Universität Eichstätt
Das Hauptproblem war nicht der Bischof von Eichstätt
Der kürzlich abgelehnte Präsident der katholischen Universität Eichstätt hat in einem Interview interessante Hintergründe zu seinem Fall bekanntgegeben.
Zentralbibliothek an der Universitätsallee
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(kreuz.net) Ulrich Hemel wurde am 30. Januar 2008 vom dafür zuständigen Hochschulrat mit 12:4 Stimmen zum Präsidenten der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt gewählt.

Das erklärte Hemel bereits Ende Mai in einem Interview vor der altliberalen Webseite ‘Imprimatur’.

Normalerweise sei die Bestätigung eines Präsidenten durch den zuständigen Minister oder – in diesem Fall – Bischof eher eine Formsache. Bei ihm sei das anders gewesen.

Alles habe vielversprechend begonnen: „Ich wurde aufgrund meiner Doppelkompetenz als Religionspädagoge auf der einen und als Wirtschaftspraktiker und Manager auf der anderen Seite eingeladen, mich zu bewerben“.

Er habe auf die Besonderheiten seines Lebenslaufs hingewiesen: „Zugleich gab ich zu erkennen, meine Bewerbung zurückziehen zu wollen, wenn sie nicht gewollt wäre.“

Hemel spielt mit dieser Aussage darauf an, daß seine erste Ehe annulliert wurde, seine zweite nur standsamtlich geschlossen war und er jetzt in einer dritten kirchlich gültigen Ehe lebt.

Er habe vorab und pro-aktiv auf diese Situation hingewiesen und ermutigende Signale erhalten. Die Diözese Eichstätt habe darin kein Problem gesehen.

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Erwünschte Bewerbung

Nach seinem Gespräch habe der zuständige Bischofsvikar völlig korrekt ein Taufzeugnis erbeten: „Er drückte nach dessen Prüfung den Wunsch aus, ich solle doch meine Bewerbung bitte aufrechterhalten.“

Mit einer Ablehnung des Bischofs von Eichstätt habe er zunächst nicht gerechnet: „Am Tag meiner Wahl lud mich der Bischof mit meiner Frau zu einem entspannten Abendessen ein, das in guter Atmosphäre verlief.“

Auf irgendeine Verstimmung habe es damals keinerlei Hinweis gegeben: „Im Gegenteil: Unmittelbar nach der Wahl beantragte der gleiche Bischof, der mich später ablehnte, in Rom für mich das Nihil Obstat. Dies entsprach wohl der bisherigen Gepflogenheit.“

In der Zeit vom 30. Januar bis zum 9. April sei er von der Universität und vom Träger in Vorbereitung der vermeintlich anstehenden Präsidentschaft angefragt worden, Termine wahrzunehmen:

„Tatsächlich baute sich ein gutes Arbeitsverhältnis mit den engsten Mitarbeitern, aber auch mit der Universitätsleitung auf.“

Es habe auch bereits „wunderbare Pläne“ zum Schwerpunkt Bildung, werteorientierte Unternehmenssteuerung und Management der globalen Zivilgesellschaft gegeben.

Die wahren Gegner

Die Erklärung der Diözese, daß sich die Erteilung des römischen Nihil Obstat in die Länge ziehe, entlarvt Hemel als ein Vorwand:

„Ein Nihil Obstat ist für den Präsidenten nur bei Päpstlichen Universitäten nötig, während bei Katholischen Universitäten das Wort des Großkanzlers, also des zuständigen Bischofs, zählt.“

Er habe auch den direkten Kontakt mit weiteren bayerischen Bischöfen gesucht: „Tatsächlich kam aber kein einziges Gespräch mit einem der bayerischen Bischöfe zustande“.

„Gleichzeitig wollten Gerüchte nicht verstummen, erst die harte Haltung von Bischof Müller aus Regensburg, Bischof Mixa aus Augsburg – der dies dementierte – und Erzbischof Marx aus München hätten die Sache im negativen Sinn ins Rollen gebracht.“

„Anti-vatikanische Reflexe laufen hier also ins Leere“ – faßt Hemel die Lage zusammen.

Er weist auch auf den Zeitpunkt des Geschehens im Frühjahr 2008 hin: „Gerade erst war Kardinal Wetter in Ruhestand gegangen und Kardinal Lehmann vom Vorsitz der Deutschen Bischofskonferenz zurückgetreten.“

Die Ausrichtung einer Katholischen Universität sei ein Mosaikstein für die zukünftige Richtung der Kirche in Deutschland und in Bayern.

Hemel weiß bis heute nicht, welcher Art die konkreten Bedenken gegen seine Person waren.

Die größte Merkwürdigkeit

Von seiner Ablehnung habe er schließlich über das Radio erfahren. Gleichentags habe ihm Bischof Hanke erklärt: „Ich werde Sie nicht ernennen und dafür auch keine Gründe nennen. Diese Entscheidung ist definitiv.“

Der Bischof habe eine gemeinsame Erklärung für einen Rückzug gewünscht und vorgeschlagen, bis dahin nichts nach außen zu geben.

Hemel dazu: „Ich lehnte dies ab: »Die Sache ist schon den ganzen Tag über das Radio gelaufen. Ich sehe keinen Sinn darin, die Entscheidung zurückzuhalten«.“

Nun sei die „größte Merkwürdigkeit“ gefolgt, die ihn auch am meisten erschüttert habe.

Nach dem Gespräch mit dem Bischof habe er den Hochschulratsvorsitzenden, den Senatsvorsitzenden und den amtierenden Präsidenten informiert und die Neuigkeit auch nicht vor zwei Medienvertretern dementiert.

