Jugendkirche
Im Schlepptau der Unterhaltungsindustrie
Mehr vom gleichen: Die sogenannten Jugendgottesdienste orientieren sich – offenbar mangels tieferer Inspirationen – an den Sendeformaten des Privatfernsehens. Bei Sound und Licht werden professionelle Standards beachtet.
Webseite der Jugendmesse im Bistum Erfurt.
Webseite der Jugendmesse im Bistum Erfurt.
(kreuz.net) Bei Dingen wie cooler Musik für hippe Jugendliche, Lightshow und Videos würden die wenigsten an Kirche und Gottesdienst denken. Das erklärte die Webseite des Bistums Erfurt am 22. August.

Dennoch stehen diese Dinge im Zentrum einer sogenannten Church Party. Sie wird am 7. September um 18.00 Uhr in der Bonifatiuskirche in Leinefelde stattfinden.

Die Stadt Leinefeld befindet sich 70 Kilometer nordwestlich von Erfurt.

Das Motto der Veranstaltung lautet: „CP – der Livegottesdienst: Ich bin ein Schaf, hol mich hier raus!“

Die Church Party ist nach Angabe der Webseite ein Experiment.

Es wurde von Dekanatsjugendseelsorger, Kaplan Markus Könen, angestoßen und seit November 2007 mit einer Kerngruppe von zehn Jugendlichen vorbereitet.

Diesem Vorbereitungskreis gehe es nicht um billige, oberflächliche Effekthascherei – wehrt der Artikel ab.

Im Mittelpunkt stehe das Evangelium vom guten Hirten: „Es ist nicht nur die Mitte des Gottesdienstes, sondern auch sein Ausgangspunkt“, sagt Hw. Könen.

Nach dieser kurzen Apologie, geht es in dem Artikel aber im wesentlichen um Unterhaltung von Jugendlichen:

„Die Musik in unseren Gottesdiensten ist nicht die ihre. Viele Texte verstehen sie nicht. Auch sonst kommt die Lebenswirklichkeit von Jugendlichen zu wenig vor“ – doziert Hw. Könen.

Darum hat er sich mit den Jugendlichen überlegt, wie ein „jugendgemäßer“ Gottesdienst aussehen müßte.

Dabei sei es nicht zu einer „Anhäufung beliebiger Elemente“ gekommen, weil man vom konkreten Schrifttext ausgegangen sei: „Wir wollen Brücken bauen zwischen der Botschaft vom guten Hirten und der Lebenskultur der heutigen Jugend.“

Damit das gelinge und die Botschaft ankomme, müsse auch ihre Verpackung stimmen, „müssen also Musik, Texte, Sound und Raum jugendgemäß sein“ – so der Kaplan weiter.

„Ähnlichkeiten mit Sendeformaten des Privatfernsehens werden gewiß kein Zufall sein“ – heißt es dazu.

Die Texte und Videos für den Gottesdienst sind selber produziert.

Bei Sound und Licht in der Kirche „beachteten die Teamer professionelle Standards.“

„Musik und Lieder stammen natürlich nicht aus dem ‘Gotteslob’, sondern orientieren sich an dem, was Jugend gerne hört“ – so der Artikel.

So werde die „frohe Botschaft vom erfüllten Leben“ am ersten Septembersonntag im Rahmen einer Mischung aus Pop-Event und modernem Jugendgottesdienst verkündet.

Die Vorbereitungsgruppe hat nach Angaben von Kaplan Könen lange darüber diskutiert, ob die Veranstaltung mit einer Messe kombiniert werden sollte:

„Allen ist die Eucharistiefeier sehr wichtig, die eine Hälfte will sie darum keinem Experiment aussetzen, die andere gerade darum, um sie auch anderen Jugendlichen »schmackhaft« zu machen.“

Aber über eine solche Frage könne man nicht abstimmen.

Fazit: „Der Vorbereitungskreis hat auf jene Rücksicht genommen, die keine Experimente wünschen.“
      
3 Lesermeinungen
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#3   SignumSalutis   10:42:14 | Dienstag, 2. September 2008
Geo- und Orthographie-Nachhilfe!
Ob der Jugendgottesdienst im Eichsfeld an der Oberfläche kratzt oder wirklich die Jugendlichen tief erreicht, wirkt sich zeigen. Kirchliche Jugendarbeit kommt an Jugendkultur nicht vorbei.
Bei ketz.net hat man wieder eine Eile gehabt die Polemik ins Netz zu streuen: der Ort heißt „LEINEFELDE“ – mit „e“ (bezieht sich auf die Leine, die auch durch Hannover fließt) … aber das ist eigentlich den ketz.net-Machern nicht wichtig.
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#2   freddie schenk   22:12:10 | Montag, 1. September 2008
Prima Idee
„Wir wollen Brücken bauen zwischen der Botschaft vom guten Hirten und der Lebenskultur der heutigen Jugend.“
Was tut man, wenn man – sagen wir – mit einem Mongolen (oder einem Inder, Afrikaner, Australier, Belgier oder Luxemburger) kommunizieren will? Richtig: man geht aufeinander zu, lernt sich kennen, versucht die Sprache des jeweils anderen zu verstehen, baut also Brücken, manchmal behelfsweise und einfach – man redet also auch mal mit Händen und Füßen.
Genauso würde ich das intuitiv tun, wenn ich die Sprache eines Mitmenschen nicht mehr verstehe. Wenn ich mit ihm und er mit mir nicht mehr sprechen kann, weil wir uns nicht mehr verstehen. Als ich kurz nach der Wende in die neuen Länder ging, war das oft so. Wir sprachen die selbe Sprache, verstanden uns aber oft nicht. Das haben wir thematisiert und oft aufgelöst.
Was ist also verwerflich daran, wenn junge Leute in die Kirche eingeladen werden? Und was daran, wenn Kirche die Botschaft vom guten Hirten (vielleicht erstmals) verständlich für eben diese Jugend macht/zu machen wenigstens versucht?
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#1   junger Katholik   11:31:14 | Montag, 1. September 2008
Meinung eines jungen Menschen
Dazu fällt mir jetzt nur ein Spruch ein:
wo wohnt der der zu so einer Veranstaltung geht…
würde mich sehr über einen Artikel im +.net Jargon über den Verlauf dieses Events und über die Ressonanz der Besucher freuen. Also bitte an diesem bodenlosen Schwachsinn drannbleiben. :-)
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