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Freitag, 4. März 2005 09:20
Verräter im Kardinalspurpur?
In Ungarn soll eine Reihe führender katholischer Prälaten für die kommunistische Sicherheitspolizei spioniert haben: „Wir könnten den katholischen Klerus Ungarns reinigen, wenn wir zugeben würden, daß wir damals nach der Musik des kommunistischen Staates getanzt haben.“
László Kardinal Paskai (77), ermeritierter Erzbischof von Esztergom
László Kardinal Paskai (77), ermeritierter Erzbischof von Esztergom
(kreuz.net, Budapest) In Ungarn sind derzeit Listen mit den Namen ehemaliger kommunistischer Spitzel im Umlauf. Sie sollen der damals gefürchteten Geheimpolizei Informationen zugespielt haben. Unter den vermutlichen Denunzianten finden sich Kardinäle, Erzbischöfe, Bischöfe, Äbte und Priester.

Der hochrangigste katholische Prälat auf der Liste der Polizeispitzel ist der ehemalige Erzbischof von Esztergom, László Kardinal Paskai (77). Auch der gegenwärtige Präsident der Ungarischen Bischofskonferenz und Erzbischof von Eger, István Seregély (77), soll der kommunistischen Geheimpolizei zu Diensten gestanden sein.

Auf der Liste finden sich ebenfalls die Namen der Herren Bischöfe von Szeged-Csanád, Szombathely und Pécs. Der langjährige Apostolische Nuntius in Deutschland, Lajos Kada, der 2001 starb, soll ebenfalls ein Informant der Geheimpolizei gewesen sein. Vermutete Denunzianten waren ferner der ehemalige Erzbischof von Veszprém, der ehemalige Bischof von Székesfehérvár, der ehemalige Erzabt der Benediktiner von Pannonhalma und der Rektor der katholischen Sapientia Universität in Budapest.

Die katholische Hierarchie des Landes war über das Auftauchen der Liste nicht begeistert und verurteilte deren Veröffentlichung. Insgesamt sind dort 50 Geistliche als mögliche Polizeispitzel aufgelistet.

Die Ungarische Bischofskonferenz verurteilte auch die gegenwärtig laufende Parlamentsdebatte, bei der die Verabschiedung eines von der Regierung unterstützten Spitzelgesetzes diskutiert wird. Der gegenwärtige ungarische Ministerpräsident ist selber ein Kollaborateur des ehemaligen kommunistischen Regimes.

Das Spitzelgesetz würde der Öffentlichkeit einen freien Zutritt zu den Namen der Informanten des früheren kommunistischen Regimes erlauben.

Die ungarische Bischofskonferenz erklärte, daß es bei dem Gesetz darum gehe, die Kirche anzugreifen und die katholische Hierarchie zu diskreditieren. 15 Jahre nach dem Wechsel des Regimes sei es nicht mehr möglich, die Frage der Spitzel eindeutig zu lösen.

Beobachter gehen davon aus, daß nicht alle in den Listen enthaltenen Prälaten wirkliche Spitzel gewesen sind. Eine Reihe von ihnen dürfte ferner aus menschlicher Angst mit der Staatssicherheit zusammengearbeitet haben.

Den Bischöfen widerspricht der Priester Gyorgy Bulanyi, der unter der jahrzehntelangen kommunistischen Verfolgung zu leiden hatte. Nach einem Bericht des Nachrichtendienstes ‘BosNewsLife’ sagte er am ungarischen Fernsehen: „Wir könnten unser gesamtes öffentliche Leben und den ganzen katholischen Klerus Ungarns reinigen, wenn wir zugeben würden, daß wir damals nach der Musik des kommunistischen Staates getanzt haben.“

Die Liste der Spitzel wurde bereits Ende Februar im Internet veröffentlicht. Sie enthält die Namen von 50 Geistlichen, 67 Journalisten, 40 Politikern und 62 Persönlichkeiten des kulturellen Lebens.

Der vom kommunistischen Regime am heftigsten verfolgte Geistliche war der damalige Erzbischof von Budapest, József Kardinal Mindszenty († 1975). Er wurde 1949 als „Verräter“ zu einer lebenslänglichen Haft verurteilt, weil er es abgelehnt hatte, die katholischen Schulen dem kommunistischen Staat zu übergeben. Kardinal Mindszenty war ein furchtloser Kämpfer gegen den gottlosen Kommunismus.

Während des Ungarischen Aufstandes im Jahre 1956 wurde der Kardinal aus der Haft entlassen. Doch nach dem Einmarsch der sowjetischen Truppen in Ungarn mußte er sich in die US-amerikanische Botschaft in Budapest flüchten. Dort blieb er bis 1971.

