Zölibat
Gehorsame Nachfolge besteht immer auch im Nachahmen
Ein bekannter Neutestamentler hat kürzlich eine Lanze für die Ehelosigkeit der Weltpriester gebrochen: „Seit wann ist der Weltpriester im Gegensatz zum Ordenspriester nicht dazu berufen, Zeichen zu sein?“
Der Priester hat sein Herz ganz Gott und der Kirche geschenkt.
Der Priester hat sein Herz ganz Gott und der Kirche geschenkt.
(kreuz.net) Der bekannte, zum Katholizismus zurückgekehrte Neutestamentler Klaus Berger hat sich an den Versuch einer Neubegründung des Zölibats gemacht.

Ein entsprechender Beitrag erschien am 26. Juli in der deutschen Zeitung ‘Tagespost’.

Dabei geht es dem Exegeten nicht um eine technisch-praktische, sondern um eine theologische Begründung der Ehelosigkeit.

Am Anfang der Jungfräulichkeit sieht Berger die Begabung durch den Heiligen Geist – das Charisma: „Gott aber steht gottlob nicht unter dem Zwang, Charismen zu schenken.“

Zuerst wirft der Exeget einen Blick auf Christus: „Die Wiederkunft Jesu Christi wird nicht zuerst durch den Gerichtsgedanken bestimmt, sondern primär durch den Gedanken an ein großes Hochzeitsfest“.

„Jesus ist der Bräutigam. Die Braut ist das neue, das erneuerte Israel. Vor allem wird von hier aus verständlich, warum Jesus selbst ehelos gelebt hat.“

Das sei in der Verkündigung der Neuzeit stark vernachlässigt worden – von der Theologie ganz zu schweigen.

Bergers Fazit: „Der Zölibat Jesu ist damit ein elementarer und wichtiger Teil seiner Botschaft.“

In diesem Sinn ist auch Christi Verhältnis zur Kirche zu verstehen: „Hat Jesus Kirche gewollt? Ja, auch deshalb, weil er den Ehebund mit dem neuen Gottesvolk will“ – so Berger.

Schon im ersten nachchristlichen Jahrhundert habe es Christen gegeben, die um der glaubwürdigen Verkündigung willen das Zeichen der Ehelosigkeit Jesu nachahmten. Gehorsame Nachfolge bestehe immer auch im Nachahmen.

Berger zitiert das siebte Kapitel im ersten Korintherbrief und die Lehre der Zwölf Apostel:

„Es kann sein, daß ein bewährter und echter Prophet mit einer Frau zusammenlebt, die er nicht berührt, und so das Geheimnis der Kirche auf Erden, Christus und seine Braut, das Gottesvolk, in einer Zeichenhandlung darstellt.“

Das Zusammenleben von Prophet und Frau lasse daran denken, wie ungeduldig und sehnsuchtsvoll man auf die Hochzeit Jesu gewartet habe.

Das Argument, daß der Zölibat für den Ordensgeistlichen, aber nicht für Weltpriester gelten soll, beantwortet Berger lakonisch: „Jesus lebt mit seinem Zölibat nicht im Kloster, sondern unter den Menschen“.

„Seit wann ist der Weltpriester in Differenz zum Ordenspriester nicht dazu berufen, Zeichen zu sein?“

Das Zölibat werde gerade im Kontext verheirateter Menschen gebraucht. Diese Tradition sei in den letzten Jahrhunderten nie richtig entdeckt worden: „Weil die kirchliche Verkündigung zu wenig vom kommenden Reich und zuviel von Tagespolitik erfüllt war.“

Es gehe beim Zölibat um eine Rede von der Zukunft und von der bevorstehenden Ankunft des Bräutigams: „Das könnte Auswirkungen auf die Theologie im Ganzen haben.“

Verzagtheit und Kleinkariertheit kommen nach Berger daher, „daß man immer Angst hat, als reaktionär im Sinne der Orientierung an der Vergangenheit zu gelten.“

Doch noch schlimmer sei es, nur an das Heute zu denken: „Es fehlen die kühnen Entwürfe, zum Beispiel als Geschichtstheologie.“

„Darin läßt sich der Zölibat ganz anders einordnen als in der Beschränkung auf das, was heute modern ist.“

Der Zölibat sei darum nur sinnvoll, wenn er ein Faktor der Verkündigung sei: „Wenn deutlich wird, daß man so lebt, um an Jesus Christus zu erinnern.“
      
