15:32:59 | Donnerstag, 21. August 2008
Priester, welche die Alte Messe auch nur privat lesen, tauchen in eine neue religiöse Tiefe ein. Dagegen können die Bischöfe rein gar nichts unternehmen.

Die Alte Messe wird zuerst den Priester, der sie zelebriert, bereichern.
(kreuz.net, Paris) Das Motu Proprio ‘Summorum Pontificum’ braucht noch viel Zeit, um eine größere Wirkung
zu entfalten.
Das erklärte Professor Luc Perrin am 31. Juli vor der altgläubigen Webseite ‘
Rorate Caeli’.
Perrin ist Professor für Kirchengeschichte an der Universität Straßburg 2. Er ist Verfasser verschiedener
Bücher und Fachmann in Fragen des Traditionalismus.
Der Historiker erinnert daran, daß die übergroße
Mehrheit der Priester und Bischöfe gegenwärtig im Neuen Ritus ausgebildet wurde:
„Sie betrachten diesen
Ritus als den Ritus schlechthin, als Wiederherstellung einer angeblich frühchristlichen Liturgie und
als die von
dem Konzil gewollte Liturgie – dem einzigen Konzil, das sie kennen oder kennen wollen.“
Perrin
stellt nüchtern fest, daß sie „eine Art Berliner Mauer“ in ihren Köpfen haben. Diese schirmt sie davon
ab, von der römischen liturgischen Tradition beeinflußt zu werden:
„Diese geistige Wand ist extrem
dick und widerstandsfähig.“
Harter Widerstand gegen die Reformen von Benedikt XVI.Daß ‘Summorum Pontificum’
schnell nichts ändern wird, zeigt Perrin anhand des Falschübersetzung von „pro multis“ in den Wandlungsworten
der Messe dar.
Dieser grobe Übersetzungsfehler zieht sich durch zahlreiche
Übersetzungen der Meßtexte.
Im November 2006 versuchte die Liturgiekongregation den Mißstand zu korrigieren. Deren Präfekten, Francis
Kardinal Arinze, befahl allen Bischöfen, den Fehler innerhalb von zwei Jahren zu beheben und die Gläubigen
auf die Korrektur vorzubereiten.
Doch gegen Ende der Zwei-Jahres-Frist ist in den meisten Sprachen noch
nichts geschehen. Das englischsprachige Meßbuch ist zwar korrigiert, jedoch ohne die Gläubigen darauf
vorzubereiten. Daraus folgert Perrin, daß das neuliturgische Establishment mächtig genug ist, um die
Korrektur von zwei Wörtern jahrelang aufzuhalten.
Deshalb habe man auch nicht erwarten können, daß
es innerhalb eines Jahres nach Veröffentlichung von ‘Summorum Pontificum’ für die Alte Messe wesentliche
Veränderungen geben würde.
Doch langfristig werde das Motu Proprio eine zweifache Wirkung entfalten.
Der Status des klassischen römischen Ritus sei so klar geregelt wie nie zuvor. Perrin glaubt, daß das
langfristig die theologischen Fakultäten und Priesterseminare beeinflussen wird.
Ferner würden viele
junge Priester in Europa und Nordamerika privat im Alten Ritus zelebrieren und spirituell davon profitieren.
Frontale Opposition gegen den PapstIm Interview spricht Perrin auch über die „frontale Opposition“
der Bischöfe gegen das Motu Proprio.
Er erinnert an die voneinander abgeschriebenen Ausführungsbestimmungen
der Bischöfe in Deutschland, der Schweiz und in Polen.
In Frankreich sei die Opposition vor dem Motu
Proprio stark gewesen. Danach hätten sich die Bischöfe gehütet, „mißbräuchliche Richtlinien“ zu veröffentlichen.
Doch Perrin berichtet von einer Eindämmungspolitik unter der Führung des Erzbischof von Paris, André
Kardinal Vingt-Trois.
Die Bischöfe versuchten, den Priestern das Recht auf selbstbestimmte Ritenwahl
zu rauben. Sie wollten sich selber vorbehalten, die Feier der Alten Messe zu verbieten oder zu erlauben.
Nach Perrin ist nur eine Minderheit der französischen Bischöfe bereit, das Motu Proprio bereitwillig
umzusetzen.
Der Historiker erwähnt harte Fakten. So wurde im vergangenen Jahr in Frankreich keine einzige
altgläubige Personalpfarrei errichtet.
Kein einziges Seminar unterrichtet die künftigen Priester in
der Feier der Alten Messe.
Nur der Bischof von Fréjus-Toulon, Mons. Dominique Rey, erlaubt einzelnen
interessierten Seminaristen, an privaten Kursen über die Alte Messe teilzunehmen.
In der Erzdiözese
Paris läßt Kardinal Vingt-Trois das kleine Tagungszentrum St. Paul des altgläubigen
Instituts vom Guten
Hirten ohne Regelung in der Luft hängen.
Bisher hat der Kardinal keiner einzigen altgläubigen Gemeinschaft
einen Seelsorgeauftrag erteilt.
Der frühere Vorsitzende der französischen Bischofskonferenz und Erzbischof
von Bordeaux, Jean-Pierre Kardinal Ricard, hat dagegen in seiner Erzdiözese zwei Kapellen der Petrusbruderschaft,
eine des Instituts Christus König und Hohepriester und das Mutterhaus des Instituts vom Guten Hirten.
Verbesserungen für die AltgläubigenNach Angaben von Perrin sind in Frankreich seit dem Motu Proprio
etwa vierzig Meßorte im Alten Ritus dazugekommen.
Dagegen hat sich in Lateinamerika und Afrika – mit
Ausnahme von Brasilien – praktisch nichts bewegt.
Im Gegensatz zu den Kardinälen André Vingt-Trois
von Paris, Karl Lehmann von Mainz und Cormac Murphy O’Connor von London nimmt der Präsident der US-Bischofskonferenz,
Francis Kardinal George von Chicago, eine fortschrittliche Haltung ein und ist offen für den Alten Ritus.
Ein Zeichen dafür ist die Tatsache, daß die Seminaristen von Chicago in den Ritus der Alten Messe eingeführt
werden. Der Kardinal hat ferner eine Schulung für Priester angeboten, an der sogar ein Weihbischof der
Erzdiözese teilnahm.
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