Kirche in Not
Nach außen mimt er den frommen Katholiken
Wo ein System nur noch der leeren Machterhaltung dient, gibt es ein letztes Mittel: die mit undiplomatischer Rücksichtslosigkeit gesagte Wahrheit.
Heilige Messe in Harare, der Hauptstadt Simbabwes
Heilige Messe in Harare, der Hauptstadt Simbabwes
© Bilder: Kirche in Not
(kreuz.net) In Simbabwe existieren zur Zeit zwei Probleme – eine schwere Hungersnot und die Schlägertruppen der Regierungspartei von Präsident Robert Mugabe.

Das erklärte der Jesuitenpater Oskar Wermter (66) vor dem internationalen Hilfswerk ‘Kirche in Not’. Der Geistliche ist seit 1971 in Simbabwe tätig.

Auch die Polizei übt massive Gewalt gegen die Bevölkerung aus.

Der Hintergrund: Die Mehrheit der Bevölkerung wünscht sich eine andere Regierung, und die Regierung hat Angst, die Macht zu verlieren.

Pater Wermter war auch schon selber bedroht und mußte sich deshalb für drei Wochen aus seiner Pfarrei zurückziehen.

Jesuitenpater Oskar Wermter
Jesuitenpater Oskar Wermter
© Bilder: Kirche in Not
Es gäbe eine schnelle Lösung

Südafrika könnte – so Pater Wermter – enormen Druck auf die Regierung Mugabes ausüben, wenn es wollte:

„Simbabwe ist sehr von Südafrika abhängig, da es ein Binnenland ist. Das Land bezieht von dort seinen Strom.“

Mugabe und seine Partei verstünden nichts anderes als massiven Druck: „Aus diesem Grund nimmt Südafrika eine Schlüsselstellung zur Lösung der Probleme ein.“

Die Führungs-Elite hat sich – so Pater Wermter – in den vergangenen Jahren enorm bereichert: „Sie glauben, weil sie damals die Unabhängigkeit erkämpft haben, hätten sie auf ewig das Recht zu regieren.“

Präsident Robert Mugabe ist katholisch

Die kirchliche Kritik am Regime sei entrüstet zurückgewiesen worden: „Mugabe war entsetzt und versucht, die Kirche auf seine Seite zu ziehen. Nach außen mimt er den frommen Katholiken.“

Doch insgesamt ist die Kirche im Land gespalten: „Bei den jüngsten Ereignissen haben Katholiken auf beiden Seiten gekämpft.“

Tödliche sexuelle Begierden

Drei Millionen Menschen aus Simbabwe sind nach Südafrika geflüchtet: „In den Flüchtlingslagern haben wir es oft mit HIV-Infektionen, sexuellen Übergriffen und menschlichem Notstand zu tun.“

Die Jesuiten in Simbabwe haben sich auf die Aufklärung und Verhütung von AIDS spezialisiert: „Oft sind sich die Menschen selber der größte Feind. Sie wollen nicht wissen, ob sie erkrankt sind.“

Es sterben noch immer viele Menschen an dieser Krankheit: „Ich selber habe schon einige Mitarbeiter verloren.“

Oft müßten die Ehemänner aufgrund der sozialen Umbrüche weit weg von der Familie ihrer Arbeit nachgehen: „Da kommt es nicht selten zu Untreue. Entweder finden die Männer eine Freundin oder sie gehen zu Prostituierten.“

Dadurch würden die Männer und durch sie auch ihre Ehefrauen infiziert:

„Durch den wirtschaftlichen Verfall können viele junge Leute gar nicht mehr heiraten, weil sie es sich nicht mehr leisten können. Immer häufiger erleben wir eheähnliche Verbindungen, die enormen Einfluß auf die Kultur von Ehen und Familie ausüben.“

Die Lage ist nach Ansicht des Jesuiten so dramatisch, daß die Wahrheit mit undiplomatischer Rücksichtslosigkeit gesagt werden müsse: „Viele Menschen wurden an der eigenen Regierungspropaganda trunken gemacht.“

„Heute ist es zu spät, nur leisezutreten und diplomatisch zu sein.“
      
6 Lesermeinungen
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#6   Weißer Ritter   15:10:47 | Samstag, 30. August 2008
Südafrika?
Südafrika?
Soll das ein Witz sein?
Der ANC hat jetzt einen Präsidenten, der wegen Korruption und Vergewaltigung vor Gericht stand.
Der wird nicht nur Zimbabwe nicht helfen, sondern dafür sorgen, daß Südafrika den selben Weg geht.
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#5   Amanda   00:20:55 | Samstag, 30. August 2008
Gute Idee!
Ich gehe nämlich jetzt auch ein wenig schlafen, morgen schmeißt mich der Wecker früh raus.
Gute Nacht allerseits! :-)
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#4   Colombe de la paix   00:16:09 | Samstag, 30. August 2008
@ Eva und Amanda
Ich denke, ich mache jetzt auch Schluss und wünsche allen eine gute Nacht und ein schönes Wochenende!
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#3   Brandenburgis   16:02:04 | Freitag, 29. August 2008
ICh gehe davon aus,
daß die Kirche, namentlich die Jesuiten, dabei geholfen haben, das kriminelle Regime zu etablieren und seine genozidischen Aktivitäten zu ermöglichen.
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#2   Aleph †   14:23:34 | Freitag, 29. August 2008
Simbabwe
Da wäre ja mal etwas zu tun, in Simbabwe. Auch seitens der Kirche. Der Präsident darf trotz seiner Greueltaten weiter zur Kommunion gehen.
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#1   clarissa colonia   14:22:54 | Freitag, 29. August 2008
Lagen im Bildarchiv keine aussagefähigen Portraits auf Wiedervorlage?
Z. B. ein Bild des Jesuitenpaters, oder Robert Mugabes?
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