15 Lesermeinungen
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#17   LandorganistII   09:20:32 | Mittwoch, 13. August 2008
Kann mir mal
einer sagen, weshalb mein Beitrag zensiert wurde?
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#16   Vineta   02:47:22 | Mittwoch, 13. August 2008
Doch wie sieht die Praxis aus?
Sie klingen gut, die Worte von Berger zur Verteidigung des Zölibats.
Nur – in der Praxis erlebt man dann halt leider meistens Priester in Gesprächen über Fahrten, Veranstaltungen, Jubelfeste, Autos, Fußball usw. und nicht in Gesprächen über die religiöse Dimension der Dinge, die sie scheuen wie der Teufel das Weihwasser.
Priester, die kein Latein können, nicht richtig schreiben, nicht argumentieren usw.
Und immer mehr Priester, die mit der deutschen Sprache ringen oder gar nur was vorlesen – und das kaum verständlich – weil sie aus Polen, Indien, Afrika kommen.
Da frägt sich dann halt so mancher, ob es denn dazu eines Zölibats bedürfe.
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#15   Aleph †   00:05:52 | Mittwoch, 13. August 2008
Notfalls der liturgische Eros
Belästigung oder Mißbrauch hat keinen Zusammenhang mit demZölibat, sondern kommt überall vor, wo Männer alleine gelassen werden, sowohl Verheiratete als auch Unverheiratete,
ebenso alle anderen Laster, für die sie nicht den Männern, sondern dem Zölibat die Schuld geben.
Der Zölibat als Idee ist zunächst nicht an Belästigungen und Missbrauch schuld. Aber wenn er zu lange dauert, der Zölibat, könnte er schuld sein?
Wo werden Männer denn allein gelassen? Im Internat? Im Kloster? Im Seminar? In der einsamen Studentenbude?
Nun, im Kloster wird ein Mann vielleicht keinen Ausschlupf finden. Aber die anderen Einrichtungen sind doch durchlässig.
Wer Manns genug ist, wird seine Partnerin /seinen Partner finden. Ein Mann wird nur in Extremsituationen möglicherweise allein gelassen.
Wenn alle Stricke reißen, gibt es ja noch den liturgischen Eros. Der befriedigt vielleicht nicht so wie der real existierende.
Aber ein paar Tage lang, ist er schon zum Aushalten, wenn der Alleingelassene ahnen darf, dass die Befreiung naht…
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#13   Marcelus   20:52:01 | Dienstag, 12. August 2008
@LandorganistII: Belästigung oder Mißbrauch hat keinen Zusammenhang mit dem
Zölibat, sondern kommt überall vor, wo Männer alleine gelassen werden, sowohl Verheiratete als auch Unverheiratete,
ebenso alle anderen Laster, für die sie nicht den Männern, sondern dem Zölibat die Schuld geben.
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#11   Aleph †   19:41:54 | Dienstag, 12. August 2008
Genoveva
Zwar habe ich vom klerikalen Beruf gesprochen, aber die Berufung zum Kleriker gemeint. Mea culpa. :'(
Wenn man die Zulassungsbedinungen zum Priesterberuf nur zähneknirschend akzeptiert – meinen Sie wirklich, dass man unter diesen Umständen andere von seiner Berufung für JX überzeugen kann.
Ich habe da große Zweifel. Persönliche Erfahrungen bestätigen außerdem die großen Zweifel.
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#10   Genoveva   19:01:48 | Dienstag, 12. August 2008
@Sirilo & Aleph
Sirilo, Sie reden wie ein Pharisäer. Jeder, der die „causa Berger“ verfolgt hat, weiß um die Tragik seines Lebenslaufs. Er macht daraus ja auch kein Geheimnis. Das entwertet doch nicht seine theologischen Gedanken.
Aleph, Sie haben das Argument nicht verstanden. Der Zölibat ist für Berger keine „Pflicht“. Er sagt, daß die Kirche aus der großen Zahl derjenigen Menschen, die sich zur Ehelosigkeit um des Himmelsreiches Willen berufen fühlen, ihre Priester auswählt. Das Priestertum ist eben kein Beruf im gewöhnlichen Sinne, für den manch sich – aus welchen Gründen auch immer – entscheidet und anschließend die „Zulassungsbedingungen“ zähneknirschend in Kauf nimmt.
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#9   Aleph †   18:17:27 | Dienstag, 12. August 2008
Schlicht unglaubwürdig
Der Zölibat sei darum nur sinnvoll, wenn er ein Faktor der Verkündigung sei: „Wenn deutlich wird, daß man so lebt, um an Jesus Christus zu erinnern.“
Dem ist grundsätzlich zuzustimmmen. Wenn der Zölibat aber als generelle Verpflichtung missverstanden wird, kann bei den Gläubigen bestimmt nicht rüberkommen, dass der betreffende Priester den zölibatären Weg gewählt, um ganz bewusst an JX zu erinnern.
