20:02:04 | Mittwoch, 27. August 2008
Wenn Kirchenvertreter sprechen, die gerne Politiker geworden wären, dann bleiben von Religion meist nur noch ein paar schale, hohle Worte übrig.

Der Ratsvorsitzende der ‘Evangelischen Kirche in Deutschland’, Wolfgang Huber
(kreuz.net) Mit der deutschen Linkspartei will er erst dann normale Beziehungen aufnehmen, wenn diese
sich mit ihren Ursprüngen in der christenverfolgenden ‘Sozialistischen Einheitspartei’ der DDR auseinandergesetzt
hat.
Das erklärte der Ratsvorsitzende der ‘Evangelischen Kirche in Deutschland’, Wolfgang Huber, am
26. August vor der ‘Frankfurter Allgemeinen Zeitung’.
Die Linkspartei könne sich nicht etablieren, solange
es diesen blinden Fleck gebe.
Im gleichen Interview spricht sich Huber auch für eine Aufnahme von irakischen
Christen in Deutschland aus. Diese erleiden seit dem US-Überfall auf das Land Verfolgungen in ihrer Heimat.
Wenn eine europäische Entscheidung in dieser Frage nicht zustande komme, müsse Deutschland alleine
handeln – meint Huber.
Der Ratsvorsitzende weist auch darauf hin, daß seine religiöse Gemeinschaft
in der Vergangenheit in klarer Weise ein positives Verhältnis zur sozialen Marktwirtschaft formuliert
habe.
Auf die Frage nach der in Deutschland geplanten Entkoppelung von religiöser und standesamtlicher
Trauung ruft er auf, nicht zu dramatisieren.
Im neuen deutschen Personenstandsrecht wird eine kirchliche
Trauung ohne standesamtliche Eheschließung nicht mehr als Ordnungswidrigkeit mit Strafe bedroht:
„Daraus
wird zu meiner Verwunderung geschlossen, die Kirchen würden nun solche Trauungen auch durchführen“ –
kommentiert Huber.
Das evangelische Kirchenrecht sage jedoch „eindeutig“, daß der Vollzug einer kirchlichen
Trauung an die vorangehende standesamtliche Eheschließung gebunden sei – nach Huber angeblich „aus guten
theologischen Gründen.“
In Sachen Euthanasierung hält der Ratsvorsitzende eine vorausgesetzte Verfügensgewalt
über das eigene Leben für einen falschen Ansatzpunkt: „Es geht um den verantwortlichen Umgang mit dem
Leben, das mir anvertraut ist“ – faßt er seine Position in einer Nullformel zusammen:
„Auch in einer
Gesellschaft mit unterschiedlichen weltanschaulichen Positionen brauchen wir wieder Raum dafür, das menschliche
Leben als eine uns anvertraute Gabe zu verstehen.“
Auf dieser Grundlage trete die evangelische Kirche
für eine „Balance“ zwischen Selbstbestimmung und Fürsorge für das Leben ein.
Die Thesen von Papst
Benedikt XVI. zu Glauben und Vernunft sind – so Huber in der Antwort auf eine entsprechende Frage – angeblich
„einem zeitlosen, platonischen Vernunftverständnis verpflichtet.“
Was der Ratsvorsitzende damit sagen
will, läßt er im dunkeln.
Benedikt XVI. kritisiere jedes Abweichen von diesem Vernunftverständnis
als Aufkündigung des Zusammenhangs von Glauben und Vernunft.
Der Papst benenne als Wellen der „Enthellenisierung
des Christentums“ die Reformation, die Aufklärung, die protestantische Theologie des 19. Jahrhunderts
und den heutigen Multikulturalismus.
Huber selber möchte dagegen eine evangelische Perspektive entwickeln,
„die den geschichtlichen Charakter menschlicher Vernunft achtet.“
Damit scheint er jener Theorie das
Wort zu reden, die sich den Weg freihalten möchte, die gleiche Sache aus Opportunitätsgründen heute
als richtig und morgen als falsch bezeichnen zu können.
Der Vorwurf der „Enthellenisierung“ stehe in
Gefahr, den „Weg zur Neuzeit“ als Verfallsgeschichte zu deuten: „Diese Sicht teile ich nicht.“
Huber
sieht dagegen in der Neuzeit einen angeblichen „Zugewinn an Freiheit“, mit dem auch eine sogenannte und
von ihm nicht erklärte „Historisierung der Vernunft“ verbunden gewesen sei.
Hier sieht er auch die Rolle
der Reformation: Diese hat angeblich Freiheit und Gottesgewißheit miteinander verknüpft.
Auch wenn
Freiheit in der Neuzeit „säkular“ – der Ausdruck meint: gottlos – verstanden worden sei, hat sie Hubers
Meinung nach „doch einen unaufgebbaren religiösen Kern.“
Auch der Mensch, der in seiner Gottlosigkeit
die Freiheit verspiele, werde von Gott zur Freiheit berufen – interpretiert Huber vor sich hin:
„Deshalb
ist die endliche Freiheit meines endlichen Lebens so wichtig, daß ich ihren Gebrauch vor Gott zu verantworten
habe.“
In diesem Sinn sei das reformatorische Verständnis der Freiheit nach wie vor wegweisend.
Nach
einer Epoche der Diktaturen prophezeit Huber das 21. Jahrhundert als „Jahrhundert der Freiheit“:
„Der
Zusammenhang von Freiheit und Verantwortung wird im Zentrum stehen“ – endet er mit einer weiteren Leerformel.
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