Muselmanen
Nachdenklich und aufgeklärt?
Seit der sogenannten Aufklärung wurde das Christentum erfolgreich entmythologisiert und verweltlicht. Jetzt versuchen Orientalisten, den Islam in der gleichen Säure zu baden.
Orientalisches Manuskript aus 1315: Mohammed reinigt die Kaaba und widmet sie um.
Orientalisches Manuskript aus 1315: Mohammed reinigt die Kaaba und widmet sie um.
(kreuz.net) Am 12. August berichtete der bekannte deutsche Islam-Forscher Hans-Peter Raddatz (66) in der Tageszeitung ‘Kölner-Stadtanzeiger’ von zwei neuen Büchern über den Religionsgründer Mohammed.

Die beiden Werke stammen von dem bekannten Orientalisten Tilman Nagel (66), der bis letztes Jahr in Göttingen lehrte.

Die beiden Bücher sind „Allahs Liebling. Ursprung und Erscheinungsformen des Mohammedglaubens“ (430 Seiten) und „Mohammed. Leben und Legende“ (1052 Seiten). Beide sind im ‘Oldenbourg Verlag’ erschienen.

In „Leben und Legende“ stellt Nagel die verwickelten Abläufe des frühen Islam dar.

Mohammed hat eine Vision der Hölle
Mohammed hat eine Vision der Hölle
Raddatz dazu: „Sie machen die vitale Wechselwirkung Mohammeds mit seiner Umgebung deutlich, deren Reaktionen ihm »offenbarten«, in welcher Weise die Eingebungen Allahs in den geistigen beziehungsweise sozialen Rahmen seiner Zeit paßten oder ihm anzupassen waren.“

Das Buch „Allahs Liebling“ zeigt nach Raddatz, daß die Gestalt Mohammeds sich seit 1200 vom trefflichen Propheten bis hin zur mystisch-gnostisch anmutenden Lichtgestalt verklärte.

Dadurch sei sogar die Strahlkraft Allahs verblaßt.

Raddatz: „Es ist der tiefe Glaube an die Heilswirksamkeit des Verkünders, der sich zwar als einfachen Menschen bezeichnete, aber zum gottgleichen Übermenschen hochstilisiert wurde“.

Das mache es dem Moslem schwer, die Wahrheit des Islam, die sich in Koran und Tradition unabweisbar gegen den Nicht-Islam definiert, „zu relativieren“.

Nagel lehnt Interpretationen ab, die Mohammed anonymisieren .

Dafür zeigt er, wie Allah seinem angeblichen Propheten „Korrekturen“ herabsandte, als bezüglich der Juden und Frauen Klärungsbedarf entstanden war und wie die islamische Expansion die Auslegung des Korans beeinflußte.

Nagel arbeitet auch den Werdeprozeß der Gestalt Mohammeds heraus.

Dieser fügte das Hanifentum – den altarabischen Eingottglauben – in seine Umgebung ein und verunsicherte die herrschende Klasse Mekkas und deren polytheistischen Kultbetrieb.

Die zentralen Begriffe des Islam erklärt Nagel nicht theologisch, sondern als in der Frühzeit verwurzelte Grundlagen religionspolitischer Existenz.

Er weist auch auf eine Verklärung Mohammeds hin. Diese habe schließlich sogar Gott selber dazu gezwungen, den Gesandten als seinen Meister anzubeten.

Raddatz: „Er, der die Welt fortwährend neu schöpft, kann dies nur durch den »Gipfel des Absoluten« erwirken, durch den Gegenwartspunkt namens Mohammed“.

In den Worten Nagels: „Ohne Mohammed wäre Allah nicht Allah.“

Damit wird ein Widerspruch nachgewiesen: „Der Islam verletzt seine Prinzipien, indem er das Christentum als »Beigesellung« verwirft, um sich dieses Muster selbst anzueignen.“

Mit dem Begriff „Beigesellung“ beschreibt der Islam das Verhältnis Christi zum Vater.

Dagegen würden „nachdenkliche“ Muslime davor warnen, daß sich in Mohammed nicht nur ein Übermensch, sondern ein Übergott inkarniere, der dazu verleitet, den Koran zur Überhöhung von Menschenmacht zu mißbrauchen.

