Alte Messe
Hoffentlich bleibt alles beim alten
Jahrzehntelang wurde der liturgische Niedergang nach dem Konzil verniedlicht, verdrängt, beschönigt oder bejubelt. Jetzt heult ein Liturgiker diesen Zeiten nach.
Alte Messe
Alte Messe
© Lawrence OP, CC
(kreuz.net) Nach einer anfänglich heftigen „durch die Medien gesteuerten Diskussion“ sei das Interesse an der von ‘Summorum Pontificum’ aufgeworfenen Frage schnell wieder verebbt.

Diesen als Aussage gekleideten Wunsch äußerte kürzlich der Bonner Liturgiker, Hw. Albert Gerhards, Priester der Diözese Aachen, in einem Interview vor der deutschen ‘Katholischen Nachrichten-Agentur’.

In Wahrheit ist die liturgische Frage im Zusammenhang mit der päpstlichen Rehabilitierung der Alten Liturgie geradezu explodiert.

Schon seit Jahren ist die Liturgie – vor allem jene in der alten Form – Spitzenthema mit Top-Klickraten weit über katholische Medien hinaus.

Doch Hw. Gerhards möchte das Motu Proprio darauf reduzieren, daß man sich „in einigen Diözesen Gedanken über die Intensivierung der liturgischen Bildung“ macht.

Das wäre für ihn ein schmalbrüstiger „wünschenswerter positiver Effekt“ des Motu proprio.

Gleichzeitig macht den Liturgiker eine sich angeblich anbahnende „Klimaveränderung“ nachdenklich:

„Was lange Zeit als positive Errungenschaft aus der Zeit der Liturgiereform galt, also beispielsweise die Zelebration »versus populum«, die muttersprachliche Liturgie, die Handkommunion, die Meßdienerinnen, wird nun zunehmend als Verflachung des eigentlich Katholischen dargestellt – auch von hohen kirchlichen Würdenträgern“ – klagt er sein Leid.

Daß die genannten angeblichen Errungenschaften vor allem bei denen Anklang fanden, die danach scharenweise aus der Kirche flüchteten, verschweigt er.

Die Befürworter der angeblichen „liturgischen Erneuerung“ nach dem Zweiten Vatikanum geraten – wie Hw. Gerhards feststellt – unter Generalverdacht:

„Die Häme, mit der die Gegenseite auf ihren Internetseiten vielfach zugange ist, kann schon erschrecken.“

Das sind erstaunliche Gemütswallungen eines Liturgikers, der die schrecklichen Konsequenzen der liturgischen Verheerungen kaltblütig und ohne mit der Wimper zu zucken wegzustecken imstande war.

Dann klagt Hw. Gerhards darüber, daß die Einrichtung von Messen und Zelebrationsorten im Alten Ritus von einigen Gruppierungen wie ein Eroberungsfeldzug betrieben würde:

„Mitunter geraten auch Bischöfe, die das Motu proprio restriktiv anwenden, in die Schußlinie“. Der Liturgiker umschreibt mit dieser Formulierung den bischöflichen Ungehorsam und Widerstand gegen ‘Summorum Pontificum’.

Hw. Gerhards sieht auch schwarz für den Ökumenismus: „Das ökumenische Klima ist ja schon seit längerem abgekühlt.“

Die Protestanten – Hw. Gerhards nennt sie „Partner in der westlichen Ökumene“ – würden die Entwicklungen in der Kirche mit Sorge sehen.

Aus ihrer Sicht bahne sich eine Rücknahme gerade jener „Errungenschaften“ an, welche die Ökumene der vergangenen Jahre außerordentlich beflügelt hätten.

Der Liturgiker nennt eine angebliche Aufwertung der Wortverkündigung und des Gemeindegesangs, die Kelchkommunion der Gläubigen oder die Einführung liturgischer Laiendienste für beide Geschlechter.

Warum sagt er nicht, daß diese „Errungenschaften“ vor einer zusammenschmelzenden und zunehmend schwerhörigen Gemeinde eingeführt wurden und daß der protestantische Gottesdienst dem Kollaps noch näher ist als der Neue Ritus?

