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Dienstag, 15. Juli 2008 10:29
Zeit für Experimente?
Nächste Runde im Bruderkrieg: Besteht das Problem der Piusbruderschaft darin, daß Bischof Bernard Fellay den Lehren des verblichenen Papst Clemens XI. widerspricht? Ein Kommentar.
Verkauf der Biographie Mons. Lefebvres.
Verkauf der Biographie Mons. Lefebvres.
(kreuz.net) Bruderkriege haben etwas Bitteres an sich. Mit einer besonderen emotionalen Vehemenz werden sie ausgetragen, wenn Frauen oder Geistliche daran beteiligt sind.

Das beweist ein Kommentar von Pater Engelbert Recktenwald, der am 9. Juli auf der Webseite ‘kath-info.de’ publiziert wurde.

Pater Recktenwald ist Priester der altgläubigen Petrusbruderschaft, die sich nach den Bischofsweihen durch Mons. Marcel Lefebvre in bitterem Streit von der altgläubigen Piusbruderschaft trennte.

In seinem Kommentar unter dem Titel „Piusbruderschaft Quo Vadis?“ geht der Pater gegen seine ehemaligen Mitbrüder vor.

Keine Unterwerfung
Die Piusbruderschaft stelle sich ihre Unterredungen mit Rom wie Verhandlungen mit möglichen politischen Koalitionspartnern vor – lautet Pater Recktenwalds Vorwurf.

Doch in der Kirche sei man zur Unterwerfung unter den Heiligen Stuhl verpflichtet – fährt er weiter und zitiert als Beweis Papst Bonifaz VIII. († 1303).

Was der Pater nicht sagt: Spätestens seit dem Zweiten Vatikanum ist von „Unterwerfung unter den Heiligen Stuhl“ ganz selten die Rede.

Es ist auch so, daß der Vatikan selber ökumenische Gespräche wie politische Verhandlungen führt.

Darum könnte man die Dialogbedingungen der Piusbruderschaft auch als Hinweis nehmen, daß sich die Lefebvristen gut an die Konzilskirche angepaßt haben.

Die Piusbruderschaft will schließlich keine Versöhnung mit Bonifaz VIII., sondern mit Benedikt XVI.

Doch Pater Recktenwald bleibt kategorisch: „Damit ist für jeden, der am überlieferten Glauben festhält, die Sache klar: Eine Weigerung, sich Rom zu unterwerfen, kann nicht gerechtfertigt werden.“

Einen Schuß Selbstgerechtigkeit ist seinen Worten nicht abzusprechen: Denn auch die entstehende Petrusbruderschaft hat sich alles andere als bedingungslos in die mütterlichen Arme Roms geworfen.

Außerdem betrifft die gegenwärtige Kirchenkrise den Glauben und erst dann den Gehorsam. Mit simplen Appellen an die Unterwerfung dürfte sie nicht zu lösen sein.

Der Papst hat sich zum Besseren geändert
Im weiteren wirft Pater Recktenwald dem Generaloberen der Piusbruderschaft vor, in der April-Nummer des lefebvristischen Rundbriefes erklärt zu haben, daß sich in der Kirche – abgesehen von ‘Summorum Pontificum’ – nichts zum Besseren geändert habe.

„So als ob der Papst nicht gerade den größten Wert auf eine »Hermeneutik der Kontinuität« in der Konzilsinterpretation legt, um jedem Bruch der kirchlichen Lehrtradition den Boden zu entziehen“ – kommentiert Pater Recktenwald.

Wer könnte dem Pater widersprechen. Dennoch ist die Kirche als ganze, bis zum engsten Umkreis des Papstes, noch Lichtjahre von dieser „Hermeneutik der Kontinuität“ entfernt.

Hier verwechselt Pater Recktenwald eine Schwalbe mit dem Frühling.

Die Regensburger Rede des Papstes vom September 2006 sieht er als Beispiel, daß Benedikt XVI. es – im Gegensatz zu den Angaben von Bischof Fellay – durchaus gewagt habe, negative Urteile über andere Religionen zu äußern.

Auch das stimmt nicht: Der Redetext und spätere vatikanische Erklärungen verdeutlichen, daß sich der Papst das Urteil des im Text zitierten byzantinischen Kaisers Manuel II. Palaeologus – zum Glück – nicht zu eigen gemacht hat.

Den Boden entzogen?
Pater Recktenwald klagt Mons. Fellay ferner an, die Subsistit-Erklärung der Glaubenskongregation vom Juli 2007 zu ignorieren:

„Jeder Katholik, der diesen Namen verdient, freut sich über Klarstellungen, die einer heterodoxen Deutung dieser Formulierung den Boden entziehen.“

Doch ist die heterodoxe Deutung von „subsistit in“ damit wirklich weg vom Fenster? Der Sturm, den die Erklärung der Glaubenskongregation kirchenweit auslöste, war eher geeignet, den gegenteiligen Eindruck zu vermitteln.

Im übrigen leugne Mons. Fellay in diesem Zusammenhang das Wirken des Heiligen Geistes außerhalb der Kirche. Das sei von Papst Clemens XI. († 1721) verurteilt worden.

Pater Recktenwald gewinnt so den Eindruck, daß Mons. Fellay an einer Interpretation des Konzils im Licht der Tradition kein Interesse hat.

