11:21:28 | Montag, 28. Februar 2005
Die deutschen Christdemokraten fordern von der Türkei eine vorbehaltlose Auseinandersetzung mit den Massenmorden an den Armeniern während des Ersten Weltkrieges. Der türkische Botschafter sieht darin eine „plumpe Verleumdung“ und eine Schädigung des türkisch-deutschen Verhältnisses.
(kreuz.net, Hamburg) Die Christdemokraten haben die sozialistische Bundesregierung Deutschlands kürzlich
aufgefordert, die Türkei zu einer vorbehaltlosen Auseinandersetzung mit ihrer Rolle gegenüber den Armeniern
zu zwingen. Das berichtet das deutsche Boulevardmagazin „Spiegel“. Außerdem solle Ankara Gesetze aufheben,
welche die Nennung des Völkermordes an den Armeniern in der Türkei unter Strafe stellen.
Friedbert
Pflüger, der außenpolitische Sprecher der Christdemokraten, unterstrich, daß die CDU die Türkei nicht
anklagen wolle. Man sei im Gegenteil bestrebt, daß sich die Türkei ihrer Geschichte mit Offenheit stelle.
Der Text der CDU vermeidet sogar das Wort ‘Völkermord’ und ersetzt ihn durch die Begriffe ‘Massaker’
und ‘Vertreibung’.
Der türkische Botschafter in Deutschland, Ali Irtemcelik, reagierte mit Empörung.
Er hoffe nicht, so erklärte er am Sonntag, daß „unsere Freunde in den Unionsparteien“ die in Deutschland
lebenden Türken durch „plumpe Verleumdung“ beleidigen wollten. Dies würde den türkisch-deutschen Beziehungen
erheblichen Schaden zufügen.
Der Antrag der Christdemokraten enthalte Vorurteile, sachliche Fehler,
bedeutsame Informationsdefizite und einseitige Erwartungen. Die oppositionelle CDU habe sich, als sie
selber noch an der Macht war, gegen solche Initiativen gestellt. Die Christdemokraten würden sich zum
Sprecher des „fanatischen armenischen Nationalismus“ machen.
Der Antrag der Christdemokraten weist darauf
hin, daß dem türkischen Völkermord zwischen 1,2 und 1,5 Millionen Armenier zum Opfer gefallen sind.
Als Rechtsnachfolgerin des Osmanischen Reichs bestreite die Türkei bis heute, daß diese Vorgänge planmäßig
erfolgt oder von der osmanischen Regierung beabsichtigt gewesen seien.
Der türkische Völkermord an
den christlichen Armeniern ereignete sich zwischen 1915 und 1916. Die türkische Regierung, die einen
Völkermord leugnet, spricht lediglich von 200.000 toten Armeniern.
Die türkische Regierung versucht
seit langem, die Einstufung der Massaker an den Armeniern als Völkermord zu verhindern. Die Massentötungen
seien weder planmäßig erfolgt noch von der Regierung verordnet worden.
Erst im Januar diesen Jahres
war bekannt geworden, daß der Holocaust an den Armeniern vom Brandenburger Bildungsministerium aus den
Geschichtsbüchern der neunten und zehnten Klasse aufgrund einer
direkten Intervention aus Ankara gestrichen
worden war.
Das Verbrechen hatte als Beispiel gedient, um den Schülern den Begriff ‘Völkermord’ nahe
zu bringen. In einer revidierten Fassung soll der Völkermord an den Armeniern zwar wieder aufgenommen,
aber mit weiteren Beispielen für diese Art des Massenmordes verdeutlicht werden.
Ob die Kinderabtreibung
als Beispiel eines von den Regierungen in der Gegenwart sanktionierten Völkermordes in den Schulbüchern
Aufnahme finden wird, wurde nicht bekannt.
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#6
Sulpicius 16:53:13 | Samstag, 25. Februar 2006
#5
Shenmue4 16:45:45 | Samstag, 25. Februar 2006
#4
Shenmue3 16:43:18 | Samstag, 25. Februar 2006
#3
GerdEric 17:41:22 | Dienstag, 1. März 2005
#2
kreuzi 16:22:46 | Dienstag, 1. März 2005
#1
GerdEric 16:31:45 | Montag, 28. Februar 2005