Umfrage
Religiöser als ihr Ruf?
Die ökumenische Bewegung, die besonders in Europa stark ist, trägt ihre ersten Früchte: Junge Protestanten und junge Katholiken sind inzwischen etwa gleich gottlos.
Sonderstudie der deutschen 'Bertelsmann Stiftung'
Sonderstudie der deutschen ‘Bertelsmann Stiftung’
(kreuz.net) Die Jugend der Welt ist religiöser als ihr Ruf. Nur die Jugend in Europa ist der Religion entfremdet.

Das ist das Ergebnis einer internationalen Sonderstudie der deutschen ‘Bertelsmann Stiftung’ anläßlich des katholischen Weltjugendtages in Sydney.

Weltweit betrachtet sind Jugendliche und junge Erwachsene demnach viel religiöser als gemeinhin angenommen.

Nach Angaben der Studie sind global betrachtet über vier von fünf jungen Erwachsenen religiös.

Fast die Hälfte – 44 Prozent – sei als „hochreligiös“ einzuschätzen.

Lediglich 13 Prozent haben mit Gott und Glauben nichts im Sinn.

Allerdings zeigt sich in den einzelnen Ländern und unter den verschiedenen Konfessionen ein sehr divergierendes Bild.

Weltjugendtag in Sydney 2008
Bühne für die Abschlußmesse in SydneyAm 1. Juli nahmen Vertreter der Erzdiözese das Weltjugendtagskreuz entgegen.Das Weltjugendtagskreuz bei der indigenen Bevölkerung

Katholiken hinter dem Islam und den Protestanten

Junge Erwachsene in islamischen Staaten und Entwicklungsländern sind besonders religiös.

Dagegen zeigen sich junge Christen in Europa religionsfern.

So sind zum Beispiel achtzig Prozent aller jungen Protestanten außerhalb Europas hochreligiös und 18 Prozent religiös.

Doch unter den europäischen jungen Protestanten sind gerade einmal sieben Prozent Hochreligiöse zu finden. 25 Prozent müssen als Karteileichen ihrer Kirchen betrachtet werden.

Bei den jungen Katholiken bietet sich ein ähnliches Bild. Hier sind immerhin 25 Prozent der Europäer hochreligiös, außerhalb Europas sind es 68 Prozent.

Von den jungen Menschen in Osteuropa und Rußland ist noch jeder Dritte getauft. Die meisten haben jeden Bezug zu Glaube und Kirche verloren. Lediglich 13 Prozent sind hochreligiös.

Religion und praktisches Leben

Junge Erwachsene in hochreligiösen Ländern wie Nigeria oder Guatemala beten zu neunzig Prozent mindestens einmal täglich.

In Ländern wie Indien, Marokko oder der Türkei tun das immerhin noch drei von vier der Befragten.

Weitgehend unüblich ist das tägliche Gebet inzwischen dagegen unter jungen Europäern.

In Frankreich beten noch neun Prozent der jungen Leute täglich. In Rußland sind es acht Prozent und in Österreich nur etwa sieben Prozent.

Unter den reichen Ländern bilden die Vereinigten Staaten eine große Ausnahmeerscheinung.

Von den jungen Amerikanern geben 57 Prozent an, täglich zu beten.

In den freikirchlichen und Pfingstbewegungen der USA sind unter den jungen Erwachsenen praktisch nur religiöse Menschen zu finden.

Fast neunzig Prozent von ihnen sind sogar hochreligiös.

Daß die Jungen weniger religiös sind als ihre Eltern und Großeltern, ist ein eher auf Europa beschränktes Phänomen.

So glauben die Jungen in den Entwicklungsländern und in islamischen Staaten nicht weniger intensiv als die übrigen Erwachsenen.

In Marokko glauben etwa 99 Prozent an Gott und ein Leben nach dem Tod.

Auch unter Brasilianern, Türken oder Nigerianern stimmen dem neunzig Prozent zu. In Israel, Indonesien und Italien sind es immerhin noch achtzig Prozent.

