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Dienstag, 10. Juni 2008 08:52
kreuzmeldungen
Modernistische Habilitation? + Älteste Kirche? + Sterbetourismus + Im Notfall: Mord + Einfach drauflos ballern?
Modernistische Habilitation?

Vatikan. Im zweiten Band der geplanten Gesammelten Werke von Papst Benedikt XVI. erscheint auch erstmals die ungekürzte Version seiner Habilitationsschrift. Das gaben die Herausgeber in Regensburg bekannt. Das Werk war ursprünglich von dem Zweitkorrektor, dem Münchener Dogmatiker Hw. Michael Schmaus († 1993), wegen „gefährlichem Modernismus“ abgelehnt worden. Joseph Ratzinger reichte darum kurzerhand eine gekürzte Fassung ein. Eine Veröffentlichung des zurückgezogenen Teils ist dem Papst schon seit Jahren ein Anliegen.

Älteste Kirche?

Jordanien. Archäologen in Jordanien behaupten, die älteste christliche Kirche der Welt gefunden zu haben. Es handelt sich um ein Höhlengewölbe im Dorf Rihab in Nordjordanien. Es befindet sich unter der Kirche des Heiligen Georg aus dem 3. Jahrhundert. Die Forscher glauben, daß sich Christen, die von Jerusalem geflohen waren, zwischen 33 und 70 in der Höhlenkirche zur Feier der Messe versammelten.

Sterbetourismus

Schweiz. Der Zürcher Nationalrat der ‘Evangelischen Volkpartei’, Ruedi Aeschbacher, will heute eine Motion einreichen, welche die Beihilfe zum Selbstmord bestraft. Aeschbacher stößt sich an Praktiken der Schweizer Euthanasie-Firma ‘Dignitas’. Das Unternehmen betreibe die Beihilfe zum Selbstmord „geradezu geschäftsmäßig“. Die Grenze des gesellschaftlich und moralisch Akzeptierbaren werde dadurch bei weitem überschritten. In der Schweiz sei ein eigentlicher Sterbetourismus entstanden.

Im Notfall: Mord

Österreich. Die neue Professorin für Moraltheologie an der Universität Wien, Frau Sigrid Müller, findet es „nicht vertretbar“, daß die Kinderabtreibung ein grundsätzliches Recht sei. Das erklärte sie vor der kirchen- und kinderfeindlichen österreichischen Webseite ‘diestandard.at’. Doch dann schränkte sich Frau Müller sogleich ein: „Aber natürlich gibt es immer Notsituationen.“

Einfach drauflos ballern?

„Ich würde hier auch nicht sagen, der Mensch ist eine menschliche Person mit einer menschlichen Seele vom Moment der Verschmelzung von Ei- und Samenzelle an, sondern ich würde sagen, wir wissen es nicht. Und das genügt. Sie können auch nicht im Wald, wenn es hinter einem Busch raschelt, hinschießen, wenn sie nicht genau wissen, ob es ein Mensch ist oder ein Reh. Wahrscheinlich ist es ein Reh. Und so ist es in diesem Fall auch. Wir wissen zu wenig, um uns das Recht herausnehmen zu können, mit Menschen in irgendeinem Stadium ihrer Entwicklung tödliche Experimente zu machen.“

Der emeritierte Münchener Philosoph Robert Spaemann am 2. Juni vor dem ‘Österreichischen Rundfunk’ über den Beginn des menschlichen Lebens.
Alle Lesermeinungen anzeigen 6 von 15 Lesermeinungen:
Dienstag, 10. Juni 2008 16:02
Burgorus: @Rheinländer und Landorganist
An den Rheinländer: Ich habe Ihre Postings durchaus mit Humor aufgefasst.

An den Landorganisten: Ich habe doch Ratzinger keine Fehler vorgeworfen. Bei einer Habilitation wird Selbstständigkeit verlangt. Ist es dann ein Fehler, wenn man selbstständig ist und nicht ständig andere mit Fragen belästigt? Meine Kritik richtete sich mehr gegen Prof. Schmaus, in dessen Verhalten ich gekränkte Eitelkeit erkenne.

Aber der Titel „Startheologe“, den Sie mir gegeben habe, gefällt mir.
Dienstag, 10. Juni 2008 15:40
LandorganistII: Jetzt wird es wirklich komisch
Burgorus, unser Startheologe schreibt dem hl. Vater mal ins Stammbuch, was er bei seiner Habilitation falsch gemacht hat.

Burgorus, Sie wären der Star in all den überflüssen Talk-Shows.
Dienstag, 10. Juni 2008 15:37
Burgorus: Ratzingers Fehler und Inhalt der Habilitationsschrift
Ratzingers Fehler beim Habilitationsverfahren war wohl kaum angeblicher Modernismus. Ratzingers Fehler war, dass er betreffs seines Habil-Themas nicht Professor Schmaus konsultiert hatte.

„Warum haben Sie da nicht mich gefragt?“, so ungefähr lautete der Vorwurf. Schmaus, der große Experte, fühlte sich übergangen. Ratzinger hätte ihn befragen und mit großer Ergebenheit seinen Rat und sein Expertenwissen annehmen sollen.

Bei der Arbeit, die durchgegangen ist, geht es um die Geschichtstheologie des heiligen Bonaventura, der im Gegensatz zum Sechser- oder Siebener-Schema des heiligen Augustinus ein doppeltes-Siebener-Schema vertritt, vor Christus sieben Zeitalter und nach Christus bis zum Ende der Welt sieben Zeitalter. Das Ende der Welt sah man damals (13. Jh.) bereits nahe, und zwar wegen des einschlagenden Ereignisses der Stigmatisation des heiligen Franziskus.

Bonaventura hat seine Geschichtstheologie nie aufgeschrieben. Es ging in der Habilitationsschrift vor allem darum, sie aus Studentenniederschriften und einem größeren Werk herauszukriegen. Sätze wie „Der und der hat nicht Recht, wenn er sagt…“ sind typisch in Ratzingers Habil-Schrift. Mit anderen Worten: Viele haben die Geschichtstheologie Bonaventuras falsch verstanden.

Mir persönlich ist Bonaventuras Geschichtstheologie zu wenig mathematisch. Es wird einfach ein Parallelismus zwischen sieben vor- und sieben nachchristlichen Zeitaltern hergestellt.
Dienstag, 10. Juni 2008 15:25
Eine Frage: Sie, Herr Burgorus, sind befugt, aktiv an Habilitationsverfahren mitzuwirken? Und das schon beim Verfahren Ratzinger 1957?

Übrigens liegt es mir ferne, Sie mit pietistischen Vorwürfen zu überziehen. Ich wollte nur andeuten, daß Sie sich mit großen Engagement und Sachverstand nicht nur Fragen der Theologie, sondern auch solchen der weiblichen Kleidermode widmen.
Dienstag, 10. Juni 2008 15:19
LandorganistII: @Burgorus
Sollte das jetzt Humor sein? Da kennen wir hier aber besseres!
Dienstag, 10. Juni 2008 15:16
Burgorus: An den alten Rheinländer
Was ich über Ratzinger geschrieben habe, steht in einem seiner Bücher. Ich selbst war bei seiner Habil leider nicht zugegen. Ansonsten hätte ich ihn doch selbst mit einigen meiner konstruktiven Beiträge bereichert.
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