10:53:00 | Freitag, 8. August 2008
Je verachtender Künstler mit religiösen Themen umgehen, um so mehr Beachtung finden sie bei den selbsternannten Förderern religiöser Kunst. Von Dr. Heidemarie Seblatnig, Wien.

Das Wiener Dommuseum stellt Blasphemien aus und nennt sie religiöse Kunst.
(kreuz.net) Im Jahr 2005 wurde ich in die Künstlergruppe „Imago Christliche Kunst heute – Wien“ aufgenommen.
Diese Vereinigung wurde im Jahr 1995 auf Anregung von Kardinal Christoph Schönborn von einigen Künstlern
gegründet. Es handelt sich um einen Gesprächskreis, der von der Kulturstelle der Erzdiözese gefördert
wird.
Darin treffen sich in regelmäßigen Abständen Vertreter von Architektur, Malerei, Bildhauerei,
Musik und Literatur zu offenen Gesprächen über die sakrale Kunst.
Deren Zweck ist, in einer Zeit bestürzender
Werteverluste Denkanstöße zu geben.
Ich habe als Malerin und Grafikerin gearbeitet und kam über den
Computer zum Film. Jetzt arbeite ich als Drehbuchautorin, Regisseurin, auf dem Gebiet der Computergrafik
und beschäftige mich mit theoretischen Arbeiten zur Architektur.
Als ich das Programm der Gruppe ‘Imago’
las, war ich tief bewegt. Ich wollte diesen Weg unterstützen und mitgehen.
Ich halte das für unmöglich
Darum halte ich es für unmöglich, daß Kardinal Schönborn die
blasphemischen Werke, die uns im Moment
in Wien als religiöse Kunst vorgesetzt und in seinem unmittelbaren Umfeld propagiert werden, tatsächlich
fördert oder deckt.
Ich meine, daß wir dem Kardinal – wenn wir sein Programm gelesen haben – den Rücken
stärken sollen.
Wir müssen nach den wahren Verursachern der künstlichen Skandale suchen und dann –
gemeinsam mit dem Kardinal – diesen Leuten Einhalt gebieten.
Es ist offenkundig, daß die religiöse
Kunst in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts von einem Ikonoklasmus ergriffen wurde. Er hat dazu
geführt, daß es in den zeitgenössischen Gotteshäusern keine religiöse Kunst mehr gibt.
Diese Bilderstürmerei
hat auf dem gesamten Feld der religiösen Kunst ein großes Vakuum hinterlassen.
Provokation um der Provokation
willenPriester, die sich für Kunstfachleute halten, obwohl sie keine entsprechenden Voraussetzung besitzen,
haben begonnen, dieses Vakuum mit Arbeiten von Künstlern zu füllen, deren Werke einen hohen Marktwert
besitzen.
Dabei ist nebensächlich, ob sich diese Künstler in ihren Werken über religiöse Themen im
Sinne des Glaubens äußern.
Es wird nur auf Provokation gesetzt – der überholten Mode der 60er entsprechend.
Je aggressiver und verachtender sie mit religiösen Themen umgehen, um so mehr Beachtung finden sie bei
den selbsternannten Förderern religiöser Kunst.
Mir geht es hier nicht um die Privatmeinung von Künstlern,
die einen Folterknecht darstellen, der den leidenden Herrn am Geschlechtsteil packt, in Gedärmen wühlen
und Blut spritzen und das als Heiliges Mysterium bezeichnen, oder Frösche ans Kreuz schlagen.
Sie wollen
um jeden Preis provozieren. Na und? Wen kümmert’s? Das ist doch die alte Masche.
Unangenehm wird es
jedoch, wenn das den Gläubigen als religiöse Kunst hingestellt wird.
Werbung für den GlaubenBei
einer Ausstellung von ‘Imago’ in der Krypta der Wiener Peterskirche im Mai 2008 sprach Kardinal Schönborn
klar über den Auftrag der Kirche: Es ist deren Pflicht, den Künstlern zu sagen, welche Kunstwerke sie
von ihnen erwartet.
Ich weiß, daß heutige Künstler über die Heiligkeit sakraler Kunstwerke nicht
Bescheid wissen. Denn ich arbeite seit Jahren in diesem Umfeld und habe mich auch theoretisch damit befaßt.
Ein Künstler, der religiöse Kunst schafft, muß für den Glauben werben. Man stelle sich vor, ein Werbefachmann
macht Reklame für eine Bank und vermittelt dabei: Diese Bank zockt euch ab, der Bankdirektor will euren
Bankrott, alle anderen Banken sind besser.
Unterstützt die Darstellung eines Letzten Abendmahls als
Orgie die Andacht?
Ich rede von Werken nicht von Künstlern. Mag sein, daß der Maler Caravaggio ein
unheiliges Leben geführt hat. Doch religiöse Themen hat er hervorragend gemeistert.
Was interessiert
uns das Privatleben von Herrn XY? Doch wenn er für die Kirche arbeitet, müssen seine Bilder religiös
sein. Sie dürfen den Glauben und die Andacht nicht zerstören.
Fromm sein allein genügt nicht. Aber
Blasphemie ist für die religiöse Kunst und damit für unseren Glauben vernichtend.
Die Verfasserin
ist Drehbuchautorin, Regisseurin und Universitätsdozentin in Wien. Im Juni 2006 publizierte sie das Buch
„Profane Sakralarchitektur in Wien ab 1960“. Im Herbst 2008 erscheint ihr Dokumentarfilm ‘Die Säule und
das Fundament. Christen in der Türkei.’
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