Die Länder, in denen die jüngeren weniger gläubig sind, liegen fast alle im westlichen Kulturkreis – von Australien bis Spanien.

Eindeutig widerlegt

Allerdings gibt es auch hier gegenläufige Tendenzen.

So sprechen in Großbritannien die Jüngeren dem Glauben häufiger zu als die Älteren.

Junge Israelis zeigen sich mit signifikantem Abstand glaubensfester als ihre Väter.

Dr. Martin Rieger, Leiter des Projektes Religionsmonitor bei der ‘Bertelsmann Stiftung’, folgert daraus:

„Die These, daß Religiosität von Generation zu Generation kontinuierlich schwindet, kann nach unseren weltweiten Erhebungen – auch in vielen Industriestaaten – eindeutig widerlegt werden.“

Religion, Politik und Sex

Für die meisten Europäer hat die Religion keinen Einfluß auf ihre politischen Überzeugungen.

Das gilt auch für die meisten religiösen jungen Menschen außerhalb Europas – wenn auch nicht so strikt.

Nicht ganz so klar liegt die Sache beim Thema Sex und Partnerschaft.

Auch hier ist für die meisten europäischen Gläubigen Sex Privatsache.

Für lediglich sieben Prozent der jungen Protestanten in Europa haben religiöse Überlegungen Auswirkungen für die Gestaltung ihres Liebeslebens. Bei den Orthodoxen sind es zwölf Prozent, bei den Katholiken 14 Prozent.

Anders sieht dies jedoch außerhalb Europas aus: Hier erkennen 67 Prozent der Protestanten und 68 Prozent der Freikirchler einen Zusammenhang zwischen Religiosität und Sexualität.

Bei den Katholiken sind es abgeschlagene 52 Prozent.
      
