[ « 21 22 23 24 25 » ]
Freitag, 4. Juli 2008 13:50
Diabolische Machtsicherung
Das Fiasko im Bistum Aachen war schon lange vorauszusehen. Doch kritische Stimmen wurden einfach niedergewalzt. Von Katherina Weidemann.
Der Aachener Bischof Heinrich Mussinghoff ist in der Verwaltungsreform eher das Sprachrohr seines Generalvikars Manfred von Holtum.
Der Aachener Bischof Heinrich Mussinghoff ist in der Verwaltungsreform eher das Sprachrohr seines Generalvikars Manfred von Holtum.
(kreuz.net, Aachen) Der Aachener Generalvikar Manfred von Holtum hat bei der diözesanen Verwaltungsreform schwere Fehler eingestanden.

Man habe die Verwaltungszentren der Kirchengemeinden zu schnell in Betrieb genommen. Auch sei die nötige Vorbereitung unzureichend gewesen – räumte der Generalvikar vor der ‘Aachener Zeitung’ ein.

Das bedeutet, daß die Widerstände zahlreicher Pfarreien im Bistum Aachen zu Recht bestanden.

Die Feststellung des Generalvikars ist eine Kapitulation auf der ganzen Linie.

Die gescheiterte Verwaltungsreform verlagert die Arbeit aus der Kirchengemeinde auf neugeschaffene Verwaltungszentren. Diese Vorgangsweise entspricht dem irrsinnigen Umbau der Seelsorge im Bistum Aachen und dem schleichenden Abschied von der territorialen Pfarreistruktur.

Im Oktober 2007 pries die Webseite des Bistums Aachen seinen Generalvikar von Holtum: Er habe das Bistum "aus der Finanzkrise herausgeführt"
Im Oktober 2007 pries die Webseite des Bistums Aachen seinen Generalvikar von Holtum: Er habe das Bistum „aus der Finanzkrise herausgeführt“
Wer trägt für das immer offensichtlicher werdende Fiasko die Letztverantwortung?

Wieso wird der Generalvikar und sein quasi-totalitäres System der Einschüchterung und des Mobbings gegenüber Bedenkenträgern nicht zur Rechenschaft gezogen?

Wer haftet für die Schäden aus der in der Vergangenheit mehrfach angemahnten Mißwirtschaft?

Wer bezahlt die jetzt erforderlich werdenden externen Beratungen der Firma ‘Hirzel, Leder & Partner’?

Warum erledigt das nicht die Firma „Droege &Comp.“, die zu dem neuen überdimensionierten Verwaltungssystem geraten hatte?

Immerhin hatte man seinerzeit nach abgeschlossener Beratung den teuren Einsatz der Firma kostspielig in einem Nobelrestaurant in Kornelimünster bei Aachen gefeiert.

Weshalb hat man die warnenden Stimmen aus dem Kirchensteuerrat seinerzeit mundtot gemacht. Heute sprechen die Fakten für die Richtigkeit der damaligen Einsprüche, denn das Bistum ist seit drei Jahren nicht in der Lage, einen Haushalt vorzulegen.

Das langjährige Kirchensteuerratsmitglied Heinz-Theo Van Kann hat schon im Jahre 2004 auf alle Fehler im System hingewiesen, die heute zutagetreten.

Das Ergebnis war ein Kesseltreiben des Generalvikars gegen ihn und sein freiwilliger Rücktritt aus dem Gremium nach fast zehn Jahren treuer Mitarbeit.

Die Abstimmung mit dem Kirchesteuerrat geschah nach DDR-Manier. Die Beraterverträge wurden vor jeder rechtlichen Prüfung abgeschlossen. Immer wieder beklagten Mitglieder des Kirchensteuerrates, daß sie ohne vorbereitete Unterlagen zu Beschlüssen gedrängt wurden oder nachträglich etwas beschließen sollten, das schon im handverlesenen Lenkungskreis des Generalvikars unter Dach und Fach gebracht worden war.

Ergebnisoffene Beratungen wurden vom Generalvikar der Öffentlichkeit als Beschlüsse verkauft, um sich pseudodemokratisch zu legitimieren. Der Mißbrauch des Kirchensteuerrates war eklatant. Angesichts der aktuellen Eingeständnisse der Fehler, fällt langsam die Maske des Generalvikars Manfred von Holtum.

Ihm ging es nie um das Wohl der Kirchengemeinden, geschweige um eine zukunftsträchtige Seelsorge, sondern allein um Geld und Macht.

In Aachen mehren sich die Stimmen, die nach Kirchenaustritt rufen, um durch die direkte Weiterleitung der Geldmittel an die Kirchengemeinden der Veruntreuung seitens des Bistums zu begegnen.

Nach wie vor versanden die Kirchensteuermittel im Apparat. Sie werden für überflüssige Leistungen verschleudert, die für die Seelsorge und die Evangelisation vor Ort ohne Bedeutung sind.

