Alte Messe
Was ist los in Le Barroux?
Das bekannte, altgläubige Benediktinerkloster in Le Barroux scheint schon länger massiven Veränderungen unterworfen zu sein.
Altrituelle Priesterweihe in Le Barroux.
Altrituelle Priesterweihe in Le Barroux.
(kreuz.net) Kürzlich äußerte sich der Straßburger Kirchengeschichtler Luc Perrin in der Yahoo-Gruppe ‘CTNGreg –- Catholic Tradition Network: Gregorian/Tridentine’ zu den liturgischen Entwicklungen in der französischen Benediktinerabtei Le Barroux.

Zunächst erinnert Perrin an die lange und komplizierte Geschichte der Abtei:

„Der Gründer von Le Barroux, Dom Gérard Calvet, der im Februar 2008 starb, war ein Benediktiner der Abtei Madiran/Tournay in Südwestfrankreich. In den 60er Jahren wuchs seine Unzufriedenheit mit den »Reformen« in seiner Abtei.“

Requiem für Dom Gérard

Mit der Zustimmung seines Abtes zog er deshalb als Einsiedler in den Weiler Bédoin. Dort schlossen sich ihm einige junge Männer an.

Die Gruppe zog später nach Le Barroux und begann dort mit der Errichtung eines neuen Klosters.

Von 1974 bis 1988 stand die Gemeinschaft im Kontakt mit der Priesterbruderschaft Sankt Pius X. Erzbischof Marcel Lefebvre weihte die ersten Priester der Gemeinschaft.

Mit den Bischofsweihen des Jahres 1988 wandte sich die Mönchsgemeinschaft jedoch von Mons. Lefebvre ab und Rom zu.

Schon ein Jahr später wurde Dom Gérard von Paul Augustin Kardinal Mayer (97) zum Abt von Sainte-Madeleine du Barroux geweiht.

Für die Piusbruderschaft war das ein Verrat, und Dom Gérard galt ihr als Abtrünniger. Als er Jahre später sogar mit Papst Johannes Paul II. konzelebrierte, war das für die Lefebvristen der klare Beweis dafür.

Zur Anpassung gezwungen

Doch Perrin betont, daß Dom Gérard seine tiefe Verbundenheit mit dem Alten Ritus und der Tradition nie aufgegeben hat: „Aber Le Barroux ist in Frankreich und nicht in den USA“.

Angesichts der zahlreichen Berufungen bemühte er sich verzweifelt um einen Ort für eine Neugründung. Jahrelang hoffte er, ein Tochterkloster im Elsaß errichten zu können: „Aber im Jahr 1997 lehnte der neue Erzbischof von Straßburg kategorisch ab.“

Perrin glaubt, daß diese Erfahrung Dom Gérard verstärkt dazu führte, sich der französischen Kirche anzunähern.

Seine Bemühungen fruchteten: Im Jahr 2002 erhielt er grünes Licht für die Errichtung eines Priorates: „Ein ziemlich junger Mönch namens Louis-Marie de Geyer d’Orth wurde zum Prior ernannt.“

Im Jahr 2003 wurde Pater Louis-Marie schließlich Nachfolger des kranken Dom Gérard und neuer Abt von Le Barroux.

Der Mann im Hintergrund

Der neue Abt steht nach Angaben von Perrin unter starkem Einfluß von Pater Basile Valuet, der zur Gemeinschaft von Le Barroux gehört. Pater Valuet hat in Rom promoviert.

Er beschäftigte sich in seiner Doktorarbeit mit der Frage, ob dogmatische Aussagen des Zweiten Vatikanums im Widerspruch zum vorausgehenden Lehramt stehen.

Der Pater studierte das Problem an der kontroversen Frage der Religionsfreiheit.

„Er kam zur – unerwarteten – Feststellung, daß ‘Dignitatis humanae’ und der Syllabus von Pius IX. vollkommen übereinstimmen – während sie für jeden anderen in offensichtlichem Gegensatz stehen.“

Priesterweihe in Le Barroux

Ideologie der Kontinuität

Davon ausgehend entwickelte Pater Valuet nach Angaben von Perrin die Vorstellung einer „absoluten, rigorosen »Kontinuität« zwischen dem Wort des Zweiten Vatikanums und der vorausgehenden Dokumente des Lehramtes.“

„Es ist leicht zu verstehen, wohin diese unkritische Blickweise führt: Man verbietet jede Kritik am Zweiten Vatikanum und an den folgenden Reformen und pastoralen Entscheidungen“ – so Perrin:

„So wird man langsam ein »Paul VI.-Integrist« und bemüht sich immer weniger, die Tradition zu fördern.“

Der gegenwärtige Abt von Le Barroux ist nach Angaben von Perrin der Theorie einer „absoluten Kontinuität“ viel gewogener als sein Vorgänger.

Darum hat er keine Probleme, mit anderen Benediktineräbten zu konzelebrieren.

Mönche von Le Barroux werden – so Perrin – auch gebeten, bei Novus-Ordo-Messen durchreisender Priester zu ministrieren. Einige Mönche von Le Barroux haben außerhalb des Klosters im Neuen Ritus zelebriert.

