10:48:27 | Mittwoch, 6. August 2008
Der kürzlich abgelehnte Präsident der katholischen Universität Eichstätt hat in einem Interview interessante Hintergründe zu seinem Fall bekanntgegeben.

Zentralbibliothek an der Universitätsallee
(kreuz.net) Ulrich Hemel wurde am 30. Januar 2008 vom dafür zuständigen Hochschulrat mit 12:4 Stimmen
zum Präsidenten der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt gewählt.
Das erklärte Hemel bereits
Ende Mai in einem Interview vor der altliberalen Webseite ‘Imprimatur’.
Normalerweise sei die Bestätigung
eines Präsidenten durch den zuständigen Minister oder – in diesem Fall – Bischof eher eine Formsache.
Bei ihm sei das anders gewesen.
Alles habe vielversprechend begonnen: „Ich wurde aufgrund meiner Doppelkompetenz
als Religionspädagoge auf der einen und als Wirtschaftspraktiker und Manager auf der anderen Seite eingeladen,
mich zu bewerben“.
Er habe auf die Besonderheiten seines Lebenslaufs hingewiesen: „Zugleich gab ich zu
erkennen, meine Bewerbung zurückziehen zu wollen, wenn sie nicht gewollt wäre.“
Hemel spielt mit dieser
Aussage darauf an, daß seine erste Ehe annulliert wurde, seine zweite nur standsamtlich geschlossen war
und er jetzt in einer dritten kirchlich gültigen Ehe lebt.
Er habe vorab und pro-aktiv auf diese Situation
hingewiesen und ermutigende Signale erhalten. Die Diözese Eichstätt habe darin kein Problem gesehen.
Universität Eichstätt

© Pressefoto Universität Eichstätt

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Universität Eichstätt

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Erwünschte BewerbungNach seinem Gespräch
habe der zuständige Bischofsvikar völlig korrekt ein Taufzeugnis erbeten: „Er drückte nach dessen Prüfung
den Wunsch aus, ich solle doch meine Bewerbung bitte aufrechterhalten.“
Mit einer Ablehnung des Bischofs
von Eichstätt habe er zunächst nicht gerechnet: „Am Tag meiner Wahl lud mich der Bischof mit meiner
Frau zu einem entspannten Abendessen ein, das in guter Atmosphäre verlief.“
Auf irgendeine Verstimmung
habe es damals keinerlei Hinweis gegeben: „Im Gegenteil: Unmittelbar nach der Wahl beantragte der gleiche
Bischof, der mich später ablehnte, in Rom für mich das Nihil Obstat. Dies entsprach wohl der bisherigen
Gepflogenheit.“
In der Zeit vom 30. Januar bis zum 9. April sei er von der Universität und vom Träger
in Vorbereitung der vermeintlich anstehenden Präsidentschaft angefragt worden, Termine wahrzunehmen:
„Tatsächlich baute sich ein gutes Arbeitsverhältnis mit den engsten Mitarbeitern, aber auch mit der
Universitätsleitung auf.“
Es habe auch bereits „wunderbare Pläne“ zum Schwerpunkt Bildung, werteorientierte
Unternehmenssteuerung und Management der globalen Zivilgesellschaft gegeben.
Die wahren GegnerDie Erklärung
der Diözese, daß sich die Erteilung des römischen Nihil Obstat in die Länge ziehe, entlarvt Hemel
als ein Vorwand:
„Ein Nihil Obstat ist für den Präsidenten nur bei Päpstlichen Universitäten nötig,
während bei Katholischen Universitäten das Wort des Großkanzlers, also des zuständigen Bischofs, zählt.“
Er habe auch den direkten Kontakt mit weiteren bayerischen Bischöfen gesucht: „Tatsächlich kam aber
kein einziges Gespräch mit einem der bayerischen Bischöfe zustande“.
„Gleichzeitig wollten Gerüchte
nicht verstummen, erst die harte Haltung von Bischof Müller aus Regensburg, Bischof Mixa aus Augsburg –
der dies dementierte – und Erzbischof Marx aus München hätten die Sache im negativen Sinn ins Rollen
gebracht.“
„Anti-vatikanische Reflexe laufen hier
also ins Leere“ – faßt Hemel die Lage zusammen.
Er
weist auch auf den Zeitpunkt des Geschehens im Frühjahr 2008 hin: „Gerade erst war Kardinal Wetter in
Ruhestand gegangen und Kardinal Lehmann vom Vorsitz der Deutschen Bischofskonferenz zurückgetreten.“
Die Ausrichtung einer Katholischen Universität sei ein Mosaikstein für die zukünftige Richtung der
Kirche in Deutschland und in Bayern.
Hemel weiß bis heute nicht, welcher Art die konkreten Bedenken
gegen seine Person waren.
Die größte MerkwürdigkeitVon seiner Ablehnung habe er schließlich über
das Radio erfahren. Gleichentags habe ihm Bischof Hanke erklärt: „Ich werde Sie nicht ernennen und dafür
auch keine Gründe nennen. Diese Entscheidung ist definitiv.“
Der Bischof habe eine gemeinsame Erklärung
für einen Rückzug gewünscht und vorgeschlagen, bis dahin nichts nach außen zu geben.
Hemel dazu:
„Ich lehnte dies ab: »Die Sache ist schon den ganzen Tag über das Radio gelaufen. Ich sehe keinen Sinn
darin, die Entscheidung zurückzuhalten«.“
Nun sei die „größte Merkwürdigkeit“ gefolgt, die ihn auch
am meisten erschüttert habe.
Nach dem Gespräch mit dem Bischof habe er den Hochschulratsvorsitzenden,
den Senatsvorsitzenden und den amtierenden Präsidenten informiert und die Neuigkeit auch nicht vor zwei
Medienvertretern dementiert.
Hinter seinem Rücken habe die bischöfliche Pressestelle jedoch am gleichen
Abend behauptet, daß Stillschweigen vereinbart worden sei.
Hemel: „Diese Behauptung ist definitiv nicht
richtig, was mir der Bischof persönlich am Folgetag bestätigte.“
„Auch wenn man es dreht und wendet:
Ein einseitiger Wunsch ist noch lange keine zweiseitige Vereinbarung.“
Es sei ferner behauptet worden,
man hätte Hemel „mehrere Gründe“ genannt: „Auch dies ist schlicht nicht wahr – so traurig diese Aussage
ist.“
Die Art und Weise der Kommunikation und die lange Dauer der Sache habe ihn persönlich „sehr beschäftigt“:
„Es passiert ja nicht jeden Tag, dass hinter dem Rücken unzutreffende Pressemeldungen über einen verbreitet
werden.“
Er sei nicht verbittert: „Denn ich habe mich früh dazu entschlossen, mir durch diesen Vorgang
weder meine Glaubens- noch meine Lebensfreude nehmen zu lassen.“
Er werde sich auch von seiner Kirche
nicht distanzieren, „denn es wäre falsch, das eigene Kirchenbild am Verhalten einzelner Bischöfe festzumachen.“
Menschlich und sachlich sei der Vorgang höchst unbefriedigend gewesen: „Er erinnert an absolutistische
Fürstenhöfe.“ Andererseits könne man Vertrauen nicht erzwingen.
„Ein Unternehmen, das die knappe Ressource
an Führungskräften so behandelt, wie es hier geschehen ist, würde auf dem Markt nicht lange bestehen
können.“
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