11:47:09 | Sonntag, 10. August 2008
Bisher lautete der Schlachtruf: Gott ja – Kirche nein. Jetzt hat sich einer gemeldet, der es einmal umgekehrt probieren will.
(kreuz.net) „Ich denke, Gott ist eine Erfindung der Menschen – vielleicht die größte.“
Das erklärte
der deutsche Professor und Schriftsteller Bernhard Schlink (64) kürzlich vor dem evangelischen Online-Magazin
‘chrismon.de’.
Schlink ist ein deutscher Rechtswissenschaftler und Romanautor. Seit dem Jahr 1992 hat
er an der Humboldt-Universität zu Berlin einen Lehrstuhl für Öffentliches Recht und Rechtsphilosophie
inne.
Er ist auch für seine Kriminalromane bekannt.
Seinen erfundenen Gott hält Schlink nicht für
unwichtig: „Auch Kunst und Wissenschaft sind Leistungen der Menschen.“
Er gehe gerne zum Gottesdienst
und habe manchmal sogar gepredigt, „wenn mich ein befreundeter Pfarrer eingeladen hat.“
Die Kirche sei
ein Teil seiner Lebenswelt, „die mir als Kind früh liebgeworden und immer geblieben ist.“
„Ich mag die
Liturgie, Lieder und kluge Predigten, die Räume, die Gelegenheit zur Meditation.“
Zugleich habe er schon
früh Schwierigkeiten mit den Inhalten gehabt.
Er teile die Sehnsucht nach Vergebung und verstehe die
Vorstellung eines vergebenden Gottes: „Aber warum läßt Gott, wenn er uns vergeben will, seinen Sohn
ans Kreuz schlagen? Warum vergibt er uns nicht einfach?“
Letztlich glaube er eher an die Kirche: „Ich
erlebe sie als eine Gemeinschaft von Menschen, die guten Willens sind.“
„Das ist viel, und es langt,
um Mitglied der evangelischen Kirche zu bleiben.“
Über den Lebenssinn hat der atheistische Protestant
biedermeierliche Vorstellungen: Das Leben haben den Sinn, „den wir ihm geben“.
Dazu gehöre die Erfüllung
„selbstverständlicher und selbstgewählter“ Pflichten.
Vor Tod und Hölle fürchtet sich Schlink nicht:
„Ich glaube, nach dem Tod kommt nichts mehr, und das ist auch recht so.“ Ein Leben reiche – erklärte
der satte Deutsche.
Seine geliebte Tante habe sich im Alter das Leben genommen: „Sie hatte das Gefühl:
Jetzt ist es genug.“
Das Leben zu Hause sei ihr beschwerlich geworden: „Sie hatte sich ein Altersheim
ausgeguckt, ein gutes, in dem sie ihre eigene Wohnung und ihre eigenen Möbel gehabt hätte.“
Aber dann
habe sie gemerkt, daß sie dort nicht wirklich hinziehen wollte: „Sie wollte diesen nächsten Lebensabschnitt
nicht mehr.“
„Sie lebte in der Schweiz, hat ihr Leben mit Hilfe einer Organisation und im Beisein ihres
Bruders und ihrer Freundin beendet.“
„Ich fand das beeindruckend und auch befreiend: Es hat aus der abstrakten
Möglichkeit eine konkrete gemacht“ – schwafelt Schlink vor sich hin.
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#5
monti 09:13:35 | Montag, 11. August 2008
#4
Vineta 02:08:13 | Montag, 11. August 2008
#3
Brandenburgis 20:30:28 | Sonntag, 10. August 2008
#2
Arno Nuehm 19:57:18 | Sonntag, 10. August 2008
#1
welli 12:01:52 | Sonntag, 10. August 2008