14:07:20 | Dienstag, 9. September 2008
Die politisch korrekt verordnete Liebe zu den Juden schlägt bei christlichen Judenfreunden schnell in Haß um. Es genügt, daß der geliebte Jude katholisch wird. Ein Kommentar.

Buchcover „Das Heil kommt von den Juden“
(kreuz.net) Ein gewisser Markus Himmelbauer ist in einer Buchrezension über den bekehrten New Yorker
Juden
Roy H. Schoeman hergefallen.
Schoeman hat über seine Bekehrung zum katholischen Glauben ein Buch
verfaßt, das auf Deutsch im Augsburger St. Ulrich-Verlag unter dem „Das Heil kommt von den Juden“ erschienen
ist.
Himmelbauers Rezension des Werkes wurde auf der Webseite des österreichischen ‘Koordinierungsausschusses
für christlich-jüdische Zusammenarbeit’ veröffentlicht.
Der Ausschuß wurde im Jahr 1956 auf Veranlassung
des umstrittenen ehemaligen Erzbischofs von Wien, Franz Kardinal König († 2004), als Referat der katholischen
Friedensbewegung ‘Pax Christi’ gegründet. Im Jahr 1965 konstituierte er sich als Verein in interkonfessioneller
Trägerschaft.
Beschimpfung des AutorsHimmelbauers Rezension des Buches beginnt mit einer Beschimpfung
des Autors:
„Wie wir es von Fundamentalisten gewohnt sind – eine andere Textgattung als das Protokoll
ist für sie unvorstellbar –, wird uns in positivistischer Weise anhand der Bibel bewiesen, wie alles
ablaufen mußte“.
Auch Schoemans Ausführungen über das Gottesvolk, das den Samen Abrahams bewahren
mußte, um den Messias hervorzubringen, gefallen Himmelbauer nicht: „Verstaubte Rassenlehre, philosemitisch
gewendet“ – schimpft er.
Dann stört sich Himmelbauer an der Aussage Schoemans – und der ganzen biblischen
und kirchlichen Tradition – wonach jeder Jude, der Jesus nicht akzeptiert, die wahre Rolle des Judentums
in der Heilsgeschichte nicht begriffen hat.
Himmelbauer unterstellt sogar, daß Schoeman mit dieser Feststellung
nicht auf dem Boden der katholischen Lehre stehe.
Seine Argumente? Am Karfreitag betet die Kirche in
der Juden-Fürbitte dafür, daß Gott sie „in der Treue zu seinem Bund“ bewahren möge.
Was Himmelbauer
nicht merkt: Die erbetene Treue der Juden zum Bund schließt die Anerkennung Christi als Messias ein.
Als zweites Argument nennt er den Text der päpstlichen Bibelkommission aus dem Jahr 2001: „Die jüdische
Messiaserwartung ist nicht gegenstandslos. Sie kann für uns Christen ein starker Ansporn sein.“
Hier
gibt es zwei Schönheitsfehler: Erstens ist die Zitation sehr vage und zweitens ist die päpstliche Bibelkommission
schon seit längerem kein lehramtliches Organ mehr, sondern nur ein Konsultativgremium.
Jüdische Theologie
scheitert an der NS-JudenverfolgungDann stört sich Himmelbauer an der interessante Aussage Schoemans,
daß das Judentum auf die nationalsozialistischen Judenverfolgung theologisch keine Antwort geben könne:
„Christen sind im Umgang damit theologisch besser gerüstet, weil Jesus selber diesem scheinbaren Gegensatz
zwischen Gottes Güte und Souveränität und der übermäßigen Leidenslast, die er seinen treuen Dienern
auferlegt, gegenüberstand. Das Martyrium ist in der Christenheit immer gegenwärtig.“
Himmelbauers schnoddriger
Kommentar dazu: „Von jüdischer Geschichte, von ihrem Leiden und Märtyrertum im Namen Gottes, hat Schoeman
offensichtlich nichts mitbekommen.“
Schoeman ist Sohn deutscher Juden aus Saarbrücken, die vor den Nationalsozialisten
flüchten mußten. Seine Mutter entkam ihren Häschern im letzten Augenblick.