Hinter seinem Rücken habe die bischöfliche Pressestelle jedoch am gleichen Abend behauptet, daß Stillschweigen vereinbart worden sei.

Hemel: „Diese Behauptung ist definitiv nicht richtig, was mir der Bischof persönlich am Folgetag bestätigte.“

„Auch wenn man es dreht und wendet: Ein einseitiger Wunsch ist noch lange keine zweiseitige Vereinbarung.“

Es sei ferner behauptet worden, man hätte Hemel „mehrere Gründe“ genannt: „Auch dies ist schlicht nicht wahr – so traurig diese Aussage ist.“

Die Art und Weise der Kommunikation und die lange Dauer der Sache habe ihn persönlich „sehr beschäftigt“:

„Es passiert ja nicht jeden Tag, dass hinter dem Rücken unzutreffende Pressemeldungen über einen verbreitet werden.“

Er sei nicht verbittert: „Denn ich habe mich früh dazu entschlossen, mir durch diesen Vorgang weder meine Glaubens- noch meine Lebensfreude nehmen zu lassen.“

Er werde sich auch von seiner Kirche nicht distanzieren, „denn es wäre falsch, das eigene Kirchenbild am Verhalten einzelner Bischöfe festzumachen.“

Menschlich und sachlich sei der Vorgang höchst unbefriedigend gewesen: „Er erinnert an absolutistische Fürstenhöfe.“ Andererseits könne man Vertrauen nicht erzwingen.

„Ein Unternehmen, das die knappe Ressource an Führungskräften so behandelt, wie es hier geschehen ist, würde auf dem Markt nicht lange bestehen können.“
      
5 Lesermeinungen
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#6   Alois Hudal   13:14:29 | Mittwoch, 6. August 2008
Widerspruch – hier stimmt was nicht !
Auf irgendeine Verstimmung habe es damals keinerlei Hinweis gegeben: „Im Gegenteil: Unmittelbar nach der Wahl beantragte der gleiche Bischof, der mich später ablehnte, in Rom für mich das Nihil Obstat. Dies entsprach wohl der bisherigen Gepflogenheit.“
Die Erklärung der Diözese, daß sich die Erteilung des römischen Nihil Obstat in die Länge ziehe, entlarvt Hemel als ein Vorwand:
„Ein Nihil Obstat ist für den Präsidenten nur bei Päpstlichen Universitäten nötig, während bei Katholischen Universitäten das Wort des Großkanzlers, also des zuständigen Bischofs, zählt.“
ergo: entweder nur für Präsidenten päpstlicher Universitäten oder für alle katholischen Universitätspräsidenten !
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#5   Burgorus   12:36:18 | Mittwoch, 6. August 2008
Das Unternehmen katholische Kirche ist die älteste zeitlich ununterbrochene Institution der Welt.
„Ein Unternehmen, das die knappe Ressource an Führungskräften so behandelt, wie es hier geschehen ist, würde auf dem Markt nicht lange bestehen können.“
Ein Unternehmen, deren Führungskräfte das Unternehmen zersetzen, kann auf dem Markt nicht bstehen. Es ist ja nur Jesus und seiner Verheißung, dass die Pforten der Hölle die Kirche nicht überwältigen werden, zu verdanken, dass die eingedrungenen Modernisten die Kirche noch nicht ganz zerstören konnten. Und übrigens:…(Titel des Postings).
Hinter seinem Rücken habe die bischöfliche Pressestelle jedoch am gleichen Abend behauptet, daß Stillschweigen vereinbart worden sei.
Hemel: „Diese Behauptung ist definitiv nicht richtig, was mir der Bischof persönlich am Folgetag bestätigte.“
„Auch wenn man es dreht und wendet: Ein einseitiger Wunsch ist noch lange keine zweiseitige Vereinbarung.“
Es sei ferner behauptet worden, man hätte Hemel „mehrere Gründe“ genannt: „Auch dies ist schlicht nicht wahr – so traurig diese Aussage ist.“
Die Art und Weise der Kommunikation und die lange Dauer der Sache habe ihn persönlich „sehr beschäftigt“:
„Es passiert ja nicht jeden Tag, dass hinter dem Rücken unzutreffende Pressemeldungen über einen verbreitet werden.“
Na sowas! Jetzt werden die Modernisten auf einmal mit Medienlügen konfrontiert. So spüren sie wenigstens mal, wie es den glaubenstreuen Katholiken schon seit Jahrzehnten ergeht: Es werden Tatsachen verdreht, um sie als „rechtsradikal“, was auch immer das sei, brandmarken zu können.
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#4   Ansgar   12:31:40 | Mittwoch, 6. August 2008
Wie soll ein Mensch…
… der zwei Frauen, mit denen er vorher in einer für Katholiken fragwürdigen Weise zusammengelebt hat, verbraucht, einen Posten verwalten, bei denen sich Menschen auf ihn verlassen müssen? Wieso gibt ein Mensch mit einer derart chaotischen Genese vor, über vermeintliche Wortbrüche „erschüttert“ zu sein?
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#2   No Comment   11:22:45 | Mittwoch, 6. August 2008
Ressourcen?
Brauchen wir nicht. Die Ersatz-Führungskraft Fellay und seine 300 Mann werden’s schon richten; standrechtlich.
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#1   Pünktchen   11:14:48 | Mittwoch, 6. August 2008
„Mixed messages“
Ich halte es sehr wohl für möglich, daß der Kandidat von höchster Stelle ermutigt wurde, obwohl die Meinungsbildung beim Träger der Hochschule noch in vollem Gange war. Rein menschlich gesehen ist hier wohl manches schief gelaufen!
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