16 Lesermeinungen
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#17   JMX   09:53:23 | Mittwoch, 16. Juli 2008
Man lasse sich diesen Satz auf der Zunge zergehen…
Horst Metzker: Wenn wir unseren Kinder eine schlampige Erziehung vorwerfen, können wir dies nur, weil sie nicht wissen, wie schlampig schon ihre Eltern erzogen waren.
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#15   pneumat   17:01:44 | Samstag, 12. Juli 2008
Horst Metzker
Das ist die einfache Wahrheit.
Wäre schön, wenn die Menschen endlich kapiert hätten, wer ihr Leben zerstört und rasch zu alten Fundamenten zurückkehrten.
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#14   Horst Metzker   14:25:44 | Samstag, 12. Juli 2008
Ja, ja, die schlimmen Jugendlichen.
Sie sind faul, saufen, fahren viel zu schnell, und interessieren sich für sonst nichts, nicht einmal für Religion.
Erziehung ist nicht Aufgabe der Schule, sondern der Eltern.
Ausbildung ist die Aufgabe der Schulen und Lehrbetriebe.
Doch was möchte ich meinem Kinde vermitteln, wenn ich selbst faul bin, saufe, zu schnell fahre und mich für nichts anderes als um Fernsehköche und Fußball kümmere.
Ein Kind aber braucht die intakte Familie. Hat das Kind die Familie nicht, ist beim Kind automatisch schon ein Defezit erzeugt.
Egal ob Patchwork, Alleinerziehend, Homoadoptionen.
Dies meine ich nicht diskriminierend, doch das Leben ist eben keine Wundertüte.
In zivilisierten Familien wird miteinander anders gesprochen, als heute zu viele Kinder dies erfahren, und so ist es kein Wunder, dass die Kinder dies weitergeben.
Es gab mal eine Zeit, wo Familienverbände, unter einem Dach lebten. Manchmal bis zu 4 Generationen. Heute, lebt die kleine Familie in Frankfurt, Großeltern 1 in Berlin, Großeltern 2 in Stuttgart. Wo ist das Kind nach der Schule? Auf der Straße. Warum? Mama und Papa sind in der Arbeit und verdienen Geld, um das neue Auto bezahlen zu können.
Mit Religiosität hat das Ganze doch gar nichts zutun.
„Das mit Gott, das machen wir schon noch, später.“
Wenn wir unseren Kinder eine schlampige Erziehung vorwerfen, können wir dies nur, weil sie nicht wissen, wie schlampig schon ihre Eltern erzogen waren.
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#13   Protestant   23:14:46 | Freitag, 11. Juli 2008
Kommunion
Es ist doch völlig klar! Ich kenne mittlerweile mehrere Fälle, bei denen Kinder sich weigern, an der Erstkommunion teilzunehmen, weil ihre evangelische Mutter oder ihr evangelischer Vater von diesem Sakrament ausgeschlossen ist!
Dasselbe wird unserer Familie wahrscheinlich auch irgendwann blühen, da unserer Kinder diesbezüglich sehr sensibel sind!
Irgendwann schlägt das dann in abneigung über!
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#12   pneumat   15:55:58 | Freitag, 11. Juli 2008
Die Spiritualität
ist ein angeborenes Phänomen, da der Mensch ein Gottesbild ist und Gebote Gottes im Herzen jeden Menschen geschrieben sind. Die unorganisierte, wilde, autonome Spiritualität unserer Zeit widerspricht dem Gebot Christi: Seid einig. Doch nicht durch die relativistische falsche Ökumene, sondern durch die Besinnung der Apostolischen Überlieferung. Gott ohne Kirche wie ein Kopf ohne den Leib. Also, beide gehören zu einander. Ohne Kirche – die geistig gesehen ein Potenzier der Göttlichen Kraft ist, die jeden einzelnen in den geistigen Himmel empor fördert – ist die Erlösung unmöglich. Die gegenwärtige Kirche wird abgelehnt, weil sie und ihre Geistlichen keinen Heiligen Geist mehr innehaben. Insbesondere betrifft das die EK. Also, zu Wurzeln der Apostolischen Lehre, zur geistigen Anstrengung, zum 3x täglichen Gebet, zum permanenten Jesusgebet, zum Klosterleben, zur väterlichen Askese, um den Heiligen Geist anzulocken, um ihn mit Brüdern und Schwestern in der Gemeinde, in Heiliger Mutterkirche zu teilen.
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#11   Matthias_DD   15:02:20 | Freitag, 11. Juli 2008
@wolke68
wir lesen Mt.16,18ff. verneigen uns tief und erkennen die Fehlbarkeit des einzelnen Menschen
Wir (Katholiken) glauben, die Wahrheit gefunden zu haben, weil wir der Überlieferung der Kirche vertrauen, die mit Jesus selbst begann und wir vertrauen der durch IHN (s.o.) in Petrus (und nicht durch eine Privatoffenbarung) eingesetzten Kirche, konsequenterweise weitergeführt durch die Nachfolger des Petrus. Wir vertrauen zudem der Erleuchtung des Heiligen Geistes, den Jesus seinen Apostel zu Pfingsten geschickt hat und vertrauen in Demut darauf, dass durch die apostolische Sukzession dieser Geist bis in unsere Tage weitergegeben wurde. Finden Sie dies alles in einer anderen Gemeinschaft neben der RKK, so ist auch sie die Kirche Christi, werden Sie eben nur nicht…
