Kinderverhütung
Ist es nicht peinlich?
„In der Natur herrscht ja auch das Gesetz des Fressens und Gefressenwerdens. Und trotzdem würde man den Kannibalismus nie zum ethischen Gesetz erheben.“ Angriffe eines Moraltheologen auf Dschungel-Niveau.
Ausgabe von 'Humanae Vitae' auf Deutsch.
Ausgabe von ‘Humanae Vitae’ auf Deutsch.
(kreuz.net) Er sieht keine Möglichkeit, wie der Vatikan das Verbot künstlicher Empfängnisverhütung zurücknehmen könnte.

Das erklärte Hw. Hans Halter in einem Interview mit der antikirchlichen Zürcher Tageszeitung ‘Tages-Anzeiger’.

Hw. Halter ist Priester der Diözese Chur. Er war bis 2004 Professor für Theologische Ethik an der Universität Luzern.

Das Interview mit ihm führte der kirchenfeindliche Propagandist Michael Meier, der beim ‘Tages-Anzeiger’ für die antikatholische Schwarz-Weiß-Berichterstattung zuständig ist.

Ob es nicht „peinlich“ sei, daß „der Vatikan“ darauf beharrt, jeder sexuelle Akt müsse auf Fortpflanzung ausgerichtet sein, manipuliert Meier den Moraltheologen erfolgreich.

Dieser antwortet, daß man den katholischen Ansatz „nur verstehen“ könne, wenn man in die griechisch-römische Antike zurückgehe.

Wo ist das Kinderlachen geblieben?

Damals hätte die Naturrechtsethik aufgrund von Beobachtungen der nichtmenschlichen Natur festgehalten, daß Sexualität immer mit Fortpflanzung zu tun habe:

„In der Folge sagten die Kirchenväter: Schaut auf die Tiere. Die haben eine unverdorbene Natur im Gegensatz zum Menschen. Bei Tieren sieht man genau, wozu Sexualität gemäß Gott und der Schöpfung da ist, und zwar nur zu Brunstzeiten.“

Der angebliche Moraltheologe erspart sich Quellenangaben und den Beweis, inwiefern solche Vorstellungen in ‘Humanae Vitae’ präsent sind.

Beim Heiligen Augustinus sei – so Hw. Halter – ein „Lustproblem“ hinzugekommen. Auch hier bleibt er beim Schlagwort.

Erst „später“ habe die Kirche auch andere Ehezwecke als die Fortpflanzung anerkannt.

Daß der Heilige Augustinus († 430) aufgrund der Bibel von fides, proles und sacramentum – eheliche Treue, Kinder und sakramentales Band – als Ehezwecke sprach, weiß Hw. Halter offenbar nicht.

Im Laufe der Zeit habe „Rom“ feststellen müssen, wie „schwierig“ es für Eheleute sei, sündlos zu leben: „Man versuchte, die Sexualität lebbarer zu machen“ – projiziert der Moraltheologe das Sexproblem der Gegenwart in die Vergangenheit.

Das Zweite Vatikanum habe dekretiert, daß die Ehe auch eine Liebes- und Lebensgemeinschaft von Mann und Frau sei.

‘Humanae vitae’ interpretiere die Natur dagegen so, als ob darin die Moral vorgegeben wäre – behauptet der Moraltheologe wieder ohne Arbeit am Text.

Daß sich der Begriff „Natur“ im menschlichen Zusammenhang auf den Verstand bezieht und die natürliche Moral eine Vernunftmoral ist, weiß er offenbar auch nicht.

Spätestens zu diesem Zeitpunkt wird klar, daß er selber die Menschennatur mit physischen Gegebenheiten im Tierreich verwechselt:

„In der Natur herrscht ja auch das Gesetz des Fressens und Gefressenwerdens. Und trotzdem würde man den Kannibalismus nie zum ethischen Gesetz erheben“ – entblödet sich Hw. Halter.

Daß jeder eheliche Akt für die Fortpflanzung offen sein müsse, ist in der Folge für Hw. Halter „nicht begründbar“:

„Man weiß längst wissenschaftlich, daß nicht jeder Geschlechtsverkehr zur Zeugung führt“ – zieht er jetzt natürliche Sachverhalte herbei, „als ob darin die Moral vorgegeben wäre“, wie er oben noch kritisiert hat.

Menschen hätten nie nur aus Fortpflanzungsgründen geschlechtlich verkehrt, sondern auch, „weil es schön und spielerisch“ sei.

Jetzt schaltet sich Propagandist Meier ein: Warum der Vatikan dann „so stur“ an seiner Doktrin festhalte – versteckt er seine Manipulationen notdürftig hinter einer Frage.

