Deutschland
Es kocht weiter
In Eichstätt hat man die Ablehnung des im vergangenen Januar gewählten Universitäts- Präsidenten noch nicht verdaut.
Sommerresidenz der Universität Eichstätt
Sommerresidenz der Universität Eichstätt
© Brian Clontarf
(kreuz.net, Eichstätt) Letzten Mittwoch hat der Senat der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt eine Stellungnahme an Erzbischof Reinhard Marx von München und Freising und Bischof Gregor Maria Hanke von Eichstätt verabschiedet.

Mit Ausnahme der Dekanin der philosophisch-pädagogischen Fakultät, Klaudia Schultheis (47), schlossen sich alle Dekane der Stellungnahme an.

Diese erinnert daran, daß der Hochschulrat in seiner Sitzung vom vergangenen 30. Januar mit klarer Mehrheit einen Präsidenten gewählt hat.

Der Senat zeigt sich über die Tatsache bestürzt, daß der Magnus Cancellarius der Universität – Mons. Gregor Maria Hanke – am 8. Mai die Ernennung des gewählten Kandidaten verweigert hat:

„Nach unserer Überzeugung haben alle Mitglieder des Hochschulrates die Bewertung, Diskussion und Auswahl der Bewerber mit großer, verantwortungsbewußter Sorgfalt betrieben“ – heißt es weiter.

Universität Eichstätt
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Der Bischof sei als Vorsitzender des Stiftungsrats mit Abschluß der Bewerbungsfrist über sämtliche Bewerber und die weiteren Auswahlschritte unterrichtet worden:

„Wir halten es für einen Vorgang ohne Präzedenz, daß ein streng nach dem vorgeschriebenen Verfahren gewählter Präsident nicht ernannt wird, ohne daß das Wahlorgan auch nur über die maßgeblichen Gründe für diese Verweigerung unterrichtet wird.“

Hochschulrat und Senat seien durch diesen Vorgang „schwer brüskiert“ worden – geben sich die Dekane etwas wehleidig.

Noch viel schwerer wiege die angebliche „existentielle Bedrohung“, die sich aus einer grundsätzlichen Verkennung der universitären Autonomie für die Zukunft der Hochschule ergeben könne.

Das Rechtsinstitut der Hochschulautonomie stelle kein vordergründiges Privileg dar: „Es entspringt vielmehr der historischen Erfahrung, daß Wissenschaft nur dort wirklich gedeihen kann, wo sie einen grundsätzlich freien Raum für Forschung und Diskussion vorfindet.“

Zu dieser Freiheit bekennt sich auch die vatikanische Konstitution ‘Ex corde ecclesiae’.

Eingriffe in die Hochschulautonomie würden den Universitätscharakter der Hochschule und ihren Ruf in der sogenannten wissenschaftlichen Gemeinschaft schwer beschädigen.

Darum appelliert der Senat an die Verantwortlichen, vor allem auf Seiten des Trägers, die Autonomie der Universität uneingeschränkt zu wahren:

„Ein erster wichtiger Schritt in diese Richtung wäre, daß die nun anstehende Neuwahl eines Präsidenten auf der Basis der geltenden Grundordnung stattfindet.“

Der Senat wünscht jetzt eine Konsultation mit dem Bischof von Eichstätt, um einen kommissarischen Vorsitzenden der Hochschulleitung aus den Reihen der Universität zu benennen.

Am Mittwoch hat Bischof Hanke angekündigt, daß er „in den nächsten Tagen“ zwei Personen vorschlagen werde.
      
