15:02:42 | Donnerstag, 24. Februar 2005
Der Erzbischof von Köln, Joachim Kardinal Meisner, veröffentlichte gestern einen Brief an alle Priester und Diakone, in dem er einige Aspekte der Vatikanischen Instruktion zu Mißständen in der Liturgie ‘Redemptionis Sacramentum’ aufgreift. Das Schreiben steht unter dem benediktinischen Titel „Dem Gottesdienst soll nichts vorgezogen werden“. Es ist gezeichnet am 28. Januar, dem Fest des Heiligen Thomas. Auszüge.
(kreuz.net, Köln) In der Vatikanischen Instruktion zu Mißständen in der Liturgie kommt immer wieder
zum Ausdruck, „daß die Instruktion dem einzelnen Gläubigen zu einem Grundrecht verhelfen will, in und
mit seiner Gemeinde die authentische Liturgie der Kirche feiern zu können. Niemand darf einer klerikalen
Willkür ausgesetzt sein, die durch neue Formen, illegitime Hinzufügungen, unrechtmäßige Auslassungen,
Unklarheiten über das priesterliche Amt und die Rolle der Laien im Gottesdienst nicht nur die sachgerechte
Feier der Eucharistie behindert, sondern im Letzten den Eucharistieglauben der Menschen selbst betrifft
und verändert.“
„An der Gestalt des Gottesdienstes dürfen sich weder Machtkämpfe noch Profilierungsversuche
entzünden, die letztlich auf dem Rücken der Gläubigen ausgetragen werden, die gar nichts anderes erwarten,
als die treulich gefeierte Liturgie. Eigenmächtigkeiten führen bei den Gläubigen nur zu Verunsicherung
in ihrem Glaubensleben und nicht selten zu Zwietracht in den Gemeinden.“
„Eigenmächtige Auslassungen,
Änderungen in den zu verkündigenden Texten usw. mögen bei manchem auf den ersten Blick einen kreativen
Eindruck machen und das Bild einer lebendigen Gemeinde vermitteln, letztlich verbergen sich dahinter aber
neue, unerträgliche Formen klerikaler Bevormundung einer nicht ernst genommenen Gemeinde, welche die
Liturgie zerstören.“
„Nicht selten wurde verkannt, daß nicht allein die äußere Aktivität in der
Mitgestaltung des Gottesdienstes ‘tätige Teilnahme’ bedeutet, sondern vor allem das innere, lebendige
Miterleben, Mitbeten und Mitvollziehen der liturgischen Riten. Die Liturgie ist daher keine Veranstaltung,
in der ein Moderator dafür sorgen muß, daß möglichst alle Teilnehmer irgend etwas zur Feier beitragen
können.“
„In der Wahrnehmung liturgischer Aufgaben darf es keinerlei Vermischung von den Laien zukommenden
Aufgaben mit den dem Weiheamt vorbehaltenen Vollzügen geben. Der Priester tut das, was dem Priester kraft
seines Amtes zukommt, der Diakon versieht die seinem Weihestand zukommenden Aufgaben, und die Laien in
besonderen liturgischen Laiendiensten versehen die ihnen zustehenden Dienste.“
„Seien Sie klug in der
Auswahl Ihrer liturgischen Mitarbeiter. Die Mitwirkung in der Liturgie darf niemals der eigenen Profilierung
oder anderen Eigeninteressen dienen. Wer nur dann zur Messe kommt, wenn er zum liturgischen Dienst aufgestellt
ist, der hat sich für den Dienst als ungeeignet erwiesen.“
„In der Meßfeier sind nur die offiziellen
Eucharistischen Hochgebete erlaubt. Diese ohne persönliche Hinzufügungen und Auslassungen zu beten,
ist eine schwerwiegende, auf dem Gehorsamsversprechen des Weihetages gründende Verpflichtung. Alle anderen
Texte sind verboten und gehören als Zeitzeugnisse einer der Liturgie wenig gewogenen Zeit in das Pfarrarchiv.
