Liturgie
Wider den liturgischen Wildwuchs
Der Erzbischof von Köln, Joachim Kardinal Meisner, veröffentlichte gestern einen Brief an alle Priester und Diakone, in dem er einige Aspekte der Vatikanischen Instruktion zu Mißständen in der Liturgie ‘Redemptionis Sacramentum’ aufgreift. Das Schreiben steht unter dem benediktinischen Titel „Dem Gottesdienst soll nichts vorgezogen werden“. Es ist gezeichnet am 28. Januar, dem Fest des Heiligen Thomas. Auszüge.
(kreuz.net, Köln) In der Vatikanischen Instruktion zu Mißständen in der Liturgie kommt immer wieder zum Ausdruck, „daß die Instruktion dem einzelnen Gläubigen zu einem Grundrecht verhelfen will, in und mit seiner Gemeinde die authentische Liturgie der Kirche feiern zu können. Niemand darf einer klerikalen Willkür ausgesetzt sein, die durch neue Formen, illegitime Hinzufügungen, unrechtmäßige Auslassungen, Unklarheiten über das priesterliche Amt und die Rolle der Laien im Gottesdienst nicht nur die sachgerechte Feier der Eucharistie behindert, sondern im Letzten den Eucharistieglauben der Menschen selbst betrifft und verändert.“

„An der Gestalt des Gottesdienstes dürfen sich weder Machtkämpfe noch Profilierungsversuche entzünden, die letztlich auf dem Rücken der Gläubigen ausgetragen werden, die gar nichts anderes erwarten, als die treulich gefeierte Liturgie. Eigenmächtigkeiten führen bei den Gläubigen nur zu Verunsicherung in ihrem Glaubensleben und nicht selten zu Zwietracht in den Gemeinden.“

„Eigenmächtige Auslassungen, Änderungen in den zu verkündigenden Texten usw. mögen bei manchem auf den ersten Blick einen kreativen Eindruck machen und das Bild einer lebendigen Gemeinde vermitteln, letztlich verbergen sich dahinter aber neue, unerträgliche Formen klerikaler Bevormundung einer nicht ernst genommenen Gemeinde, welche die Liturgie zerstören.“

„Nicht selten wurde verkannt, daß nicht allein die äußere Aktivität in der Mitgestaltung des Gottesdienstes ‘tätige Teilnahme’ bedeutet, sondern vor allem das innere, lebendige Miterleben, Mitbeten und Mitvollziehen der liturgischen Riten. Die Liturgie ist daher keine Veranstaltung, in der ein Moderator dafür sorgen muß, daß möglichst alle Teilnehmer irgend etwas zur Feier beitragen können.“

„In der Wahrnehmung liturgischer Aufgaben darf es keinerlei Vermischung von den Laien zukommenden Aufgaben mit den dem Weiheamt vorbehaltenen Vollzügen geben. Der Priester tut das, was dem Priester kraft seines Amtes zukommt, der Diakon versieht die seinem Weihestand zukommenden Aufgaben, und die Laien in besonderen liturgischen Laiendiensten versehen die ihnen zustehenden Dienste.“

„Seien Sie klug in der Auswahl Ihrer liturgischen Mitarbeiter. Die Mitwirkung in der Liturgie darf niemals der eigenen Profilierung oder anderen Eigeninteressen dienen. Wer nur dann zur Messe kommt, wenn er zum liturgischen Dienst aufgestellt ist, der hat sich für den Dienst als ungeeignet erwiesen.“

„In der Meßfeier sind nur die offiziellen Eucharistischen Hochgebete erlaubt. Diese ohne persönliche Hinzufügungen und Auslassungen zu beten, ist eine schwerwiegende, auf dem Gehorsamsversprechen des Weihetages gründende Verpflichtung. Alle anderen Texte sind verboten und gehören als Zeitzeugnisse einer der Liturgie wenig gewogenen Zeit in das Pfarrarchiv. Auch alle anderen Gebete der Meßfeier sind allein dem Meßbuch zu entnehmen.“

„Keinesfalls dürfen Fladenbrote oder andere im alltäglichen Leben übliche Brotformen für die Eucharistiefeier verwendet werden, um einen (historisch-falschen) Eindruck größerer Authentizität der Eucharistiefeier im Vergleich mit dem Abendmahl Jesu zu erwecken. Zuweilen praktizierte Eigenmächtigkeiten dieser Art besonders in Jugendgottesdiensten sind um des Glaubens der Gläubigen und der Wahrung der kirchlichen Einheit willen abzustellen.“

„Weder einem Laien noch einem Diakon kommt es zu, Teile des Hochgebetes zu beten.“

„Dem Charakter des hymnischen Preisgebetes [Hochgebet] widerspricht darum auch die manchmal anzutreffende Unsitte, die Schlußdoxologie von der ganzen Gemeinde singen oder beten zu lassen. Gestatten Sie mir einen Vergleich: Es wäre so, als würde das Orchester vor dem Schlußakkord einer Symphonie plötzlich verstummen und die Zuhörer denselben summen lassen, bevor sie applaudieren. Um der Wahrung der sachgerechten Feier der Eucharistie als auch der kirchlichen Einheit willen, möchte ich solche Mißbräuche alsbald abgestellt wissen.“

