16:04:55 | Donnerstag, 28. August 2008
Die Liturgiereform läßt sich nicht mehr rückgängig machen – bedauert ein Kurienerzbischof: „Es ist eine Tatsache, daß unsere Kirchen leerer geworden sind.“

Erzbischof Ranjith hielt im Mai Diakonatsweihen bei der Priesterbruderschaft St. Petrus.
© fssp.org(kreuz.net, Maria Vesperbild) Die sogenannte Inkulturation des Katholizismus ist in Asien teilweise vollkommen
mißverstanden worden – nicht zuletzt von denen, die über Inkulturation reden.
Das erklärte der Sekretär
der vatikanischen Liturgiekongregation, der srilankesische Kurienerzbischof Malcolm Ranjith, im Gespräch
mit der Journalistin Regina Einig vor der katholischen Zeitung ‘Tagespost’.
Der Erzbischof äußerte
sich am Rande eines Pontifikalamts, das er im bayerischen Wallfahrtsort Maria Vesperbild am Fest Mariä
Himmelfahrt zelebrierte.
Mons. Ranjith fordert eine „richtig verstandene Inkulturation.“
Es sei durch
und durch asiatisch, religiöse Symbole zu respektieren. Als Beispiele nennt der Erzbischof die Priesterkleidung
und das Ordensgewand:
„In keinem buddhistischen Tempel wird man Mönche anders als in der Mönchskutte
antreffen.“
Die Asiaten betrachteten das Priester- oder Ordensgewand als eine Auszeichnung, das den Betreffenden
aus der Masse heraushebt.
Mons. Ranjiht bedauert es sehr, daß Priester und Ordensleute in vielen Ländern
Asiens keine ihrem Stand entsprechende Kleidung mehr tragen.
Als Beispiel für eine gelungene Inkulturation
nennt er die Missionarinnen der Nächstenliebe von Mutter Theresa von Kalkutta. Jedes Kind auf der Straße
erkenne deren Ordenskleid, das nach dem Vorbild des indischen Sari gestaltet ist.
Die Messe Christi ist
weltumspannendFrau Einig zitiert ungenannte „Stimmen aus Asien“, welche die Alte Messe als angeblich
„typisch europäisch“ ablehnen.
Das sind nach Mons. Ranjith nur Einzelmeinungen: „Gerade die Liturgie
im außerordentlichen Ritus spiegelt nämlich einige asiatische Werte in ihrer ganzen Tiefe.“
In der
Alten Messe kommen nach Mons. Ranjith der Erlösungsaspekt, die vertikale Sichtweise des menschlichen
Lebens, die tief personalisierte Beziehung zwischen Gott und dem Priester und Gott und der Gemeinde besser
zum Ausdruck als in der Neuen Messe.
Letztere betone eher die horizontale Sicht. Der Erzbischof kritisiert
eine Lesart der Neuen Messe, welche die Eucharistie „eher als ein Gemeinschaftserlebnis“ betrachtet.
Politisch-korrektes Lob auf die LiturgiereformZur Liturgiereform erklärte Erzbischof Ranjith, daß
der Gebrauch der Volkssprache angeblich „viele Menschen“ das Geheimnis der Eucharistie tiefer habe verstehen
lassen.
Der Erzbischof behauptet auch, daß die Verwendung der Nationalsprachen eine intensivere Beziehung
zu den Schrifttexten vermittelt habe.
Ferner habe die Liturgiereform angeblich die tätige Teilnahme
der – noch praktizierenden – Gläubigen gefördert.
Das heißt für Mons. Ranjith nicht, daß die Messe
ganz auf Dialog ausgerichtet sein soll: „Wo pausenlos gesprochen wird, kann der Mensch nicht tief vom
Mysterium durchdrungen werden.“
Wer will die leeren Kirchen leugnen?Dann rückt Mons. Ranjith mit dem
großen Aber heraus. Die liturgische Erneuerung sei durch die experimentelle Beliebigkeit, mit der die
Messe heute als „do-it-yourself-Liturgie“ frei gestaltet wird, beeinträchtigt worden:
„Der Geist der
Liturgie ist sozusagen entführt worden.“
Das Geschehene lasse sich nicht mehr rückgängig machen –
glaubt Mons. Ranjith resigniert: „Es ist eine Tatsache, daß unsere Kirchen leerer geworden sind.“
Mons.
Ranjith fordert daher den Mut zur liturgischen Kurskorrektur.
Gleichzeitig schiebt er die Schuld für
den kirchlichen Niedergang auch auf die böse Welt: das ungezügelte Konsumverhalten, den Säkularismus,
ein übersteigertes Bild vom Menschen.
Wortgottesfeiern und KonzelebrationHinter den inzwischen üblich
gewordenen Wortgottesdiensten an Sonntagen sieht der Erzbischof ein falsches Meßverständnis und Priesterbild:
„Der Priester vollzieht in der Eucharistie, was andere nicht tun können.“
Zur Konzelebration betonte
Mons. Ranjith, daß sie auf besondere Gelegenheiten beschränkt werden sollte.
Eine Konzelebration, die
für eine Entpersönlichung der Meßfeier steht, sei ebenso falsch, wie die Vorstellung, man könne Priester
zum regelmäßigen Konzelebrieren verpflichten.
Weitere Bilder von der Diakonatsweihe
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