War Edith Steins Novizenmeisterin
eine Lügnerin?Dann nimmt Himmelbauer es Schoeman übel, daß er den hellen Kontrast des Denkens der
jüdischen Konvertitin Edith Steins dem des finsteren Holocaust-Predigers Elie Wiesels gegenüberstellt.
Schoeman zitiert die Aussage der Heiligen Edith Stein zur nationalsozialistischen Judenverfolgung: „Das
ist der Schatten des Kreuzes, der auf mein Volk fällt! Das ist die Erfüllung der Verwünschung, die
mein Volk selbst auf sich herab gerufen hat!“
Doch Himmelbauer behauptet, daß das kein Wort der Heiligen,
sondern eine Aussage sei, die ihr von ihrer Novizenmeisterin Schwester Theresa Renata Posselt in den Mund
gelegt wurde: „Es gibt keinen originalen Edith Stein-Text, der in diese Richtung weist.“
Mit anderen
Worten: Himmelbauer bezeichnet Schwester Theresa Renata Posselt – ohne handfeste Beweise vorzulegen –
als Lügnerin.
Angst vor dem Wortlaut der BibelDer Feststellung Schoemans, daß Jesus allein zum Volk
Israel gesendet war und die ersten Gruppen seiner Nachfolger rein jüdisch war, kann Himmelbauer nicht
widersprechen.
Er muß vielmehr eingestehen, „daß Schoeman den Wortlaut der Bibel auf seiner Seite hat.“
Doch sofort redet sich Himmelbauer damit heraus, daß seither „viel“ passiert sei.
Das Judentum habe
nach der Tempelzerstörung zu einer „neuen Identität“ gefunden und die Apostel hätten das Evangelium
unter Heiden verkündet:
„Beide Bekenntnisse haben von ihren in den heiligen Schriften überlieferten
Wurzeln einen geschichtlichen und theologischen Veränderungsprozeß durchgemacht. Wir können die Bibel
nicht lesen, ohne diesen zu beachten“ – so Himmelbauer.
Seine Aussage ist für das moderne talmudische
Judentum richtig, das sich vom Tempelkult gelöst und in einer Anti-Haltung gegen das Christentum konstituiert
hat.
Aber daß die Kirche sich am Anfang nicht formiert, sondern transformiert habe, ist eine leere,
widersinnige Behauptung.
Christliche Lesart der Bibel?Himmelbauer wirft Schoeman auch vor, nur „seine“
christliche Lesart der Bibel als „für ihn“ die einzig Mögliche zu wählen.
Damit geht die Leugnung
Himmelbauers einher, daß die Heilige Schrift einen eindeutigen Sinn besitzt.
Statt dessen unterstellt
er offenbar, daß jeder – Jude, Christ oder Mormone – in der Bibel seinen (legitimen) Sinn finden kann.
Doch ein Text, der alle möglichen und legitimen Sinngebungen zuläßt, ist selber sinnlos.
Um seine
konfuse Position zu retten, bemüht Himmelbauer erneut den erwähnten Text der Bibelkommission und das
Vorwort des damaligen Kardinals Joseph Ratzinger, der darin einen „neuen Respekt für die jüdische Auslegung
des Alten Testaments“ fordert.
Freilich ist diese Formulierung so allgemein, daß sie kaum dazu taugt,
Himmelbauers seltsame Konklusionen zu untermauern.
Dann zitiert Himmelbauer die Aussage, wonach die jüdische
Lektüre der Bibel „eine mögliche Lektüre ist, die in Kontinuität mit den heiligen Schriften der Juden
aus der Zeit des zweiten Tempels steht und analog ist der christlichen Lektüre, die sich parallel dazu
entwickelt hat.“
Doch Nägel mit Köpfen macht auch diese Aussage keine: Sie bleibt im Bereich der diplomatischen
Wohlfühlsprache, die dem Gesprächspartner nichts abschlägt und ihm gleichzeitig auch nichts Konkretes
zugesteht.