Der sogenannte Moraltheologe stört sich nicht an Meiers unqualifizierten Qualifizierungen.

Der Grund sei „ein theologischer“ – antwortet er und unterstellt dem Vatikan trotzdem kirchenpolitische Motive:

„Ausschlaggebend dafür, die künstliche Empfängnisverhütung zu verbieten, war der Umstand, daß die Kirche nichts anderes lehren kann, als was sie immer gelehrt hat.“

Es könne nicht sein, daß der Heilige Geist und mit ihm die Kirche 2000 Jahre lang in einem so wichtigen Punkt geirrt hätten:

„Es kann nicht sein, daß das, was früher Todsünde war, plötzlich erlaubt ist“ – erklärt Hw. Halter zutreffend.

Das würde die Lehrautorität der Kirche untergraben.

Diese ist in der Tat erschüttert, solange von Rom bestellte katholische Moraltheologen sich auf diesem Niveau in der Öffentlichkeit der Lächerlichkeit preisgeben.
      
12 Lesermeinungen
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#12   HeinrichvonOfterdingen   21:32:44 | Freitag, 25. Juli 2008
Lieber Protestant,
das heißt lediglich, dass man den Päpsten nicht in Sünden folgen darf! Wie übrigens jedem anderen auch! Siehe z.B. Luther!
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#11   Protestant   21:26:25 | Freitag, 25. Juli 2008
@heinrich v.O.
Richtig!Das heißt aber doch wohl auch, dass man Päpsten nicht unbedingt Gehorsam schuldig ist, sonst landet man womöglich auch noch dort…
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#10   HeinrichvonOfterdingen   21:24:50 | Freitag, 25. Juli 2008
Das schauen Sie sich bitte mal
einige Darstellungen vergangener Jahrhunderte an, auf denen die Hölle bildlich dargestellt ist. Da befinden sich oft einige Päpste darin. Es sei sich niemand zu sicher.
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#9   Protestant   21:22:44 | Freitag, 25. Juli 2008
@heinrich
…versteht ich ehrlich gesagt nicht…aber es ist für mich ein Trost zu wissen, das Höllengläubige auch davon ausgehen das Päpste dort sitzen…grins
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#8   HeinrichvonOfterdingen   21:20:41 | Freitag, 25. Juli 2008
Lieber Protestant,
…hat es ihm nichts genutzt?Viele Päpste hätten ihre teilweise jahrzehntelangen Konkubinate ruhig auch offiziell machen sollen, dann würde uns heute so manche Diskussion erspart bleiben!
… datt hat er nu der Ludder, dass er mit diesen Päpsten in der Hölle sitzen kann. Ob das für beide Seiten angenehm ist? L’enfer c’est les autres, hat ein berühmter Philosoph gesagt, der das nun wohl auch an sich ausprobieren darf/muss.
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#7   Protestant   21:17:18 | Freitag, 25. Juli 2008
@Heinrich…Wieso…
…hat es ihm nichts genutzt?Viele Päpste hätten ihre teilweise jahrzehntelangen Konkubinate ruhig auch offiziell machen sollen, dann würde uns heute so manche Diskussion erspart bleiben!
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#6   HeinrichvonOfterdingen   21:14:59 | Freitag, 25. Juli 2008
Lieber Protestant,
das hat Luther vor Ihnen so schon realisiert als er mit der Katharina von Bora – ohne Gewissensbisse – ins Bett wollte. Ist ihm auch gelungen, genutzt hat es ihm jedoch nicht.
Wenn ihr blind wäret, so hättet ihr keine Sünde; nun aber sagt ihr: Wir sehen, so bleibt eure Sünde. (Joh.9,41)
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#5   Protestant   21:11:34 | Freitag, 25. Juli 2008
Datt iss ett…
„Es kann nicht sein, daß das, was früher Todsünde war, plötzlich erlaubt ist“ – erklärt Hw. Halter zutreffend.
Das würde die Lehrautorität der Kirche untergraben.
Was irgendein seniler Papst im wasweißichwievielten Jahrhundert erzählt hat, muss auch heute noch gelten. Was irgendein Kirchenvater gesagt oder gemeint haben könnte und eventuell so oder so ausgelegt haben könnte, dass ist auch heute- wenn Papst soundso oder anders es so beschließt -Gesetz!
Da könnte man ja glatt auf die Idee kommen, das alles irgendwie Willkür ist! Ich habe jedenfalls kein Problem damit, die unlogische und unchristliche Moral und Sexualtheologie der evangelische Kirche aus den letzten Jahrhunderten und Jahrzehnten zu kritisieren! Wenn ich dies tue, tut mir keiner was, es raunzt mich keiner dumm an und ich fühle mich als Christ irgendwie wohl.
