Amtsenthebung
Kämpfen bis zum Untergang
Der in der Erzdiözese Köln abgesetzte Pfarrer ist fest entschlossen, ohne Rücksicht auf Verluste mit dem Kopf durch die Wand zu gehen.
Das Erzbistum Köln mußte einen widerspenstigen Pfarrer amtsentheben.
Das Erzbistum Köln mußte einen widerspenstigen Pfarrer amtsentheben.
(kreuz.net) Der am vergangenen Freitag abgesetzte Pfarrer von Meckenheim, Hw. Michael Jung (42), widersetzt sich seinem Erzbischof und weigert sich, seine Gemeinde zu verlassen.

Grund für die Amtsenthebung: Pfarrer Jung hatte unter anderem eine Visitation des Kölner Weihbischofs in seiner Gemeinde verweigert, seine Mitarbeiter zur Illoyalität aufgerufen und die Zusammenlegung der Pfarreien in der Erzdiözese Köln nicht mitgetragen.

Nach der Amtsenthebung am Freitag hätte der Priester die Schlüssel des Pfarrhauses an den Kreisdekan und Pfarrverweser, Monsignore Bernhard Auel, übergeben sollen.

Doch Hw. Jung weigerte sich. Deshalb holte Monsignore Auel die Polizei. Um Aufsehen zu vermeiden, kamen die Beamten nach Angaben der Bonner Polizei in Zivil.

Sie sondierten die Lage und kamen zu dem Schluß, ohne richterlichen Beschluß nicht eingreifen zu können. Der Kreisdechant mußte unverrichteter Dinge abziehen.

Einstweilige Verfügung

Am Samstag erwirkte Hw. Jung dann beim Amtsgericht Rheinbach eine Einstweilige Verfügung. Sie verbot dem Erzbistum, in der Gemeinde eine Erklärung zu verlesen, mit der die Amtsenthebung begründet worden wäre.

So zelebrierte Hw. Jung auch am Sonntag nach seiner Amtsenthebung die Heiligen Messen im Meckenheimer Seelsorgebereich.

„Ich bin und bleibe rechtmäßiger Pfarrer in Meckenheim“- behauptete er am Tag danach.

Vor den Kameras des ‘Westdeutschen Rundfunks’ erklärte der widerspenstige Priester, daß er kein Gericht anerkennen könne, in dem der Erzbischof in der ersten Instanz Kläger, Richter und wieder Berufungsinstanz in einem sei.

Der Erzbischof von Köln ist arbeitsrechtlich ein normaler Vorgesetzter des Priesters und kann seinen Untergebenen – wie jeder andere Vorgesetzte – bei schweren Verfehlungen auch entlassen.

Zahlreiche Gläubige unterstützten vor der Kamera den abgesetzten Pfarrer. Eine ältere Dame meinte: „Woanders werden Kinderschänder im Amt belassen, und der soll gehen? Das verstehe ich nicht.“

Für ihre waghalsigen Behauptungen gab sie keine Beispiele.

Völlig inakzeptables und unangemessenes Verhalten

Die Erzdiözese Köln hat gegen die Einstweilige Verfügung Widerspruch eingelegt.

Laut Angaben des Erzbistums hat Hw. Jung im laufe des Konfliktes „ein völlig inakzeptables und unangemessenes Verhalten in Wort und Ton an den Tag gelegt“.

Der Priester habe sich „zu keinem Zeitpunkt in irgendeiner Weise verständig und kooperationsbereit gezeigt“.

Heute wird Hw. Jung im Generalvikariat in Köln zu einem klärenden Gespräch erwartet. Doch es ist unklar, ob er den Gesprächstermin wahrnehmen wird.

Leser ‘sic’ brachte die Sache am 15. September auf der Webseite des ‘Westdeutschen Rundfunks’ auf den Punkt:

„Wenn ich diese Dinge mit meinem Chef durchführe – zum Beispiel ein Prospekt drucken lasse, in dem ich ihm Veruntreuung von Geldern vorwerfe, nur weil er meine Sekretärin entlassen hat –, dann würde ich aus der Firma genau so rausfliegen wie dieser Pfarrer aus seiner Pfarrstelle.“
      
