13:31:29 | Montag, 28. Juli 2008
Man bedenke, daß ‘Humanae Vitae’ im Jahre des Herrn 1968 promulgiert wurde. Mahatma Gandhi hatte zuvor die gleiche Meinung vertreten. Von David Quinn.

Vereint gegen Verhütung: Johannes Calvin, Martin Luther, Mahatma Gandhi und Paul VI.
(kreuz.net) Hier ist die Zehn-Punkte Preisfrage: Welches Gericht verurteilte im Jahr 1972 einen Mann,
der während einer Vorlesung über Empfängnisverhütung Kontrazeptiva verteilt hatte?
Antwort: ein Gericht
im US-Bundesstaat Massachusetts. Das Urteil wurde später vom Obersten Gericht des Teilstaates bestätigt.
Wie ist das möglich? Ist Massachusetts nicht der liberalste US-Bundesstaat? Hatte das Oberste Gericht
der USA nicht fünf Jahre zuvor ein Verbot von Kontrazeptiva im US-Bundesstaat Connecticut aufgehoben?
Vielleicht war da noch ein katholischer Rest-Einfluß vorhanden? Die vielen katholischen Iren in Boston?
In der Tat. Sie waren am Werk, diese schrecklichen Katholiken.
Empfängnisverhütung ist schlimmer als
BlutschandeHier ist die Zwanzig-Punkte-Preisfrage: Wer bezeichnete die Empfängnisverhütung als „unverzeihliches
Verbrechen“? Antwort: Johannes Calvin.
Martin Luther nannte die Empfängnisverhütung schlimmer als Blutschande
oder Ehebruch.
Wie ist das möglich? Waren die Protestanten nicht immer schon für die Empfängnisverhütung?
Offenbar nicht. Aber wir können dennoch ruhig schlafen. Denn Calvin und Luther haben vor vielen Jahrhunderten
gelebt.
Empfängnisverhütung verdirbt den CharakterDoch Augenblick. Vor nur hundert Jahren hat die
anglikanische Lambeth-Konferenz die Empfängnisverhütung als etwas bezeichnet, das „den Charakter verdirbt
und dem Wohl des Landes widerstrebt.“
Somit haben die Protestanten noch in jüngster Zeit gegen die Empfängnisverhütung
gekämpft.
Aber was ist mit diesen netten Hindus, welche die Beatles zu besuchen pflegten?
Es tut mir
leid, mit einer Enttäuschung aufwarten zu müssen. Hier sind die Dinge, die einer von ihnen in den 20er
und 30er Jahren sagte:
Empfängnisverhütung beleidigt die FrauenEmpfängnisverhütung „ist für den
geistlichen Fortschritt der Menschheitsfamilie schädlich“. Sie ist „eine Beleidigung des Wesens der Frauen“.
Oder: „Jede verbreitete Verwendung dieser Methoden wird das Eheband auflösen und zu wilder Liebe führen“.
„Geburtenkontrolle ist für mich ein düsterer Abgrund.“
Das sagte nicht irgendein alter Hindu, sondern
der am meisten bewunderte Hindu unserer Zeit, der Nelson Mandela seiner Tage. Genau, kein anderer als
Mahatma Gandhi.
Schrecklich, schrecklich. Et tu Gandhi?
Warum habe ich das alte Zeug ausgegraben? Die
Antwort: Vor vierzig Jahren wurde die Enzyklika ‘Humanae Vitae’ publiziert. Sie bestätigte das jahrhundertealte
kirchliche Verbot der Empfängnisverhütung.
Diese Enzyklika bezeichnete angeblich den Abschied der katholischen
Kirche von der modernen Welt und ließ normale Katholiken vom Glauben an das Lehramt abfallen.
Kritik
an der Empfängnisverhütung ist nicht typisch katholischEs ist gut, daran zu erinnern, daß Widerstand
gegen die Empfängnisverhütung nicht spezifisch katholisch, christliche oder gar religiös ist.
Argumente
gegen sie müssen sich nicht notwendigerweise auf Gott berufen.