Statt dessen wundert sich Hw. Gerhards über das Ausbleiben von protestantischen Protesten angesichts der angeblichen Wiedereinführung der alten Fürbitte „für die Irrgläubigen und Abtrünnigen“, deren Seelen „durch teuflischen Trug verführt sind“.

Bei der Fürbitte für die Juden sei es bekanntlich zu einer Revision gekommen, die den sogenannten katholisch-jüdischen Dialog in Deutschland oder Italien „nachhaltig belastet“.

Dem Liturgiker bleibt immerhin ein Trost: Im deutschen Gottesdienst kann er auch nach ‘Summorum Pontificum’ wenige Änderungen wahrnehmen.

Die abschließenden positiven Vorschläge des Liturgikers für den Gottesdienst bleiben am Wort kleben. Er wünscht sich eine „höhere Sensibilität für das Wort“ insgesamt, eine „stärkere geistliche Aneignung der vorgegebenen liturgischen Texte“ und einen Rückgang der verbreiteten Wortinflation.

Daß Liturgie in erster Linie Handlung Gottes und nicht Vorlesung noch Selbstbeschäftigung der Gemeinde ist, wäre ein anderes Thema.
      
12 Lesermeinungen
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#13   RRR   13:50:35 | Freitag, 25. Juli 2008
@ ruhrgebietler
Hoffentlich bleibt alles beim alten – es lebe die „alte“ Messe.
Die Lektüre solch basaler Werke wie der von J. A. Jungmann, K. Gamber und anderen könnte Ihnen zeigen, dass mit der Parole „Hoffentlich bleibt alles beim alten“ die „tridentinische Messe“ heute ganz anders aussehen würde bzw. nicht einmal als solche erkennbar wäre.
Es fiele alleine der ganze neumodische Scheißkram wie die lateinische Sprache, die barocken Kirchengebäude, das Schlussevangelium, das Stufengebet, der Gregorianische Choral, die Eucharistiefeier an Donnerstagen der Fastenzeit, barocke Ornate, Kinder als Ministranten, einige Heilige im Canon Romanus usw. weg. Das war nämlich alles mal „neu“ – und die historische Wissenschaft kann sogar – mal sehr präzise, mal etwas vage – sagen, wann es entstanden ist.
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#12   r.ruhrgebietler   06:53:45 | Freitag, 25. Juli 2008
Christus Sieger, Christus König, Christus Herr in Ewigkeit!
Hoffentlich bleibt alles beim alten – es lebe die „alte“ Messe.
Nach meiner Meinung ist der einzige Fortschritt die trid. Liturgie. Ein Fortschritt auf dem der Seele in den Himmel!
ergo: Hoffentlich bleibt alles beim alten
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#11   maliems   11:08:10 | Donnerstag, 24. Juli 2008
@RRR@
Kommentare sind immer interpretierbar
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#10   zwobbel   08:40:31 | Donnerstag, 24. Juli 2008
König des Weltalls – wir huldigen Dir!
Fakt ist:
1. Die Gläubigen, die am alten Ritus interessiert sind, werden von den Offiziellen volle Kante abgeblockt.
2. Handkommunion und Ministrässen sind nicht aus der Zeit der Liturgiereformation, sondern aus der Zeit der anschließenden Revolution, des Ungehorsams und der Erpressung.
3. Die Verflachung des eigentlich Katholischen wird nicht erst seit Sum.Pont. beklagt, sondern seit mind. 40 Jahren.
4. Bischöfe die Sum.Pont. „restriktiv anwenden“, versuchen dadurch positives Recht zu unterminieren und machen sich unerlaubt zum Ausführungsorgan, obwohl dieses „ecclesia dei“ ist. Daher gilt diesbezüglich das was Card. Hoyos sagt.
5. Im „deutschen Gottesdienst“ (Nationalkirche?) der modernistisch umgepolten Geistlichen hat sich allerdings nichts geändert. Geändert hat sich die Zahl der Gläubigen, welche das Hl. Meßopfer im gregorianischen Ritus besuchen ebenso wie die Zahl der Hl. Messen und der Zelebartionsorte: Sie steigen unaufhörlich.
