09:43:39 | Freitag, 11. Juli 2008
Die ökumenische Bewegung, die besonders in Europa stark ist, trägt ihre ersten Früchte: Junge Protestanten und junge Katholiken sind inzwischen etwa gleich gottlos.

Sonderstudie der deutschen ‘Bertelsmann Stiftung’
(kreuz.net) Die Jugend der Welt ist religiöser als ihr Ruf. Nur die Jugend in Europa ist der Religion
entfremdet.
Das ist das Ergebnis einer internationalen Sonderstudie der deutschen ‘Bertelsmann Stiftung’
anläßlich des katholischen Weltjugendtages in Sydney.
Weltweit betrachtet sind Jugendliche und junge
Erwachsene demnach viel religiöser als gemeinhin angenommen.
Nach Angaben der Studie sind global betrachtet
über vier von fünf jungen Erwachsenen religiös.
Fast die Hälfte – 44 Prozent – sei als „hochreligiös“
einzuschätzen.
Lediglich 13 Prozent haben mit Gott und Glauben nichts im Sinn.
Allerdings zeigt sich
in den einzelnen Ländern und unter den verschiedenen Konfessionen ein sehr divergierendes Bild.
Katholiken hinter dem Islam und den Protestanten
Junge Erwachsene in islamischen Staaten und Entwicklungsländern sind besonders religiös.
Dagegen zeigen
sich junge Christen in Europa religionsfern.
So sind zum Beispiel achtzig Prozent aller jungen Protestanten
außerhalb Europas hochreligiös und 18 Prozent religiös.
Doch unter den europäischen jungen Protestanten
sind gerade einmal sieben Prozent Hochreligiöse zu finden. 25 Prozent müssen als Karteileichen ihrer
Kirchen betrachtet werden.
Bei den jungen Katholiken bietet sich ein ähnliches Bild. Hier sind immerhin
25 Prozent der Europäer hochreligiös, außerhalb Europas sind es 68 Prozent.
Von den jungen Menschen
in Osteuropa und Rußland ist noch jeder Dritte getauft. Die meisten haben jeden Bezug zu Glaube und Kirche
verloren. Lediglich 13 Prozent sind hochreligiös.
Religion und praktisches LebenJunge Erwachsene in
hochreligiösen Ländern wie Nigeria oder Guatemala beten zu neunzig Prozent mindestens einmal täglich.
In Ländern wie Indien, Marokko oder der Türkei tun das immerhin noch drei von vier der Befragten.
Weitgehend unüblich ist das tägliche Gebet inzwischen dagegen unter jungen Europäern.
In Frankreich
beten noch neun Prozent der jungen Leute täglich. In Rußland sind es acht Prozent und in Österreich
nur etwa sieben Prozent.
Unter den reichen Ländern bilden die Vereinigten Staaten eine große Ausnahmeerscheinung.
Von den jungen Amerikanern geben 57 Prozent an, täglich zu beten.
In den freikirchlichen und Pfingstbewegungen
der USA sind unter den jungen Erwachsenen praktisch nur religiöse Menschen zu finden.
Fast neunzig Prozent
von ihnen sind sogar hochreligiös.
Daß die Jungen weniger religiös sind als ihre Eltern und Großeltern,
ist ein eher auf Europa beschränktes Phänomen.
So glauben die Jungen in den Entwicklungsländern und
in islamischen Staaten nicht weniger intensiv als die übrigen Erwachsenen.
In Marokko glauben etwa 99
Prozent an Gott und ein Leben nach dem Tod.
Auch unter Brasilianern, Türken oder Nigerianern stimmen
dem neunzig Prozent zu. In Israel, Indonesien und Italien sind es immerhin noch achtzig Prozent.
Die
Länder, in denen die jüngeren weniger gläubig sind, liegen fast alle im westlichen Kulturkreis – von
Australien bis Spanien.
Eindeutig widerlegtAllerdings gibt es auch hier gegenläufige Tendenzen.
So
sprechen in Großbritannien die Jüngeren dem Glauben häufiger zu als die Älteren.
Junge Israelis zeigen
sich mit signifikantem Abstand glaubensfester als ihre Väter.
Dr. Martin Rieger, Leiter des Projektes
Religionsmonitor bei der ‘Bertelsmann Stiftung’, folgert daraus:
„Die These, daß Religiosität von Generation
zu Generation kontinuierlich schwindet, kann nach unseren weltweiten Erhebungen – auch in vielen Industriestaaten –
eindeutig widerlegt werden.“Religion, Politik und SexFür die meisten Europäer hat die Religion keinen
Einfluß auf ihre politischen Überzeugungen.
Das gilt auch für die meisten religiösen jungen Menschen
außerhalb Europas – wenn auch nicht so strikt.
Nicht ganz so klar liegt die Sache beim Thema Sex und
Partnerschaft.
Auch hier ist für die meisten europäischen Gläubigen Sex Privatsache.
Für lediglich
sieben Prozent der jungen Protestanten in Europa haben religiöse Überlegungen Auswirkungen für die
Gestaltung ihres Liebeslebens. Bei den Orthodoxen sind es zwölf Prozent, bei den Katholiken 14 Prozent.
Anders sieht dies jedoch außerhalb Europas aus: Hier erkennen 67 Prozent der Protestanten und 68 Prozent
der Freikirchler einen Zusammenhang zwischen Religiosität und Sexualität.
Bei den Katholiken sind es
abgeschlagene 52 Prozent.
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