18:20:40 | Donnerstag, 18. September 2008
Er lebt von der Dummheit der Leute, die seine Verrücktheiten ernstnehmen und ihn dafür bezahlen. Weil Dummheit weitverbreitet ist, konnte sich der Schlaumeier einen ansehnlichen Schmerbauch anfressen.
(kreuz.net) Der österreichische Schweinestecher und Körpersäfte-Fetischist
Hermann Nitsch (70) hat
sich am vergangenen Wochenende in der Stadt Neapel in Süditalien ein neues sogenanntes Museum einrichten
lassen.
Das berichtete die Webseite ‘Spiegel-Online’ am 14. September.
Im Zentrum der Museumseröffnung
stand der Magen: 2000 Liter Wein, 120 Kilogramm Büffelmozzarella, 5000 frittierte Spezialitäten und
fünfzig echte Sachertorten. Nitsch selber ist schwer übergewichtig.
In Abgrenzung zu den profillosen
Krawattenpriestern der katholischen Religion erschien Nitsch in schwarzer Kleidung, was ihm nach ‘Spiegel-Online’
„die Aura eines katholischen Geistlichen“ – vorkonziliärer Prägung – verlieh.
Das neapolitanische Museo
Nitsch ist die Privatangelegenheit einiger Spinner.
Als Nitsch im Jahr 1973 zum ersten Mal nach Neapel
kam, hatte man dort für seinen Blutwahn kein Musikgehör.
Die Polizei setzten den Tierleichenschänder
kurzerhand an die Luft.
Doch inzwischen ist auch das moderne Neapel auf den Nitsch gekommen: Aufnahmen
von blutüberströmten Nackten, ans Kreuz gebundenen Jünglingen und orgiastischem Wühlen in Tiereingeweiden
ist das Ende einer edlen Tätigkeit, die sich früher Kunst nannte.
Wo Phantasie und Kunstfertigkeit
fehlen, können nur Skandale und Geschäftssinn begeistern.
Das in Weiß gestrichene Nitsch-Museum in
Neapel „ragt aus dem wild zusammengewürfelten Häusermeer heraus wie ein Zahnimplantat aus einem maroden
Gebiß“ – kommentiert ‘Spiegel-Online’.
Insgesamt sind es 1800 Quadratmetern Ausstellungsfläche mit
Photographien, Videoaufnahmen und zahlreiche Relikten aus der Metzgerei Nitsch.
Aus Lautsprecherboxen
wird der Besucher mit von Nitsch selbstkomponierter angeblicher Ritual-Musik beschallt.
Nitschs Auftritt
in Neapel erhielt insofern eine gewisse Weite, als der italienische Akzent des Möchtegern-Metzgers nach
Angaben von ‘Spiegel-Online’ „ein wenig an den des Papstes erinnert“.
Um den Schwindel nicht zu offensichtlich
zu machen, kann man in Nitschs Fleischer-Filiale in Neapel auch Begriffe wie „Seinsmystik“, „Auferstehung“
und „Christus“ lesen.
Doch sie dienen eher der Kontrastbildung: Im Zentrum stehen die Begriffe „Fleisch“
und „Orgasmus“.
Dem dummen Besucher wird auch das Nitsch-Vokabular vorgestellt:
Brot und Wein stehen
für die Liebe. Gezuckertes Ziegenblut und heiße Tinte dagegen stehen für die Geschmacks- und Geruchsmotive
des Todes.
Wofür stehen die fünfzig Sachertorten?
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