Auch alle anderen Gebete der Meßfeier sind allein dem Meßbuch zu entnehmen.“
„Keinesfalls dürfen Fladenbrote
oder andere im alltäglichen Leben übliche Brotformen für die Eucharistiefeier verwendet werden, um
einen (historisch-falschen) Eindruck größerer Authentizität der Eucharistiefeier im Vergleich mit dem
Abendmahl Jesu zu erwecken. Zuweilen praktizierte Eigenmächtigkeiten dieser Art besonders in Jugendgottesdiensten
sind um des Glaubens der Gläubigen und der Wahrung der kirchlichen Einheit willen abzustellen.“
„Weder
einem Laien noch einem Diakon kommt es zu, Teile des Hochgebetes zu beten.“
„Dem Charakter des hymnischen
Preisgebetes [Hochgebet] widerspricht darum auch die manchmal anzutreffende Unsitte, die Schlußdoxologie
von der ganzen Gemeinde singen oder beten zu lassen. Gestatten Sie mir einen Vergleich: Es wäre so, als
würde das Orchester vor dem Schlußakkord einer Symphonie plötzlich verstummen und die Zuhörer denselben
summen lassen, bevor sie applaudieren. Um der Wahrung der sachgerechten Feier der Eucharistie als auch
der kirchlichen Einheit willen, möchte ich solche Mißbräuche alsbald abgestellt wissen.“
„Die Homilie –
seit der liturgischen Erneuerung ‘pars ipsius liturgiae’ [Teil der Liturgie selbst] – ist dem zelebrierenden
Priester, einem Konzelebranten oder unter Umständen auch einem Diakon vorbehalten; Laien, auch hauptamtlich
in der Seelsorge eingesetzte, sogar Seminaristen auf dem Weg zum Priestertum halten in der Meßfeier nach
der gültigen Ordnung keine Homilie.“
„Eine leider oftmals anzutreffende, aber nichtsdestoweniger völlig
falsche Meinung ist, auf die äußere Gestalt der Liturgie komme es gar nicht so sehr an; Hauptsache sei
die rechte Gesinnung des Gebets oder eine gelungene Verkündigung des Gotteswortes, das die Herzen der
Hörer erreicht. Hier wird einem völlig falschen Spiritualismus Vorschub geleistet.“
„Herzlich bitte
ich Sie, alles aus Ihren Sakristeischränken zu verbannen, was mit der Würde der Liturgie nicht vereinbar
ist, und für eine würdige liturgische Kleidung zu sorgen. Das heute weit verbreitete Ideal der Wohlfühlkleidung
gilt nicht für das liturgische Gewand.“
„Im Zuge der Liturgiereform ist die Verehrung und Anbetung des
im eucharistischen Brot gegenwärtigen Herrn leider stark zurückgegangenen. Unsere vielfach geschlossenen
Kirchen lassen auch den von früheren Generationen gepflegten Brauch nicht mehr zu, eine Kirche zu einer
kurzen Anbetung zu betreten und dem Herrn die Ehre zu geben. Zudem sind Formen ehrfürchtigen Verhaltens
generell in erschreckendem Ausmaß zurückgegangen.“
„Formen der Ehrfurcht sind aber eine notwendige
Vorraussetzung für einen guten und fruchtbaren Kommunionempfang. Nur mit dem, dessen Wert man richtig
einzuschätzen weiß, wird auch sachgemäß umgegangen.“
„Wenn es heißt, der Mensch ‘esse auch mit den
Augen’, dann gilt dies eben auch für die Eucharistie: Anschauend-anbetend soll wahrgenommen werden, wie
groß die göttliche Liebe ist, die sich in Speise und Trank verschenken will. Nur wer darum weiß, ist
sicher vor jeder Gefahr eines durch Routine entleerten Umgangs mit der Eucharistie oder gar ihrer Profanierung
gefeilt.“
„Unter allen Umständen ist einem möglichen Eindruck im christlichen Volk entgegenzuwirken,
die Feier der heiligen Messe und eine Wort-Gottes-Feier (ganz unabhängig von der Frage der Kommunionausteilung)
seien grundsätzlich gleichwertig. Dazu trägt wesentlich bei, wenn man sich darum bemüht – etwa durch
die Organisation von Mitfahrgelegenheiten – die Mitfeier einer hl. Messe in einer der Nachbargemeinden
möglichst allen zu ermöglichen. Nichts darf der Feier der Eucharistie, vor allem an den Sonn- und Feiertagen
vorgezogen werden, auch nicht ein ökumenischer Gottesdienst.“
Link zum 22-seitigen Volltext
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