Perrin ist sich nicht sicher, ob der Abt von Le Barroux genau weiß, wohin er sein Kloster führen will.

Suche nach der Liturgie der Zukunft?

Er erinnert aber an ein Treffen, das im Jahr 2001 im altgläubigen Benediktinerkloster Fontgombault stattfand. Dabei wurde die Ausarbeitung eines vereinigten Römischen Ritus besprochen, der eine Mischung aus der Alten Liturgie und dem Novus Ordo sein sollte, wobei der Alte Ritus das Grundgerüst liefern sollte.

Perrin vermutet in diesem Kontext, daß Le Barroux bestrebt ist, die alte Liturgie des Klosters „weiterzuentwickeln“ und so eine Liturgie hervorzubringen, die als Grundlage für ein „verbessertes“ Missale dienen könnte, das für die ganze Kirche promulgiert werden könnte.

Doch dieses Ziel hat zum Auszug einer Gruppe von Mönchen – unter ihnen der erste Weggefährte von Dom Gérard – aus Le Barroux geführt.

Diese Gruppe ist der Auffassung, daß es Sache des Novus Ordo wäre, sich in Richtung der klassischen Liturgie zu bewegen – und nicht umgekehrt.

Für Perrin ist der Weggang dieser Gruppe ein „glasklarer Hinweis“, daß in dem Kloster eine Transformation im Gange ist.
      
