Johannes Paul II.
Neokonservative Verdrehungen
Wie sich ein Anbeter von Johannes Paul II. um die Tatsache herumwindet, daß der Papst an der von den Neokonservativen gehaßten Alten Messe Gefallen findet.
Papst Benedikt XVI. ist entschlossen, die Alte Messe zu erneuern.
Papst Benedikt XVI. ist entschlossen, die Alte Messe zu erneuern.
© Lawrence OP, CC
(kreuz.net) Unter der Überschrift „Sind die lateinischen Tage wieder hier?“ hat sich der neokonservative katholische Autor George Weigel (57) am 19. Juni im US-Wochenmagazin ‘Newsweek’ geäußert.

Weigel ist ein leidenschaftlicher Anhänger des verstorbenen Papstes Johannes Paul II., über den er eine bekannte Biographie verfaßt hat.

Die neokonservative Bewegung ist ein Relikt aus der Zeit des letzten Pontifikates. Sie ist geprägt durch moralischen Rigorismus, dogmatischen Liberalismus, eine protestantische Auffassung der Liturgie und eine voluntaristisch verstandene Loyalität zum Papst.

Auf die Frage, ob Papst Benedikt XVI. entschlossen sei, die Alte Messe zu erneuern, erklärt Weigel salomonisch: „Ja und nein“.

Inzensierung des Altars
Inzensierung des Altars
© Lawrence OP, CC
Abgekanzelter Kardinal

Die jüngsten Erklärungen des Präsidenten der päpstlichen Kommission ‘Ecclesia Dei’, Dario Kardinal Castrillón Hóyos, wonach die Alte Messe in allen Pfarreien einzuführen sei, kanzelt Weigel ab als „Stegreif-Bemerkungen eines Vatikanbeamten vor einem kleinen katholischen Verein in Großbritannien“.

Der junge Joseph Ratzinger sei dagegen in seiner Jugend zutiefst von einer Bewegung zur „Reform des katholischen Gottesdienstes“ beeinflußt worden, die das Zweite Vatikanum vorbereitet habe.

Als Konzilsperitus habe er die Liturgiekonstitution begrüßt. Diese bezeichnet Weigel als „Entwurf für eine weitere organische Entwicklung der Meßzelebration“.

Nach dem Konzil habe der jetzige Papst aber gemerkt, daß die Reform in eine Revolution ausgeartet sei.

Darum habe er sich um eine „Reform der Liturgiereform“ bemüht, um zu den „authentischen Absichten des Zweiten Vatikanums“ zurückzukehren.

Als Beispiel nennt Weigel die Wiedergewinnung „der klassischen musikalischen Formen des Katholizismus“.

Die Kathedralen und schönen Kirchen wurden für die Alte Messe erbaut
Die Kathedralen und schönen Kirchen wurden für die Alte Messe erbaut
© Lawrence OP, CC
Nehmen die liturgischen Mißbräuche ab?

Doch die „überwältigende Mehrheit der Katholiken auf der ganzen Welt“ habe die neue Form der Messe „begrüßt“.

Mit der Zeit seien die liturgischen Mißbräuche – Weigel nennt Clown-Messen, freie Gebete, Mißachtung des Ritus, Popmusik, liturgische Tänze – zurückgegangen, glaubt er:

„Eine erneute Sakralisierung des katholischen Gottesdienstes wurde in vielen Pfarreien sichtbar.“

Was Ratzinger und andere Spezialisten die „Reform der Reform“ nannten, habe zu greifen begonnen.

Ist der Alte Ritus ein neuer Ritus?

Der Papst habe das Motu Proprio ‘Summorum Pontificum’ nur publiziert, um diese „Reform der Reform“ zu beschleunigen.

Dann beeilt sich Weigel zu zeigen, was die Alte Messe „nicht ist“.

Sie ist nach Weigel nicht der „tridentinische Ritus“, weil sie Modifikationen des vom Konzil von Trient publizierten Meßbuchs enthalte.

Die Alte Messe sei „nicht die Messe von Pius V.“ – insistiert er.

Es handle sich um die Messe, die täglich während allen Sessionen des Zweiten Vatikanums zelebriert worden sei.

Alte Messe als Mittel der Implementierung des Zweiten Vatikanums?

Weigel findet in der liturgischen „Strategie“ des Papstes sogar „etwas Progressives“:

Benedikt XVI. wolle durch die Ermutigung „dieser klassischen Form des in ständiger Evolution begriffenen römischen Ritus“ eine Art liturgischen Magnet erzeugen, um die „Reform der Reform“ in Richtung auf eine größere Ehrfurcht im öffentlichen Gottesdienst der katholischen Kirche zu lenken.

