09:38:03 | Dienstag, 19. August 2008
Das bekannte, altgläubige Benediktinerkloster in Le Barroux scheint schon länger massiven Veränderungen unterworfen zu sein.

Altrituelle Priesterweihe in Le Barroux.
(kreuz.net) Kürzlich äußerte sich der Straßburger Kirchengeschichtler Luc Perrin in der Yahoo-Gruppe
‘CTNGreg –- Catholic Tradition Network: Gregorian/Tridentine’ zu den liturgischen Entwicklungen in der
französischen Benediktinerabtei Le Barroux.
Zunächst erinnert Perrin an die lange und komplizierte
Geschichte der Abtei:
„Der Gründer von Le Barroux,
Dom Gérard Calvet, der im Februar 2008 starb, war
ein Benediktiner der Abtei Madiran/Tournay in Südwestfrankreich. In den 60er Jahren wuchs seine Unzufriedenheit
mit den »Reformen« in seiner Abtei.“
Requiem für Dom Gérard

© Abbaye Barroux

© Abbaye Barroux

© Abbaye
Barroux

© Abbaye Barroux

© Abbaye Barroux

© Abbaye Barroux

© Abbaye Barroux

© Abbaye Barroux

© Abbaye
Barroux
Mit der Zustimmung seines Abtes zog er deshalb als Einsiedler in den Weiler Bédoin. Dort schlossen
sich ihm einige junge Männer an.
Die Gruppe zog später nach Le Barroux und begann dort mit der Errichtung
eines neuen Klosters.
Von 1974 bis 1988 stand die Gemeinschaft im Kontakt mit der Priesterbruderschaft
Sankt Pius X. Erzbischof Marcel Lefebvre weihte die ersten Priester der Gemeinschaft.
Mit den Bischofsweihen
des Jahres 1988 wandte sich die Mönchsgemeinschaft jedoch von Mons. Lefebvre ab und Rom zu.
Schon ein
Jahr später wurde Dom Gérard von Paul Augustin Kardinal Mayer (97) zum Abt von Sainte-Madeleine du Barroux
geweiht.
Für die Piusbruderschaft war das ein Verrat, und Dom Gérard galt ihr als Abtrünniger. Als
er Jahre später sogar mit Papst Johannes Paul II. konzelebrierte, war das für die Lefebvristen der klare
Beweis dafür.
Zur Anpassung gezwungenDoch Perrin betont, daß Dom Gérard seine tiefe Verbundenheit
mit dem Alten Ritus und der Tradition nie aufgegeben hat: „Aber Le Barroux ist in Frankreich und nicht
in den USA“.
Angesichts der zahlreichen Berufungen bemühte er sich verzweifelt um einen Ort für eine
Neugründung. Jahrelang hoffte er, ein Tochterkloster im Elsaß errichten zu können: „Aber im Jahr 1997
lehnte der neue Erzbischof von Straßburg kategorisch ab.“
Perrin glaubt, daß diese Erfahrung Dom Gérard
verstärkt dazu führte, sich der französischen Kirche anzunähern.
Seine Bemühungen fruchteten: Im
Jahr 2002 erhielt er grünes Licht für die Errichtung eines Priorates: „Ein ziemlich junger Mönch namens
Louis-Marie de Geyer d’Orth wurde zum Prior ernannt.“
Im Jahr 2003 wurde Pater Louis-Marie schließlich
Nachfolger des kranken Dom Gérard und neuer Abt von Le Barroux.
Der Mann im HintergrundDer neue Abt
steht nach Angaben von Perrin unter starkem Einfluß von Pater Basile Valuet, der zur Gemeinschaft von
Le Barroux gehört. Pater Valuet hat in Rom promoviert.
Er beschäftigte sich in seiner Doktorarbeit
mit der Frage, ob dogmatische Aussagen des Zweiten Vatikanums im Widerspruch zum vorausgehenden Lehramt
stehen.
Der Pater studierte das Problem an der kontroversen Frage der Religionsfreiheit.
„Er kam zur –
unerwarteten – Feststellung, daß ‘Dignitatis humanae’ und der Syllabus von Pius IX. vollkommen übereinstimmen –
während sie für jeden anderen in offensichtlichem Gegensatz stehen.“
Priesterweihe in Le Barroux

©
Benediktiner in Le Barroux

© Benediktiner in Le Barroux

© Benediktiner in Le Barroux

© Benediktiner in
Le Barroux

© Benediktiner in Le Barroux

© Benediktiner in Le Barroux

© Benediktiner in Le Barroux

© Benediktiner
in Le Barroux

© Benediktiner in Le Barroux

© Benediktiner in Le Barroux
Ideologie der KontinuitätDavon
ausgehend entwickelte Pater Valuet nach Angaben von Perrin die Vorstellung einer „absoluten, rigorosen
»Kontinuität« zwischen dem Wort des Zweiten Vatikanums und der vorausgehenden Dokumente des Lehramtes.“
„Es ist leicht zu verstehen, wohin diese unkritische Blickweise führt: Man verbietet jede Kritik am
Zweiten Vatikanum und an den folgenden Reformen und pastoralen Entscheidungen“ – so Perrin:
„So wird
man langsam ein »Paul VI.-Integrist« und bemüht sich immer weniger, die Tradition zu fördern.“
Der
gegenwärtige Abt von Le Barroux ist nach Angaben von Perrin der Theorie einer „absoluten Kontinuität“
viel gewogener als sein Vorgänger.
Darum hat er keine Probleme, mit anderen Benediktineräbten zu konzelebrieren.
Mönche von Le Barroux werden – so Perrin – auch gebeten, bei Novus-Ordo-Messen durchreisender Priester
zu ministrieren. Einige Mönche von Le Barroux haben außerhalb des Klosters im Neuen Ritus zelebriert.
Perrin ist sich nicht sicher, ob der Abt von Le Barroux genau weiß, wohin er sein Kloster führen will.
Suche nach der Liturgie der Zukunft?Er erinnert aber an ein Treffen, das im Jahr 2001 im altgläubigen
Benediktinerkloster Fontgombault stattfand. Dabei wurde die Ausarbeitung eines vereinigten Römischen
Ritus besprochen, der eine Mischung aus der Alten Liturgie und dem Novus Ordo sein sollte, wobei der Alte
Ritus das Grundgerüst liefern sollte.
Perrin vermutet in diesem Kontext, daß Le Barroux bestrebt ist,
die alte Liturgie des Klosters „weiterzuentwickeln“ und so eine Liturgie hervorzubringen, die als Grundlage
für ein „verbessertes“ Missale dienen könnte, das für die ganze Kirche promulgiert werden könnte.
Doch dieses Ziel hat zum
Auszug einer Gruppe von Mönchen – unter ihnen der erste Weggefährte von Dom
Gérard – aus Le Barroux geführt.
Diese Gruppe ist der Auffassung, daß es Sache des Novus Ordo wäre,
sich in Richtung der klassischen Liturgie zu bewegen – und nicht umgekehrt.
Für Perrin ist der Weggang
dieser Gruppe ein „glasklarer Hinweis“, daß in dem Kloster eine Transformation im Gange ist.
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