Der liebe Gott hat mir drei supertolle Kinder geschenkt, dafür danke ich von ganzem Herzen! Ich liebe meine Kinder und würde alles für sie tun, erziehe sie zur Liebe zu ihren Mitmenschen und zu Gott… aber eben ohne jedweden kreuznet-Hass und Körper- und Menschenfeindlichkeit!
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#4   pneumat   16:14:25 | Freitag, 25. Juli 2008
Übeltheologen
„Das jeder eheliche Akt für die Fortpflanzung offen sei müsse, ist in der Folge für Hw. Halter „nicht begründbar“:
So einen Übeltheologen könnte die RKK ruhig verbrennen (im geistigen Sinne).
Wie begründet man die Kürze des „genüsslichen“ Aktes, was mit dem spritzenden (nützlos) Samen und der psychischen Erschöpfung beim geschlechtlichen Missbrauch?
Hat Gott die Geschlechtakt -Verlängerungsmittel, Viagra etc. erfunden. Wieso hat er den Menschen nicht gleich frei definierbar in diesem Gebiet geschaffen?
Und die wichtigste Frage: Warum muss man bei Steigerung jedes Genusses mit dem Verlust der psychischen (seelischen / lebenspendenden) Energie rechnen und den verbüßen?
Und vielleicht die entscheidende Frage:
Woher kommen in der RKK diese geistlosen Übeltheologen?
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#3   Colombe de la paix   15:04:42 | Freitag, 25. Juli 2008
@ matt 2
Also man könnte sagen, die Liebe der Eheleute zueinander realisiert und befruchtet sich an ihren Kindern, die ja die lebendigen Zeugnisse dieser Liebe darstellen. Man kann also das Familiäre vom Ehelichen nicht wirklich trennen.
Würden doch mehr Eheleute diese Worte beherzigen!
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#2   matt2 †   14:49:58 | Freitag, 25. Juli 2008
der Geschlechtsverkehr kann sich ja auch schön/spielerisch vollziehen…
aber er ist eben primär ein Akt der Fortpflanzung, das ist seine Bestimmung. Die Ehe hat nun neben der Fortpflanzung aber natürlich auch einen Selbstzweck, nämlich eben diesen: Innige Lebensgemeinschaft von Mann und Frau zu sein. Das ist ja auch für sich eine bedeutsame Liebesbeziehung…ABER: diese sieht in ihrem Wesen das Familiäre vor. Also man könnte sagen, die Liebe der Eheleute zueinander realisiert und befruchtet sich an ihren Kindern, die ja die lebendigen Zeugnisse dieser Liebe darstellen. Man kann also das Familiäre vom Ehelichen nicht wirklich trennen.
Das falsche Denken dabei wäre also, dass man der Elterngeneration jeweils ihren Selbstzweck abspräche, sie abschreiben wollte, als ob sie in der Aufzucht ihres Nachwuchs ihren Zweck erfüllt. Das ist eine verkehrte Sichtweise, denn der Nachwuchs erfüllt eben seinen Zweck auch für die Eltern, macht sie zu vollkommeneren Menschen, durch die ihnen auferlegte Pflicht und Verantwortung und die Liebe ihrer Kinder zu ihnen.
Das Feedback was Kinder ihren Eltern bescheren fordert sie heraus. Sie müssen ihre Kinder ja auch erst verstehen lernen. Das sind wertvolle Lebenserfahrungen. Denn dort, wo sich ein Mensch vom Leben herausfordern lässt, kann er auch wachsen und Gott näher kommen.
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#1   ecclesia-semper-reformanda   14:21:01 | Freitag, 25. Juli 2008
So ist das also:
Es könne nicht sein, daß der Heilige Geist und mit ihm die Kirche 2000 Jahre lang in einem so wichtigen Punkt geirrt hätten:
„Es kann nicht sein, daß das, was früher Todsünde war, plötzlich erlaubt ist“ – erklärt Hw. Halter zutreffend.
Das würde die Lehrautorität der Kirche untergraben.
Das sind ja wirklich Argumente auf höchstem Niveau… Nach dem Motto, das hier auf hetz.net einfacch nicht tot zu kriegen ist: es kann halt nicht sein, was nicht sein darf. Das Kriterium der Untergrabung der kirchlichen Lehrautorität ist natürluch ein besonders schlagendes Argument… ;-)
Der „antikirchliche“ Herr Meier fragt im übrigen nur das, was jeder halbwegs normal denkende (und handelnde) Mensch sich fragt, wenn er Humanae Vitae liest…
Dabei ist es natürlich wichtig, die Sexualität nicht beliebig zu machen; das Ziel von Humanae Vitae mag deshalb aller Ehren wert sein: die vorgeschlagenen Mittel dagegen sind unbrauchbar.
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