Damit enden Himmelbauers Spekulationen in einer spektakulären Bauchlandung: „So verbunden
mit der katholischen Kirche Schoeman in seinen Ausführungen vorgibt zu sein, die Positionen des Lehramts
zum christlich-jüdischen Gespräch negiert er gänzlich.“ Das Gegenteil ist wahr.
Kein Bock auf Inkulturation
In einem letzten Punkt unterstellt Himmelbauer dem Autor eine angebliche „Demontage des Konzil“ – gemeint
ist wohl Zweite Vatikanische Pastoralkonzil – freilich ohne Texte zu zitieren.
Himmelbauer weist darauf
hin, daß mit Schoemans Buch „erstmals seit dem Konzil“ im deutschen Raum ein Buch in einem renommierten
katholischen Verlag veröffentlicht wurde, das für die Judenmission eintritt.
Damit hält er sich aber
nicht lange auf, sondern hüpft gleich zum nächsten Thema und beklagt, daß sich Schoeman die Aufnahme
von getauften Juden als gesonderte Gruppe in die katholische Kirche vorstellen kann.
Diese Juden könnten
zum Beispiel ihrem weiterhin bestehenden Wunsch nachkommen, die jüdischen Hauptfeiertage zu begehen –
schlägt Schoeman eine moderate Inkulturation des talmudischen Judentums in die Kirche vor.
Doch Himmelbauer
hat für dieses Anliegen – in zahllosen Kulturen eine Selbstverständlichkeit – kein Verständnis.
Religiöse
Feste seien mehr als Folklore – schulmeistert er, als ob Schoeman etwas in diese Richtung behauptet hätte.
Vielmehr sieht Schoeman seinem Vorschlag auch ein Evangelisierungswerkzeug, um weitere Juden zum Glauben
zu bringen – was Himmelbauer natürlich auch nicht paßt.
Ihm scheint es ein Anliegen zu sein, die Juden
von der Erlösung in Jesus Christus fernzuhalten.
Juden-raus-EkklesiologieDie diplomatischen Begegnungen
der letzten Päpste mit Juden, bei denen aus politischen Gründen nicht direkt um die Annahme des christlichen
Evangeliums geworben wurde, stellt er als quasi dogmatischer Beweis für die Leugnung der Judenmission
hin.
Für seine Juden-raus-Ekklesiologie erwähnt Himmelbauer auch angebliche „Errungenschaften des Konzils“
und eine von ihm für den Anlaß ebenfalls zum Dogma erhobene Studie der ‘Evangelischen Kirche Deutschlands’.
Dann zitiert er eine primitiv-nationalistische Beschimpfung christgläubiger Juden durch den angeblich
liberalen Berliner Rabbiner Chaim Z. Rozwaski:
„‘Messianische Juden’ sind eine Bewegung, die entweder
auf Ignoranz, auf Böswilligkeit oder der Absicht, das jüdische Volk zu zerstören, basiert, möglicherweise
kommen auch alle drei Komponenten zusammen.“Es ist eine bekannte Taktik von Judenhassern, sich auf Zitate
von Juden zu berufen.
Auf diesem menschenverachtenden Niveau bewegt sich auch Himmelbauer:
„Schoeman
gelingt das ganz ohne ein böses Wort, das man Antisemiten sonst gern zuschreibt. Er liebt und umarmt
das Judentum, bis ihm die Luft wegbleibt“ – beendet er seine Tiraden.
Sie haben eine Meinung zu diesem Artikel? Dann verfassen Sie einen Beitrag. Bleiben Sie in Ihrem Kommentar sachlich und bemühen Sie sich um eine erträgliche Diskussionsatmosphäre. Bedenken Sie, daß Ihr Beitrag noch über Jahre hinweg abrufbar und durch Suchmaschinen im Internet auffindbar ist.
Die Redaktion übernimmt keine Verantwortung für den Inhalt der Leserbeiträge. Sie behält sich das Recht vor, Beiträge zu löschen oder Leser aus der Debatte auszuschließen.