19 Lesermeinungen
Sie haben eine Meinung zu diesem Artikel? Dann verfassen Sie einen Beitrag. Bleiben Sie in Ihrem Kommentar sachlich und bemühen Sie sich um eine erträgliche Diskussionsatmosphäre. Bedenken Sie, daß Ihr Beitrag noch über Jahre hinweg abrufbar und durch Suchmaschinen im Internet auffindbar ist.
Die Redaktion übernimmt keine Verantwortung für den Inhalt der Leserbeiträge. Sie behält sich das Recht vor, Beiträge zu löschen oder Leser aus der Debatte auszuschließen.
Kommentar schreiben
#24   Jesuit †   00:09:41 | Freitag, 19. September 2008
Zur guten Nacht!
Von guten Mächten wunderbar geborgen,
erwarten wir getrost, was kommen mag.
Gott ist mit uns am Abend und am Morgen
und ganz gewiß an jedem neuen Tag!
Redaktion benachrichtigen
#20   Jesuit †   18:17:58 | Mittwoch, 17. September 2008
Ist ja wirklich
lustig. Soll ich dir einen Exorzisten schicken?
Redaktion benachrichtigen
#18   joberens   10:38:23 | Mittwoch, 17. September 2008
Gebet
Villeicht eine Gebet für die Abschaffung des unsinnigen Gehorsamseindes.
Josef Berens
(alseinfacher, denkender Katholik)
Redaktion benachrichtigen
#17   Amanda   22:19:35 | Dienstag, 16. September 2008
@clarissa colonia
Ja, gute Erfahrungen habe ich auch mit der Novene der Schwester Faustina zur Göttlichen Barmherzigkeit gemacht. Gebet wirkt immer! :)3
Redaktion benachrichtigen
#16   clarissa colonia   22:15:50 | Dienstag, 16. September 2008
Werte Amanda,
es böte sich auch das Gebet einer Novene um die Gaben des Hl. Geistes für den betreffenden Leser an; Beten soll wirken, sagte man mir.
Redaktion benachrichtigen
#15   Amanda   22:06:06 | Dienstag, 16. September 2008
@joberens
Möge Ihnen ganz schnell die Gnade einer umfassenden Erleuchtung zuteil werden, auf dass Sie nicht mehr solch entsetzlichen Unsinn verzapfen…
:-! >:)
Redaktion benachrichtigen
#14   joberens   22:03:19 | Dienstag, 16. September 2008
Gehorsamseid – Teufelswerk?
Das ist ja ganz geschickt und raffiniert geregelt. Der Bischof muß dem Papst gegenüber, und der Priester dem Bischof gegenüber einen Gehorsamseid leisten. So wird das persönliche Gewissen der Bischöfe und auch das der Priester praktisch außer Betrieb gesetzt, daß Rückgrad des ganzen Klerus gebrochen und eine wohl kaum Gott gewollte Alleinherrschaft hergestellt und praktiziert.
Doch immer mehr Priester denken selbst, durchblicken das Spiel und nehmen den ihnen aufgedrängten Gehorsamseind nicht mehr so sehr ernst. Das könnte sogar Gottes Wille und Fügung sein denn eine Diktatur mit einem Alleinherrscher hat Jesus sich doch sicherlich nicht als Nachlaß gewünscht.
Josef Berens
(als einfacher, denkender Katholik)
(Wieder etwas für den Zettel von pangelingua für den neuen Bischof)
Redaktion benachrichtigen
#13   Ratibor   19:22:19 | Dienstag, 16. September 2008
@einen einfach denkenden Katholiken
Allein schon aus dem Grunde hätte man vielleicht besser verhandelt sollen als nun zu versuchen, die Muskeln spielen zu lassen um zu zeigen, wer Herr im Haus ist.
Ich bin auch der Meinung, dass man den Korruptionsskandal bei Siemens intern hätte lösen sollen. Die beschuldigten Leute kenne ich zwar nicht, aber die Konzernspitze war mir immer schon suspekt.
Dieses harte Vorgehen gegen Leitende Mitarbeiter hat dem Ansehen des Unternehmens aber auf jeden Fall schwer geschadet.
Durch Verhandlungen hätte man ja die Mitarbeiter zu einem anderen Geschäftsstil überreden können – schließlich kann man ja gar nicht beurteilen, wer in dieser Affäre mehr recht hat.
Derartige Dinge sind auch nicht gerade werbewirksam für den doch so wichtigen Wachstumskurs an der Börse.
Redaktion benachrichtigen
#11   Amanda   18:37:29 | Dienstag, 16. September 2008
@joberens
Sehr viel werbewirksamer sind Ihre immergleichen gebetsmühlenartigen Phrasen auch nicht gerade…
Redaktion benachrichtigen
#10   joberens   17:02:16 | Dienstag, 16. September 2008
Kämpfen bis zu Untergang
Es ist schwer hier zu beurteilen, wer da mehr Recht hat. Den Priester kenne ich leider nicht. Herrn Meisner kennt man sehr wohl, leider jedoch aus nicht selten weniger guten Schlagzeilen.
