Protestantismus
Es braucht nicht viel, um Mitglied der evangelischen Kirche zu sein
Bisher lautete der Schlachtruf: Gott ja – Kirche nein. Jetzt hat sich einer gemeldet, der es einmal umgekehrt probieren will.
Der Schriftsteller Schlink glaubt eher an die Kirche als an Gott.
Der Schriftsteller Schlink glaubt eher an die Kirche als an Gott.
© Flickr-Benützer „el_is_nice“, CC
(kreuz.net) „Ich denke, Gott ist eine Erfindung der Menschen – vielleicht die größte.“

Das erklärte der deutsche Professor und Schriftsteller Bernhard Schlink (64) kürzlich vor dem evangelischen Online-Magazin ‘chrismon.de’.

Schlink ist ein deutscher Rechtswissenschaftler und Romanautor. Seit dem Jahr 1992 hat er an der Humboldt-Universität zu Berlin einen Lehrstuhl für Öffentliches Recht und Rechtsphilosophie inne.

Er ist auch für seine Kriminalromane bekannt.

Seinen erfundenen Gott hält Schlink nicht für unwichtig: „Auch Kunst und Wissenschaft sind Leistungen der Menschen.“

Rechtswissenschaftler und Schriftsteller Bernhard Schlink
Rechtswissenschaftler und Schriftsteller Bernhard Schlink
© Hans Weingartz, CC
Er gehe gerne zum Gottesdienst und habe manchmal sogar gepredigt, „wenn mich ein befreundeter Pfarrer eingeladen hat.“

Die Kirche sei ein Teil seiner Lebenswelt, „die mir als Kind früh liebgeworden und immer geblieben ist.“

„Ich mag die Liturgie, Lieder und kluge Predigten, die Räume, die Gelegenheit zur Meditation.“

Zugleich habe er schon früh Schwierigkeiten mit den Inhalten gehabt.

Er teile die Sehnsucht nach Vergebung und verstehe die Vorstellung eines vergebenden Gottes: „Aber warum läßt Gott, wenn er uns vergeben will, seinen Sohn ans Kreuz schlagen? Warum vergibt er uns nicht einfach?“

Letztlich glaube er eher an die Kirche: „Ich erlebe sie als eine Gemeinschaft von Menschen, die guten Willens sind.“

„Das ist viel, und es langt, um Mitglied der evangelischen Kirche zu bleiben.“

Über den Lebenssinn hat der atheistische Protestant biedermeierliche Vorstellungen: Das Leben haben den Sinn, „den wir ihm geben“.

Dazu gehöre die Erfüllung „selbstverständlicher und selbstgewählter“ Pflichten.

Vor Tod und Hölle fürchtet sich Schlink nicht: „Ich glaube, nach dem Tod kommt nichts mehr, und das ist auch recht so.“ Ein Leben reiche – erklärte der satte Deutsche.

Seine geliebte Tante habe sich im Alter das Leben genommen: „Sie hatte das Gefühl: Jetzt ist es genug.“

Das Leben zu Hause sei ihr beschwerlich geworden: „Sie hatte sich ein Altersheim ausgeguckt, ein gutes, in dem sie ihre eigene Wohnung und ihre eigenen Möbel gehabt hätte.“

Aber dann habe sie gemerkt, daß sie dort nicht wirklich hinziehen wollte: „Sie wollte diesen nächsten Lebensabschnitt nicht mehr.“

„Sie lebte in der Schweiz, hat ihr Leben mit Hilfe einer Organisation und im Beisein ihres Bruders und ihrer Freundin beendet.“

„Ich fand das beeindruckend und auch befreiend: Es hat aus der abstrakten Möglichkeit eine konkrete gemacht“ – schwafelt Schlink vor sich hin.
      
5 Lesermeinungen
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#5   monti   09:13:35 | Montag, 11. August 2008
Dem ist nichts hinzuzufügen
Schlink hat absolut Recht !
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#4   Vineta   02:08:13 | Montag, 11. August 2008
Eine fragwürdige Überschrift!
„Die Kirche ist mir als Kind liebgeworden.
Ich gehe gerne zum Gottesdienst.
Ich mag Liturgie, Lieder „
Denn das kennen wir doch von vielen sogenannten Christen jeglicher Konfession.
Das, das heißt das Massenphänomen, daß die von großem Ernst getragene Sorge um eine ethisch-religiöse Lebensgestaltung reduziert ist auf eine bloße (weitgehend sinnentleerte) christliche Brauchtumspflege.
Nichts gegen die Pflege altehrwürdiger christlicher Bräuche, wenn man sich nur immer bewußt wäre, sich damit allenfalls im Vorzimmer des Christentums zu befinden.
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#3   Brandenburgis   20:30:28 | Sonntag, 10. August 2008
Schlinck
ist ein Idiot und ein beispielloser Flachgeist.
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#2   Arno Nuehm   19:57:18 | Sonntag, 10. August 2008
Zitat B. Schlink:
Letztlich glaube er eher an die Kirche: „Ich erlebe sie als eine Gemeinschaft von Menschen, die guten Willens sind.“
…ich dachte der Mann schreibt Kriminalromane und keine bissige Satire?
:-D
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#1   welli   12:01:52 | Sonntag, 10. August 2008
Bequemer Glauben
„Das ist viel, und es langt, um Mitglied der evangelischen Kirche zu bleiben.“
Diese laue Einstellung zum Leben würde mir nicht genügen .Auf jeden Fall noch eine Hintertür offen lassen für den Fall ,dass doch noch was ist nach dem Tode. Dieser Mensch ist zu bedauern. Seinem angeblichen ev. Pfarrer-Freund fehlt wohl die Überzeugungskraft. Sollte mal in einem katholischen Kloster um Rat fragen. O:)
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