17 Lesermeinungen
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#17   LandorganistII   14:56:11 | Donnerstag, 21. August 2008
Werter Herr Doktor!!
Sie haben es schon geschrieben? Ach!? Ich hätte gern ein Exemplar. Wo und wie komme ich an selbiges?
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#16   Dr. Christoph Heger   12:20:11 | Donnerstag, 21. August 2008
@LandorganistII: Nicht mehr nötig.
Ein solches Buch muß nicht mehr geschrieben werden.
Und für die allgemeine Erheiterung reichen Ihre Nullsätze.
MfG
Christoph Heger
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#15   LandorganistII   11:24:41 | Donnerstag, 21. August 2008
Lieber Herr Doktor!
Wie wäre es, wenn Sie mal ein Buch schreiben täten, über Ihre interessanten Rechtsansichten? Ein Platz auf den vorderen Plätzen der Rankings wäre Ihnen sicher, schon aufgrund der dadurch verursachten allgemeinen Erheiterung.
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#14   Dr. Christoph Heger   16:14:30 | Mittwoch, 20. August 2008
@No Comment: Danke für Ihre Bemühungen!
Dignitatis (1965) und Syllabus (1864) stimmen nicht „vollkommen“ überein, sondern nur in ihrer Katholizität;
Was soll das denn heißen? Sie stimmen also zugegebenermaßen in ihren Aussagen nicht überein. Sonst müßte man ja auch nicht die folgenden Überlegungen anstellen:
das ranghöhere Dokument ist DH, weil der Syll. ja nur eine Liste als „Anhang“ zu Quanta cura war.
Das mag ja sein (oder auch nicht). Jedenfalls ist zweierlei unbestreitbar:
1. Die Lehre von DH ist logisch leer, weil sie versäumt zu definieren, was denn eine Religion sei, daß sie auf das ihr zuerkannte ungeheure Privileg Anspruch erheben darf.
2. Wenn man von diesem Mangel absieht, bleibt sachlich zutreffend, daß sie eine Neuerung ist, die in der beständigen Lehre der Kirche in der Vergangenheit nicht nachweisbar ist.
Die „Tradi“ blenden schon immer, schon als das Ding erschien, die Stoßrichtung aus, die die Enzyklika (!) vorgab: Deshalb belobigte Pius IX. die Interpretation, die Dupanloup gab.
Unerheblich.
Was halten Sie übrigens von k.n Unwort des Jahres? „P VI-Integrist“? Wer soll das denn sein? Andreotti? Zum Schieflachen!!
Das fragen Sie besser den, der dieses Wort aufgebracht hat. Ich kann dazu nichts sagen.
MfG
Christoph Heger
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#13   Benedikt   11:01:36 | Mittwoch, 20. August 2008
@ No Comment
Völlig korrekt.
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#12   No Comment   14:24:57 | Dienstag, 19. August 2008
@Hegerl
Dignitatis (1965) und Syllabus (1864) stimmen nicht „vollkommen“ überein, sondern nur in ihrer Katholizität; das ranghöhere Dokument ist DH, weil der Syll. ja nur eine Liste als „Anhang“ zu Quanta cura war. Die „Tradi“ blenden schon immer, schon als das Ding erschien, die Stoßrichtung aus, die die Enzyklika (!) vorgab: Deshalb belobigte Pius IX. die Interpretation, die Dupanloup gab.
Was halten Sie übrigens von k.n Unwort des Jahres? „P VI-Integrist“? Wer soll das denn sein? Andreotti? Zum Schieflachen!!
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#11   cantate   12:45:05 | Dienstag, 19. August 2008
Dass +.net eine Sekten-Homepage ist,
wird mit diesem Artikel mal wieder bestätigt.
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#10   HeinrichvonOfterdingen   12:23:29 | Dienstag, 19. August 2008
Lieber St.Georg,
Muß ja ein helles Köpfchen sein, dieser Pater…von jemandem im ständigen intellektuellen halbschatten kaum zu begreifen, gell…
… der betreibt Theologie halt nach dem Palmström-Motto, dass nicht sein kann was nicht sein darf.
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#9   Dr. Christoph Heger   11:55:44 | Dienstag, 19. August 2008
Neue Volte der Theologie begreiflich zu machen?
Der Geistesakrobat „st.georg“ ist nach eigenem Bekunden in der Lage zu begreifen, daß ‘Dignitatis humanae’ und der Syllabus von Pius IX. vollkommen übereinstimmen.
Ist er vielleicht auch in der Lage, gewöhnlichen Sterblichen, die nur geradeaus zu denken vermögen, diese neue Volte der Theologie begreiflich zu machen?
MfG
Christoph Heger
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#8   Brandenburgis   10:49:05 | Dienstag, 19. August 2008
@St. „Georg“
Ja, tatsächlich, fällt mir beim Lesen Ihrer postings auch immer ein :-D :-D :-D
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#7   st.georg   10:40:48 | Dienstag, 19. August 2008
@brandenburgis
Muß ja ein helles Köpfchen sein, dieser Pater…von jemandem im ständigen intellektuellen halbschatten kaum zu begreifen, gell… ;-)
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#6   Brandenburgis   10:37:56 | Dienstag, 19. August 2008
„Er kam zur – unerwarteten – Feststellung,
daß ‘Dignitatis humanae’ und der Syllabus von Pius IX. vollkommen übereinstimmen – während sie für jeden anderen in offensichtlichem Gegensatz stehen.“
Muß ja ein helles Köpfchen sein, dieser Pater …
:-D :-D :-D :-D
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#5   st.georg   10:37:47 | Dienstag, 19. August 2008
googeln…
…hilft ( manchmal ) : ein fast identisches thema ( biritualismus in le barroux) gab es hier auf piussekten.net schon im november 2006!… :-[ wieder mal ne aktuelle!meldung aus der halbgebildeten altrituellen welt…
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#4   LandorganistII   10:31:30 | Dienstag, 19. August 2008
Also da geht einem ja die Mitra hoch!
Dieser Artikel ist an Polemik nicht zu überbieten. Wieso bitte sollte der Abt Probleme haben, mit anderen Mitbrüdern zu konzelebrieren? Das ist ja wohl ein Witz. Fest steht: Das Kloster steht fest in der Tradition und ist fest verwurzelt in einen heiligen römisch-kath. Kirche. Und das ist auch gut so!
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#3   r.ruhrgebietler   10:27:49 | Dienstag, 19. August 2008
die Frage ist einfach beantwortet!
Er beschäftigte sich in seiner Doktorarbeit mit der Frage, ob dogmatische Aussagen des Zweiten Vatikanums im Widerspruch zum vorausgehenden Lehramt stehen.
Ist alles innert des V-II nur und auf Gott gerichtet, dann ist die Promotion schon beendet. Leider ist es mit dem V-II aber so, daß es eher auf Profilneurosen und narzistischem Verhalten ausgerichtet ist. Und damit klar gegen Jesus Christus. Das einzige was noch innert der rkK weiterentwickelt werden kann ist die trid. Liturgie hin zu noch mehr Anbetung und Verherrlichung und Ehrfurcht bei der Zelebration! Doch genau das scheint im V-II mit Stumpf und Stil ausgemerzt worden zu sein. Im V-II wird gefeiert statt zelebriert… das sagt schon alles!
Das Thema der „Religionsfreiheit“ haben die Päpste hinlängst erklärt: nur die hlg. röm.-kath. Kirche führt zur ewigen Anschauung Gottes! Und damit ist klar: es gibt NUR EINE RELIGION – der Rest ist Irrglaube!
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#2   st.georg   10:21:02 | Dienstag, 19. August 2008
was ist los in le barroux?
nichts,…ein vorbildliches römisch!-katholisches kloster…
und wann hört man hier endlich auf, riten- zu glaubensfragen zu machen und daraus einen rituellen kleinkrieg zu basteln ? er konzelebriert mit anderen äbten …ja und??? ist doch wohl selbstverständlich!
ein theologe stellt die kontinuität der katholischen glaubenslehre fest!…ja und??? ist doch wohl auch eine selbstverständlichkeit…
nur sektenmitglieder, die ausserhalb der kirche stehen, können daran anstoss nehemen!
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#1   Gotthard   09:45:42 | Dienstag, 19. August 2008
Konzelebaration
Darum hat er keine Probleme, mit anderen Benediktineräbten zu konzelebrieren.
Probleme haben auch nur Sektenmitglieder … dieser Abt ist ein wirklich katholischer Mann und Priester, der sich mit seinen Mitbrüdern im Weiheamt verbunden weiß.
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