Schade ist nur, daß man mit der ganzen sicherlich unsinnigen Geschichte dem Ansehen unserer kath. Kirche wieder sehr schadet.
Allein schon aus dem Grunde hätte man vielleicht besser verhandelt sollen als nun zu versuchen, die Muskeln spielen zu lassen um zu zeigen, wer Herr im Haus ist.
Derartige Dinge sind auch nicht gerade werbewirksam für den doch so dringend benötigten Priesternachwuchs.
Josef Berens
(als einfacher, denkender Katholik)
Redaktion benachrichtigen
#9   Alkuin   16:38:13 | Dienstag, 16. September 2008
@wassers
Bloß nicht in die Sauna gehen, sonst pfeift es.
Redaktion benachrichtigen
#8   SignumSalutis †   15:52:12 | Dienstag, 16. September 2008
@ landi
sicut cervus desiderat … :-| :-|
so sehnt sich meine Seele nach den Genüssen des Wasserkopfes all hier … :-(
SignSal
Redaktion benachrichtigen
#7   LandorganistII   13:59:03 | Dienstag, 16. September 2008
@wassers
Oh Allflüssiger, o^/
lassen Sie uns an Ihrem quellklaren Wissen teilhaben.
Redaktion benachrichtigen
#6   wassers   13:18:22 | Dienstag, 16. September 2008
Mut und Anerkennung
Dem Priester gebührt Respekt und Anerkennung, sich nicht dem pseudokonservativen – anders konziliaren – Erzbischof zu unterwerfen. Es gibt neben dem kanonischen Recht das göttliche Recht, mit dem dieses in Einklang zu stehen hat und die entsprechende Anwendung. Dieses scheint nach dem bisherigen Sachstand nicht der Fall zu sein.
Redaktion benachrichtigen
#5   Franz Kappes   12:52:41 | Dienstag, 16. September 2008
Illoyalität
Leider erfährt der interessierte Leser in diesem Bericht nichts über die Beweggründe des Priesters.
Gute redaktionelle Arbeit sind anders aus. >:)
Redaktion benachrichtigen
#4   Karl Murx   12:24:50 | Dienstag, 16. September 2008
Rechtlich falsche Darstellung der Redaktion
Das Bistum Köln ist eben nicht nur normaler Arbeitgeber des Priesters.
Laut Konkordatspraxis muß der Bischof zuvor ein kanonisches Amtsenthebungsverfahren anstrengen. Erst nach einem kanonischen Prozess kann ein Arbeitsgericht handeln.
Das war im Falle Goesches auch so gewesen und der Bischof hatte das Nachsehen gehabt.
Der Bischof hatte Goesche ohne kanonischen Prozess die Bezüge gestrichen und dann glatt beim Arbeitsgericht verloren. Er mußte weiter zahlen.
Redaktion benachrichtigen
#3   clarissa colonia   11:25:13 | Dienstag, 16. September 2008
Amtsenthebung ist ein Verwaltungsakt,
gegen den man zunächst auf dem Verwaltungswege bis zum eigenen Bischof Rekurs einlegen kann. Bleibt dieser erfolglos, kann der Betroffene an der Kleruskongregationeinen hierarchischen Rekurs einlegen, schließlich bei der apostolischen Signatur klagen.
Die Einlassungen des Pfarrers zeugen nicht von vertiefter Rechtskenntnis oder Beratung.
Redaktion benachrichtigen
#2   Hank   11:21:03 | Dienstag, 16. September 2008
Frage an alle
Um was geht es eigentlich bei dem Streit?
Redaktion benachrichtigen
#1   Beobachterin   11:20:08 | Dienstag, 16. September 2008
Verpflichtung zum Gehorsam gegenüber dem Bischof
Wenn ich richtig informiert bin, muß jeder Priester bei seiner Weihe auch ein Versprechen zum Gehorsam gegenüber dem Bischof zu leisten.
Was also will Michael Jung?
Redaktion benachrichtigen
Es wurden 5 Lesermeinungen von der Redaktion entfernt
Weiterlesen:
DeutschlandPiep, piep, piep? DeutschlandKölner Pfarrer seines Amtes enthoben DeutschlandBistum Erfurt stellt die Kirche unter Generalverdacht Priester vor LaisiserungNicht ganz überraschend DeutschlandEx-Gemeinde mausert sich zum Projekt DeutschlandBrutale atheistische Aggression DeutschlandDie Baukosten sind nicht absehbar DeutschlandUnverbindliche Begeisterung DeutschlandDiabolische Machtsicherung DeutschlandSchändung im Essener Dom Kardinal MeisnerPlatte Gottesdienste DeutschlandGeprägt von religiösem Infantilismus DeutschlandInteressante Dinge DeutschlandKommissarische Hochschulleitung DeutschlandEs kocht weiter
RSS Feed  •  News Ticker  •  Kontakt  •  Impressum
© CC-BY-NC-SA 2012 kreuz.net