Damit spricht der Pater eines der Hauptprobleme der Konzilstexte an: Bei diesen Texten scheint die Interpretation von größerer Bedeutung zu sein als der Wortlaut.

Die Texte sprechen vielfach nicht für sich, weil sie häufig eine Sprache benützen, die der Tradition fremd ist.

Ein Beispiel ist und bleibt die Formulierung „subsistit in“. Sie ist – wie Mons. Fellay sagt – eine „auf dem Konzil eingeführte Neuheit“, die zu endlosen Unsicherheiten geführt hat, was Mons. Fellay freundlicherweise nicht sagt.

Absurde Windmühlen
Darum ist Pater Recktenwalds Konklusion unnötig hart und emotional: „Eine solche Priesterbruderschaft fordert theologische Verhandlungen! Da kann Rom gleich gegen Windmühlen kämpfen.“

Er setzt noch eine drauf, indem er mit dem neokonservativen Journalisten Guido Horst der Piusbruderschaft um die Ohren haut, sich im Krieg zwischen gesundem Traditionalismus und nachkonziliarem Modernismus ins „Reich des Absurden“ verabschiedet zu haben.

Man möchte sich wünschen, daß dieser Vorwurf wahr wäre. In Wahrheit ist die Situation noch schlimmer.

Denn in der gegenwärtigen Lage kommt keiner – wo immer er kirchenpolitisch steht – an Absurdem vorbei.

Der Gipfel der Absurdität besteht darin, daß sich die Konzilskirche nicht zuletzt in ihrer Liturgie kampf- und bedingungslos der Welt ausgeliefert hat und das im wesentlichen immer noch tut. Sie hat inzwischen auch keine andere Wahl, weil der Druck von den Kirchenbänken sowie von Klerus und Bischöfen her zu groß ist.

Es sieht nicht danach aus, daß die lobenswerten Liturgien von Papst Benedikt XVI. daran in nützlicher Frist etwas ändern werden.

Zum Abschluß wirft Pater Recktenwald der Piusbruderschaft vor, sich noch hinter Erzbischof Lefebvre zurückbewegt zu haben, weil sie nicht bereit sei, das „Experiment der Tradition“ zu wagen, das sich Erzbischof Lefebvre in den frühen 70er Jahren noch vergeblich von Papst Paul VI. erbat.

Seither sind 35 Jahre ins Land gezogen – und das damalige Experiment ist schon längst keines mehr.

© Bild: fsspx.info
Alle Lesermeinungen anzeigen 6 von 124 Lesermeinungen:
Donnerstag, 17. Juli 2008 17:05
Sozialkatholisch: @ rentnerischer Schmutzländer
von dir kommt nie was konkretes, nur larifari Müll. Du kannst zu nichts richtig Stellung nehmen nur die in vertrottelter Selbstherlichkeit hüllen und trotz deiner Dummheit dich ungerechtfertig über andere erheben.
Du tust mir auch nur leid!
Donnerstag, 17. Juli 2008 17:01
alter Rheinländer: Auf die Himbeeren-Nominierungs-Liste:
die heilige Gottesmutter Maria hat das schon gewußt als Gott durch seinen Engel um ihre Hand angehalten hat.
Donnerstag, 17. Juli 2008 16:55
Sozialkatholisch: für die Küche
Wer glaubt das Jesus Christus der Sohn Gottes ist und für unsere Sünden am Kreuz gestorben ist, sagt das Jesus Christus der Herr ist, ist definitiv Christ.
Jesus, als wahrer Mensch und wahrer Gott weiß das und die heilige Gottesmutter Maria hat das schon gewußt als Gott durch seinen Engel um ihre Hand angehalten hat.
Donnerstag, 17. Juli 2008 16:43
Aber Jesus und die Gottesmutter Maria sind auch jüdisch.
Donnerstag, 17. Juli 2008 16:41
Sozialkatholisch: @ Für die Küche
Niemand hat doch behauptet, daß nur Juden gut und die anderen schlecht sind. Richtig ist, daß wir alle Menschen sind und unsere Fehler und Schwäche haben.

Die Juden werden ganz klar bevorzugt, sieht man schon wenn man die Nahostnachrichten etwas kritisch liest.
Natürlich haben wir alle Schwächen und Fehler, und wir alle sind aufgerufen für sie durch Christie Blut um Vergebung zu bitten.

Außerdem kann ich mich schwer erinnern, wann die Juden den anderen was angetan haben.

Da hilft dann nur Nachdenken, es fängt mit der Auslieferung Jesu Christie an und zieht sich bis zur Tempelzerstörung als Hauptfeinde des Christentums. Nachdem Gott ihnen ihre Heimat genommen hatte konnten sie meist nur noch im Verborgenen handeln. Dank ihrer Inteligenz haben sie das auch sehr gut hingekriegt. Im nächsten großen Krieg werden wohl sogar wir Deutschen für die Juden kämpfen müssen, aber warten wir es mal ab.
Donnerstag, 17. Juli 2008 16:34
für die Kirche: Sozialkath.
Niemand hat doch behauptet, daß nur Juden gut und die anderen schlecht sind. Richtig ist, daß wir alle Menschen sind und unsere Fehler und Schwäche haben.

Außerdem kann ich mich schwer erinnern, wann die Juden den anderen was angetan haben.
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