13 Lesermeinungen
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#13   Jörg Guttenberger, Köln   23:15:17 | Sonntag, 15. Juni 2008
Unda maris: Mitte
Wie kommen Sie auf den abwegigen Gedanken, ich sähe nur schwarz oder weiß?
Da es nur drei Möglichkeiten, nämlich progressiv, konservativ und reaktionär gibt, kommt nur noch reaktionär infrage, wenn Sie die Charakterisierung progressiv und konservativ gleichermaßen für eine Sache ablehnen!
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#12   Unda_maris   13:07:35 | Sonntag, 15. Juni 2008
@Jörg Guttenberger
Was soll das jetzt? Für Sie gibts anscheinend nur schwarz und weiß. Genau wie es in der Politik eine „Mitte“ gibt, so schätze ich im Ganzen auch die ThF in Eichstätt ein. Aber bitte, wenn Sie unbedingt irgendwelche Etikettierungen brauchen: „normal“, „gemäßigt“, …
Wie bereits gesagt: aufs Ganze gesehen, im Dozentenkollegium lassen sich natürlich schon verschiedene „Tendenzen“ ausmachen, aber wir betrachten ja das Gesamte.
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#11   Andrauos   12:53:30 | Sonntag, 15. Juni 2008
@ unda maris
Hallo Unda,
es kommt drauf an, in welchen Vorlesungen Sie sitzen…
Mal abgesehen davon, dass die namhaften Theologen in Deutschland extreme Mangelware sind, möchte ich nur auf die Professoren in Fundamentaltheologie, Liturgiewissenschaften, AT und NT und Kirchenrecht hinweisen…sowie den PD in Dogmatik.
Das sind schon mal nicht so wenige…
Mal abgesehen, dass es an dieser Uni ein gewaltiges Koordinationsproblem und mangelnde Zusammenarbeit unter den Professoren gibt… ;)
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#10   Jörg Guttenberger, Köln   00:24:07 | Sonntag, 15. Juni 2008
Unda maris: weder progressiv moch konservativ
Wie schätzen Sie die theol. Fakultät denn ein? etwa reaktionär? Das ist die einzige Möglichkeit, nachdem Sie progressiv und konservativ ausschließen!
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#9   Unda_maris   21:23:55 | Samstag, 14. Juni 2008
@Andraous
Da schau her, noch ein Mitglied an der KU – seien Sie gegrüßt!
Ihre Einschätzung, dass die Theologische Fakultät eine der führenden in Deutschland sein soll und dazu noch besonders progressiv, kann ich nicht ganz nachvollziehen, ehrlich gesagt. Führend ist die Eichstätter Uni auf den Gebieten der Geographie oder des Journalismus, aber ganz sicher nicht im Bereich der Theologie. Das soll jetzt natürlich nicht heißen, dass das Lehrpersonal schlecht wäre (ist es sicher nicht), aber die Zeiten, in denen wirklich namhafte Theologen dort gelehrt haben, sind doch längst vorbei.
Und progressiv? Natürlich gibt es große Unterschiede innerhalb der Dozenten, aber im Ganzen gesehen, würde ich die Fakultät weder als ausgesprochen konservativ, aber schon gar nicht als progressiv einschätzen. Ist aber meine persönliche Meinung.
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#8   Andrauos   14:46:36 | Samstag, 14. Juni 2008
@ alle
Als Student der KU möchte ich mal als selbst betroffener sagen:
Die katholische Kirche hat bei uns wenig direkten Einfluss auf die Lehre, gegenüber dem, wie sie ansonsten immer kritisiert wird. Die KU fühlt sich immer dem Humboldtschen Bildungsideal verpflichtet. Die Theologische Fakultät dürfte eine der führenden in Deutschland sein – meiner Meinung nach sogar inzwischen progressiver als Tübingen. Leider ist der Ruf aber noch so durch das Priesterseminar zu Mixas Zeiten und die (leider) damals erfolgenden Skandale geschädigt.
Sie haben Recht, wenn Sie sagen, auf allen Seiten wurden Fehler gemacht; dies hat auch schon der Bischof zugegeben. Leider war die Grundordnung so umgangen worden, dass er (zu) spät erst eingegriffen hat bzw. eingreifen konnte.
Wir hoffen auf einen neuen, starken Präsidenten und eine gute Zusammenarbeit zwischen Uni und Kirche
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#7   Jörg Guttenberger, Köln   01:42:53 | Samstag, 14. Juni 2008
Der Präsident einer kath. Universität
Die Kritiker des Bischofs übersehen, daß ein Präsident einer kirchlichen Hochschule zwei Qualifikationen braucht: neben der für alle Professoren notwendigen wissenschaftlichen Qualifikation auch das besondere Vertrauen des Bischofs.
Es bedarf also eines erhöhten Verantwortungsbewußtseins, daß sich auch in seinem Privatleben niederschlägt. Wenn auch abgestritten, ist eine auch nur zeitweise bestanden habende kirchlich nicht geregelte Ehe sicher keine Empfehlung für das Präsidentenamt einer kath. Uni.
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#6   Gotthard   01:12:01 | Samstag, 14. Juni 2008
@nachtlaterne
Das Kritisieren dieser hetzseite muss sein!
Keine Chance der Sünde und der Meinungsperversion!
Keine Chance der Perversion der katholischen Glaubensüberzeugung !
Keine Chance der falschen öffentlichen Darstellung unseres katholischen Glaubens!
Gegen jede krankhafte, ideologische, einseitige, festgefahrene, eingebildete und fundamentalistische Darstellung unseres Glaubens!
Es lebe die Kirche in ihren Gemeinden und Bistümern, in ihren Gruppen und Vereinen!
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#5   Nachtlaterne   16:45:08 | Freitag, 13. Juni 2008
immerzu wird hier über kreuz-net gegeifert…
…und gleichzeitig ist man hier ständig anverwesend…
ihr seid schon deppen
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#4   Unda_maris   16:17:29 | Freitag, 13. Juni 2008
@Beide Vorposter
Kennen Sie die Universität Eichstätt überhaupt und wissen Sie überhaupt über die Vorkommnisse der letzten Zeit genau Bescheid?
Aus der Ferne irgendetwas daherzusülzen ist natürlich immer leicht. Fakt ist, dass auf BEIDEN Seiten, weltlich UND kirchlich in der Personalie extrem viel Mist gebaut wurde und dass sich auch die Kirche keinen berechtigten Grund hat, hier den Saubermann spielen zu wollen. Fakt ist auch, dass nicht mit offenen Karten gespielt wurde und wird.
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#3   karljosef   14:31:03 | Freitag, 13. Juni 2008
Eine Katholische Universität muss auch
katholisch sein. Ich finde es gut, dass es jetzt einen anderen Kanditaten geben wird. Wenn es keine Kontrolle geben würden , ware es mit dem Katholischen Profil auf kurz oder lang vorbei.
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#2   Maledica   14:27:47 | Freitag, 13. Juni 2008
@Teufelhard
Was der Kirche in den letzten Jahrzehnten schwersten Schaden zugefügt hat, ist die Besetzung der Bischofs- und Lehrstühle mit Apostaten wie Lehmann und anderen Feinden der Kirche.
Endlich zeigt ein Bischof einmal Courage und stellt sich der Zersetzung der katholischen Fakultäten entgegen
Deo gratias!
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#1   Gotthard   13:15:55 | Freitag, 13. Juni 2008
schwerer Schaden
die Verweigerung der Anerkennung der Wahl des Hochschulpräsidenten hat der katholischen Uni schweren Schaden zugefügt.
Was da passiert ist, war katholische Hinterzimmer-Politik. So gewinnt eine Universität kein Ansehen – und keine qualifizierten Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen.
Schade!
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