Die generelle Verpflichtung zum Zölibat lässt diese Freiheitlichkeit, die sich auf das Evangelium gründet (es gibt Menschen, die um des Himmelreiches willen ehelos sind) zumindest ganz massiv vermissen und ist daher in der gängigen Praxis schlicht unglaubwürdig.
Die Zölibatsverpflichtung der gängigen Art ist ein Entréebillett zum klerikalen Beruf. Das kollidiert aber mit der biblischen Auffassung zur Ehelosigkeit.
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#8   semper reformandus   17:49:16 | Dienstag, 12. August 2008
@sirilo
2. Ehe: Er weiß halt, wovon er redet. Es ist gerade umgekehrt: Er trinkt nur Wasser (Ehe) und predigt Wein (Zölibat).
Ostkirche: Es gibt den Zölibat, nur nicht für alle Kleriker bestimmter Weihestufen. Die bestehenden Unterschiede zur römische Kirche haben sich historisch entwickelt. Bekanntlich gibt es auch in der römischen Kirche Ausnahmen. Hat die relativ enge Durchsetzunmg des Zölibatsgedankens der römischen Kirche geschadet? Nein, Sie ist heute die „größte“ und weltweit am meisten „verbreitete“ Kirche. Sie hält den – in Ansätzen auch anderweitig entwickelten – Zölibat am konsequentesten durch und beweist auch dadurch, dass sie am nächsten am Evangelium „dran“ ist.
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#7   Freinsberg   17:49:01 | Dienstag, 12. August 2008
@ Sirilo
Es gibt wohl Angemessenheitsgründe für beides: sowohl für den Zölibat wie für die Priesterehe. Klaus Berger hat nur den Zölibat behandelt; seine Argumentation gefällt mir sehr, auch wenn sie nicht zwingend ist. Vielleicht findet sich ein/e Autor/in, welche/r ähnlich gescheit zugunsten der Priester/innen/ehe schreibt.
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#6   Sirilo   17:39:36 | Dienstag, 12. August 2008
Seltsam –
Herr Berger, der den Zölibat so preist, lebt selbst in 2. Ehe. Ein typisches Beispiel für „Wasch mir den Pelz, aber mach mich nicht nass“ bzw. „Wasser predigen, Wein trinken“.
Wenn all die tollen Dinge über den Zölibat stimmen, warum gilt er dann nicht auch für die ostkirchlich unierten Priester?
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#5   semper reformandus   17:36:25 | Dienstag, 12. August 2008
@Pünktchen
Vielen Dank für den Link!
Überhaupt möchst ich Ihnen auf diesem Wege einmal für Ihre stets klugen Beiträge danken, die sich von zahlreichen Spinnereien in diesem Forum in Form und Inhalt wohltuend abheben. Auch wenn man naturgemäß nicht in allem Details übereinstimmt – Ihre Postings sind von rechtem Glauben und großer Nächstenliebe geprägt und eine echte Bereicherung.
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#4   Genoveva   17:15:22 | Dienstag, 12. August 2008
@Pünktchen:
Auch der Rest des Absatzes sollte zitiert werden:
„Das ist auch eine Frage des Niveaus der Spiritualität und auch der Fähigkeit, mal etwas Theologisches zu denken oder gar darüber zu reden. Das wurde zu wenig gepflegt, trotzdem beneiden uns viele protestantische Freunde darum. Wie mag es erst in deren Herzen aussehen. Der zölibatär lebende Priester ist freigestellt zur glaubwürdigen Demonstration der großen Liebe. Und damit niemand Angst bekommt: Man bemerkt sie nur an Kleinigkeiten, wie jede Liebe.“
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#3   Pünktchen   16:39:23 | Dienstag, 12. August 2008
Und hier geht’s zum
Artikel:
Berger, Klaus:
Die Sehnsucht Jesu nach seiner Braut
Versuch einer Neubegründung des Zölibats
Die Tagespost vom 26.07.2008 www.die-tagespost.de/…iv/titel_anzeige.asp?ID=41588
Berger:
„Meine These: Zölibat ist nur sinnvoll, wenn er ein Faktor der Verkündigung ist. Wenn deutlich wird, dass man so lebt, um an Jesus zu erinnern. Zölibat ist nicht in erster Linie ein asketisches Mittel zur Bekämpfung der Triebe oder eine Verurteilung zu trostloser Einsamkeit mit Pfarrhausbewohnern vor dem Fernseher. Ich meine nicht neue Zwänge, sondern ein ungebrochenes, in sich stimmiges Zeichen.“
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#2   Horst Schimanski   16:06:13 | Dienstag, 12. August 2008
Merwürdig, ja
Ist das so wie mit Landorganisten, die gegen die Lehre der Kirche sind? :-D
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#1   LandorganistII   15:58:28 | Dienstag, 12. August 2008
Ach die kirchliche Sexualmoral
ist schon bedenkenswert. Einerseits wird die Heterosexualität, ausgelebt in der Ehe, mit Ziel der Familengründung propagiert und als göttliche Ordnung hingestellt, andererseits wird genau das den kirchl. Amtsträgern verboten. Merkwürdig.
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