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#10   Tyrus   14:58:48 | Freitag, 11. Juli 2008
Zu dieser dubiosen Studie und ihrer Funktionsweise
kann ich nur dringend auf folgenden Link verweisen:
hpd.de/node/3464
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#9   wolke68   14:34:55 | Freitag, 11. Juli 2008
RJH: nur eine Kirche
werter rjh, da sei gott vor! :-D :-( glauben ist suchen, und wer mir erzählt „gefunden“ (eine wahre kirche etc.)zu haben dem diagonostiziere ich das nichterkennenkönnen der unterscheidung von werturteil und sachurteil.
da brauchts keine phiolosofen, a bisserl basals wissenschaftstheorie tuts auch.
und man sollte schon wissen wann man mit werturteilen im gepäck reist und wann mit sachurteilen.
ich hoffe ich konnte mich veständlich machen.
a bisserl mehr demut vor den grenzen des eigenen verstandens (ein wesensmerkmal jeden glaubens).
alles andere ist formsache, nicht gänzlich unwichtig, aber formsache.
wolke68
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#8   RJH   11:18:50 | Freitag, 11. Juli 2008
Junge Gemeinden
Falls noch jemand aus dem Liturgieteam für die Liturgiegestaltung Anregungen sucht, so findet man >> hier << www.stmichael.de/gemeinde/index.htm immer wieder originelle Ideen:
• dass wir nicht nur hier Brot und Wein miteinander essen, sondern unsere Zeit und unser Leben teilen können: Herr, erhöre uns …
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#7   stimme der vernunft †   10:35:14 | Freitag, 11. Juli 2008
@anderer Landorganist
wenn du mich als hasserfüllt empfindest, wie empfindest du dann eigentlich die anderen hier?
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#6   RJH   10:24:28 | Freitag, 11. Juli 2008
@Protestant: die lutherische Gemeinschaft
ist ja auch gar keine Kirche! Denn es gibt nur eine Kirche.
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#5   Protestant   10:17:05 | Freitag, 11. Juli 2008
Besser als ihr Ruf!
Die Jugend schlichtweg als gottlos zu bezeichnen ist einfach nur anmaßend!
Für viele Jugendliche gilt Jesus durchaus als Vorbild! Fragen Sie doch mal nach Bergpredigt!Es sind viele junge Leute (glücklicherweise) im sozialen Bereich ehrenamtlich tätig.
Das einzige womit Jugendliche nicht mehr so viel anfangen können, ist die Institution Kirche (das bezieht sich sowohl auf die röm.-kath.,wie auch auf die evang. Kirche), die oft nur noch als Verwaltungsapparat wahrgenommen.
Für viele ist Glaube eben nicht mehr gekoppelt an irgendwelche kirchlichen Autoritäten. Glaube lässt sich nicht am Kirchenbesuch messen,oder an der Anzahl von Papstbildern, die im Kinderzimmer hängen…!
Die jungen Leute lassen sich eben nicht vorschreiben,wie sie zu glauben haben-und das ist gut so!
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#4   prada   10:09:27 | Freitag, 11. Juli 2008
Religiosität
Die meisten Jugendlichen sind in der Tat religös, jedoch hat diese Religiosität oft sehr wenig mit Kirchlichkeit zu tun. Selbst bei WJT’s ist die spirituelle Ebene enorm, aber weltanschauliche und gesellschaftsrelevante Fragen werden nicht in die Hand der Kirchen gelegt.
„Gott ja, Papst ist cool und Kirche nein“ wird von den meisten vertreten!
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#3   noch ein Landorganist   10:04:50 | Freitag, 11. Juli 2008
Stimme!
Das denken Sie vielleicht. Als Jugendlicher muss ich sagen dass so verbohrte Arschlöcher wie sie eher zu einer „jetzt erst recht-Haltung“ führen. Schließlich muss es ja eine Grund haben, warum sie die Kirche so hassen und kein normaler Mensch will so hasserfüllt und fanatisch sein wie Sie.
Seit ich kreuz.net besuche, ist mir noch klarer, wie wichtig es ist, die katholische Fahne hochzuhalten. Und das bringt mir in meinem Umfeld nur Anerkennung.
Eine Stimme, die nichts zu sagen hat, ist überflüssig! Also: Schweig, Bub!
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#2   Pünktchen   10:00:16 | Freitag, 11. Juli 2008
Stimme (bar je)der vernunft
Vielleicht lesen Sie erst einmal einen Artikel, bevor Sie drauflos-schreiben!
Die Bertelsmann-Stiftung konnte belegen, daß Jugendliche in der Mehrheit religiös sind!
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#1   stimme der vernunft †   09:50:02 | Freitag, 11. Juli 2008
Naja, dass
die Jugend gottlos ist, ist ja kein Wunder.
da muss ein Jugendlicher nur einmal versehentlich auf eine Website wie diese hier geraten, dann ist sein Bedarf an Religion ein für allemal kuriert.
Insofern leistet kreuz.net sehr gute Arbeit.
:-D :-D :-D
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