Nachdem Rom im März 2006 klargestellt hat, daß mit einem Kirchenaustritt aus rein finanziellen Gründen keine Voraussetzung für die Tatstrafe der Exkommunikation als Beugestrafe gegeben ist, dürfte das die Gläubigen im Angesicht der Aachener Fahrlässigkeiten zur Abstimmung mit den Füßen bewegen.

Bischof Heinrich Mussinghoff ist in diesem Zusammenhang kein wirklicher Entscheidungsträger, sondern eher das Sprachrohr seines Generalvikars Manfred von Holtum, der mit beinahe diabolischer Machtsicherung, ungeachtet der desaströsen Zustände fest im Sattel bleibt.
Alle Lesermeinungen anzeigen 6 von 24 Lesermeinungen:
Montag, 7. Juli 2008 09:55
afdenkatze: linke Funktionärschristen
Da hat Frau Weidemann wohl den Nagel auf den Kopf getroffen! Das merkt man nur allzu deutlich an den giftigen Reaktionen der linken Funktionärschristen. Sie sind doch die ewig gestrigen, da sie partout nicht einsehen wollen, dass sie es sind, die unsere Kirchen leer gefegt haben. Eine Kirche der Räte, der Foren, der Lenkungsgruppen und was es da sonst noch so alles gibt, ist keine Kirche der Menschen mehr, sondern Selbstzweck ihrer Funktionäre. Der oberste Sowjet lässt grüßen!!! Das wollen die Leblhubers und Pradas einfach nicht sehen in ihrer ideologischen Verblendung. Es kann nicht sein, was nicht sein darf! Kirche lebt da wo die Basis ist, da wo die Menschen sind, vor Ort in der Gemeinde und nicht in irgendwelchen Lebensfernen, künstlichen Gebilden wie GdG’s und KGV’s und was da noch so alles kommen mag. Die Kirche im Dorf lassen. Dieser Spruch hat heute mehr Bedeutung als je zuvor. Wenn die linke Funktionärsblase ihre ideologische Tarnbrille abnehmen würde, dann würden sie auch wieder sehen wo die Menschen sind und bleiben wollen, nämlich da, wo sie sich geborgen fühlen – vor Ort, in ihrer Gemeinde. Und wenn die Menschen wieder zu ihrer Kirche stehen, dann sind auch genug Finanzmittel im System, vorausgesetzt, die Verteilung erfolgt ohne Ideologie!
Sonntag, 6. Juli 2008 12:37
Benedikt: @ Gotthard
Ein sehr seltsame altmodische klerikale Sicht!

Altmodisch? Wieso ist der Pfarrer dann qua Amt Vorsitzender des Verwaltungsrats?
Sonntag, 6. Juli 2008 00:36
Bernd-Jupp: Oh ihr neunmal klugen Tradis…
… vielleicht schaut ihr einfach mal die Misswirtschaft in Euren eigenen Reihen an, bevor ihr immer nur auf anderen rumkloppt. Ihr seid doch alles Pharisäer…
Samstag, 5. Juli 2008 16:58
Leblhuber: Brandenburgis, Ihr investigativer Instinkt ist wirklich erstaunlich!
Sicherlich, wird Ihnen diese Mühe honoriert, aber immerhin …
Wodurch habe ich mich eigentlich verraten? Der Mossad und der CIA werden mich wohl jetzt von der Gehaltsliste streichen. Es ist schon ein Jammer, wenn man offenbar so dilettantische Fehler macht, dass sogar ein Trottel wie Sie die richtigen Schlüsse zieht.
Samstag, 5. Juli 2008 16:48
Brandenburgis: @Leblhuber
Ich weiß schon, wie Sie denken. Meine Frage ging dahin, ob Sie glauben, daß Ihnen das jemand abnimmt? Immerhin investieren Sie einige Mühe hier. Sicherlich, wird Ihnen diese Mühe honoriert, aber immerhin …
Samstag, 5. Juli 2008 16:42
Leblhuber: Wissen Sie, Brandenburgis, die Kirche nimmt in meinem Sorgenbüchlein
nicht den ersten Platz ein. Da haben Sie schon Recht. Aber sie ist mir immerhin wichtig genug, dass ich es bedauere, wenn Witzfiguren wie Sie, Lingen, Geyer, der Obernazi u.a. das Bild, das die Öffentlichkeit durch Ihre Umtriebe von der Kirche gewinnt, massiv schädigen.

Hier auf kreuz.net sind Leute am Werk, die ihr ganz eigenes Süppchen kochen. Und Sie arbeiten ihnen zu, von Ihren plebejischen Ausfällen einmal ganz abgesehen.

Jeder, der seine 5 Sinne beisammen hat, merkt, welches infame Spiel hier mit der Kirche getrieben wird.
Alle Lesermeinungen anzeigen 18 weitere Lesermeinungen
Die Redaktion übernimmt keine Verantwortung für den Inhalt der Beiträge. Sie behält sich das Recht vor, Beiträge zu löschen sowie Leser aus der Debatte auszuschließen.
Copyright © 2008 kreuz.net