Protestantismus
Leeres Heruminterpretieren
Wenn Kirchenvertreter sprechen, die gerne Politiker geworden wären, dann bleiben von Religion meist nur noch ein paar schale, hohle Worte übrig.
Der Ratsvorsitzende der 'Evangelischen Kirche in Deutschland', Wolfgang Huber
Der Ratsvorsitzende der ‘Evangelischen Kirche in Deutschland’, Wolfgang Huber
(kreuz.net) Mit der deutschen Linkspartei will er erst dann normale Beziehungen aufnehmen, wenn diese sich mit ihren Ursprüngen in der christenverfolgenden ‘Sozialistischen Einheitspartei’ der DDR auseinandergesetzt hat.

Das erklärte der Ratsvorsitzende der ‘Evangelischen Kirche in Deutschland’, Wolfgang Huber, am 26. August vor der ‘Frankfurter Allgemeinen Zeitung’.

Die Linkspartei könne sich nicht etablieren, solange es diesen blinden Fleck gebe.

Im gleichen Interview spricht sich Huber auch für eine Aufnahme von irakischen Christen in Deutschland aus. Diese erleiden seit dem US-Überfall auf das Land Verfolgungen in ihrer Heimat.

Wenn eine europäische Entscheidung in dieser Frage nicht zustande komme, müsse Deutschland alleine handeln – meint Huber.

Der Ratsvorsitzende weist auch darauf hin, daß seine religiöse Gemeinschaft in der Vergangenheit in klarer Weise ein positives Verhältnis zur sozialen Marktwirtschaft formuliert habe.

Auf die Frage nach der in Deutschland geplanten Entkoppelung von religiöser und standesamtlicher Trauung ruft er auf, nicht zu dramatisieren.

Im neuen deutschen Personenstandsrecht wird eine kirchliche Trauung ohne standesamtliche Eheschließung nicht mehr als Ordnungswidrigkeit mit Strafe bedroht:

„Daraus wird zu meiner Verwunderung geschlossen, die Kirchen würden nun solche Trauungen auch durchführen“ – kommentiert Huber.

Das evangelische Kirchenrecht sage jedoch „eindeutig“, daß der Vollzug einer kirchlichen Trauung an die vorangehende standesamtliche Eheschließung gebunden sei – nach Huber angeblich „aus guten theologischen Gründen.“

In Sachen Euthanasierung hält der Ratsvorsitzende eine vorausgesetzte Verfügensgewalt über das eigene Leben für einen falschen Ansatzpunkt: „Es geht um den verantwortlichen Umgang mit dem Leben, das mir anvertraut ist“ – faßt er seine Position in einer Nullformel zusammen:

„Auch in einer Gesellschaft mit unterschiedlichen weltanschaulichen Positionen brauchen wir wieder Raum dafür, das menschliche Leben als eine uns anvertraute Gabe zu verstehen.“

Auf dieser Grundlage trete die evangelische Kirche für eine „Balance“ zwischen Selbstbestimmung und Fürsorge für das Leben ein.

Die Thesen von Papst Benedikt XVI. zu Glauben und Vernunft sind – so Huber in der Antwort auf eine entsprechende Frage – angeblich „einem zeitlosen, platonischen Vernunftverständnis verpflichtet.“

Was der Ratsvorsitzende damit sagen will, läßt er im dunkeln.

Benedikt XVI. kritisiere jedes Abweichen von diesem Vernunftverständnis als Aufkündigung des Zusammenhangs von Glauben und Vernunft.

Der Papst benenne als Wellen der „Enthellenisierung des Christentums“ die Reformation, die Aufklärung, die protestantische Theologie des 19. Jahrhunderts und den heutigen Multikulturalismus.

Huber selber möchte dagegen eine evangelische Perspektive entwickeln, „die den geschichtlichen Charakter menschlicher Vernunft achtet.“

Damit scheint er jener Theorie das Wort zu reden, die sich den Weg freihalten möchte, die gleiche Sache aus Opportunitätsgründen heute als richtig und morgen als falsch bezeichnen zu können.

Der Vorwurf der „Enthellenisierung“ stehe in Gefahr, den „Weg zur Neuzeit“ als Verfallsgeschichte zu deuten: „Diese Sicht teile ich nicht.“

Huber sieht dagegen in der Neuzeit einen angeblichen „Zugewinn an Freiheit“, mit dem auch eine sogenannte und von ihm nicht erklärte „Historisierung der Vernunft“ verbunden gewesen sei.

Hier sieht er auch die Rolle der Reformation: Diese hat angeblich Freiheit und Gottesgewißheit miteinander verknüpft.

Auch wenn Freiheit in der Neuzeit „säkular“ – der Ausdruck meint: gottlos – verstanden worden sei, hat sie Hubers Meinung nach „doch einen unaufgebbaren religiösen Kern.“

Auch der Mensch, der in seiner Gottlosigkeit die Freiheit verspiele, werde von Gott zur Freiheit berufen – interpretiert Huber vor sich hin:

„Deshalb ist die endliche Freiheit meines endlichen Lebens so wichtig, daß ich ihren Gebrauch vor Gott zu verantworten habe.“

In diesem Sinn sei das reformatorische Verständnis der Freiheit nach wie vor wegweisend.

Nach einer Epoche der Diktaturen prophezeit Huber das 21. Jahrhundert als „Jahrhundert der Freiheit“:

„Der Zusammenhang von Freiheit und Verantwortung wird im Zentrum stehen“ – endet er mit einer weiteren Leerformel.
      
5 Lesermeinungen
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#5   No Comment   18:22:16 | Donnerstag, 28. August 2008
@Naja
Sooo schlecht ist das Buch von „Prinz Eitel Wolfgang“ nicht. Aber man fragt sich allmählich, ob er mehr an einem Vater- oder einem Papstkomplex leidet. o^/
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#4   karljosef   22:52:13 | Mittwoch, 27. August 2008
Antwort@HVO
Ich bin platt. So ein Elternhaus. Aber das erklärt vieles.
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#3   HeinrichvonOfterdingen   22:24:41 | Mittwoch, 27. August 2008
Lieber Brandenburger,
das liegt in der Familie. Darin war wohl auch sein Vater, Ernst Rudolf Huber de.wikipedia.org/…i/Ernst_Rudolf_Huber gut, der es als einer der führenden „Verfassungs“rechtler im dritten Reich geschafft hat die Kurve zu kratzen und in der BRD nochmals – zumindest halbwegs – zu reüssieren.
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#2   Brandenburgis   22:16:41 | Mittwoch, 27. August 2008
Huber beteiligt sich
gern am Christenmobbing: –-> Martin Hohmann. u.v.a.
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#1   Florian Geyer   21:53:41 | Mittwoch, 27. August 2008
Herr Huber
Mit der deutschen Linkspartei will er erst dann normale Beziehungen aufnehmen, wenn diese sich mit ihren Ursprüngen in der christenverfolgenden ‘Sozialistischen Einheitspartei’ der DDR auseinandergesetzt hat.
Aber das aktuelle Christenmobbing der EU(dssr) macht ihnen nichts aus ? –> Sichwort: Rocco Buttiglione
Angepasste Christen wurden im gegensatz zu Ernstmeinenden (=„Fundamentalisten“) in der DDR genausowenig berührt wie im jetztigen totalitären Liberalrelativsmus.
Die Linke wäre ohne Parteimarxismus und ideologischen Atheismus durchaus eine Möglichkeit.
Anderes wiederum stehen diese wenigstens offen zum Atheismus während anderen sich heuchelnd „christliche Werte“ an die Fahnen heften. insoferne ehrlich.
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