Ab Herbst 2005 soll das St. Pöltener Priesterseminar, das im vergangenen Sommer wegen schwerer homosexueller Umtriebe massiv in die internationalen Schlagzeilen geriet, wieder geöffnet werden. Der neue Bischof erläutert seine Visionen.
(kreuz.net, St. Pölten) Der St. Pöltener Diözesanbischof Klaus Küng erklärte in einem Interview mit
der in Deutschland erscheinenden katholischen Tageszeitung „Die Tagespost“, daß es noch vor Ostern Exerzitien
für alle prinzipiell in sein Priesterseminar aufgenommenen Kandidaten geben werde.
Ab kommendem Herbst
soll der normale Seminarbetrieb wieder anlaufen. Ihm selbst, so Bischof Küng im Interview, sei das Priesterseminar
sehr wichtig. Deshalb habe er sich vorgenommen, einen regelmäßigen Kontakt mit seinen Priesterstudenten
aufrechtzuerhalten.
Auf die Frage, wie der Priestermangel überwunden werden könne, meinte Bischof Küng,
daß vermehrt Schritte gesetzt werden müßten, um die Jugendlichen mit ihrer persönlichen Berufung zu
konfrontieren. Der Oberhirte von St. Pölten wies darauf hin, daß in einer Zeit, die mit dem Priestermangel
zu kämpfen hat, ein besonderes Augenmerk auf die Auswahl der Priesteramtskandidaten gelegt werden müsse.
Es habe sich als Irrtum erwiesen, die Anforderungen an junge Männer herabzusetzen. Wörtlich erklärte
der St. Pöltener Diözesanbischof: „Das Christentum hat mit wenigen begonnen.“
Bischof Küng wies darauf
hin, daß unsere Zeit Heilige brauche, seien sie verheiratet oder unverheiratet. Besonders benötige die
Kirche heiligmäßige Priester. Diese seien für den Aufbau der Kirche unerläßlich.
In dem Gespräch
verwies Bischof Küng auf die Anweisungen, die Papst Johannes Paul II. vor kurzem für die Aufnahme von
Priesterkandidaten gegeben hat. Der Heilige Vater fordere, daß die Eignung zum zölibatären Leben bereits
bei der Aufnahme in ein Priesterseminar untersucht werden müsse. Bischof Küng will deshalb mit den Priesterkandidaten
intensive Gespräche führen, bei denen die Vorgeschichte und das Umfeld der Priesterstudenten bedacht
werden müßten. Zukünftige Priester müßten sowohl körperlich als auch seelisch gesund und belastbar
sein, manchmal sei dafür auch eine fachärztliche Analyse nötig.
Zum Problem der Homosexualität erklärte
Bischof Küng, daß der Zölibat einen Verzicht auf die Ehe bedeute und daher die Heterosexualität voraussetze.
Es sei kirchliche Praxis, eine homosexuelle Geneigtheit als Weihehindernis anzusehen. Gleichzeitig unterstrich
er, daß auch homosexuelle Menschen wertvoll seien. Die kirchliche Regel, homosexuelle Menschen vom Priesteramt
auszuschließen, sei allerdings gut begründet.
Ein Abgehen von dieser Praxis würde unter Umständen
zu einer tiefgreifenden Unterminierung des Zölibats führen oder andere schwere Gefährdungen mit sich
bringen.
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