Brief in größerer Redaktionsrunde beraten und sind mehrheitlich zu dem Schluß
gekommen, so zu verfahren.
Hintergrund für diese Entscheidung ist, daß aus unserer Sicht zwei völlig
unterschiedliche Themenbereiche, die weder gesellschaftspolitisch, noch moralisch etwas gemein haben,
miteinander verglichen werden: der millionenfache, verbrecherische Mord im Holocaust und das demokratisch
anerkannte und verbriefte Recht auf einen Schwangerschaftsabbruch.
Nun mag man wie auch immer zum Thema
Schwangerschaftsabbruch stehen; es jedoch in einen Topf mit dem Holocaust zu werfen, halten wir nicht
für geboten.
Wir bitten um Ihr Verständnis.
Mit freundlichen Grüßen
DIE RHEINPFALZ, Lokalredaktion
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17 Lesermeinungen
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Lieber Uwe Frankreich ist eh nur dem Namen nach katholisch, und sollten nicht in erster Linie die Christen
erstmal ihre Abtreibungen in den eigenen Reihen unterbinden?
lieber bonifatius aber grade „Christen“ schreien am lautesten, wenn es darum geht, Sozialhilfen zu kürzen
oder gar zu streichen, und Steuern zu senken (für die, die eh schon genug haben)…
#13 bonifatius 20:44:29 | Montag, 28. Februar 2005
Yersinia: Liebe ist eine Himmelsmacht! Meine Frau hat wegen der Liebe zu ihren Kinder ihren sehr geschätzten
Beruf ohne staadliche Hilfe an den Nagel gehängt. Das gestutzte Familienbudget diktierte den Tagesablauf.
Heute geben die Kinder die Liebe zurück.
@bonifatius: von „prosperierender Wirtschaft“ oder „Sozialismus“ kann doch wohl kaum die Rede sein – eher
von „neoliberalem Wirtschaften“, von „Flexibilität“, von „neuer Unsicherheit“ – mitgeschaffen und sehr
stark protegiert wurde diese Situation von christlich-konservativen Politikern; merke Mann: es geht nicht
drum, möglichst reich zu sein, sondern auch nächstes Monat noch Job und Einkommen zu haben – oder eben
nicht mehr; es geht nicht unbedingt um den Mythos „Karriere“ – aber darum, trotz Studium nicht ewig irgendwelche
untergeordneten Hilfstätigkeiten mit entsprechendem Einkommen verrichten zu müßen; und letztlich: es
geht drum, vielleicht doch nicht als Alleinerzieherin die Lasten der Reproduktion tragen zu müßen, weil
Männer sich – egal, welche von Männern aufgestellten Regeln und Gesetze es geben sollte – immer recht
leicht aus dieser Verantwortung schleichen können … und warum diskutieren beim Thema „Abtreibung“ hauptsächlich
Männer? legen eure Frauen die Kinder nieder oder wissen die Frauen einfach besser Bescheid?
#11 bonifatius 22:20:58 | Sonntag, 27. Februar 2005
Yersinia: Engagement gegen Abtreibung… Abtreibung sehe ich zunächst nicht als politisches Problem.
Kann durch noch soviel Sozialismus oder prosperierende Wirtschaft nicht gelöst werden. Abtreibung als
Problem für ein Volk kommt erst viel viel später, aber dann tod – sicher. Denn Abtreibung ist für einen
gläubigen Christen ein schweres Vergehen gegen Gottes Gebote ( töten), und hier auch vor allem gegen
die Liebe: „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst!“ Wer ist bei der werdenden Mutter der Nächste?
#9 bonifatius 21:54:36 | Sonntag, 27. Februar 2005
GerdEric: Die Weltbevölkerung „explodiert“ …und Europa, vor allem Deutschland und einige andere fortschrittliche
Länder sterben aus. Macht aber nix. Gell!
Bisher wurde von jenen, die sich so massiv gegen die Abtreibung engagieren noch kein Beweis erbracht,
dass sie auch etwas gegen die heutige extreme Unsicherheit im Arbeitsleben etwas tun – eine Voraussetzung,
Kinder zu bekommen, ist immerhin auch, dadurch nicht automatisch aus dem Erwerbsleben ausgeschlossen zu
sein. Umgekehrt bin ich auch gespannt, welche Gegenbeispiele gebracht würden? … Insgesamt gewinnt man
eher den Eindruck, mit der Konzentration auf die Abtreibung soll ganz massiv von anderen – die Menschen
tatsächlich sehr viel tiefer treffenden – politischen Themen abgelenkt werden.
lieber bonifatius die Kirchen zeigen mir nicht, was sie gegen die Gründe der Abtreibung tun. Mit Drohung
und staatlichen Konsequenzen, damit ist nichts getan. Und die Agressivität, die die Aktionen zeigen,
sind wider Gottes Liebe.
Ist es uninteressant Abtreibungen zu verhindern? Das traurige an diesem ganzen Thema ist doch das es weder
um die Kinder, noch um die Mütter geht. Es geht doch nur immer darum wer Recht hat, wer die schauerigsten
Argumente hat, wer die unangebrachtesten Vergleiche brignt, aber nicht darum Abtreibung wirklich zu verhindern.
Darüber wird interessanterweise am wenigsten geredet. Scheint wohl für viele das unwichtigste an diesem
Thema zu sein, oder?
#3 bonifatius 22:53:23 | Samstag, 26. Februar 2005
holocaust GerdEric: Der britische Diplomat Harold Nicolson nannte den Vernichtungsschlag gegen Dresten „
The greatest single holocaust by war“. Der demokratisch geduldete Massenmord an Kindern im Mutterleib,
der in die Millionen bei allen Völkern geht, ist ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit , ein holocaust
over the world!
in die Tradition der großen Völkermorde. Wie bitte? Nichtmal der sogenannte Kindermord des Herodes ist
nachzuweisen, Und wenn es tatsächlich statt fand, so kann man, so schlimm das dann auch war, nicht als
Völkermord bezeichnen. Oder soll auch der Mord an Tausenden Sachden durch Karl den grossen Sachsenschlächter
nunmehr als Völkermord in die Geschichte der Christianisierung eingehen?
Logik Nach der Logik jenes Blattes wäre also Vernichtung menschlichen Lebens nicht nur erlaubt, sondern
gar ein verbrieftes „Recht“ (was es in Deutschland trotz der Praxis theoretisch immer noch nicht ist),
wenn diese Vernichtung „demokratisch anerkannt“ ist … Was, wenn irgendwo auf der Welt eine demokratisch
gewählte Regierung einen holocaust … O Gott.