Weigel hält es für unwahrscheinlich, daß die von ihm sogenannte „benediktinische Reform der Reform“ bedeutet, daß jede Pfarrei schon bald eine Sonntagsmesse im Alten Ritus haben wird: „Nicht zuletzt deshalb, weil nur wenige Priester heute kompetente Latinisten sind.“

Doch wo man die „lateinische Messe von 1962“, so Weigel, „ehrfürchtig und ohne nostalgische Zusätze“ – Weigel nennt ältere Meßgewänder mit Spitzen – zelebriere, werde sie „für die Minderheit, welche diese Art des Gottesdienstes bevorzugt“, eine Quelle der geistlichen Nahrung werden, während sie eine neue Generation in eine für sie „neue Form der Liturgie“ einführe.

Als Vorteil sieht Weigel auch, daß der Alte Ritus das Latein wiederbeleben könnte: „Das wäre keine kleine Sache in einer zunehmend verschiedenartigen und pluralistischen Kirche“.

Als Endergebnis der päpstlichen Bemühungen um die Alte Messe erwartet Weigel eine „ehrfürchtigere, frömmere Meßfeier nach dem reformierten Meßbuch von 1970 in Übereinstimmung mit dem, was das Zweite Vatikanische Konzil eigentlich vorgeschrieben hat.“
      