6. Ja es ist ein Eroberungszug. Die göttliche Liturgie nach altem römischen Ritus erobert die Herzen der Menschen, nachdem der unerlaubt zur Mahlfeier degradierte novus ordo (seclorum) nur Leere hinterlassen hat. So wird nach und nach alles in Christus erneuert, denn er ist der König des Weltalls, der sich im Kreuzopfer alles „erobert“ hat!
Christus Sieger, Christus König, Christus Herr in Ewigkeit!
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#9   Fragender   07:44:55 | Donnerstag, 24. Juli 2008
@ Bayern-Tradi
schreibt doch mal was, ihr scheißwixer!
Ich bewundere den ergreifenden Inhalt und die anmuteige sprachliche Gestaltung Ihres Kommentars!
:)3
Ich würde mir nur noch wünschen, daß Sie Ihre wertvolle Botschaft das nächste mal in lateinischer Sprache verfassen, denn dann wird sie noch viel besser vom Kirchenvolk angenommen.
Friede Sei mit Ihnen!
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#7   No Comment   19:00:18 | Mittwoch, 23. Juli 2008
Ist doch völlig richtig!
Das Interesse an „alter Messe“ ist hierzulande im Wesentlichen auf dieselben Zirkel beschränkt, die sie schon zuvor bevorzugten. Missionarischer Effekt: nahe null. Das Wichtige am Motu propro hat Gerhards allerdings nicht kapiert, mangels Ahnung. B XVI hat dem Liturgiemodernismus und dem Liturgietraditionalismus ZUGLEICH die Luft rausgelassen.
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#6   Benedikt   18:17:59 | Mittwoch, 23. Juli 2008
Artikel
Nach einer anfänglich heftigen „durch die Medien gesteuerten Diskussion“ sei das Interesse an der von ‘Summorum Pontificum’ aufgeworfenen Frage schnell wieder verebbt.
Diesen als Aussage gekleideten Wunsch äußerte kürzlich der Bonner Liturgiker, Hw. Albert Gerhards, Priester der Diözese Aachen, in einem Interview vor der deutschen ‘Katholischen Nachrichten-Agentur’.
In Wahrheit ist die liturgische Frage im Zusammenhang mit der päpstlichen Rehabilitierung der Alten Liturgie geradezu explodiert.
Wo findet diese Diskussion denn heute noch statt? Hier etwa?
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#5   RRR   17:44:50 | Mittwoch, 23. Juli 2008
@ maliems
„kommentieren“ ist aber etwas anderes als „unterstellen“, „hineininterpretieren“ und „verunglimpfen“.
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#4   maliems   17:31:50 | Mittwoch, 23. Juli 2008
den gerhards
sollte man schon kommentieren. er wird ja schließlich auch kreuz.net lesen.
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#3   RRR   17:14:09 | Mittwoch, 23. Juli 2008
@ florianklaus
Zum Beispiel hier – und das ist schon satte 16 Tage alt:
hier www.domradio.de/…l/artikel_42774.html
Da sieht man dann, dass von „heulen“ keine Rede sein kann und auch nicht von einem „Wunsch“.
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#2   Florianklaus   16:45:20 | Mittwoch, 23. Juli 2008
@ 3 x r
dann verlinken Sie ihn doch!
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#1   RRR   16:36:00 | Mittwoch, 23. Juli 2008
Würde es nicht genügen…
…den Artikel von Prof. Gerhards (den ich schon mindestens zweimal im Original anderswo gefunden habe) einfach zu verlinken, anstatt ihn in leserentmündigender Weise zu paraphrasieren und mit zynischen Füllsätzen oder manchmal auch haltlosen Unterstellungen und Fehlinterpretationen („als Aussage gekleideter Wunsch“, „sieht schwarz für den Ökumenismus“, „Vorschläge bleiben kleben“) zu versehen?
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