11:21:55 | Montag, 4. August 2008
Johannes Paul II.
Wie sich ein Anbeter von Johannes Paul II. um die Tatsache herumwindet, daß der Papst an der von den Neokonservativen gehaßten Alten Messe Gefallen findet.

Papst Benedikt XVI. ist entschlossen, die Alte Messe zu erneuern.
© Lawrence OP, CC(kreuz.net) Unter der Überschrift „Sind die lateinischen Tage wieder hier?“ hat sich der neokonservative
katholische Autor George Weigel (57) am 19. Juni im US-Wochenmagazin ‘Newsweek’ geäußert.
Weigel ist
ein leidenschaftlicher Anhänger des verstorbenen Papstes Johannes Paul II., über den er eine bekannte
Biographie verfaßt hat.
Die neokonservative Bewegung ist ein Relikt aus der Zeit des letzten Pontifikates.
Sie ist geprägt durch moralischen Rigorismus, dogmatischen Liberalismus, eine protestantische Auffassung
der Liturgie und eine voluntaristisch verstandene Loyalität zum Papst.
Auf die Frage, ob Papst Benedikt
XVI. entschlossen sei, die Alte Messe zu erneuern, erklärt Weigel salomonisch: „Ja und nein“.
Abgekanzelter
KardinalDie jüngsten
Erklärungen des Präsidenten der päpstlichen Kommission ‘Ecclesia Dei’, Dario
Kardinal Castrillón Hóyos, wonach die Alte Messe in allen Pfarreien einzuführen sei, kanzelt Weigel
ab als „Stegreif-Bemerkungen eines Vatikanbeamten vor einem kleinen katholischen Verein in Großbritannien“.
Der junge Joseph Ratzinger sei dagegen in seiner Jugend zutiefst von einer Bewegung zur „Reform des katholischen
Gottesdienstes“ beeinflußt worden, die das Zweite Vatikanum vorbereitet habe.
Als Konzilsperitus habe
er die Liturgiekonstitution begrüßt. Diese bezeichnet Weigel als „Entwurf für eine weitere organische
Entwicklung der Meßzelebration“.
Nach dem Konzil habe der jetzige Papst aber gemerkt, daß die Reform
in eine Revolution ausgeartet sei.
Darum habe er sich um eine „Reform der Liturgiereform“ bemüht, um
zu den „authentischen Absichten des Zweiten Vatikanums“ zurückzukehren.
Als Beispiel nennt Weigel die
Wiedergewinnung „der klassischen musikalischen Formen des Katholizismus“.

Die Kathedralen und schönen Kirchen wurden für die Alte Messe erbaut
© Lawrence OP, CC Nehmen die liturgischen Mißbräuche
ab?Doch die „überwältigende Mehrheit der Katholiken auf der ganzen Welt“ habe die neue Form der Messe
„begrüßt“.
Mit der Zeit seien die liturgischen Mißbräuche – Weigel nennt Clown-Messen, freie Gebete,
Mißachtung des Ritus, Popmusik, liturgische Tänze – zurückgegangen, glaubt er:
„Eine erneute Sakralisierung
des katholischen Gottesdienstes wurde in vielen Pfarreien sichtbar.“
Was Ratzinger und andere Spezialisten
die „Reform der Reform“ nannten, habe zu greifen begonnen.
Ist der Alte Ritus ein neuer Ritus?Der Papst
habe das Motu Proprio ‘Summorum Pontificum’ nur publiziert, um diese „Reform der Reform“ zu beschleunigen.
Dann beeilt sich Weigel zu zeigen, was die Alte Messe „nicht ist“.
Sie ist nach Weigel nicht der „tridentinische
Ritus“, weil sie Modifikationen des vom Konzil von Trient publizierten Meßbuchs enthalte.
Die Alte Messe
sei „nicht die Messe von Pius V.“ – insistiert er.
Es handle sich um die Messe, die täglich während
allen Sessionen des Zweiten Vatikanums zelebriert worden sei.
Alte Messe als Mittel der Implementierung
des Zweiten Vatikanums?Weigel findet in der liturgischen „Strategie“ des Papstes sogar „etwas Progressives“:
Benedikt XVI. wolle durch die Ermutigung „dieser klassischen Form des in ständiger Evolution begriffenen
römischen Ritus“ eine Art liturgischen Magnet erzeugen, um die „Reform der Reform“ in Richtung auf eine
größere Ehrfurcht im öffentlichen Gottesdienst der katholischen Kirche zu lenken.
Weigel hält es
für unwahrscheinlich, daß die von ihm sogenannte „benediktinische Reform der Reform“ bedeutet, daß
jede Pfarrei schon bald eine Sonntagsmesse im Alten Ritus haben wird: „Nicht zuletzt deshalb, weil nur
wenige Priester heute kompetente Latinisten sind.“
Doch wo man die „lateinische Messe von 1962“, so Weigel,
„ehrfürchtig und ohne nostalgische Zusätze“ – Weigel nennt ältere Meßgewänder mit Spitzen – zelebriere,
werde sie „für die Minderheit, welche diese Art des Gottesdienstes bevorzugt“, eine Quelle der geistlichen
Nahrung werden, während sie eine neue Generation in eine für sie „neue Form der Liturgie“ einführe.
Als Vorteil sieht Weigel auch, daß der Alte Ritus das Latein wiederbeleben könnte: „Das wäre keine
kleine Sache in einer zunehmend verschiedenartigen und pluralistischen Kirche“.
Als Endergebnis der päpstlichen
Bemühungen um die Alte Messe erwartet Weigel eine „ehrfürchtigere, frömmere Meßfeier nach dem reformierten
Meßbuch von 1970 in Übereinstimmung mit dem, was das Zweite Vatikanische Konzil eigentlich vorgeschrieben
hat.“
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HBR 17:09:18 | Montag, 4. August 2008