Requiem
Sterben im Alten Ritus
Am 3. Januar 2005 verschied der Landwirt Allen Cain im Alter von 89 Jahren. Er war ein einfacher Mensch und eine gute Seele. Auf seinem Familienbetrieb im Mittleren Westen der USA hatte er zwölf Kinder großgezogen. In seinem Leben machte er nur einen großen Fehler. Auf dem Sterbebett wünschte er sich, im katholischen Ritus seiner Väter begraben zu werden.
(kreuz.net, Murdock) Als die Feldarbeit dem alten Bauern aufgrund seines fortgeschrittenen Alters zu beschwerlich wurde, beschäftigte er sich damit, Rosenkränze herzustellen. Er war Mitglied der Vereinigung der „Rosenkranzmacher unserer Lieben Frau“. Schon lange hat er sich zum Ziel gesetzt, für jeden Tag seines Lebens einen Rosenkranz herzustellen.

In der Regel sah man den alten Bauern beim Lesen eines frommen Buches, beim Beten oder beim Herstellen eines Rosenkranzes.

Bauer Cain wurde nie, was man heute einen Traditionalisten nennt. Er lebte einfach seinen Glauben, wie er ihn von den Schwestern und dem Priester seiner Kindheit vor über achtzig Jahren gelernt hatte.

Zwölf Kinder hatte er aufgezogen und niemand weiß, wie viele Truthähne. Tausende von Kilometern Zaun hatte er für sein Vieh gezogen. Dann starb er so, wie er gelebt hatte, ohne viel Aufsehen zu erregen. Bis zum Schluß stellte er keine Ansprüche. Nur einen letzten Wunsch sprach er aus: „Begrabt mich auf die alte Weise mit der alten Lateinischen Messe, die ich lieben lernte, als ich ein Kind war.“

Einen Tag nach dem Tod seines Vaters rief sein Sohn Colin – selber Mitglied des Pfarreirates seiner Wohngemeinde – den Pfarrer an und informierte ihn über den letzten Wunsch seines Vaters. Der Priester hatte mit der Anfrage keine Probleme. Man müsse aber dafür auch die Erlaubnis des hochwürdigsten Herrn Diözesanbischofs, Mons. John C. Nienstedt, des Bischofs von New Ulm, einholen.

Man telefonierte mit dem Generalvikar und bat, mit dem Herrn Bischof sprechen zu dürfen. Der Bischof sei auf Einkehrtagen, kam die Antwort. Ob vielleicht der Generalvikar das Anliegen des Verstorbenen bewilligen könnte? Der Generalvikar war sehr freundlich, erklärte aber, daß solche Anliegen in der Diözese New Ulm nicht erlaubt würden. „Aber“ – meinte der Sohn des Verstorbenen – „der Pfarrer hat seine Einwilligung schon erteilt, und wir haben zwei Priester gefunden, die bereit sind, das Requiem zu zelebrieren.“ Der Generalvikar hielt inne und versprach, den Bischof zu informieren: „Der Bischof wird sich mit euch in Kontakt setzen.“

Die Trauerfamilie wartete, aber der hochwürdigste Herr telefonierte nicht. Man setzte sich erneut mit der Bischöflichen Kanzlei in Verbindung. Dieses Mal erklärte der Generalvikar: „Der Bischof hat nein gesagt.“

„Dürfen wir den Grund wissen?“

„Der Bischof hat keinen Grund genannt, aber er erlaubt es grundsätzlich nicht, ein Tridentinisches Requiem zu zelebrieren.“

Man begann Briefe zu schreiben, bat und flehte den Bischof an, den letzten Willen ihres sterbenden Vaters zu achten.

Die Schwiegertochter Jane schrieb dem Bischof. Die Enkelin Maria schrieb dem Bischof. Die Tochter Catherine schrieb dem Bischof. Catherines Arbeitskollegin schrieb dem Bischof. Noch eine Arbeitskollegin von Catherine schrieb dem Bischof. Die Tochter Patricia schrieb dem Bischof. Tochter Anna schrieb dem Bischof. Die jüngste Tochter Shannon schrieb dem Bischof und telefonierte sogar mit dem Generalvikar. Viele Freunde schrieben dem Bischof und noch mehr Personen telefonierten mit der Bischöflichen Kanzlei. Es gab keine Antworten.

So verging die Zeit und die Bauern mußten sich damit abfinden, eine Beerdigung ohne Requiem zu organisieren. Die Familie beschloß, den letzten Willen ihres alten Vaters, der sein Leben lang ein treuer und einfacher Katholiken gewesen war, zu respektieren. Der alte Mann wurde ohne Messe beerdigt.

Bauer Cain lag schon lange auf dem Friedhof, als für ihn endlich ein Tridentinisches Requiem gehalten wurde. Mehr konnte die Familie für ihren verstorbenen Vater nicht tun.

Jane, die Tochter des Bauern, hatte in einem Brief an Bischof Nienstedt ausgeführt, daß es in den alten Tagen nur zwei mögliche Gründe gab, daß der Leichnam bei einer Totenmesse nicht anwesend war: wenn die Person auf dem Schlachtfeld gefallen oder auf hoher See ertrunken war.

Der alte Bauer war in einem Krankenhausbett verschieden.

Nach langem Warten, erhielt Jane vom hohen Herrn im Bischofshaus eine Antwort. Erstens gäbe es unweit seines Bistums, in der Erzdiözese St. Paul Minneapolis, eine alte Messe. Und zweitens würde die Bitte des alten Bauern auf dem Totenbett die Messe in eine „private Andachtsübung“ verwandeln. Das wäre ganz und gar falsch und der Theologie der Katholischen Kirche diametral entgegengesetzt.
      
2 Lesermeinungen
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#2   Vetter Taferl   17:58:26 | Freitag, 4. März 2005
@GerdEric
Ihr Beitrag ist ein Schuß ins Schwarze! Ihre Beiträge sind überhaupt sehr erfrischend, auch wenn ich nicht immer zustimmen kann. Schade, dass Midshipman Casey nicht mehr mitpostet.
Frau Taferl
PS: Übrigens danke, dass Sie beim Artikelforum „Worte und Wirklichkeit“ uns ein bisschen unterstützten, obwohl Ihre Ansichten unseren wahrscheinlich diametral entgegen stehen.
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#1   GerdEric   17:42:28 | Freitag, 4. März 2005
Hmmmmm
und da erzählen Christen,
Jesus hätte gesagt,
der „Feiertag“ sein für den Menschen gemacht…
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