Der oben aufgeführte Fall aus Massachusetts
ist ein gutes Beispiel.
Im Jahr 1972 war der US-Bundesstaat Massachusetts nicht länger in der Hand der
katholischen Kirche. Das war auch vorher nicht der Fall. In diesem Bundesstaat ist schließlich auch die
Harvard-Universität beheimatet oder die ultra-liberalen Unitarier.
Der Grund für die damalige Verurteilung
des Mannes erfolgte, weil der Bundesstaat die Auffassung vertrat, daß die Verbreitung von empfängnisverhütenden
Mitteln für das Gemeinwohl schlecht ist.
Obwohl das Oberste US-Gericht das Verbot von Kontrazeptiva
in Connecticut’s aufgehoben hatte, konnte das Oberste Gericht von Massachusetts das Urteil gegen den Mann
bestätigen, weil der Oberste Gerichtshof gewisse Restriktionen bei der Verbreitung von Kontrazeptiva
nicht verboten hatte.
Bis in die 60er Jahre war der Verkauf von Kontrazeptiva in zwei Dritteln der US-Bundesstaaten
eingeschränkt. Entsprechende Gesetze wurden nur aufgrund des schnellen Wandels sexueller Normen abgeschafft.
Das prophezeite Unheil ist eingetroffenHat sich Gandhi über die Folgen einer weiten Verbreitung von
Kontrazeptiva getäuscht? Oder Papst Paul VI.?
Urteilen Sie selber.
Beide prophezeiten ein riesiges
Anwachsen der ehelichen Untreue. So kam es. Leugnen ist sinnlos.
Vergessen wir für einen Augenblick
die kategorische Ablehnung von Kontrazeptiva durch die katholische Kirche.
Die Angst Gandhis und vieler
Protestanten bestand darin, daß der freie Vertrieb von Kontrazeptiva für unverheiratete Personen zu
einer riesigen Zunahme des außerehelichen Geschlechtsverkehrs und somit zu ehelicher Untreue führen
würde.
Beide sagten auch voraus, daß die Verbreitung von Kontrazeptiva eine Abnahme des Respekts der
Männer für die Frau bewirken würde.
Zweifellos haben Treu und Glauben zwischen den Geschlechtern dadurch
sehr gelitten. Wenn man den Umfragen und endlosen Anekdoten glauben will: Viele Frauen beklagen sich,
daß Männer sich für sie häufig nur wegen des Sex interessieren.
Eine Sache ist gewiß: Frei verfügbare
Kontrazeptiva bedeuten, daß es viel einfacher ist, Geschlechtsverkehr mit jemandem zu haben, den man
nicht kennt und dem eine echte Beziehung egal ist.
Somit ist die Gefahr einer emotionalen Ausbeutung
gewaltig.
Ein großer QuatschDie Aussage, daß jedes Kind im Zeitalter leicht verfügbarer Kontrazeptiva
ein „gewolltes Kind“ sein werde, hat sich, wie wir wissen, als ein großer Quatsch herausgestellt.
Wenn
man den Geschlechtsverkehr von Liebe, Ehe, Verpflichtung und Kindern trennt, wird eine unerwartete Schwangerschaft
als gewaltige Belästigung empfunden.
Das erklärt den massiven Anstieg von Abtreibungen und die zahlreichen
Väter, die mit ihren Kindern wenig oder nichts zu tun haben wollen.
Verurteilen Sie also ‘Humanae Vitae’,
wenn Sie wollen.
Lachen Sie darüber, wenn Sie wollen.
Doch lesen Sie die Enzyklika. Und dann betrachten
Sie die Wirklichkeit, die Sie umgibt, und gestehen Sie, daß ‘Humanae Vitae’ nicht völlig danebenlag.
Wenn Sie dem Papst nicht glauben wollen, dann glauben Sie wenigstens Mahatma Gandhi.
David Quinn ist
ein bekannter irischer Journalist und Kolumnist. Sein Beitrag erschien ursprünglich in der größten
irischen Tageszeitung ‘Irish Independent’.
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