19 Lesermeinungen
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#19   ecclesiasticus   18:41:14 | Freitag, 8. August 2008
neo-antik?
Jetzt machen sogar schon die Konservativen die modernistische Sprachverhunzung mit: Alles, was man nicht mag, wird als „konservativ“ gebrandmarkt, weil das ja schlecht sein müsse, hier eben als „neo-konservativ“. Was für ein Unsinn!
Was den Lettner betrifft, so war seine Abschaffung eine durchaus gute Entscheidung des Konzils von Trient. (Wenn jemand nicht sehen will, was auf dem Altar passiert, kann er sich ja umdrehen oder die Augen schließen!)
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#18   Aleph †   11:35:11 | Dienstag, 5. August 2008
A propos Lettner
Wenn man überlegt, dass Kirchen mit einem Lettner, leider gibt es ja nur noch ganz wenige, geradezu Wallfahrtstätten geworden sind, um diese liturgische Trennmauer zu bewundern. Dabei fällt mir der großartige Lettner im Breisacher Münster ein.
Dabei kann ich mir gut vorstellen, dass ein solches Bauwerk, mit dem das gewöhnliche Volk von der priesterlichen Gemeinde optisch und akustisch getrennt wird, etwas heilbringendes haben muss.
Deshalb wäre zu überlegen, den guten alten Lettner allenthalben wieder einzuführen, wo es die architektonischen Gegebenheiten zu lassen.
Und wenn sie es nicht zu lassen, kann man doch einen Architektenwettbewerb ausschreiben, für einen Kirchbau im 21. Jahrhundert behutsam ein Lettnerbauwerk einzufügen. Kosten und Mühen sollten nicht gescheut werden. So wie das im Mittelalter der Brauch war…
:-)
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#17   maliems   10:03:34 | Dienstag, 5. August 2008
ein technokrat
man nehme etwas Alt und etwas Revolution und schon findet man die Mitte.
Unsinn.
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#16   HBR   17:09:18 | Montag, 4. August 2008
Die Neokonservativen scheinen ja ganz patente Leute zu sein
Jedenfalls besser als Tradis o^/
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#15   No Comment   16:42:54 | Montag, 4. August 2008
Wie immer:
Weigel hat’s erfasst. Im Kontrast dazu muss man mutmaßen, dass der rd. 600 Worte umfassende Katechismus von Lefebvre (mit drei Belegstellen, zwei Sätze aus dem Syllabus und einer aus „Pascendi“) ihm von einem Freimaurer in den Block diktiert wurde, um die Kirche zu ärgern. („Spalten“ kann er sie ja nicht… mit dem wenig gesunden Gesabber.)
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#14   Aleph †   15:56:54 | Montag, 4. August 2008
jürgen
Das würde die ganz große Wende zur alten Liturgie einleiten.
Jetzt hilft nur beten, beten, beten, damit die Lettner in der Kirche bis zum Himmel wachsen können.
Damit endlich Volk und Priesterschaft wirksam voneinander getrennt sind O:) o^/ O:)
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#13   juergen   15:54:01 | Montag, 4. August 2008
Lettner
Fehlt jetzt nur noch, daß wieder ein Lettner errichtet wird…
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#12   Alleluia   15:32:55 | Montag, 4. August 2008
Danke
Danke für die wunderschönen Fotos einer wunderschönen Liturgie in wunderschönem Rahmen!
Die Fotos wurden übrigens – bezeichnenderweise? – in der anglikanischen Kapelle des Merton Colleges in Oxford aufgenommen.
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#11   Aleph †   14:09:43 | Montag, 4. August 2008
neokonservativ
It’s fun to have Latin-Day… :'(
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#10   Bernd Stromberg   14:06:29 | Montag, 4. August 2008
So ein Unsinn!
Natürlich kann man auch den usus ordinarius in „alten“ Gewändern zelebrieren. Es gibt nicht ein Dokument, in dem das verboten wurde. Im Gegenteil, es ist sehr sinnvoll, symbolisiert es doch die Kontinuität der Liturgie. Denn dessen muss man sich bewußt sein: Die Liturgie der römischen Kirche beginnt doch nicht erst 1970! Dies sollte jedem einleuchten, der sich ein wenig mit Liturgie und ihrer Geschichte beschäftigt hat. Genauso, wie man gregorianischen Choral im usus ordinarius verwenden kann, gilt dies für Paramente, vasa sacra etc. Dies bedeutet ja nicht, dass man nichts „Zeitgenössisches“ in der Liturgie verwenden kann. Es muss halt nur dem Heiligen Geschehen und der Sakralität der Handlung angemessen sein. Und hier liegt das Problem unserer Zeit, dass man vieles in die Liturgie einführt, was dort nichts zu suchen hat, wie zB. Discosound etc. Hier muss die Reform der Reform ansetzen, die deutlich macht, dass solche Mißbräuche nichts mit Sacrosanctum Concilium zu tun haben.
„Hermeneutik der Kontinuität“ anstelle der „Hermeneutik des Bruchs“!!
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#9   Aleph †   13:43:33 | Montag, 4. August 2008
catharina
Das ist wie mit altem Wein in neuen Schläuchen. Besser nicht, weil sonst die neuen Schläuche vom alten Wein verderben.
Nein, neuer Wein in neue Schläuche, alte Messen in uralten Gewändern und neue Messen in neuen Gewändern… :-)
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#8   catharina   13:26:26 | Montag, 4. August 2008
Alternative
Lieber eine „alte Messe“ in neuen (meinetwegen schmucklosen) Gewändern als die neue Liturgie in alten Gewändern.
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#7   Bernd Stromberg   13:06:05 | Montag, 4. August 2008
@Spitzenalben
Spitzenalben gehören nicht zum depositum fidei. Aber natürlich können sie benutzt werden. Warum auch nicht, denn es gibt kein einziges kirchliches Dokument, das sie verbietet. Als Alternative könnte man auch Alben mit einer schönen Stickerei verwenden.
Sehr schön sind in jedem Fall die liturgischen Obergewänder auf den Bildern. Es ist in schon was ganz anderes als die „Polyester-Messgewänder“, die in so manchen Pfarrgemeinden verwendet werden. Warum sollte man keine edlen Paramente verwenden? Im übrigen ist doch auch ein Stück gelebte Ökumene. Man schaue sich nur die schönen orthodoxen Gewänder an. Diese unterscheiden sich in ihrer Form natürlich von den römischen, nicht aber in der Sorgfalt ihrer Gestaltung und Auswahl von Stoffen. Spitzenalben kennt die orthodoxe Tradition so nicht. Was nicht heißt, dass diese in der kath. Liturgie nicht verwendet werden dürfen.
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#6   r.ruhrgebietler   12:47:29 | Montag, 4. August 2008
Lateinische Tage!
Sie waren, in der Tat, nie weg!
Staub, Muff, subversive Elemente, Filzokratie u.v.a.m. des V-II haben den törichten Versuch unternommen die ewig gültige Messe auszugrätschen! Aber Gott läßt seiner nicht spotten! Vielleicht malen sein Mühlen langsam – aber dafür mit nichtvergleichbarer Qualität SEHR GUT!
Wahrlich: Ein Haus voll Glorie schauet!
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#5   Komma   11:53:29 | Montag, 4. August 2008
Die Hl. Messe aller Zeiten…
…schon 1973 im Film gewürdigt, interessanter Ausschnitt:
Katholiken (1973) www.gloria.tv/?video=vazlhuls…
Schon wenige Jahre nach der „Liturgiereform“ war der unermessliche Schaden zu erkennen – einige hier im Forum sind dagegen auch nach 40 Jahren noch von Blindheit geschlagen.
Katholiken
Großbritannien, 1973
FSKoAB
Drama
80 Min.
Regie: Jack Gold
Darsteller: Trevor Howard, Martin Sheen, Cyril Cusack
Originaltitel: Catholics (1973)
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#4   Sozialkatholisch   11:41:14 | Montag, 4. August 2008
Hallo Knalleph
Nun komm schon, so etwas hast du doch auch schon mal besser hingekriegt, gib dir doch mal wieder etwas mehr Mühe! :-D :-D :-D
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#3   Aleph †   11:39:37 | Montag, 4. August 2008
dAS rIALO
Haben Sie wenigstens schon mal so einen Fummel angehabt?
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#2   Sozialkatholisch   11:37:54 | Montag, 4. August 2008
Toller Spruch Knalleph,
H.BRabbel wird stolz auf dich sein!
:-D
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#1   Aleph †   11:34:42 | Montag, 4. August 2008
Herrliche Gardinenalben
Der Anblick der herrlichen, handgehäckelten Gardinenalben. Es ist ein Augenschmaus. Auch wenn die Zelebranten weit ab vom gewöhnlichn Volk hantieren müssen. Allein die Schönheit der Gardinenalben erfordert es, haufenweise alte Messen zu feiern.
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