Mit der Zeit erwies sich Kardinal Mindszenty als Hindernis für die damalige Ostpolitik der vatikanischen Diplomatie. Lange widerstand er Aufforderungen aus Rom, als Erzbischof von Budapest zu resignieren und das Land zu verlassen. 1971 mußte er schließlich nachgeben. Daraufhin ernannte der Vatikan einen dem Regime angenehmeren Nachfolger.
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4 Lesermeinungen:
Montag, 14. März 2005 11:21
mrnka: Maulürfe
Früher wurde die Kirche von außen bedroht – Seit gut hundert Jahren sitzt der Feind im Zentrum. Alle Verschörungstheorien treffen den Kern der Sache.
Freitag, 4. März 2005 17:32
GerdEric: „Kommunisten“ und „Roter Drache“
PhilippNeri: Die umgekehrte Sichtweise ist geboten. Subversive Elemente, ob Freimaurer, Kommunisten oder Spitzel (letzlich besteht da kein großer Unterschied) haben die Verwirrungen in der nachkonzliaren Ära erst ermöglicht; und das durch jahrzehntelange Unterwanderung.

Ach,
Faschisten,
Nationalsozialisten und andere „Volksschädlinge“ und Gotteslästerer,
die nicht?

Athanasius: Und so fliegt der „Rote Drache“ der Offenbarung des hl. Johannes, noch immer frei herum im Tempel Gottes, wie die anderen Abominationen.

„Roter Drache“?
Tragen Kardinäle nicht Rot…
Freitag, 4. März 2005 13:37
PhilippNeri: Nicht verwunderlich
Spätestens seit dem 2. Vatikanischen Konzil – eigentlich bereits schon früher, bei der Reform der Osternacht durch Pius XII. – waren Leute im Spiel, deren Bestreben mit Sicherheit nicht die Förderung der Kirche war.
So lächerlich Verschwörungstheorien auch oft klingen mögen; ganz von der Hand zu weisen sind sie leider nicht. Es sei hier nur auf Msgr. Bugnini verwiesen, der nachweislich Freimaurer war.
Es wäre allerdings falsch, das allein als Folge des Konzils zu sehen. Die umgekehrte Sichtweise ist geboten. Subversive Elemente, ob Freimaurer, Kommunisten oder Spitzel (letzlich besteht da kein großer Unterschied) haben die Verwirrungen in der nachkonzliaren Ära erst ermöglicht; und das durch jahrzehntelange Unterwanderung.
Da fallen die Kräfte in Rom mE mehr ins Gewicht als Kirchenfürsten in kommunistischen Ländern, über deren Motivation zur Zusammenarbeit mit den Machthabern wohl nur spekuliert werden kann.
Es ist dringend geboten, sich konsequent von allen kirchenfeindlichen Priestern zu trennen: zur Rettung der Kirche und des Papsttums!
Freitag, 4. März 2005 12:35
Athanasius: Seit Papst Paul VI.
werden vom Vatikan rote Marionetten toleriert, ja im Rahmen der neuen „Ostpolitik“ ernannt in verschiedenste hohe Aemter der hl. Kirche.

Diese Haltung und diese politische Diplomatie zeigen ein deutlicher Bruch mit den kirchlichen Verurteilung des Kommunismus in „Divini Redemptoris“, der anti-Kommunistischen Politik des grossen Pastor Angelicus, Papst Pius XII., und der Mannhaftigkeit der treuen Kardinäle Mindzenty, Wyczinski sowie der früheren geheimen Bischöfe der DDR z.B., auf.
Nicht nur das, sondern auch Verrat an den treuen Katholiken hinter dem Eisernen Vorhang!

Es soll uns nicht verwundern, daß jetzt diese Informationen und Skandale auskommen. Sei es auch, daß Johannes-Paul II. die Ostpolitik hat versuchen zu ändern mit Unterstützung von Solidanosc, aber wesentlich entschied über die Vatikan-UssR-Politik Kardinal Sodano mit anderen, wodurch es nur im publiken Bereich eine Aenderung gab.

Erinnern wir uns, dass am Zweiten Vatikanischen Konzil, anstatt eine gefragte (in Fatimá) Verurteilung des Kommunismus, eine Delegation von „orthodoxen Beobachter“ aus der Sovjet-Union kam, mit unter ihnen viele Russischen Kommunisten.

Und so fliegt der „Rote Drache“ der Offenbarung des hl. Johannes, noch immer frei herum im Tempel Gottes, wie die anderen Abominationen. Je länger, desto mehr, denke ich, dass das Klagen des Papstes Paul VI., dass „der Rauch Satans irgendwie in den Tempel Gottes eingedrungen ist“ (1973), sogar noch ein Understatement war.

Und lass uns mit den Bischofskonferenzen singen:
Welch ein herrlicher Frühling des Konzils, welch ein Neues Pfingsten für die Kirche!
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