„Die Homilie – seit der liturgischen Erneuerung ‘pars ipsius liturgiae’ [Teil der Liturgie selbst] – ist dem zelebrierenden Priester, einem Konzelebranten oder unter Umständen auch einem Diakon vorbehalten; Laien, auch hauptamtlich in der Seelsorge eingesetzte, sogar Seminaristen auf dem Weg zum Priestertum halten in der Meßfeier nach der gültigen Ordnung keine Homilie.“

„Eine leider oftmals anzutreffende, aber nichtsdestoweniger völlig falsche Meinung ist, auf die äußere Gestalt der Liturgie komme es gar nicht so sehr an; Hauptsache sei die rechte Gesinnung des Gebets oder eine gelungene Verkündigung des Gotteswortes, das die Herzen der Hörer erreicht. Hier wird einem völlig falschen Spiritualismus Vorschub geleistet.“

„Herzlich bitte ich Sie, alles aus Ihren Sakristeischränken zu verbannen, was mit der Würde der Liturgie nicht vereinbar ist, und für eine würdige liturgische Kleidung zu sorgen. Das heute weit verbreitete Ideal der Wohlfühlkleidung gilt nicht für das liturgische Gewand.“

„Im Zuge der Liturgiereform ist die Verehrung und Anbetung des im eucharistischen Brot gegenwärtigen Herrn leider stark zurückgegangenen. Unsere vielfach geschlossenen Kirchen lassen auch den von früheren Generationen gepflegten Brauch nicht mehr zu, eine Kirche zu einer kurzen Anbetung zu betreten und dem Herrn die Ehre zu geben. Zudem sind Formen ehrfürchtigen Verhaltens generell in erschreckendem Ausmaß zurückgegangen.“

„Formen der Ehrfurcht sind aber eine notwendige Vorraussetzung für einen guten und fruchtbaren Kommunionempfang. Nur mit dem, dessen Wert man richtig einzuschätzen weiß, wird auch sachgemäß umgegangen.“

„Wenn es heißt, der Mensch ‘esse auch mit den Augen’, dann gilt dies eben auch für die Eucharistie: Anschauend-anbetend soll wahrgenommen werden, wie groß die göttliche Liebe ist, die sich in Speise und Trank verschenken will. Nur wer darum weiß, ist sicher vor jeder Gefahr eines durch Routine entleerten Umgangs mit der Eucharistie oder gar ihrer Profanierung gefeilt.“

„Unter allen Umständen ist einem möglichen Eindruck im christlichen Volk entgegenzuwirken, die Feier der heiligen Messe und eine Wort-Gottes-Feier (ganz unabhängig von der Frage der Kommunionausteilung) seien grundsätzlich gleichwertig. Dazu trägt wesentlich bei, wenn man sich darum bemüht – etwa durch die Organisation von Mitfahrgelegenheiten – die Mitfeier einer hl. Messe in einer der Nachbargemeinden möglichst allen zu ermöglichen. Nichts darf der Feier der Eucharistie, vor allem an den Sonn- und Feiertagen vorgezogen werden, auch nicht ein ökumenischer Gottesdienst.“

Link zum 22-seitigen Volltext
      
1 Lesermeinung
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#1   Vetter Taferl   22:32:43 | Donnerstag, 24. Februar 2005
Leider zeigen sich im Dokument des Cardinals
die Grenzen postkonziliaren Liturgieverständnisses. Negativer Höhepunkt des Dokuments von Cardinal Meisner ist das Zitat „…für euch und für alle vergossen…“ statt richtig „…für viele …“ Ob ihm die richtige Übersetzung bzw. die lateinische Originalfassung wirklich nicht bekannt ist?
Kein Wort zur Handkommunion, obwohl der Mißbrauch (Entwendung, Hostienfrevel) der Hostien direkt angesprochen wird. Eine höchst vorsichtige Andeutung der Erforderlichkeit des Gnadenstandes bei der Kommunion, wobei weder letzterer Begriff noch die Worte Buße oder Beichte vorkommen.
Bis auf ein Zitat des hl. Kirchenvaters Chrysostomus nur V2-Zitate, obwohl die dogmatischen Definitionen des Konzils von Trient viel wichtiger sind. Dann wird – offenkundig mit Hinblick auf den NOM – von dem authentischen Meßritus gesprochen, den alle Priester praktizieren sollten. Von der alten Liturgie kein Wort (z.B. als Vorbild).
Aber vielleicht sollten die Priester des Erzbistums Köln ihren Bischof wirklich ernst nehmen und zum authentischen Ritus aller Zeiten zurückkehren (der nämlich nicht durch eine Teamarbeit von Freimaurern, protestantischen Pastoren und Kirchenmodernisten erfunden worden ist) – dies mit Berufung auf den Brief des Erzbischofs?
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