Für „aufgeklärte“ Muslime besteht Mohammeds Vorbild – ähnlich wie beim Jesus-Bild der Aufklärung – „im historischen Genius, der den zivilisatorischen Fortschritt der vorislamischen Gesellschaft Arabiens bewirkte.“
      
7 Lesermeinungen
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#7   Lutheraner   15:48:17 | Freitag, 22. August 2008
Alois Bischof
In einem täuschen Sie sich. Isaak Newton war Christ.
www.welt.de/…uer_2060_voraus.html
Trotzdem war er ein genialer Naturwissenschaftlicher.
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#6   Samhain   14:08:00 | Freitag, 22. August 2008
Aufklärung & Zins
Da hat Herr Alois Bischof ja tatsächlich mal recht: Aufklärung ist ein mißratenes Kind des Christentums, das viel Leid und Unheil brachte. Daher bleibt mir der krit. Beitrag von „clarissa colonias“ fremd, während er insofern recht hat, daß der Text mit Entmythologisierung im eigentlichen Sinn nichts zu tun.
Die Zinsen sind keine Frucht der Aufklärung, sondern waren bereits in der Antike allgemein verbreitet – mit satten 100 %. Erst das Christentum hat solchen Wucher als problematisch bzw. sündhaft zurückgedrängt.
Freundl. Gruß, Samhain
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#5   Gotthard   23:11:15 | Donnerstag, 21. August 2008
@alois bischof
Ich hoffe, Du dankst jeden Tag der Aufklärung für die Einführung der „Bänkersysteme“.
Ohne Aufklärung würdest Du sonst keine Zinsen bei der Bank bekommen…
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#4   Sirilo   22:31:10 | Donnerstag, 21. August 2008
@Alois Bischof:
Wissen Sie, daß Isaak Newton das christliche Trinitätsdogma als häretisch ablehnte? Er dürfte also kein gläubiger Mensch in Ihrem Sinne gewesen sein.
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#3   clarissa colonia   21:34:53 | Donnerstag, 21. August 2008
Schreiben Sie, werter Alois,
jetzt über etwas, wovon Sie Ahnung haben, oder besitzen Sie dazu nur eine Meinung? Sollte letzteres zutreffen, würde ich Sie doch bitten, hart zu sich selbst zu sein, und diese im öffentlichen Interesse für sich zu behalten.
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#2   Alois Bischof   21:30:58 | Donnerstag, 21. August 2008
Die sog. „Aufklärung“
war ein dunkles Zeitalter welches Europa letztendlich nicht nur anfangs den „aufgeklärten Absolutismus“ brachte, sondern auch die Freimaurerei als Machtelite erhob, die Bänkersysteme einführte, und vor allem in den Völkermorden der Französischen und Russischen Revolutionen ihren Ausdruck fand. Aufklärung heißt Laizismus-Indifferentismus-Agnostizismus-Fundamentalismus und manchmal sogar Atheismuswahn. Mit der Wissenschaft hatte sie nichts gemeinsam. Nicht umsonst waren Isaac Newton, Louis Pasteur, Br. Gregor Mendel O.S.A., Niels Bohr usw. gläubige Menschen. Und wurde das Universitätswesen sowie die Astronomie vom Hl. Stuhl und der katholischen Kulturwelt unterstützt und weiterentwickelt. Rousseau, Voltaire und Diderot und ihre Anhänger haben dagegen Universitäten zerstört und das soziale Leben entartet.
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#1   clarissa colonia   19:19:39 | Donnerstag, 21. August 2008
Was dieser Artikel
nun mit Entmythologisierung zu tun haben soll, ist mir doch etwas schleierhaft. Bislang war ich der Auffassung, wenn ich Hautprobleme hätte, wendete ich mich am besten an den Dermatologen; und wenn mein (zugegebenermaßen älteres) Automobil gewisse technische Schwierigkeiten erkennen ließe, sei es sinnvoll, sich an einen Automecheniker(meister) zu wenden. Und wenn ich ein Kamel kaufen wollte, wäre der Kamelhändler dafür sicher kompetent. Aber, wenn es mir um den Glauben ginge (das ist jetzt realis, nicht irrealis – nur für mögliche Mißversteher zur Erläuterung), ginge ich wohl am besten zu einem Theologen. Warum aber sollte ich bei Hautproblemen den Mechaniker, oder in religiösen Fragen den Kamelhändler behelligen?
Und übrigens, hat der/die/das Autor dieses Beitrags überhaupt verstanden, was Rudolf Bultmann mit „Entmythologisierung“ gemeint hat?
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